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Altdeutsche Sprüche für Handwerker.

Bäcker

Sollen die Früchte wohl gedeih'n, Muß Regen wechseln mit Sonnenschein: Der süße Teig gibt noch kein Brot, Es ist auch Hese dazu not".

Barbier

Mein Werk ist ernst und nicht zum Spassen, Wer zu mir kommt, muß Haare lassen.

Den Kahlkopf nur und 's Milchgesicht

Kennt man in diesen Hallen nicht".

Buchbinder

Viel, was man schreibt und druckt, vergeht;

Schweinsleder und Pergament besteht."

Dach und Schieferdecker.

Jeder hat einen Sparren frei;

Wer's nicht glaubt, hat ihrer zwei."

Drechsler.

Du mußt nicht alles zu Bolzen drehen, Bisweilen auch durch die Finger sehen."

Fleischer

Der Ochs hat Fleisch und Bein', Und braucht sie beid' zum Laufen;

Darum kann ich das Fleisch

Ohn' Knochen nicht verkaufen."

Glaser

Vor'm Hagel, Gott, schütz' Korn und Wein;

Mein'thalb schlag er die Fenster ein."

Eine Kirmesfeier vor hundert oder mehr

Jahren in der Umgegend von Schlüchtern.

Ehemals begannen die Kirmesfeiern nach Jacobi. Eigen­tümlich war ihnen früher der Blon, ein Ehrentanz, von den Blonburschen getanzt. Der Blonbursch mußte m in bestens sech­zehn Jahre alt sein und einen tadellosen Lebenswandel geführt haben. Jeder Bauer hatte einen Blonburschen zu stellen. Hatte er keinen Sohn, so mußte er seinen Knecht Hinsmicken, der dann ebenso wie die andern Blonburschen auch einen Gulden in den Blonsäckel zu geben hatte. Deshalb machte sich der Knecht beim -Verdingen einen Blon gülden aus. Der Kuhbauers- oder Hüttnersbursche brauchten nur einen halben Gulden zu zahlen und auch nur des Sonntags dabei zu sein. Der Blon wurde Sonntags und Montags getanzt. Unter den Blonburschen wurden vier zu Blonknechten ernannt, welche Rechnung führten, die Ordnung aufrecht erhielten, einschenkten und die schwarzen Schnüre an den Scholthesstrauß und die roten an den Rosmarin für den Pfarrer kauften.

Die Kirmesmusikanten hatten freie Kost. Die Blonburschen nahmen sie zum Mittagessen mit nach Hause. Des Nachmittags, sobald diezweite Kirche" aus war, holten die Blonburschen ihre Musikanten aus dem Wirtshause ab und begaben sich mit klingendem Spiele zum Scholthes. Hier ließen Sie einige Stücke aufspielen, tanzten mit den Mädchen, die sich eben vor- fanden, und tranken unter lautem Juchhe auf das Wohl ihres Ortsvorstandes, der natürlich wacker Bescheid tat. Der Scholthes setzte seinen Dreimaster auf, zog seinen langenMotzen" an, ergriff, nachdem ihm die Burschen mit einem schwarzen Bande einen tüchtigen Strauß im Knopfloch befestigt hatten, sein spanisches Rohr und stellte sich an die Spitze des Zuges. Die Musik stimmte einen Marsch an, und fort giug's zum Pfarrhaus. Hier wurde wieder Wein getrunken jeder Bursche führte ein Glas im Sacktuche bei sich und dabei überreichte man dem Pfarrer einen Rosmarin mit roten Schnüren. Seinerseits gab der Pfarrherr gute Lehren, ermahn'e sie, des Guten nicht zu viel zu tun und Streit und Händel zu meiden. Vorn Pfarr­haus zog der Scholthes mit den Burschen zum Tanzplatz.

Mitten auf dein Tanzplatz, der schön eben und mit Sand bestreut war, stand ein Mai" (Birke oder Tanne), und dabei war eine Stellage von Fässern und Brettern für die Spielleute errichtet. Der Schultheißging erst dreimal so und dreimal so", von den Spielleuten begleitet und sein spanisches Rohr schwingend, gravitätisch auf dem Tanzplatz herum. Dann blieben die Musi­kanten stehen Die Blonburschen nahmen ihre Mädchen, die sich mittlerweile auch eingestellt hatten, und tanzten, die Blonknechte voran, drei Reihen. Nach den ersten drei Reihen wurden zunächst die Musikanten für ihr Anfspiclen beim Schultheißen und Pfarrer bezahlt. Jeder gab sechs Kreuzer; und die Mädchen, d e schön geputzt und an den weißen Schürzen als Blonmädchen erkennbar waren, nahmen ihren Burschen die Hüte herunter und steckten ihnen Rosmarin darauf, was für diese das Abzeichen war, und der Tanz hob an.

Auf dem Tanzplatze durfte für das zusammengelegte Geld nur Wein getrunken werden, und zwar mußte die Hälfte dieses Geldes für den zweiten Tag aufgespart bleiben. Wollte einer noch mehr trinken, so mußte er es aus seiner Tasche bezahlen. Der Wein war wohlfeil, die Flasche kostete 8 - 10 Kreuzer.

Um zwölf Uhr war Feierabend. Die Blonburschen ließen dann ihren Mädchen im Dorfe herum aufspielen. Dafür erhielten sie von jebem Hausmann einen Kuchen. Die Kirmes wurde noch Dienstags und Mittwochs gefeiert; der Blon aber war vorüber.

Auf dem Blonplatze durfte außer den Blonburschen niemand tanzen; Fremde mußten erst um Erlaubnis bitten, die ihnen jedoch meistens nicht gewährt wurde. Eineraus dem Fölschen" (Fuldischen), der trotz des Verbots zu tanzen versucht hatte, wurde es war in He'olz - im Wirtsgarten herumgejagt wie ein Wild, und am Ende hatte jedermann ein Stück von seinem grünen Kittel in Händen.

In den Wirtsstuben (Tanzsäle gab es noch nicht) kam es fast immer zwischen einheimischen Burschen und auswärtigen Besuchern zu Prügeleien. So wurde in Elm, Oberkalbach und anderen Orten die Kirmesverschmissen", d. h. die Schlägereien waren so arg, daß auf längere Zeit untersagt war, Kirchweihe zu halten In Oberkalbach schlugen sie sich mit Aexten, als sie die Kirmes verschmissen. Die Obrigkeit glaubte durch Verlegung der Kirmes dem Unfuge steuern zu können. So mußten Herolz, Sannerz, Weiperz an ein und demselben Tage (Martini) ihre Kirmes feiern und Oberzell, Weichersbach, Schwarzenfels und Sterbfritz an demselben Sonntage mit Züntersbach.

Bei Kerzell aus dem Felde liegen neun merkwürdige Steine. .Darunter sollen ebensoviel Kirmesburschen begraben liegen. Sie waren auf der Kirchweihe zu Dalherda gewesen und hatten die dortigen Burschen so gereizt, daß diese sie Hinaustrieben, ver­folgten und endlich bei erneutem Kampfe auf jenem Felde tot­schlugen. Es ging früher überhaupt selten eine Tanzlustbarkeit, ein Markttag vorüber, bei denen es nicht blutige Köpfe gegeben hätte.

Heute noch geht's lebhaft genug her; auch am Blon wird noch getanzt, aufgespielt wird gleichfalls dem Bürgermeister, dem Pfarrer und den Mädchen; allein es ist doch manches anders geworden und vieles besser. H. Schreiber

Kirchhof in der Fremde.

Ueber fremde Gräber und Leichensteine Schreit' ich allein im Abendscheine. Hab' ich die Schläfer drunten gestört? Haben sie mein fragend Wort gehört?

Mir ist, als könnt ich in süßem Grauen Durch Schollen und Särge hinunterschauen Mitten hinein in die stille Stadt, Wo alles Reisen ein Ende hat.

Wie viels Leid, wie viele Trauer Innerhalb jener engen Mauer! Hinter der. eisernen Gittertür

Wie manche Gebete, Gelübd' und Schwür'!