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Fraw Margarete von Hütten, geb. Haberkornin von Zellingen. Ihr Alter 28 Jahre. Der Gott genade“. Vielleicht war die Verstorbene Georg Friedrichs Gemahlin. In der Mitte der Steinplatten sind Frauengestalten dargestellt mit auf der Brust zusammengelegten Handflächen. Die erste zeigt außerdem die Wappen der Hütten und Küchenmeister, die zweite die der Haberkorn und Berlichingen, Voit und Scharn- stetter. Auch erinnert noch an die Herrn von Hütten ein Taufstein aus dem Jahre 1579, der im Chorraum der Kirche aufgestellt ist. Die acht Seitenflächen desselben tragen die Wappen der Hütten, Küchenmeister, Röcking, Geiling, Reimling, Schleer, nochmals Hütten und Boyneburg.
Vielleicht birgt die Erde noch manches Erinnerungszeichen an die mit der Geschichte unseres Kreises so eng verbundene Familie von Hütten zu Gronau. Sollten sich nicht auf dem Frauenberge die Fundamente der alten Burg freilegen lassen? Das wäre gewiß eine dankbare Aufgabe für den Heimatbund. Vergessen wir nicht, es handelt sich um die alte Burg desjenigen Huttenschen Stammes, der in dem Humanisten Ulrich die schönste Blüte trug.
Neuengronau. Pfarrer Kienzler.
Der Abenteuer perle
War doch das Waldwirtshaus.
Es spannten verdächtige Kerle
Die müden Schimmel aus.
Ein Bett mit Federdecken
Stand für den Gast bereit;
Das zeigte blutige Flecken. —
O gute, alte Zeit.
Und waren der Gäste hundert
Verschwunden im Waldwirtshaus,
Dann schickte der Rat verwundert
Berittene Häscher aus.
Die Leichen wurden gesunden,
Bestattet und geweiht,
Der Wirt gerädert, geschunden. —
O gute, alte Zeit.
Rudolf Baumbach.
Allerlei aus der Schlüchteruer Schulgeschichte.
Mitgeteilt von G. Maldfcld, Rektor.
(Fortsetzung).
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Aus ckr guten ulten Ieit.
Es melden Bücher und Sagen So manches Wunderding Von einem gelben Wagen, Der durch die Länder ging.
Die Rutsche fuhr — man denke — Des Tags drei Meilen weit Und hielt vor jeder Schenke. — O gute alte Zeit!
Es ward von den Passagieren Zuvor das Haus bestellt Sie schieden von den Ihren, Als gings ans End' der Welt. Sie trugen die Louisdore Vernäht in Stiefel und Aleid, Im Sack zwei Feuerrohre.
G gute, alte Zeit!
Oft, wenn die Reisegenossen Sich sehnten nach Bett und Wirt Da brummte der Schwager verdrossen „Potz Blitz! Ich hab' mich verirrt!" Von fern her Wolfsgeheule, Rein Obdach weit und breit;
Es schnaubten zitternd die Gäule.— O gute, alte Zeit!
Auch war es sehr ergötzlich, Wenn mit gewaltigem Arach In einem Hohlweg plötzlich Der Wagen zusanimenbrack. War nur ein Rad gebrochen, So herrschte Fröhlichkeit. « Mitunter brachen auch Anochen.— O gute, alte Zeit 1
Ueberhaupt wurde „eine gute scharfe Zucht fleißigst unterhalten"; doch gestattete man auch mancherlei Freiheiten.
Die Aufsicht führten zwei ledige Praeceptores, die im Kloster bei den Knaben, wenn schon in ihren „absonderlichen" Stuben und Kammern, wohnten. Jeder von ihnen hatte eine Woche lang das „Hausregiment" und die Aufsicht über alle Schüler, ohne Unterschied bis zur Prima zu führen. Der Lehrer, der „die Woche" hatte, stand im Sommer und Winter um 4 Uhr, auch-, wohl früher auf und weckte den Custos, welcher einer der Stipendiaten war. Der gab dann mit dem kleinen Glöcklein ein Zeichen, auf welches alle Knaben eilends aufstehen, sich anziehen, waschen und kämmen mußten. Nach einer guten Viertelstunde gab er das andere Zeichen. Darauf kamen alle Knaben aus ihren Kammern und stellten sich auf dem „Tabulat" oder Schlafhaus in einer Reihe auf. Der Custos rief nun einen jeden bei' seinem Namen, was der Aufgerufene mit „Adsum = hier bin ich!" beantworten mußte. Wer nicht da war, der wurde geholt und mit 3 oder 4 Streichen „gewitziget, ins künftig mit Sorgen zu schlafen, oder seinem Gesellen gute Worte zu geben, ihn zu wecken, mit den andern aufzustehen und sich fertig zu halten". Danach sprach man den kleinen Haussegen samt einem Psalm, wer einen konnte, auf der Reihe, ein jeder Knabe an seinem eigenen Tag. Sodann begaben sie sich des Sommers in ihre Kammern, des Winters, weil diese nicht geheizt wurden, in die warme Conventstube und lernten ihre Lektionen. Sie saßen dabei an zwei langen Tischen in drei oder vier Gruppen. Jede Gruppe hatte ein Licht, das ein Knabe eine Woche lang nebst Leuchter und Lichtputze zu stellen hatte. Der Präceptor, der die Aufsicht führte, horchte von Zeit zu Zeit, ob sie still wären, deutsch redeten, was verboten war, oder 1 sonst etwas anderes taten, kam auch zwei- oder dreimal hinauf und besah ihre Bücher, was sie traktierten, und