Einzelbild herunterladen
 

64 -

Ach! der menschlichen Liebe ist nirgends so viele Als hier am letzten Wanderziele;

Ihre Rosen und Dornen streuet sie mild

Ueber das tränenreiche Gefild.

Nur nicht ohne Liebe allein verderben, Nur nicht in der Fremde siechen und sterben, Von Mietlingshand gehegt und gepflegt, Mit offenem Aug' in den Sarg gelegt!

Und sollt' ich sie lebend nicht wiedersehen, Die Heimat, so möcht' drin sterben gehen Und ruhen bei meinem Mütterlein Nur nicht in der Fremde, nur nicht allein!

(Dingelstedt.)

Wie sieht's aus euerem Friedhose aus?

Christliche Friedhöfe sollen Stätten des Friedens sein, wohin man gern wandert, um zwischen den Gräbern ein Stündchen zu verleben, das dem Gedächtnis der Heimgegangen gewidmet ist Wo sie freilich wüst, ungeordnet, verwahrlost sind, liegen sie mit Recht verlassen und gemieden da. Verwilderte Friedhöfe sind aber kein Lob für eine Gemeinde. Selbst bei den Heiden findet man eine gewisse Sorgfalt für den Ort, wo die Toten ruhen; schon das ^römische Gesetz bestimmte, denselbenheilig" zu halten. Wie sinnig haben die ersten Christen die Kammern der Entschlafenen zu schmücken gewußt. Wie sehr fehlt es heute an manchen Orten unserer engen Heimat an der Pflege, welche die Pietät gebietet! Viele, besonders Landgemeinden, ha en es sehr nötig, darauf hingewiesen zu werden, wie unrecht es ist, wenn man die Toten zwischen Dornbüschen einbettet, oder wenn die Gräber aussehen, als hatten die stillen Schläfer da unten entweder kein Liebes oder nur lachende Erben hinterlassen. Denen unterm Rasen ist's freilich gleichgültig, ob droben im Sonnenschein Rosen blühen oder die vorjähricen Disteln sich mit den frischen um den Platz streiten aber sind die Lebenden den Geschiedenen nichts schuldig? Ist's nicht sehr traurig, wenn üppig wucherndes Unkraut auf dein Grabe von Eltern, die nur ihren Kindern gelebt, gar laut, ruft: Vergessen! So bald schon! Vergessen von den eignen Kindern!?"

Wenn nun gar zu ungepflegten Gräbern noch eine mangel­hafte Einfriedigung hinzukommt, die es ermöglicht, daß die Gänfe und Hühner ihre Versammlungen auf dem Friedhof abhalten, ist ein geradezu trostloses Bild fertig. Wenn sich doch nur überall wenigstens ein Mensch fände, der nicht ruh'e, bis vorhandene liebelst tobe abgestellt würden. Bemerkt sei auch mit der Bitte um Entschuldigung für das Wagnis im voraus daß es durchaus unstatthaft ist, den Friedhof als Bleich- und Trocken­platz zu benutzen, auch wenn Frau Pfarrer und Frau Lehrer es tun. Er soll eben ein stiller Ort, ein Abbild der Ruhe, kein nutzbringendes Ding sein. Nur die Blumen, die Vögel und die Sonne, ernste Tannen und immergrünes Efeu mögen das Bild beleben, das dem Beschauer sagen soll:Warte nur, halbe ruhest du auch!" Damit diese Stimme aber auch an dieser Stätte nicht die Alleinherrschaft habe, ist's gut, wenn sich aus dem Grün das Kreuz erhebt als Zeichen untilgbaren Hoffens und des Sieges über Tod und Grab Es braucht nicht viel darauf geschrieben zu stehen, denn das Kreuz redet seine eigene Sprache; auch sieht es fast wunderlich aus, wenn der Grabstein versichert, daß der da drunten ein Ritter vieler Orden fei it. dgl. Wer nicht Bescheid weiß, frage einen Kundigen wegen der Aufschrift um Rat, damit Unsinn wie derSanft ruhe seine Asche!" oder 9Dtögc ihm die Erde leicht sein!" vermieden werde. Aschen- urnen, umgestürzte Fackeln und dergl. sind heidnisches Beiwerk. Sie anbringen, heißt zum Tod noch den Tod hinzumalen. Die ersten Christen schmückten die Stätte des Todes mit den Sinn­bildern des Lebens. Möchten doch auch die Heimatbündler im Kreise Schlüchtern, besonders di- Pfleger, nicht vergessen, auch den Friedhöfen etwas Aufmerksamkeit zu schenken, einmal des­halb, weil's mancherlei zu bessern gibt, und zum andern, weil sich auf alten Gottesäckern auch mancher Zeuge' der Vergangen­heit findet, den es zu schützen und zu erhalten gilt. Flg.

Als,Manuskript gedruckt. Verlag des Heimatbundes, Druck von C. H o h n

Das Grab des Großvaters der Gebrüder Grimm

befindet sich auf einem wüstliegenden Teil des Kirchhofs in Steinau an der Straße (Kreis Schlüchtern). Wenn das Grab selbst auch nicht gepflegt und darum verödet ist, so hat der Grab­stein doch dem Wetter getrotzt, und noch deutlich lesbar ist die Inschrift: «In Hoffnung einer seeligen Auferstehung ruhen hier die Gebeine des weiland hochehrwürdigen und hochgel. Herrn Friedrich Grimm, in die 47 Jahre gewesenen treu eifrigen Pfarrers und Scelensorgers allhier. Er war geboren den 2. Martii 1707, träte sein hiesig Ambt an 1730, den 9. April. Mit seiner Ehegattin Christiana Heilmann zeugte er von 1734 bis 1754 8 Söhne und 3 Töchter, davon ihm aber 7 Söhne und eine Tochter nebst der Mutter in die Ewigkeit vorange­gangen. Er folgte ihnen bett 20. Mertz 1777, in dem Alter von 70 Jahren und 9 Tagen. Leichentext Hebr. XIII, 7". Der von acht Söhnen einzig überlebende war zunächst Amtmann l heute Amtsrichter) in Steinau, wurde bei seiner Verheiratung nach Hanau versetzt, wo ihm am 4. April 1785 sein Sohn Jakob, am 24. Februar 1786 Wilhelm und am 14. Mai 1790 Ludwig Emil, der spätere Maler, geboren wurde. Kurz nach der Geburt des letzten starb der Vater, daher zog die Wüwe 1891 mit den drei Söhnen nach Steinau und lebte mit ihnen dort in einem fleinett Häuschen, das jetzt durch eine Gedenktafel bezeichnet ist, bis sie 1798 mit ihren Kindern nach Cassel zog. In Steinau verlebte das berühmte Dreigestirn eine köstliche Jugendzeit. Gar schön sind die Rückblicke darauf in der von ihnen selbst mitgeteilten Lebensbeschreibung. Jakob Grimm sagt: In dieser wiesenreichen, mit schönen Bergen umkränzten Gegend stehen die lebhaftesten Erinnerungen meiner Jugend", und Wil- helm Grimm sagt:Die Gegend von Steinau hat etwas Ange­nehmes. Oft sind wir zusammen in den Wiesentälern und auf Anhöhen umhergewandelt; der Sinn für die Natur mag uns wie vielen angeboren sein, aber er ist doch auf diese Art genährt und begünstigt worden . Der Teil des Kirchh fs, wo ihr Großvater seine Ruhestätte hat, wird demnächst umgcgraben; man darf wohl erwarten, daß der kunstsinnige Ortspfarrer Römheld auch das historisch denkwürdige Grab mit seinem Denk­stein zu erhalten wissen wird.

-----r^TsC^XÄsr,**------

Heimatpost.

Es sei nochmals ausdrücklich bemerkt, daß diejenigen Mitglieder des Heimatbundes, welche nicht Abonnenten derSchlüchterner Zeitung" sind,Unsere Heimat" nur dann direkt zugesandt erhalten, wenn sie es aus­drücklich verlangen und 1,50 Mk. Beitrag für das Jahr zahlen. Die Beiträge sind in den Monaten Juli und August ganz frei an den Kassierer, Herrn Weichet, zu senden.

Rückständige Zahlungen, bitte, baldigst erledigen!

Die Nummern 2 und 3 vonUnsere Heimat" sind vergriffen. Wer die Blätter nicht sammelt, sei um Rückgabe etwa noch vorhandener Exemplare gebeten.

Herr Dr. Hapner in Jena stiftete dem Heimat­museum ein Originalbildnis des Dichters Petrus Lotichius secundus. Für diese seltene Gabe das Bild ist sonst nirgends mehr zu bekommen dem freundlichen Spender aufrichtigen Dank!

Dem Heimatbund beigetreten sind von auswärtigen Freunden:

98 Herr W. Geisel in Bochum.

99 Georg Kahl in Hersfeld.

100 Lehrer August Vey in Cassel.

101 Stadtsekretär Karl Müller in Cassel.

102 Fräulein Justine Bai st in Hanau.

103 Herr Lehrer Feick in Sandberg.

104 Lehrer Vey in Rommers.

Für die Schriftleitung: Lehrer Flemmig in Schlüchtern.

eistcr in Schlüchtern.