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und es behielt diese Würde, die eine Bürde, eine oft unerträgliche Last für seine Bewohner, eine Quelle der Verarmung vieler Familien wurde, bis zum Jahre 1813. Schlüchtern Etappenplatz - das hieß: hier lag ständig eine wenn auch kleine französische Besatzung, an deren Spitze eine Zeit lang der Kriegskommissar Herbage und der Kapital» Auduze standen. Ein großes Fouragemagazin wurde in der Stadt einge­richtet, aus dem durchmarschierende oder einquartierte Truppen mit Fourage neu versehen wurden. Und wenn, wie es oft vorkam, das Magazin leer war oder sein Inhalt nicht ausreichte, dann wurde das Fehlende einfach aus der Stadt und den umliegenden Dörfern requiriert, auf deutsch erpreßt, denn irgend eine Be­zahlung erfolgte in den seltensten Fällen. Die Stadt mußte bei Truppendurchzügen Wagen und Chaisen stellen zur Weiterbeförderung der Bagage, der Kranken und Verwundeten, sei es nach Gelnhausen oder nach Fulda. Zeitweilig wurden die Pferde und Wagen be­sitzenden Bürger durch diese Transporte so in Anspruch genommen, daß eine Bestellung der Felder unmöglich war.

In dieser Zeit leistete der Stadt große Dienste als Billeteur, Magazin-Verwalter und Aufseher des Fuhrwesens ihr Bürgermeister Joh. Lotich. Hören wir, was er selbst schreibt über seine aufreibende Tätigkeit in jenen Jahren:

Den 24. Oktober 1806 habe ich das Billeteuramt (die Regelung der Einquartierung durch Ausgabe von Quartierbillets) von dem von der hochpreißlichen Re­gierung zu Hanau hierhergeschickten Herrn -Fiskalrat Woerigshofer in Gemäßheit des Herrn Amtmann Gerlach zu Steinau übertragen bekommen. Schon als Billeleur hatte ich eine Hand voll zu tun, da niemand von den Bürgern außer mir französisch verstand und mit den Franzosen fertig werden konnte. Als zweiter Billeteur sollte mir der Ratsverwandte Stickel zur Seite stehen. Da dieser aber seine große Verwandt­schaft bei der Einquartierung berücksichtigen wollte, verließ ich das Rathaus. In meiner Abwesenheit entstanden durch Stickel so große Unordnungen, daß die Bürger mit Gewalt aufs Rathaus drangen und ihre Be- schwerden wegen doppelter und dreifacher Einquartierung vorbrachten. Der Herr Amtmann Gerlach war an jenem Tage grade in Schlüchtern und lud mich zu verschiedenen Malen schriftlich ein, mid) wiederum auf meinen Posten zu begeben. Meine Anwort war: so lange mir Stickel an der Seite stände, könnte ich mich nicht dazu entschließen. Da schickte mir der Kriegs­kommissar Herbage eine Brigade Gendarmerie in's Hans und ließ mich durch diese auf meinen Posten bringen. Unter dein Rathaus standen der Amtmann Gerlach und Stickel, die beide das Billeteuramt wegen des Auflaufs der Bürger hatten verlassen müssen. Hier erklärte ich dem Amtmann Gerlach mündlich, daß ich mich nicht entschließen könnte, mit dem Ratsverwandten Stickel gemeinschaftlich zu wirken, und so wurde er entlassen. Mir lagen die Pflichten des Billeteuramtes nun allein ob. Außerdem hatte ich die Mitaufsicht über das hiesige Fouragemagazin und das Fu hrwesen. Jede Anweisung auf Fourage oder Fuhren ging durch

meine Hand; ich mußte sie übersetzen, die Quantität der Fourage bestimmen und bei der Austeilung zu­gegen sein. Das verursachte mir öfters mehr Unan­nehmlichkeiten als mein Billeteurdienst. Manchmal wurden 50 und mehr Transportwagen und Chaisen auf einmal verlangt. Ich mußte die Nummern der Häuser, die Wagen zu liefern an der Reihe waren, die Stunde der Abfahrt bestimmen. War kein Com­mandant und kein Kriegscommissar auf dem Etappen­platz, welches oft der Fall war, so hatte ich die Beförderung des Kriegsdienstes ganz allein zu besorgen." - Für diese rastlose Arbeit war dem Bürgermeister von der Regierung zu Hanau eine tägliche Vergütung von 1 Gl. nnd 30 Kreuzer zugesagt worden. Eine Zeitlang wuroen diese Tagegelder auch aus der Kriegskasse ausgezahlt, dann hörte die Zahlung auf mit bem Bescheid, der Bürgermeister hätte sich mit seiner Forderung an die Stadt zu halten. Die Stadt war arm und konnte nicht zahlen, und noch im Jahre 1819 sehen wir vergeblich den Joh Lotich seine Be­soldungsansprüche bei der Stadt geltend machen. Die ersten französischen Truppen kamen Anfang No­vember 1806 durch unsereStadt; es waren Verstärkungen, die zu den in Preußen stehenden französischen Heeren stoßen sollten. Bei dem Aufmarsch gegen Preußen im September und Oktober 1806 war Hessen verschont geblieben, da Napoleon seinen Weg durch Franken genommen hatte. Aber nun vom November 1806 ab bis zum Schluß des Krieges im Sommer 1807 gab es fast ununterbrochen Truppendurchzüge und Ein- qnartierungen. Nach einer in meinem Besitz befindlichen Tabelle waren vom 1. November 1806 bis zum 30. Juni 1807 in Schlüchtern einquartiert: 3527 Offiziere, ca. 80000 Unteroffiziere und Gemeine, darunter 30000 preußisch-schwedische Kriegsgefangene. Letztere wurden größtenteils in der evgl.-reform. Morgenkirche, also in der jetzigen Kirche, untergebracht, und diese wurde dabei derartig demoliert, daß die notdürftigste Wiederher­stellung an Maurer-, Schreiner- und Weißbinderarbeiten 500 Gl Kosten verursachte. Die Tabelle berechnet die durch die Einquartierung oom 1. Nov. 1806 bis 31. Juni 1807 der Stadt und den umliegenden Dörfern, die zur Fouragelieferung herangezogen wurden, erwachsenen Unkosten auf 97493 Gl., ohne den Schaden an der Kirche. Dabei wird für einen einquartierten Offizier 1 Gl. 30 Kr. täglich, für einen Gemeinen 30 Kr. in Anrechnung gebracht. Wenn ich noch einige Zahlen mitteilen soll: an Fourage wurde geliefert 60000^ Pfd. Brot, 1597 Maß Hafer, 942 Zentner Heu, 6150 Gebund Stroh; Fleisch, Bier, Branntwein für 2015 Gl. Für Militärtransporte, Fronfuhrcn wurden 2104 Gl. angesetzt, und nicht alle Pferde und Wagen kamen wieder zurück; der Verlust wird mit 1200 Gl. berechnet. Für Reparatur der Armee- equipierung 1182 Gl., für Ausgaben, durch das Ein- rücken der franz. Truppen veranlaßt, 3582 Gl. Das sind Zahlen, die eine lebendige. Sprache reden von der schweren Belastung unserer Stadt in den beiden Kriegsjahren 1806 und 1807.

Am 7. Juli 1807 wurde der Friede zwischen Preußen und Napoleon zu Tilsit geschlossen. Bedeu-