nahm, ab, ja hörte fast ganz auf; d>e Bauern hielten Ruhe, ja sie mieden einander förmlich. Die Wirtshäuser, vorher täglich überfüllt, standen leer. Aber diese Ruhe hatte etwas Verdächtiges, dieser Friede etwas Unheimliches, das selbst am Kurfürstlichen Hofe ausfiel. — Wilhelm I. besuchte seine 'ande und hielt Hof auf dem Schlosse zu Steinau. „In der Nähe muß ja auch Schwarzenfels liegen, wo Major S. Amtmann ist. Wie weit ist's bis dahin?" „Etwa 3 Meilen, Königliche Hoheit." „Gut, besuchen wir ihn, aber er soll überrascht werden". — Es wurde angespannt und fort ging es über Schlüchtern, am Stecket- und Kinzigberg vorbei, über Sterbfritz nach Schwarzenfels. Der ganze Ort geriet in Aufruhr, nicht zum wenigsten der Herr Amtmann. ' Doch freute er sich sehr, daß ihn sein gnädigster Fürst mit seinem Besuche beehrte. Was Küche und Keller bieten konnten, wurde herbeigeschafst, und bald saß man in fröhlichster Stimmung an der wohlbesetzten Tafel. Plötzlich ertönte von dein langen Gang her ein fürchterliches Schreien; der Kurfürst und mit ihm die ganze Tafelrunde sprang entsetzt auf. „Was ist das?" ..Beruhigen sich Ew. Königl. Hoheit", sagte der Amtmann, „ich stifte nur einen Vergleich". „Was? einen Vergleich?" „Königliche Hoheit halten zu Gnaden, wenn meine Bauern zum Prozessieren vor Gericht erscheinen, rede ich ihnen zum Vergleich zu. Gehen sie nicht darauf ein, so verordne ich dem Widerspenstigen 6 Prügel, und das wird so lange fortgesetzt, bis der Vergleich zustande kommt. Auf diese Weise sparen wir Schreiber und Kosten". — Der Kurfürst und die ganze Tischgesellschaft brachen in ein höllisches Gelächter über diese Gerichtspraxis aus. O, du Erzschelm", sagte der Kurfürst, „deswegen hat ein Kurfürstliches Obergericht zu Hanau auch gar keine Prozeßsachen mehr ans dem Amte Schwarzenfels zu erledigen. Mag deine Art Gericht zu halten den Herrn Juristen und auch meinen Bauern nicht sehr gefallen; mir gefällt sie. Ich gratuliere, Herr Ober- amtinann". —
Frankfurt a. M. Ph. Lotz.
3. Wie ein Steinauer Bürger M einem „verlobten Tag" kam.
Hat jemand alte Kirchenbücher in seiner Verwahrung, so wird er nicht selten von Bittsuchern bestürmt, die aus denselben etwas über, ihre Vorfahren erfahren wollen^ Das ist an sich lobenswert und sehr lehrreich, wenn man sich mit den Voreltern beschäftigt; und lohnend wird die Beschäftigung, wenn man eine Aufzeichnung oder gelegentliche Bemerkung findet, die über ihr Leben etwas enthält. Das spornt zu weiterem Nachforschen an und entschädigt für die Mühe, die man mit dem Lesen der z. T. unleserlichen Handschriften hat. So erging mir es vor kurzem. Ich fand beim Rathschlägen in den alten lutherischen Kirchenbüchern die Bemerkung: David Piauch aus Jungensand in Westpreußen, welcher als preußischer Soldat aus der französischen Gefangenschaft enttommen und sich zwei Jahr lang in Marjoß im Fürstentum Hanau ausgehalten hat, — wurde vom Pfarrer zu Steinau gelraut. Das war zur napoleonischen Zeit. So leicht ist das Entkommen aber nicht, dachte ich, wenn man keine Helfershelfer hat. Wo waren diese? Da hörte ich dann gleich folgende Geschichte, die verdient, der Vergessenheit entrissen zu werden: Zur Zeit der französischen Invasion gab es im deutschen Vaterland und auch im Hessenlande Patrioten genug, die einen Ruhm darin suchten, einen gefangenen Landsmann aus französischer Gefangenschaft zu befreien. Gelegenheit dazu gab es auch in Steinau, wo das herrschaftliche Schloß durch Nap icon in ein Staatsgefängnis umgewandelt worden war u. wo gelegentlich der Truppendurchzüge auf der Leipziger Straße auch nicht selten in der Katyminenkirche Gefangene untergebracht wurden. So geschah es denn auch einmal, daß in der Katharinenkirche ein Trupp gefangener Preußen für die Nacht interniert wurde, mit denen die Bevölkerung großes Mitgefühl hatte. Da faßten einige Bürger, darunter der Amtmann und I. Denhard u. a., den Plan, die Gefangenen zu befreien. Das war ein gefährliches V fangen, aber es glückte durchs Kirchenfenster hindurch, und v fangeum entschlüpften. Den kühnen Befreiern aber wäre di cinahe zum Verhängnis geworden. Der eine hatte die Unvorsichtigkeit, sich zn Hause über das Gelingen der Tat auszulassen, ohne zu wissen, daß im Reben ran in einquartierte Franzosen auch deutsch verstanden. Er wurde sofort arretiert und sollte in Gelnhausen erschossen werden,
während sein Mitschuldiger geflohen war und sich verborgen hielt. Die Sache stand für den Jakob Denhard sehr schlimm, aber er hatte in Gelnhausen Freunde, und sein Vater, der auch Soldat gewesen war, war ihm nachgereist und suchte durch Geld und Vorstellungen die Offiziere umzustiinmen. Andern Tags mußte I. Denhard sein Grab auSwerfen, dann wurde er davor gestellt, um erschossen zu werden. Als auf das Kommando die Salve von Schüssen ertönte, fiel I. Denhard um, aber die Soldaten hatten über ihn weggeschossen. Dem Jakob aber war dieser Augenblick wegen des Ernsts der Lage und des ausgestandenen Schrecks wie eine Ewigkeit erschienen. Zeitlebens konnte er diesen Tag der Exekution nicht vergessen und so oft er sich jährte, fastete er an diesem Tag. So hielt er es bis in die 80er Jahre seines Lebens, Gott dankend für seine Errettung. Dieser Tag war ihm ein Verlobter Tag.
Steinau. I. Römheld.
hinter dem pflüge.
Zum Buben spricht der Bauersmann: „Halt einmal still das 5tiergespann! Hier stand mein Vater hinterm Pflug, Und ich war jung, so jung! Man trug Ihn bald als stillen Mann zu Grab', Die Schollen fielen dumpf hinab .... Noch lehrt' er mich das Pflügen hier, Und goldne Worte sprach er mir: Willst pflügen, Sohn, dann pflüge früh; Denn köstlich ist des Lebens Müh', palt’ fest den Pflug und fahr gerad'! Zum Glücke führt ein grader Pfab! Schau nicht zurück, zur Zukunft schau', Und grabe tief und Gott vertrau'!
Sei stolz auf Bauernart und Stand, Der Bauer pflügt und nährt das Land!
Und pflügen ist ein heilig Tun, Und siehst du still die Erde ruh'n, Dann schafft und wirkt des Schöpfers panb,
Er spricht zum Aörnlein, das ins Land
Der Bauer warf: Nun wache auf!
Und ernten darf der Mensch darauf. —
Den Tätigen beschenkt die Flur, Der Tätige darf hoffen nur. — Merk' das dir, Bub'; nun fahre zu, Die letzten Furchen ziehst dann du!"
Ein heimatfrohes Volk im Dörflein dort Und einsam auf dem Hofgrund hier, Ein schollenständig Volk am Heimatort Zn seiner Eigenart und Heimatzier — Dies Hoffen soll die Zukunft uns nicht trügen—• Wir pflügen! —
Unsere Dorfkirchen.
Wir haben in deutschen Landen Kleinodien der Baukunst, die viele von uns nicht kennen, und haben sie doch jahraus, jahrein vor Augen. Ich meine unsere lieben, alten köstlichen Dorfkirchen. Wie, die alten