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Menschen geradezu zerstörende Wirkungen mit sich bringt". Dessenungeachtet ist heute die Frage nicht überflüssig:Wie wird unserem Volke eine leiblich gesunde Jugend erhalten?" Nur aus einiges sei hingewiesen.

Gesunde Jugend gedeiht besser da, wo der Pflug seine Fur­chen zieht und in Wiese und Wald der Städter die durstigen Lungen letzt mit labender Vergluft, als da, wo die Fabrikschlote qualmen und die Maschinen keuchen. Gewiß, auch auf dein Lande siecht in enger, dunstiger Kammer manches junge Leben einem frühen Grabe entgegen; aber der Kerngestalten, die heiß und kalt vertragen und Wind und Wetter trotzen können, gicbt's doch hier mehr. Von den Großstadtverhältnissen liefert in dieser Beziehung der Bericht der Berliner Schulärzte für das Jahr 1907 ein betrübendes Bild. Als nämlich in der Reichshaupt­stadt nach Ostern 19: 7 die Pforten des neuen Schuljahres sich für die kleinen Rekruten öffneten, mußten zurückgewiesen werden 1139 wegen ungenügender Kräfte, 158 wegen Skrofulöse, 172 wegen Lungentuberkulose. Und von den Kindern, die in die Schule ausgenommen wurden, müssen ungefähr 2000 überwacht werden, weil auch sie wurmstichig erscheinen. Als Gegenstück hierzu diene eine Feststellung des Berliner Lehrervereins, wonach ermittelt wurde, daß von 1000 Berliner Kindern nur 602 wußten, was ein Schmetterling ist, nur 538 kannten die *bcnb= röte, 540 hatten keine Wiese, 640 nie einen Wald, 595 nie ein Ge'reidefeld gesehen. Es ist ein Glück, daß die Behörden jetzt dem Kindereleud ihre Aufmerksamkeit widmen und daneben die Habenden den Darbenden die helfende Hand reichen. Tausenden von Großstadtkindern wird allsommerlich ein mehrwöchiger Aufent­halt in Bädern und Luftkurorten ermöglicht, und die bleichen Hinterhaus- und Kellerpflänzchen werden so wenigstens eine Zeitlang aus dem Schatten in die wärmende Sonne gerückt. Wer Gelegenheit hatte, einmal einen Bli in eine Kinderheilan­stalt zu tun, merkt auch, daß die Frage:Wie erhalten wir unserm Volke eine gesunde Jugend?" keine müßige ist. Wer­den Quellen der Uebel nachgeht, wird, wenn er aufrichtig und nicht kurzsichtig ist, sehr bald merken, daß auch in der Landluft nicht nur Eiwbäumc wachsen, und auf mancherlei Steine im Wege zum Guten st' ßen, z. B. die vernunftwidrigen Verwandten- hc raten, die holzsparende Luftscheu im Winter und die verkehrte Wasserscheu im Sommer. In Hasselbach und Wildendorn gilt heute noch der Gebrauch des kalten Wassers fm b^n ganzen Körper als feiner Selbstmord. Und im Unterland witzeln sie: Warum ist auf dein Lande die Luft so gut?Antwort:Weil die Bauern die Fenster nicht aufmachen". Jni Kreise Schmal- kalden hat man, wie verlautet, mit der Einrichtung von Schul- bwcräumen den Anfang gemacht. Vielleicht k'inmt's auch bei uns nod) einmal dahin, daß man dafür mehr übrig hat als den Anfang des schönen Lorelei-Liedes. Kartoffeln undKaffee" sind auch ein schlechter Ersatz für Brot und Milch bei dem kleinen Volk. Die Kinder unserer Landwirte essen Butterbrot and) gern, drum soll e man nicht den gesamten Milchertrag liefern"' Dagegen ist im ganzen Heimatbund auch nicht einer, derSchnapsbrot" oder das Bierglas gern in Händen von Kindern sähe. Manches Unheil würde auch abgewandt, wenn man die nichtdesinfizierten Kleidungsstücke an Tuberkulose Ver- storbener nicht verschenken bezw. zu Kindergarder be Mitarbeiten würde. Kurz: Auch Kleidung unb Schlafraum sind neben Uebung der Muskelkraft keine nebensächlichen Dinge fürs kleine Volk in Stadt und Land. Vernachlässigung rächt sich oft bitter.

In N. haben sie neulich den einzigen Sohn des Sauüäts- rats X. int Alter von 20 Jahren in die Erde gebettet. Und dem armen Schlucker war wohl. Zu der Zeit, da andere Jungen anfangen, auf die Bäume zu klettern und Prügel einzuheimsen, betaut er Stärkungsmittelchen aus der Apotheke und die erste Brille zum Geburtstag, Trotzdem konnte der Vater stolz aus seinen Einzigen fein; denn dieser war, meint auch körperlich ein wenig windschief und so mager, daß er sich einer Geis hätte zwischen die Hörner setzen können, doch Klassenprimus von Sexta bis Prima Und als Klassenerster mit Schulruhm bedeckt, sank das grundgelehrte Haus in sein frühes Grab einzig deshalb, weil der Alte nicht wahr haben wollte, daß ein lebendiges Schaf immer noch mehr Wert hat als ein toter Professor, Und solches tat ein SauitätSrat. Am iO. September vorigen Jahres schoß sich ein 13jähriger Junge im Lehrerzimmer der Realschule zu Hannover eine Kugel ins Herz. Dazu ist ein gesunder Junge nicht fähig Jenen hatte das Lesen gewisser Bücher innerlich

todkrank gemacht. Er war von der Fäulnis angefreffen, die auS- vergifteten Büchern in unser junges Volk hiueinschleicht. Doch wer wollte die Wege alle nennen, auf denen krankmachende Ein^ flüsse heute trotz aller Abwehr an unsere Jugend herangebracht werden? Was kann die Schule tun, wenn das Elternhaus nicht will dämmen und dcichen helfen? Möchten's derer immer mehr werden, die unserer Jugend helfen, gesund, rein und stark zu bleiben und Vaterlandsliebe, Wagemut und Empfänglichkeit für die Kräfte aus der ewigen Welt sich zu bewahren. FIg,

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Ein Bauer.

Ich bin ein Bauer schlicht und grad, Schreib mich nichtHochgeboren"; Wein zu gering mein Stand und Pfad, Der laß mich ungeschoren!

Mein Vater einst ging Hinterm Pflug Wie seine Vorderalten!

So sollens ohne Falsch und Trug Auch meine Kinder Halters.

Weit drüben hinterm Wald, ich weiß,

Da liegt die Stadt, die stolze;

Dort reden sie sich ein mit Fleiß,

Sie sein aus besserm Holze.

Mit Spott nur unb 1: it spitzem Wort

Weiß uns ihr Witz zu taufen. -

Ich schreite meine Furche fort:

Herz, laß die Narren laufen!

Mein Feld, das gibt mir gute Frucht,

Mir und den klugen Herrchen.

Ich sing mein Lied in Ehr und Zucht,

Wie über mir die Lerchen.

Und mit den Blumen bin des Lichts

Ich froh auf allen Wegen.

So leb ich still und bitt um nichts

Als um des Herrgotts Segen.

Christian Schmitt.

Heirnatpost.

Dem Hrimatbund beigetreten sind von auswärtigen Frennden:

92. Herr Lehrer Adam Weitzel in Hanau

93. Baumeister Heußner in Jdstein (Taunus;

94. Frau Dr. M. Anders in Leipzig

95. Herr Lehrer Nieder in Biebrich

96. Frau Recha Drucker in Hamburg

97. Herr Regierungsrat v. Holtzendorff in Cassel.

Als Sonderdrucke werden den Mitgliedern des Heimatbundes in nächster Zeit eine Zeichnung unsers Bundesvorsitzenden, des Herrn Dr. Cauer (Das alte Rathaus von 1571) und eine Arbeit des Herrn Bürgermeisters a. D. Berta-Soden (Die früheren Machthaber im Kreise Schlüchtern) übermittelt werden.

Die rückständigen Beiträge für 1909 nimmt Herr Weichet entgegen. Fortsetzung des Maldfeldschen Aus­satzes in nächster Nummer.

Als Manuskript gedruckt, Verlag des He im a tb un d es. Für die Schristleituug: Lehrer Flemmig in Schlüchtern. Druck von C. Ho hm ei st er in Schlüchtern.