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der Ueberlieferung zu finden, doch hat dieselbe so viel Wahrscheinlichkeit für sich, daß man geneigt ist, sie als ein Geschehnis anzunehmen. Zweifellos ist jener Baum als ein Werkmal und nicht als ein zufälliges Ueber- bleibsel aus den früheren Beständen anzusehen. Da er aber verschiedene Umtriebe überdauert, so muß eben ein besonderer Grund gerade für die Erhaltung dieses Baumes vorgelegen haben, denn welchem Forstmann würde es einfallen, oder auch in alter Zeit eingefallen sein, eine an sich wertlose Linde ohne besonderen Grund die Umtriebszeiten überdauern zu lassen Für die Wahrheit jener Ueberlieferung spricht übrigens noch der Umstand, daß unter der Linoe, in dem Winkel zweier Wurzelausläufe, sich ein steinernes Kreuz befinde:, das mir aus meiner Kindheit noch wohl erinnerlich, wie ich mid; aber vor drei Jahren überzeugen mußte, gänzlich verschwunden war. Ich vermutete nun, daß das Kreuz durch den alljährlichen Laubabfall während der nahezu darüber hingegangenen 50 Jahre verdeckt worden und daß dasselbe bei einer Nachgrabung sich in der oberen Erdschicht wohl wieder finden werde Ich rief daher einen zufällig an der Weinstraße beschäftigter Arbeiter heran und bat ihn, an der von mir bezeichneten Stelle nachzugraben. Zweifelnd folgte er meinem Begehren, doch wie groß war sein Erstaunen, als er schon nach wenigen Hackenschlägen auf die Spitze des Kreuzes stieß. Da ich mich jedoch auf Staatsforstgrund befand und mir kein Recht zustand, eigenmächtig Untersuchungen anzustellen, ließ ich das Kreuz zuwerfen, kam aber nach meiner Rückkunft nach Cassel bei Kgl Regieruug darum ein, dasselbe heben und ihm die alte Stellung wiedergeben zu dürfen. Das Gesuch wurde genehmigt und Herr Forstmeister Wetzel beauftragt, bei der Ausgrabung zugegen zu sein. In Gegenwart dieses Herrn und des Herrn Hegemeisters Strott ließ ich durch zwei Forstarbeiter das Kreuz bloßlegen und herausnehmen. Es war aus Sandstein gehauen, hatte eine Höhe von ungefähr 3 Fuß; die Länge des Kreuz- und Querbalkens betrug etwas über 2 Fuß und die Dicke 7, Fuß. Auf der einen Seite zeigt dasselbe drei eingehauene Kreuze, je eins auf den beiden Teilen des Querbalkens und ein solches am Fuße des Steinkreuzes. Auf der entgegengesetzten Seite ein großes eingehauenes Kreuz. Was ich in erster Linie zu finden hoffte, eine auf die Ueberlieferung sich beziehende Inschrift oder auch nur eine Jahreszahl, hat sich nicht erfüllt.
Die eingehauenen Kreuze erinnern an die s. g. Martelkreuze, doch auch im nördlichen Deutschland war es Gebrauch, als Andenken an einen im Freien geschehenen Todesfall an dem betreffenden Orte drei Kreuze anzu- bringen. So erinnere ich mich, daß im Reinhards- wald, an der Stelle, wo einst ein Gensdarm Kraft bei einem nächtlichen Gang vom Amtsort Sabahurg nach Veckerhagen verunglückte, auf einer glattgehauenen Fläche eines Baumes drei Kreuze mit den Aufangs« bnchstaben des Namens des Verunglückten eingeschnitten sind. Die Ränder der glatten Fläche sind überwallt, aber das Eingeschnittene ist noch deutlich erkennbar. Bekanntlich ließen einige Kirchenstaaten ihre Landesgrenzsteine mit Kreuzen versehen; ein solcher Fall ist
aber hier gänzlich ausgeschlossen, denn erstens führte die Grenze der früheren Abtei Fulda nicht hier durch, sondern weit nördlicher, und zweitens ist dieses Steinkreuz viel zu klein, um als Grenzstein gedient zu haben, auch entbehrt es des unterirdischen Kolbens. Nachdem nun das gehobene Kreuz genau besichtigt war, wurde dasselbe auf eine Steinunterlage wieder eingesetzt, da aber der untere Teil zu kurz war, mußte es, um ihm einen möglichst festen Stand zu 'geben, bis an den Querbalken versenkt werden, es wird daher nach 50 Jahren dasselbe Experiment nötig sein, wenn das Vorhandensein des Kreuzes bis dahin nicht gänzlich vergessen ist Nach beendeter Arbeit begab ich mich in Begleitung des Herrn Forstmeisters Wetzel und Hegemeisters Strott nach bem Taufstein, und wurde mir dazumal zuerst klar, daß man es hier mit einem prähistorischen Grab zu tun hat
Ganz in der Nähe der Bärenlinde befindet sich eine Waldstelle, welche allgemein bezeichnet wird: An der Schlangenbuche Dort wurde im Jahre 1714 vom Jäger Lins in Weichersbach eine Boa constrictor erlegt, die sich längere Zeit in dortiger Gegend aufgehalten hat, ja sogar im s g. Schlangenritz, einer Felsspalte des an dem anderen Sinnufer gelegenen Stoppelsberg überwintert hatte. Obwohl ich schon früher über diese Erlegung im Hessischen Geschichts- verein gesprochen habe, will ich doch hier kurz das Geschehnis noch einmal mitteilen, da ich annehme, daß manche von den verehrten Anwesenden meinem damaligen Vortrage nicht beigewohnt haben
Der Katalog des hiesigen Naturalien-Museums bringt die wahrscheinlich von Museumsinspekror Lens herrührende, dem Schminckeschen Buche: „Beschreibung von Cassel" entlehnte Notiz: Nr. 58. Abgottschlange Boa constrictor. Haut eines solchen Tieres, welches bei Schwarzenfels erlegt wurde." Dies war bis dahin die einzige Erklärung, welche sich über diesen Fall vorfand. Schon lange war ich bemüht gewesen, Licht in dieses Dunkel zu bringen, jedoch vergebens, bis es endlich den eifrigen Bemühmungen des schon mehrfach genannten Herrn Hegemeisters Strott, meines treuen Mitarbeiters, gelang, dort eine alte Familienchronik aufzufinden, in der die Erlegung der Schlange eingehend beschrieben war und die mir vom Eigentümer bereitwilligst zur Verfügung gestellt wurde
Nach dieser begab sich „derwettergebräunte Waidmann" Melchior Lins (ich halte mich bei dieser Erzählung nach Möglichkeit an den Wortlaut der Chronik) an einem schönen Frühlingsmorgen des Jahres 1714 in den zu seinem Aufsichtsbezirke gehörenden Waldort Buchhof. Als er dort alles in Ordnung befunden hatte, setzte er sich in der Nähe einer Wiese nieder, sein karges Frühstück zu verzehren. Kaum; hatte er hiermit begonnen, als er vor sich im Laube eine Bewegung bemerkte, die ihm höchst auffällig erschien. Er schlich sich hinzu und erkannte nun eine in der Sonne spielende Schlange, die sich lus jetzt in seinem Reviere noch nicht gezeigt hatte. Bald hatte diese aber auch auch den Jäger bemerkt unb verschwand pfeilschnell in der nächsten Dickung. Andern Tags ging Lins wieder in den Buchhof, die Schlange auf-