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angekauft, woselbst es in Menge, und anfangs auch zu wohlfeilen Preisen, zu haben war, so wäre das Elend in Deutschland, und auch namentlich bei uns, nicht auf einen so hohen Grad gestiegen. Nachher geschah es zwar, aber zu spät, n - der Hunger schon da war. In der hiesigen Gegend .utbe er um so drückender, weil auch die Kartoffeln, wovon die meisten leben müssen, so beispiellos mißraten waren, daß man kaum den fünften Teil des gewöhnllichen Ertrages geerntet hatte. Man griff zu ungewöhnlichen Nahrungsmitteln, und die ärmere Klaffe fristete den Vorsommer 1817 hindurch größtenteils mit Kräutern und Wurzeln, oft ohne Salz und Schmalz, bloß mit Milch zugerichtet, das Leben. Man erwartete nun im Herbst und Winter allgemein ansteckende Krankheiten als eine Folge dieser Lebensweise, allein wir blieben davon verschont; die am meisten durch den Hunger gelitten hatten und zu halben Gerippen abgezehrt waren, blühten, als es wieder reichlichere Nahrung gab, desto frischer auf. Wir Pfarrer der hiesigen Umgegend vereinigten uns zu einer Vorstellung an S. Köngliche Hoheit den Kur­fürsten, in welcher wir die Not unserer Gemeinden kräftig schilderten. Hierauf erhielten wir für unsre Armen aus einem mittlerweile in Steinau errichteten Magazin eine ansehnliche Partie Früchte, teils ganz umsonst, teils zu geringeren Preisen. Der Anteil der hiesigen Pfarrei (Anmerkung: zu der damals die 5 Dörfer Mottgers, Schwarzenfels, Weichersbach, Oberzell nnb Züntersbach gehörten) betrug 653 Maß Korn und Gerste, aus welchen Brot gebacken und an 1350 Arme teils Umsonst verteilt, teils zu 10 Kreuzer der 3-pfündige Leib (anstatt zu 24 bis bis 30 Kreuzer, was er selbst kostete) verkauft wurde. Für die hiesigen Pfarrer waren diese Jahre ganz besonders traurig. Da ihre Besoldungen größtenteils in Zehnten bestehen, so hatten sie nicht nur selbst fast alles verloren und mußten kaufen, statt etwas zu verkaufen, sondern sie fartben sich auch noch durch die ihnen übertragene Brotaus- teilung beständig von Unglücklichen umringt, sie ganz ausgehungert waren, was an sich schon in dem teil­nehmenden Gemüte die schmerzlichsten Eindrücke stets erneuern mußte, von denen auch mehrere, in dem pein lichen Gefühl der 9iot, sich oft undankbar und mit dem angewiesenen Quanta unzufrieden bezeigten. Doch erkannte die Mehrzahl,'was der Fürst an ihnen getan hatte, und baten nach verschwundener Teuerung die Pfarrer, demselben ihren Dank zu bezeugen, was auch geschehen ist.

Auf jene beispiellose Teuerung folgte in den Jahren 1819 und 182o eine ebenso außerordentliche und seit langer Zeit, vielleicht seit einem Jahrhundert nicht stattgehabte Wohlfeilheit. Das Maß Korn kostete 50 Kreuzer, das Maß Gerste 36 Kreuzer und das große Maß Hafer 30 Kreuzer. Dagegen war jetzt das bare Geld ebenso selten geworden, wie es 1816 und 1817 die Früchte waren. Die hiesige Gegend litt hier wiederum mehr als andere, da ihre einzigen verkauf- kräftigen Artikel, das Rindvieh und die Schweine, ebenfalls unter die Hälfte des früheren Preises gefallen

waren. Hierzu kam, daß nunmehr die in den letzten

Jahren großenteils rückständig gebliebenen herrschaftlichen (Allmers).

Als Manuskript gedruckt. Verlag des Heimatbundes. Für die Schriftleitung: Lehrer Flemmig in Schlüchtern. Druck von C. H o h m e i st e r in Schlüchtern.

Abgaben mit den laufenden bezahlt werden mußten, wodurch viele in nicht geringe Verlegenheit gesetzt wurden.

Ein großes Glück war es, daß die vielen Kriegs­jahre sämtlich ergiebig waren und daß sich doch von Zeit zu Zeit Gelegenheit fand, etwas zu erwerben, um die großen Ausgaben des Augenblicks zu decken. Wäre die teuere Zeit noch während des Krieges eingefallen, der Jammer wäre nicht zu übersehen gewesen. An­steckende Krankheiten, die treuen Gefährten des Hungers, wären unter diesen Umständen gewiß nicht ausgeblieben. Vielleicht hätte selbst die Pest das mittlere und westliche Europa wieder heimgesucht.

Die Teuerung wirkte auch weit drückender als der Krieg. Es war Friede, aber niemand freute sich seiner. Jetzt ist es wohlfeil, und abermals kann sich niemand des Ueberflusses recht freuen, weil mitten in seiner Fülle ein geheimer Mangel versteckt liegt. Gott will, wie es scheint, den Menschen zeigen, daß er mehr als eine Zuchtrute habe. Sie sollen wahrscheinlich erst noch besser erkennen lernen, daß sie ganz in seiner Hand sind".

^eimatpoft

Unserm Heimatbund schloffen sich aus den Reihen auswärtiger Landsleute folgende an:

75. Zugführer Friedrich Simon in FrankfurtMain

76. Frl. Wisa Zipf in Schrecksbach

77. Frl. Anna Krämer in Fulda

78. Herr Gymnasialdirektor Dr. F. Reuß in Wesel

79. Frau Fabrikant Draxel in Hanau

80 Professor Presler in Hannover

81. Sr. Durchlaucht der Fürst von Jsenburg Birstcin

82. Herr Pfarrer Breitung in Hilders (Dank für Heimatschriften!)

83. Lehrer F. Walther in Geislitz

84. Richard Meyensckein, sind. theol., Tltenhaßlau

85. Frl. M. Meyer, Schriftstellerin, Soden.

86. Herr Pfarrer Kannegießer in Waldensberg

87 Frau Lehrer Euter in FrankfurtMain

88. Frau Hildegard Schmidt in Userin

89. Ella Mumm in Friedenau

90. Herr Seminar-Oberlehrer Adolf Schwarzhaupt in Rheydt 91. Referendar Heintz in Rheydt.

Herzlichen Dank allen, die unser Heimatmuseum beschenkt haben! Wir werden später eine Gesamtliste veröffentlichen.

Die Tagung des Heimatbundes am 3. Januar brächte über 80 neue Mitglieder. Der erste wohlge- lungene Familienabend mürbe in Elm verunstaltet; Der erste Theaterabend das Rhein-Meinische Ver- bandstheuter gab LessingsMinna v. Barnhelm" hat nicht nur den Kunstfreunden, sondern auch unserer Bundeskasse wohlgetan.

Die Herren Pfleger wollen am Mittwoch nach Ostern in Schlüchtern zusammenkommen. Näheres brieflich!

Im übrigen bleibts dabei:

Wer die Heimat nicht liebt und die Heimat nicht ehrt, Ist ein Lump und des Glücks in der Heimat nicht wert!