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ihrer Vorgängerinnen hier der Gerichtsplatz des Dorfes, die Mahl- oder Thingstütte, befand. Hier wurde auch Leid und Freud der Dorfbewohner beredet- — Das Gedächtnis daran lebt in den alten Dorflinden weiter und sie sind stolz auf ihre Vergangenheit. Ja, sie sind heilige Bäume, und auch Linden haben ihre Schicksale.
Die Klickusberge und ihre Umgebung in Sage und Geschichte.
Bortrag des Bibliotheksekretärs W. Jacobi im Vereine für hessische Volkskunde und Mundartensorschung zu Cassel am 26. Januar 1910.
(Schluß).
Unweit dieser Schlangenbuche ist der Ort, wo einst das Dorf Rommertsbrunn gestanden und nach dem der Waldort seinen Namen bekommen hat. In einer Urkunde aus bem Jahre 1309 ist es Ramundesburne genannt, später Ramholzborn, offenbar nach dem Dorfe am Fuße des Steckelbergs, der Stammburg Ulrichs von Hütten. Auch Landau nennt es so, obwohl dazumal beim Volke die Bezeichnung Rommertsbrunn schon gebräuchlich war. Die Bestimmung, daß die -Forstortsbezeichnungen so in die Karten eingetragen werden sollen, wie sie volkstümlich sind, hat auch hier Platz gegriffen, und so ist die Bezeichnung Rommertsbrunn jetzt allgemein gebräuchlich geworden. Die Annahme, daß das Dorf durch die Zerstörungswut des 30jährigen Krieges verschwunden sei, ist nicht ganz zurückzuweisen, zumal, wie wir-sogleich sehen werden, in seiner Nähe und zu jener Zeit Kämpfe stattgefunden haben, so haben auch Schwarzenfels und Oberzell durch den Krieg viel- zu leiden gehabt, doch ist man im allgemeinen geneigt, alle zerstörten oder verlassenen Ortschaften auf das Konto des 30jährigen Kriegs zu schreiben, wiewohl dieses durchaus falsch ist. Die Zerstörung der wüsten Ortschaften, wie Landau sie nennt, ist in Hessen älteren Datums, sie rühren her aus der Zeit des Faustrechtes und der Ritterfehden Die Ansiedelungen wurden auch von den Bewohnern häufig verlassen aus Furcht vor den Freibeutern unb Wegelagerrern ; sie ließen sich in Städten nieder oder stellten sich unter den Schutz einer kirchlichen Macht — unter dem Krummstab ist gut wohnen. Die Bewohner der Ansiedelungen in den Gebirgen dagegen lagen in stetem Kampfe mit Wild und Wetter. Ersteres wurde im Uebermaß gehegt und durch Gesetze geschützt, die selbst ein Drakon niederzuschreiben sich gescheut haben würde. Diese Gebirgsbewohner verließen daher ebensalls häufig ihre Wohn- stätten, um sich an erträglicheren Orten niederzulassen. Das letztere kann auch hier vorliegen, wie bei den übrigen zahlreichen Wüstungen der dortigen Gegend.
Ueber kriegerische Vorgänge, die sich auf jener Höhe abgespielt, ist uns von der Geschichte nichts überliefert und doch haben auf ihrem Plateau zweifellos ernste Kämpfe stattgefunden, denn bei seinen forstlichen Arbeiten fand Herr Hegemeister Strott in der Erde eine abgebrochene Säbelspitze, einen Teil eines Gewehrschlosses und einen Anschnallsporn, außerdem wurde
früher bei einer gleichen Arbeit ein sog. Radschloß, ebenfalls Gewehrschloß, dort gefunden und an meinen Vater abgeliefert, das vermöge seiner Konstruktion als Radschloß darauf schließen läßt, daß jene Kämpfe zur Zeit des 30jäbrigen Kriegs stattgefunden haben, denn kurz nach demselben erschienen schon die Feuersteinschlösser mit Hahnvorrichtung. Sollte man indessen dennoch jene Kämpfe in eine spätere Zeit verlegen wollen, so könnte hier nur der Rückzug Napoleon I. nach Leipzig in Erwägung gezogen werden, doch berichtet uns die Geschichte ausführlich, daß Napoleon in höriger Gegend keinen Widerstand fand; erst bei Hanau würbe er aufgehalten. Seine in Schlüchtern am Abend des 26. Oktober geäußerten Befürchtungen wegen eines früheren Angriffs, besonders seine Sorge um den Engpaß bei Aufenau, machte Wrede durch seine Aufstellung bei Hanau illusorisch, wofür ihm der Lohn von Napoleon prompt ausgezahlt wurde.
Während des 30jährigen Krieges war nun aber gerade das Kinzigtal durch das Kriegsvolk schwer heimgesucht, so wurde Schlüchtern verschiedene Male geplündert und angezündet, die Einwohner flohen in die Wälder, nur das nackte Leben rettend. Auch Gustav Adolf selbst durchzog das Kinzigtal, nachdem er längere Zeit bei einem Grafen Rüdigheim am Main gewohnt hatte. Pastor Feylinger in Elm, der zu dieser Zeit gelebt, schrieb in das dortige Kirchenbuch, daß sonderlich zu Anfang der 1620er Jahre zahlreiche Heeres- körper von 1000 Mann und darüber die Straße über Elm und den Distelrasen maskiert seien, ohne Schlüchtern zu berühren, außerdem habe eine Abteilung spanischer Truppen, novum genus humanum et monströs um, wie der Pfarrer sie bezeichnet, auch die krätzigen Spanier genannt, lange Zeit in Gundhelm sich aufgehalten.
Nach dem Mitgeteilten wäre es nun wohl möglich, daß eine Begegnung der kriegführenden Parteien auf jener Höhe stattgefunden haben könnte. Ein den dortigen Wald durchquerender Erdaufwurf wurde die Schwedenschanze genannt, doch gibt auch dieses keinen sicheren Beweis, da man doch häufig alte Landwehren als Schwedenschanze noch heute bezeichnet.
Ein anderes geschichtliches Ereignis bietet jedoch in dieser Beziehung dieselben, vielleicht noch größere Möglichkeiten. Das Kloster Schlüchtern njit seiner umliegenden Landschaft gehörte bis Mitte des 14. Jahrhunderts zum Bistum Würzburg, erst von da ab kam es in den Besitz des Grafen von Hanau. Während des 30jährigen Krieges, als durch die Siege Wallensteins und Tillps die Sache der Protestanten schier verloren schien, erinnerte sich der Bischof von Würzburg, Echter von Mespelbrunn, jenes Besitzes und nahm mit Recht an, daß jetzt die Zeit gekommen sei, die vermeintlichen Rechte auf Schlüchtern mit Erfolg geltend zu machen, weshalb er beim Kaiser ans Herausgabe des Klostergutes klagte. Es wurde daraufhin zu seinen Gunsten entschieden und bie'©rasen von Hanau mußten das feit 300 Jahre Besessene wieder herausgeben. Alsbald wurde mit der Gegenreformation begonnen, doch hatte die vom Abte Lotichius eingeführte Reformation schon so tief Wurzel gefaßt, daß,