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zuspüren.; doch wie er sich auch bemühte, die Schlange war nirgends anzutreffen. Erst am dritten Tage war es dem Jäger vergönnt, sie in den Aesten eines Baumes wiederzuschen, von wo aus die Schlange, die ihr drohende Gefahr - alsbald erkennend, augenblicklich verschwand. Auf dem Heimweg hatte Lins noch einmal Gelegenheit, sie zu beobachten, als sie ihrem Stämmquatier, dem Stoppelsberg, in geschickten Windungen zueilte. Am vierten Tage, schon bei Tagesanbruch, machte Lins sich auf, dem seltenen Wilde nach- zugehen. In Forstort Buchhof in der Nähe der alten Stelle angekommen, beobachtete er jeden Baum, jeden Strauch mit der größten Vorsicht. Schon glaubte er, daß er auch diesmal wieder vergeblich gegangen sei, als er plötzlich über sich das auffallende Fauchen eines erschreckten Eichhörnchens hörte. Aufmerksam beobachtete hierauf der Waidmann die um ihn stehenden Bäume, als er endlich die Schlange auf einem langen, etwas herabhängenden Äste ausgestreckt erblickte, nur ihr Schwanz war um einen oberen Ast gewunden. Der Kopf naw bem Jäger gerichtet, schien sie einen Verdauungsschlaf zu halten Der durch den Anblick der Schlange in außerordentliche Aufregung versetzte Jäger war wie festgebannt, sein Atem stockte, seine Beine zitterten, denn in solcher Nähe hatte er die Schlange noch nicht gesehen. Erst nach geraumer Zeit war es ihm möglich, sich zu beruhigen und seine Büchse zum Schusse fertig zu machen. Langsam führte er die Waffe nach dem Kopfe, zielte genau und drückte ab — der Schuß knallte, ein Krachen in den Zweigen erfolgte. Durcy letzteres erschreckt, auch im Wahne, die Schlange gefehlt zu haben und von ihr verfolgt zu werden, eilte LinS in verzweifelten Sprüngen von dapnen; in seiner Wohnung angekommen, stürzte er besinnungslos nieder. Zwar gelang es, ihn wieder ins Leben zurückzurufen, doch die Kraft des alternden Mannes war gebrochen: einige Tage nachher war er dem Schrecken und der Aufregung erlegen (am Nerven- fieber). Im Kirchenbuch der Gemeinde Mottgers finden wir folgenden Eintrag: „Den 22. April 1714 ist Melchior Lins, Forstläufer in Weichersbach, 66 Jahre alt, begraben worden."
Nachdem sich Lins von seiner Ohnmacht erholt hatte, erzählte er den Vorgang mit der Schlange im Buchhof. Einige beherzte Männer machten sich auf, diese aufzusuchen. Sie fanden sie an der Stelle, wo sie geschossen war; sie soll noch nicht verendet gewesen sein, sondern noch mit dem Schweife geschlagen haben. Das letztere ist durchaus nicht unwahrscheinlich, da die Kugel nicht, wie in der Chronik steht, den Kopf getroffen hatte, sondern etwa '/s Meter hinter diesem durch den Leib gegangen war, wie solches die Haut im Naturalienmuseum deutlich zeigt. Die Schlange wurde nach Schwarzenfels gebracht, dort enthäutet und die Haut vom vom dortigen Zeugförster dem Museum in Cassel übersandt.
Auf welche Weise die Schlange in jene Gegend gekommen war, darüber ist nichts bekannt. Unmöglich ist es nicht, daß sie aus einer Menagerie entkommen, wahrscheinlich aber, daß das Tier einem jener Gaukler entwichen war, die dazumal häufig das Land durchzogen.
Die Büchse, womit die Schlange erlegt wurde, ist lange Zeit in der Familie Lins als Andenken aufbe- wahrt worden, auch ließ diese eine Schlange aus Messing am Schafte einlegen. Im Jahre 1843 kaufte sie der in Felsberg verstorbene Forstmeister Faber; sie ist jetzt im Besitze'seines Sohnes, des Herrn Medizinal- rates Faber in Rotenburg. An Stelle der alten Schlangenbuche, die abgestorben und zusammengebrochen war, ist eine andere entstanden, die sicy jetzi schon durch ihren Umfang von dem übrigen Bestände unterscheidet. (Fortsetzung solgt.)
Krümerunuen aus &e« Brieaszeit mo—n "
Vor 40 Jahren! Lang, lang’ ift'S her. -- Wir sehen auf ein Menschenalter zurück, nnd nur bie Erinnerung ist geblieben; aber jeder, der die große Zeit mit erlebte, hat sein Gedenken daran treu bewahrt.
Ich war damals noch ein Kind, aber voller Begeisterung für alle Nachrichten, welche vom Kriegsschauplatz einliefen. Mein Vater war der Landrat Wolfs von Gudenberg. Er erhielt immer zuerst alle Siegesdepeschen und wie ein Wunder häuften sie sich Schlag auf Schlag. Voller Stolz heftete ich diese Nachrichten an unsere Haus'üre und dann bekam der Direktor des Seminars eine Abschrift davon. Bei jeder größeren Siegesnachricht erhielten wir schulfrei, das gefiel uns Kindern natürlich ganz besonders gut. Da war stets ein Jubel im Städtchen; ein jeder fühlte mit, und die Menschen kamen sich näher. Kaum einer versagte es sich, sein Scherstein beizutragen, um unseren tapferen Soldaten ihr Los zu erleichtern. Aus Stadt und Land kamen ganze Päcke Kleidungsstücke und alles Leinen. Meine Mutter — als Vorsitzende des Frauenvereins — sorgte dafür, daß die Sachen erst gereinigt wurden, dies geschah in großen Waschkesseln, und auf dem Rasen bleichten. Wir Landratskinder halfen fleißig Charpie zupfen, auch die Schuljugend beteiligte sich daran. Für heutige Hygiene gewiß eine sehr unvollkommene Art, Verbandsstoffe herzustellen, wenn man bedenkt, daß die ganze Arbeit des Charpiezupsens von Kinderhänden auf nicht sehr sauberen Schulbänken ausgeführt wurde.
Bei größeren Siegesnachrichten wurden die Häuser geschmückt und illuminiert. Besonders erinnere ich mich der Ausschmückung unseres Hauses anläßlich des Friedensfestcs. Meine Mutter scheute keine Mühe, und wir Kinder halfen tapfer mit, Guirlanden zu winden. Diese wurden in ungeheueren Mengen angefertigt und zwar besorgte dies mit größter Geschicklichkeit unsere liebe, unvergeßliche Frau Müller-Wankel, welcher ich hierbei voller Liebe gedenke, hat sie doch Generationen unseres Hauses in Leid und Freud mit größter Anhänglichkeit treu zur Seite gestanden. Vor dem geschmückten Hause stand eine Reihe Tannenbäume, und in den beiden offenen Haustüren waren Gruppen von Tannen um die Büsten und Bilder des Kaisers und anderer Helden aufgestellt. Unzählige Lichtchen und Lampions erstrahlten, und fünf Fahnen flatterten im Wind. Auch in den kleinsten Häuschen standen ein paar Lichtchen am Fenster, jeder wollte seiner Begeisterung ein äußeres Zeichen geben. Es fehlte auch nicht an eigenartigen Inschriften auf Transparenten, z. B.:
„Hurrah, hurrah an allen Orten, Unser König ist Kaiser geworden."
„Hurrah, Ihr Brüder, Wir haben Elsaß wieder."
„Hurrah, hurrah Napoleon,
Ihr Läut, Ihr Kenn, mer honn en schon."
An einem Hause hatte man als patriotischen Schmuck die eigenen Familienbilder ausgehängt und da die etwas eigenartigen Gesichter sehr naturgetreu getroffen waren, so wurden ihnen von der freudig gestimmten Menge im Festzuge große Ovationen dargebracht