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Daheim.

Ich bin herum gewesen Im ganzen deutschen Land, Von Krankheit zu genesen, Doch nie ich Heilung fand.

Ich konnte nie vergessen Die Heimat, ach, so schön, Das Land der blinden Hessen Mit seinen Bergeshöh'n.

Da hat mich's fortgetrieben, Ich Hielt^s nicht länger aus, Nur heim zu meinen Lieben, Zurück ins Vaterhaus

Und als ich endlich wieder Kam in mein Hessenland, Empfingen mich die Lieder, Mir schon als Kind bekannt.

, Kann ich auch nicht gesunden, Und muß ich leiden schwer, Ich hab nun Ruh' gefunden, Mich quält kein Heimweh mehr!

Gelnbansen. Hermann Haase.

Aus der guten alten Zeit.

Iie Dürgergarde.

Die preußische Landwehr, die 1813 u. 1814 erfolgreich zu dem glücklichen Ausgauge der Feldzüge beigetragen hatte, zog die Aufmerksamkeit der Staaten und Völker auf sich, und schon auf dem Wiener Congreß, der ja dem deutschen Volke gar mancherlei Ucbcrrgschuugen brächte, wurde die Errichtung von Volkswehren in Erwägung gezogen, wenn auch nicht in dem Umfang und der Ausdehnung der preußischen Landwehr Aber erst durch die Revolution von 1830 gewannen diese Ideen festere Gestalt, eine bestimmte Form, und führten zur Errichiung der-gcrwehr oder Bürgergarde, einer militärischen, aus den Bürgerkreisen her- vorgegangenen Truppe, die zur Aufrechthaltung der staatlichen inneren Ordnung, Bekämpfung von Demagogen und Aufständen, niemals aber gegen äußere Feinde Verwendung finden sollte. Sie hatte also bei weitem nicht die Aufgabe und Verpflichtungen der französischen Nationalgarde. Jeder unbescholtene Bürger gehörte, gesetzlich verpflichtet, sobald er militärfrei war, bis zu seinem 45. Lebensjahr der Bürgergarde an, die bis zum Jahre 1848 namentlich in Süddeutschland in voller Blüte stand! Das tolle Jahr" machte ihrer Herrlichkeit ein jähes Ende, zumal sie den gehegten Erwartungen nicht entsprach, ja im Ernstfälle, wie in den Septembertagen 1848 in Frankfurt a. M,, völlig versagte. Sobald der junge Handwerker zur Zufriedenheit der Geschwornen sein Meisterstück geliefert hatte, oder sobald der Landmann im Besitze von wenigstens 8 Morgen schuldenfreien Landes war, wurde er von Bürgermeister und Rat als Bürger ausgenommen, lieferte auf dem Rathause seinen ledernen Feuereimer ab, leistete den Bürgereid, empfing Gewehr und Tasche Uniform und die übrigen Armaturstücke mußte er selbst stellen und gab vor dem Rathaus 3 Schüsse ab. So war es auch in Schlüchtern, das drei malige Schießen wurde schon anfangs der vierziger Jahr abgeschafft. In Süddeutschland waren Uniform und Ab­zeichen französisch, eine Reminiszenz an die napoleonische Zeit, im mittleren un nördlichen Deutschland mit Ausnahme Preußens wo es eine Bürgergarde nie gab preußisch; in Süddeutsch- land herrschte der langschoßige französische Frack, imNorden der lange, bis zu den Knien reichende dunkelblaue preußische Landwehrrock mit rotem Kragen vor Gewehr mit dreikantigem Bajonett, in

Schlüchtern durchgängig französischen Ursprungs, krummer,, kurzer Säbel, wie ihn jetzt die Schutzleute tragen, und Patron­tasche machten die Bewaffnung aus. Das schwarze Lederzeug, auf der Brust sich kreuzend, wurde über die Schultern getragen, ein leichter Ledertschako mit Pompon in den Landesfarben unb' Haarbusch bildete die Kopfbedeckung. Im Dienst trug der Bür­gergardist am linken Oberarm eine weiße Binde. So die Uniform in Schlüchtern; sie war nicht überall gleichmäßig und entwickelte sich erst nach und nach. Hier wie in Hanau bestand sie anfangs in einem blauen, gefalteten leinenen Kittel mit Bund und rotem Umlegekragen, schwarzer Wachstuchkappe mit Kokarde und schwarzem Lederzeug; die Offiziere trugen die Schärpen in den Landesfar en über die Schulter; die Achselklappen der Gardisten waren aus blauem Leinen, die der Offiziere aus rotem Tuche ge­fertigt. Diese wenig kleidsame Uniso ni gefiel allenthalben nicht, und wenn sie sich auf dein Lande auch hier und da bis zur Auflösung der Bürgergarde teilweise erhielt, so mußte sie doch in den Städten bereits 1834 der Tuchuniform und bem Tschako weichen. Große Sorgfalt wurde auf die Osfiziersumform verwandt, die sich nur durch das Generalstabsrot (karminrot! von den Offiziers­uniformen der Linie unterschied. Die Schärpe fiel weg; den Degen ersetzte ein eleganter leichter Schleppsäbel. Zum Dienst wurde allgemein die rotgestreifte Mütze getragen; manche der Herren trugen auch bei Groß-Gala den Federhut. Aber s on Mitte der vierziger Jahre schwand er in Schlüchtern; Veh und Johannes Denhard (Denhards Hannesche aus der Obergasse) waren die letzten, die sich dieses Paradestück erlaubten. Auch die Frauenwelt beteiligte sich an dieser militärischen Neuschöpfung; man sage, was man wolle, die Errichtung der Bürgergarde war auch für die Frauen der Anbruch einer neuen Aera. Kriegerische Begeisterung erfaßte auch das schöne Geschlecht, und da es nicht selbst zu Wehr und Waffe greifen konnte, so stiftete es Banner für die bürgerlichen Krieger. Aus jenen Tagen der dreißiger Jahre datiert das Fahnenstisten der Frauen und Jungfrauen an Vereine und Korporationen. In Paradeaufstellung mit militärischen Ehren wurde der Zug weißgekleideter grün bekränzter Jungfrauen empfangen, die - die Fahne mit Musik und militärischer Begleitung in die Kirche brachten in Schlüchtern war es noch die alte Klosterkirche wo sie von der Geistlichkeit und den Kirchen ältesten erwartet wurden. Im Halb­kreis umstand die Bürgergarde, die Offiziere an der Spitze, den Altar, zu dessen beiden Seiten die Jungfrauen Platz fanden. Chor und Gemeindegesang leiteten die eeicr ein; der erste Geist­liche hielt eine patriotische Rede und weihte die Fahne unter Glockengeläute und Böllerschüssen feierlich ein. Wenn wir auch heute über dergleichen Festzauber lachen, so war es den Alten doch damit bitterer Ernst. Die Feier schloß mit einer Parade und abends mit einem Bürgergardeball im Auditorium, auf welchem nur in Uniform getanzt werden durfte. Da der Bür­ger gezwungen ist, am Werktage seinem Berufe nachzugehen, so wurde gewöhnlich an schönen Sommertagen der Sonntagnach- mittag zu Exerzierübungen verwandt. Wenn die Glocken den he'ligen Abend einläuteten, der Schuhmacher Leisten, Pechdraht und Spannriemen aus der Hand gelegt, der Schreiner den Hobel ausgeklopft, der Schneider Schere und Elle an die Wand gehängt hatte, Schlosser unb Schmied die Esse löschten - dann raffelte das Kalbfell durch die Straßen - es wurde Zapfen­streich geschlagen. Tambour und Pfeifer, gefolgt von der jubelnden Straßenjugend, verkündeten einer ehrsamen Bürger­schaft:Morgen rückt die Bürgergarde aus!" Das war ein Ereignis, überall freudige Erregung, nicht zum wenigsten bei dem weiblichen Teil. Unb wenn der biedere Meister nach den arbeitsschweren Wochentagen sich gern der sonntägigen Ruhe hingab, so machte es ihm andererseits doch auch Freude, den bunten Rock anzuziehen und sich der Gattin als Krieger im glänzenden Waffcnschmnck zu zeigen. Rasch wurde noch so manche kleine militärische Vorbereitung getroffen, ein kriegerischer Geist kam in das Familienleben unb freudig erregt schliefen die Buben ein:Ja morgen wird ausmarschiert". Am Sonntag- morgen in aller Frühe verkündeten 3 starke Trommelwirbel den Beginn der Reveille. Alles eilte aus den Betten an die Fenster und lauschte der alten, schönen, längstbekannten Melodie, welche die Pfeifer zu dem Trommelschlag ausspielten. Schon anfangs der vierziger Jahre wurde diese Reveille, als die Nachtruhe zu sehr störend, auch weil passende und gewandte Persönlichkeiten zu Pfeifern nicht zu haben waren, abgeschafft. Mit dein Glocken-