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ihm einen Badeheller, der denselben Sinn hatte wie jetzt das Wort „Trinkgeld". Ja, wie man jetzt Karten spielt um ein Glas Bier, so spielte man damals um Bezahlung des Bades. (Schulz, Häusliches Leben im Mittelalter.)
Auch in „Salchenmünster", welches i. J. 1320 auf das Ersuchen des Fuldaer Fürstabtes Heinrich von Hohenberg vom Kaiser Ludwig zur Stadt erhoben worden war mit den gleichen Privilegien wie Frankfurt, Gelnhausen, Wetzlar und Friedberg, befand sich zur Zeit des Mittelalters ein Badehaus oder eine Badestube (domus sive stuba balnealis). Jener große Wohltäter Salmunsters schenkte das Haus am Vigil- tage von Jakobi, 24. Juni 1343, ,,gleich wie es an tlns und Unsere Kirche daselbst bisher gelangt war, dem Dekan und Kapitel der neuen Stiftskirche und über- trug es ihnen auf immer mit sämtlichen Gerechtsamen so daß der jeweilige Bader (balneator), der es bewohnt, samt seiner Familie von allen städtischen Accisen, Steuern und Dienstleisiungen der Bürger gänzlich befreit sein soll". Ferner verbot der Fürstabt. daß außer der Badestube noch eine zweite in der Stadt errichtet u. erbaut werde. Als Entgelt für diese wohlwollende Schenkung sollten die Salmünsterer Stiftsherren am Tage nach St. Michael für des Abtes sämtliche Vorgänger, sowie nach seinem Tode auch für ihn selbst, ein feierliches Jahrgedächtnis halten. Der Bader, welcher zugleich Bartscherer (Tonsor) war und, wie es wohl meistens der Fall war, als ChirurgdieWundheilkunstbetrieb, erhieltspäterfl 429) vom Stifte eine Zinsabgabe, die vom Burgmann Heinrich Pfeffersack in Soden gekauften Steinwegswiesen, 3 Tagewerk groß, welche darum in der Folgezeit „Scherers- wiesen" genannt wurden. (Haal’s Pfarrbuch).
Im Jahre 1461 erneuerte Fürstabt Reinhard von Fulda die Schenkung nebst den. Privilegien des Badehauses, inbent er die Donationsurkunde seines obigen Vorgängers wortgetreu abschreiben ließ. (11 rL v. 1461 im Pfarrarchiv.)
Gegen Ende des Mittelalters begann das so verbreitete Badewesen an den meisten Orten zu schwinden. Eine Hauptursache war eine gegen 1500 in Deutschland eindringende ansteckende Krankheit, für welche gerade die Badehäuser Ansteckungsherde bildeten. Wie lange die Badestube in unserem Städtchen benutzt wurde, ist nicht bekannt, jedoch geschieht in den Stiftsakten derselben noch mehrmals Erwähnung, sodaß wir imstande sind, die Lage des Gebäudes zu bestimmen. „Der Pfarrer und Kanonikus Herr Jakob Gerlach (1562— 1572 hat mit dem Gelde der Fuhrtwiese, olim die Salzbronnwiese genannt, die er versetzt hatt', die Badstuben wollen wieder bauen, ist aber nit geschehn". Allein sein spätererNachfolger,Pfarrer Laurentius Vogler „ließ im Jahre 1613 die Badstuben wieder zurichten, was in allem 4 fl. kostete". Im Jahre 1719 belehnte der Verwalter der Stiftsgüter, Melchior Auel, den JohannAdamKling„mit des Stifts Badstuben, nunmehr aber Brauhaus, so gelegen ist an Andreas Grauet und Peter Weißbecker und hinten am Wasser". Gemeint ist der Mühlbach, welcher die Stadt durchschneidet und in die Kinzig mündet. Demnach wurde das Waffer des ziemlich großen und ständig fließenden Baches zur
Bereitung der Bäder benutzt. Als im Jahre 1743 die Stadtväter die Fraoe in betreff eines städtischen Brauhauses erwogen, kam außer dem Brauhaus der Frau von Schleiffras das einstige Badehaus in Betracht. Man entschied sich für den Ankauf des ersteren, welches die Stadt später den Lehrern als Scheune einrichtete und heute noch die „Brauscyeune" genannt wird. Das fragliche Badehaus, aber bezw. das an seiner Stelle erbaute Haus, welches die Nummer 137 trägt, gehörte noch vor 50 Jahren zu den lehn- und zinsbaren Wohnhäusern des Kollegiatstiftes und ist heute Eigentum des Herrn Jakob Gundersheim.
Wir schließen mit dem Wunsche: Möge unser Städtchen Salmünster in nicht zu ferner Zukunft zur Pflege der Reinlichkeit und Gesundheit wiederum erhalten,was esvormehrals einem halbenJahrtausend bereits gehabt hat — ein öffentliches Völksbad!*)
P. Fuchs, Pastor.
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war stets die nächste Nachbarin des Rathauses und ist wohl auch nicht viel später als dieses erbaut worden. Zweifellos stand die alte Schenke sogar in Verbindung mit ihm, sodaß die Herren „Rathsverwandten" nach vollbrachtem Werke zum Wohle der Gemeinde schnellens auch auf ihr Wohl anstoßen konnten, ohne über die Straße eilen zu müssen. Möglich auch, daß der eine oder andere, wenn die Sitzung besonders heiß oder gar brenzlich wurde, sich, ein notwendig Geschäft vor- fchützend, im Hause verlor und „nebenan" neuen Mut zum Widersprechen kaufte, wo übrigens, wenn der „Rath" versammelt war, sicher auch die Kritik ihren Platz behauptete. Das Haus, das heute noch unter dem Namen „die Schenk" in Schlüchtern bekannt ist, steht erst seit dem Jahre 1781, auf seiner Stelle hat aber auch jenes alte Schenkhaus gestanden, dessen Erbauungsjahr nicht hat erforscht werden können. Zum erstenmale wird es in einem Gerichtsprotokolle vom 25. Februar 1580 genannt, nach welchem Kaspar Schönbub und Cyriax Kircher gerügt wurden, weil sie sich dort „gerauft und geschlagen" hatten. Eine Notiz im Elmer Kirchenbuch vom Januar 1605 erzählt uns, daß Pfarrer Joachim Fabricius seinen Tod im angeschwollenen Elmbach fand, als er „auf Gemeiner Schenkhaus" am Tauftage seines Töchterchens „zur Bestätigung der Gevatterschaft mit seinen lieben Gevattern und erbetenen Zeugen einen ehrlichen Trunk getan. Schon war er selbst über den Steg geeilt, der nach der Obergasse führte, als er hörte, wie sein Schwager, der Metzger Valtin Becker, ins Wasser gerät; er will helfen, wird auch von der Flut fortgerissen und müssen beide ihr Leben jämmerlich lassen." Die Stadtschenke war Eigentum der Stadt und wurde alle 3, später alle 6 Jahre, an den Meistbietenden verpachtet. Der Wirt war verpflichtet, „für gutes, reines Getränk" Sorge zu tragen und vierteljährlich seinen Pachtzins zu zahlen. Im Jahre 1729 z. B. wurde der Pächter Johannes Urbach
*) Die Kreishauptstadt sollte auch nicht dahinten bleiben. Flg.