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blasen, und den Jäger Pustar, um die Reserve heran zu holen. Während ich hier allein halten blieb, ereignete sich ein komischer Zwischenfall. In einem Bäckerladen, nicht weit von mir, befanden sich einige Infanteristen, die nach mir schössen, weshalb ich mich hinter eine Ecke des Tores zurückzog. Da kam ein französischer Kavallerist, dem jugendlichen Ansehen nach ein Garde d’houneur, der wie ein Fuchs durchs Treiben rückwärts Sicherheit suchte, ohne mich zu bemerken, eilig an. Ich rückte einen Schritt vor, reichte ihm einen Hieb ins Gesicht, im Augenblick war er vom Pferde und lag am Boden. Ich meinte, ihn hart getroffen zu haben, aber schnell war er wieder auf den Beinen, sprang über einen Gartenzaun und fort war er, als ob ihn der Sturm­wind entführt. Bald kam meine Reserve heran, unter deren Schutz ich die Leute aus der Stadt zog, worauf ich den Rückzug antrat. Als ich die Höhe uno den Wald wieder erreicht hatte, zeigte sich ein Schauspiel, welches uns ungemein belustigte. Aus der Stadt drängten sich Scharen Fliehender und aus der Biwacht zahllose Wagen, welche der fort­eilenden Kolonne nachjagten. Von der Stadt, auf der Chaussee nach Schlüchtern, war vom Kirchhof ab auf eine bedeutende Strecke kein Mann zu sehen, dann aber ein paar Bataillone und etwas Kavallerie Front gegen uns aufmarschiert, und es schien, daß man einen ernsten Angriff erwartete. Endlich, nach mehr als zweistündigem Aufenthalt, kam der Marsch des Rückzugsheeres wieder in Gang. Leider hatten wir den Verlust des Leutnants v. Watter-Kroneck und zwei Mann zu beklagen, welche auf dem Platze blieben, nur vier Mann waren ver­wundet. Der Verlust des Feindes, besonders an Blessierten, kann nicht angegeben werden, war aber gewiß nicht unbedeutend. Der Aufenthalt, der den Franzosen durch diese kleine Action verursacht wurde, blieb indessen ohne weiteren Erfolg, da sie nicht, wie ich zuversichtlich voraussetzte, direet verfolgt wurden. ■ Das ganze Resultat bestand in einigen 20 Beutepferden und aus einer Mappe mit wichtigen Briefschaften. Ein Freiwilliger hatte aus der Stadt einen Reitknecht mitgebracht, der zum Dienst des Interprete du quartier general gehörte und dies Portefeuille trug. Sie enthielt, wie der Freiwillige sehr vernünftig vorausgesetzt hatte, sehr interessante Schriftstücke. Bei flüchtiger Durchsicht derselben sah ich meinen Namen; dadurch aufmerksam gemacht, las ich weiter. Es war dies die Abschrift eines Schreibens, des Domherrn von der Pfordten in dem (damals königlich sächsischen) Stift Merseburg an ^en General Berthier, worin er seine Verdienste pries, unter anderen, daß er während des Waffenstill­standes dem bei Leipzig stehenden Herzog von Padua behttlflich gewesen, die „brigants de Lützow et Colomb"3u vernichten. Auch war in den Papieren von einer Verbindung von Spionen in Berlin, Dresden usw. die Rede. Später sagte mir General Knesebeck, daß man in jenen Papieren, welche ich in das Hauptquartier des Königs geschickt hatte, wichtige Aufschlüsse gefunden habe. Jener verräterische Dom­

herr von der Pfordten soll arretiert worden sein, doch habe ich nichts Näheres über sein Schicksal erfahren.

Die Aufmerksamkeit des Feindes war nun auf diesen Punkt gerichtet, mithin nicht zu erwarten, daß hier noch eine zweite Ueberraschung möglich sei. Um unter solchen Umständen die müden Leute und Pferde ein wenig ausruhen zu lassen, begab ich mich nach Orb. In diesem Orte, der zum Groß- herzogtum Frankfurt gehörte, befindet sich eine Saline, deren Kasse um so lieber von uns auSge- leert wurde, als sie Eigentum des Herrn v. Dalberg, Fürsten-Primas, war, dem über seine Anhängigkeit an Napoleon das Interesse für sein deutsches Vater­land abhanden gekommen war. Da der Kassierer jedoch von dem Fürsten fleißig zur Ablieferung getrieben war, befanden sich nur 500 Gulden in Kassa."

Colomb zog von hier nach Hanau, wo er am 30. October dem General v. Wrede schätzenswerte Dienste leistete. Mit Auszeichnung nahm er an den weiteren Feldzüge der Jahre 1813—1815 teil und starb hochbetagt 1853 als Generalleutnant in Berlin.

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Hn aste HrSöhaöMPHetegraphSN im Hrsiss HchlüHtern ergeht die herzliche Bitte, ihre Kunst in den Dienst der Bestrebungen des Heimatbundes zu stellen.

Langsam wechselt das Bild unserer Städte und Dörfer, ständig ändert sich auch das Bild unserer Landschaft, leider nicht zu ihrem Vorteil. Neu- und Umbauten, Straßendurchbrüche, Wasserregulierungen u. a. m. bringen es mit sich, daß das Alte fallen muß. Oft mag es einen künstlerischen Wert nicht besitzen, einen geschicytlichen hat es auf jeden Fall. Der Axt und der Schere fallen mehr und mehr die Reste unserer intimen landschaftlichen Reize zum Opfer. An allen Hohlwegen, Böschungen und Wasser­läufen standen vordem die herrlichsten Baumgruppen und wilde Hecken, auf den Triften prächtige Baum­riesen.') Recht wenig ist von diesen Schönheiten noch erhalten und dieses wenige wird dank der Kurzsichtig­keit ihrer Besitzer auch bald verschwinden. Hier ist es gerade der Liebhaberphotograph, der mithelfen kann, den Sinn für diese Naturschönheiten zu wecken oder zu erhalten, der Bilder aus Stadt und Land festhalten kann, um sie unseren Nachfahren zu überliefern.

Den Freunden der Lichtbildkunst möchte ich des­halb den Vorschlag machen, von ihren in Frage kommenden Aufnahmen je einen Abzug auf Karten dem Heimatbunde zur Verfügung zu stellen. Es ist nicht nötig, daß jede Aufnahme künstlerisch und technisch vollendet ist, als Urkunde hat jede Aufnahme einen Wert für spätere Generationen, deshalb hüte man sich auch, für unsere Zwecke durch Einkopieren von Staffage dem Bilde eine besondere Wirkung geben

0 Auch an dein Mühlgraben zwischen Schlüchtern und Nieder- zell hat man vor einigen Wochen wieder gehörig „rasiert". F