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liche Sprache; es ist durch Geld nicht aufzuwiegen; hinterlasse es deinen Kindern, daß sie bei feinern Ge­brauch stets der Vorzeit gedenken. In dem Gesichte eines Greises finden sich Falten und Runzeln; sie reden deutlich von dem, was der ehrwürdige Mann durchlebt hat; sie sind dieSchrift, welche die Zeit in sein Antlitz eingegraben hat. So kündet das Alte in unserer Heimat von dem, was unsere Väter gedacht, erstrebt und erlitten haben. Sollen wir nun zugeben, daß das Alte nutzlos zerstört oder fortgeschleppt wird? Ich meine, wir sollten das Echte und Alte behalten und die Schrift der Vergangenheit in unserer Landschaft nicht mutwillig und leichtsinnig verwischen. Damit sich aber auch weitere Kreise an solchen Altertümern freuen und unterrichten können, will der Heimatbund allmählich ein schlichtes Heimatmuseum anlegen, zu dem schon ein ansehnlicher Grundstock vorhanden ist. Es soll für Junge und Alte eine Schatzkammer heimatlicher Freude und Belehrung sein.

Von Zeit zu Zeit ist es nötig, an einem Hause einen Anbau oder Umbau vorzunehmen ; hie und da soll auch ein neues Haus, eine neue Schule, eine neue Kirche errichtet werden. Jeder möchte, daß das, was neu geschaffen wird, schön ist. Was ist aber schön? Das Gegenteil der Schönheit ist die Schablone. Wenn alle Menschen gleiche Gesichter hätten, gleiche Worte gebrauchten und gleich schrieben, so wäre das unerträg­lich langweilig und unschön. Unschön ist das Bild mancher Großstadt und Vorstadt, auch das Bild manches Dorfes: ein Haus, ein Fenster, ein Garten­zaun wie der andere; man merkt gleich, wer das alles gemacht hat, und das Werk lobt hier nicht seinen Meister. Das ist die Schablone. — Gehe ich in einen 50 Pfennig-Bazar, so finde ich ungezählte Sachen, aber die meisten sind unschön, weil sie unsolide sind. Material und Arbeit sind billig und schlecht; alles ist nur äußerlich aufgeputzt, und der Hauptgesichtspunkt ist die Billigkeit. Faßt man solche Dinge ordentlich an, so hat man gleich die Brocken in der Hand. Was schön sein will, muß echt, dauerhaft und solide sein. — Wenn ich mir eine Sommerlaube baue und verwende dazu Quadersteine oder wenn ich mir einen Ruhestuhl anfertigen lassen will und lasse ihn dann schmal und mit allerhand spitzen Ecken und Kanten herstellen, so werden beide Dinge unschön sein, weil sie so ihrem Zweck nicht entsprechen. Schön ist nur das, was seinen Zweck erfüllt. — In ein Dorf paßt nicht ein 4stöckiges Haus, nicht ein ragender Dom; auf einen schlichten Kirchhof paßt nicht eine 2 bis 3 m hohe Säule; ein reichgeschmücktes Eisengitter um ein einfaches Landhaus mit einfachem Garten wirkt abstoßend. Schön ist nur das, was zu seiner Umgebung, zu dem Stil der Heimat paßt. — In der guten alten Zeit hat es vielfach unter unseren Handwerkern wahre Künstler gegeben Sie banden sich nicht an eine Schablone, fragten nicht nach Zeit und Geld, sondern schufen voll Liebe zu ihrem Handwerk, voll Stolz, mit innerer Lust Bauten und Geräte, an denen mir noch heute unsere helle Freude haben, die von den Künstlern unserer Zeit studiert werden und die man bereits nachzuahmen sich bemüht. Wie köstlich der alte Hausrat, Stuhl, Bank, Truhe und Tisch: überall Abwechselung, immer feste und

solide Arbeit, behaglich, zweckmäßig 1 Wie nichtig und eitel? sind, dagegen oft die Fabrikwaren der Neuzeit! Wie schmiegt sich das alte Landhaus, die alte Kirche der "ganzen Umgebung an, gleich als wären sie mit dem Boden verwachsen und immer dagewesen! — Das ist das dritte: Der Heimatbund will die Schönheit der Heimat pflegen. Er will, wenn jemand etwas Neues schaffen will, ihm mit gutem Rat zur Seite stehen, will unentgeltlich Vorlagen zur Ver­fügung stellen. Er will verhindern, daß das Bild unserer Heimat verunziert wird, will schaffen, daß Einheimische und Fremde unseren Kreis mit Freude beschauen.

Arbeit und Erholung, Ernst und Scherz müssen miteinander wechseln. Das Leben, es hat auch Lust nach Leid. Nach Unterhaltung verlangt jeder Mensch und zwar umsomehr, je mehr er sich mit redlicher Arbeit geplagt hat. Um die Unterhaltung und Er­holung ist es aber vielfach nicht recht bestellt. In der Großstadt und auch in manchem Dorfe geht es vielfach also zu: Die einzige Erholungsstätte ist das Gasthaus; da sitzt man eng gedrängt, jung und alt; dunstige Luft erfüllt den Raum; die Karten klappen und die Würfel rollen; ein Automat schnarrt sein seelenloses Getön; Vorwitz und Dreistigkeit führen oft das große Wort. Da wird der Geldbeutel leer, der Kopf wird beschwert, das Herz wird nicht erbaut und der Montag mit seiner Arbeit erscheint als der Beginn alles Elendes. Und es gibt doch so viele herrliche Werke der Dicht­kunst und Musik, die alle, groß und klein, reich und arm, erfreuen und veredeln können; es gibt viel des Interessanten und Belehrenden, von dem jeder gern etwas hört. Haben denn Goethe und Schiller, Beet­hoven und Mendelssohn, Dürer und Richter nur für die Großstädter und Reichen gelebt? Haben sie nicht ihre unsterblichen Werke für unser ganzes Volk ge­schaffen? — Das ist das vierte: Der Heimatbund will für eine edle, anregende Unterhaltung sorgen. Er will in den Städten und Dörfern unseres Kreises Unterhaltungsabende veranstalten. Da sollen wieder unsere alten Volkslieder erklingen, es sollen Vorträge über die Natur, die Geschichte und Sitte unseres Kreises gehalten werden, es soll auch auf das geschaut werden, was in der großen Welt vorgeht und wissenswert ist; auch unsere großen Dichter sollen wieder zu Worte kommen. Es soll eine Unterhaltung werden, die nicht entkräftet, sondern erfrischt und für das Leben fröhlich und tüchtig macht. Es soll erstrebt werden, daß nicht bloß unsere Alten, sondern besonders' die Jungen sprechen: „Meine Heimat ist das schönste Fleckchen auf Gottes Erde; wollte Gott, ich müßte sie nie verlassen!"

Es ist nichts Geringes, was der Heimatbund will; aber es ist etwas Gutes und Notwendiges, und darum muß ein Anfang gemacht werden. Ein Panier muß hcch aufgepflanzt werden, und wer weit schauen will, muß auf einen hohen Berg steigen. Es gibt sovieles, was uns trennt; aber eins gibt es, was uns zu ge­meinsamer Arbeit und Freude vereinigen kann: das ist unsere Heimat und unser Heimatbund. Darum tun Sie Ihre Herzen weit auf, helfen Sie und arbeiten Sie mit uns!