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als die Sache der Protestanten durch die Siege Gustav Adolfs eine ganz andere Wendung bekam, in Schlüchtern eine Revolte ausbrach und man mit Hilfe des Grafen von Hanau die Würzburger wieder vertrieb. In der Richtung der Rückzugslinie nach Würzburg liegt aber jenes Plateau; es wäre daher natürlich gewesen, daß die Truppen des Bischofs, als sie aus Schlüchtern vertrieben waren, die Straße BrückenauHammelburg Würzburg zu gewinnen suchten; nicht unmöglich wäre es weiter, daß die Würzburger von den Remittiern verfolgt, dort festgehalten worden wären und es zu einem Zusammenstoß auf jener Höhe gekommen sein könnte.

Ich spreche hier nur von Möglichkeiten: Beweise für das eine oder das andere stnd nicht aufzustellen, und wird dieser Fall immer unaufgeklärt bleiben Eine kleine Abteilung der bischöflichen Truppen hatte sich nach der Vertreibung aus Schlüchtern in den befestigten Brandenstein geflüchtet, die man aber, da sie sich ruhig verhielt, dort bis zum Friedensschluß gewähren ließ. Diese Burg Brandenstein liegt auf einer steilen Höhe, eine halbe Meile nördlich von Schlüchtern über dem Torfe Elm und war seinerzeit im Besitze einer gleichnamigen Familie, die aber schon im 14. Jahr­hundert ausstarb. Die Burg fiel darauf an den Lehnsherrn, den Bischof von Würzburg, zurück. Nach­dem sie daraus häufiger die Inhaber gewechselt hatte, wurde sie Eigentum der v. Eberstein, die aber im Jahre 1542 ebenfalls ausstarben, und so der Besitz an die damaligen Lehnsherren, die Grafen v. Hanau zurückging. Diese verkauften im Jahre 1719 Schloß und Gericht für 100 000 Gulden an den Landgrafen von Hessen. So wurde der Brandenstein mit einer nicht unbedeutenden Feldflur später Staatsdomäne. Neuerdings nun ist er an den Schwiegersohn des Grafen Zeppelin, mit Namen von Brandenstein, aus einem altpreußischen Geschlecht, käuflich abgetreten.

Schließlich bemerke ich, daß jener vielbesprochene Höhenzug der Ort der letzten Mahlstätten des dortigen Gerichtssprengels war, als deren letzte Richter die von Hütten und Küchenmeister anzusehen sind.

Diese Aufzeichnungen sind geschehen für den Verein für Volkskunde, aber diktiert wurden sie von dem Heimat- gefühl, das ich nicht überwunden habe und auch nicht vergessen will, und so schließe ich meinen Vertrag mit nachfolgendem kleinen Gedichte:

Nach dem hohen Berg hinauf

Lenkt' ich meine Schritte,

Hei, wie ging das Herz mir auf In der Buchen Mitte-

Wo die Höhen grün umlaubt

Vor dem Blick sich breiten,

Sinnend denkt mein kahles Haupt

Längst vergangener Zeiten.

Da der Knab' au Hoffnung reich,

Grüßre Tal und Hügel

Und das Schicksal allsogleich

Zog die harten Zügel.

Die Tierwelt unsrer Heimat

Von Pfarrer S eyb-Elm.

III.

Die Goldamsel oder der Pirol zeigt sich bei uns selten als Standvogel In den Kirschwäldern bei Frankfurt läßt er seinen RufBülow" ertönen und kommt erst Mitte Mai nach den Eisheiligen. Als wärmebedürftiger Vogel scheint er trockenes Weinklima und Kirschengenuß anderen Reizen vorzuziehen. Aber eine wertvolle Amselart, die das Unterland nicht kennt, lebt in unsrem Kreis: Die Wasseramsel. Ihren eigenartigen Gesang läßt sie sogar im Winter an dem von Gundhelm kommenden Schwarzbach ertönen. Diese Vogelart, von welcher Herr Kolb in Elm ein gelähmtes Exemplar am Wasserfall bei seinem Hause fand und dessen Rest Herr Mühlenarzt Müller in den Steinen unter einem Wasserfall vor seiner Mühle ent­deckte, ist einKleinod unsrerHeimat u. verdient weitgchendsteSchonung.

Am Elmbach und an der Kinzig lebt auch im Winter der prächtige Eisvogel, der im Flug wie ein glitzernder Smaragd aussieht. Er baut sein Nest aus Fischgräten in Uferhöhlen meist in der Nähe der Wehre an. Wenn vorhin Amsel und Drossel erwähnt wurden, dürfen auch Fink und Star nicht vergessen werden. Unsrem Starmatz ist es eigentümlich, daß er nicht in der Ebene, sondern lieber in bergigen Landschaften nistet und daß er während der letzten Winter kein Strichvogel war, sondern bei uns blieb. Die schon an warmen Februartagen trillernde Feldlerchc ist allgemein bekannt und beliebt. Uns erfreut auch die Heidelerche mit ihrem frühen Gesang. Schon vor 2 Uhr nachts läßt sie ihre Flötentöne erschallen. Sie ist hier schon mit der Nachtigall verwechselt worden.

Im Schloßpark zu Meerholz hat die Nachtigall 1892 Ver­suche zum Nisten gemacht. In unsrem Kreis würden die An­lagen des Bades Soden die klimatischen Vorbedingungen für ihre Existenz bieten können. Distelfink und Buchfink, Grasmücken, Hänflinge und Dompfaffen sind häufiger als in der Mainebene. Die Dompfaffen schaden oft, wie im vorigen Frühjahr bei Ram- Holz, durch Abpicken der Baumknospen. Trotzdem wird nie­mand gern den zutraulichen Vogel wegschießen, von dem der Dichter sagt: .Der Gimpel int Geäste zeigt stolz die rote Weste". Die Meisenarten sieht man stets in emsiger Bewegung, oft mit dem Kopf noch unten Insektenlarven suchend. Bei ihrer Ge- wandthnt und Schlauheit fallen diese nützlichsten Vögel glück­licherweise selten den Katzen zum Opfer. Man soll aber auch die Höhlenbrüter durch unter die Mstplätze gelegte Dornen vor Katzen und Wieseln zn schützen suchen. Der Ramholzer Park ist reich an wertvollen Singvögeln und im Ramholzer Pfarr­garten sangen vorigen Mai Schwarzplättchen (Mönchsgrasmücken!, nächst der Nachtigall der beste deutsche Sänger. Alle im Kreis nistenden Vögel aufzuzählen, wird säum möglich sein. Erwähnt man nur das Wichtigste und in die Augen Springende, so wächst die Fülle des Stoffs ins Große. Von unsren Singvögeln seien nur noch die beiden Zwerge erwähnt: Zaunkönig und Gold- bähnchen. Letzteres lebt in Nadelwäldern, ersterer bei den Dörfern überall nicht selten.

Wer den Zaunkönig zum erstenmal hört, ist erstaunt über den starken Gesang, den das mausartige winzige Tierchen erschallen läßt, giltst in Zäunen, an die er der Sage nach gebannt ist, sondern vom Dach herunter fingt der Vogel auch im Winter laut und unverdrossen. Sieht man dazu sein mun­teres Gebahren und das keck aufwärts wippende Schwänzchen, so kann auch der trübseligste Mensch in Eis und Schnee zum Lachen umgestimmt werden. Gerade denjenigen Vögeln, welche uns im Winter treu bleiben, sollte man Nistgelegenheit schaffen und sie nicht im Brutgeschäft stören. Pfui der Schande, wenn halberwachsene Burschen, an der Straße lungernd, von Baum zu Baum spähend, suchen, wo sie ein Nestchen zerstören und die E'erchen austrinken können! Nicht überall nützen Vogelschutz- gesetze, wenn nicht das edlere Gefühl im Menschen wachgernsen und an das Gewissen appelliert wird. Aus der Ordnung der Watvögel sei noch ein Vogel erwähnt: der Wiesenknarrer oder der Ralle.Welcher Riesensrosch schreit denn hier? fragt man sich in unsrer an Fröschen armen Gegend, wenn man diesen im Gras versteckten Vogel knarren hört. Man geht auf die Stelle zu und - anstatt eines aufhüpfcndcn Riesenfrosches huscht ein Vogel davon. Der Knarre: begiebt sich nach der Heuernte in Getreidefelder, läuft ungemein schnell und sitzt so fest auf den