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Mebelwand rechts. Es ist eine Sandsteinplatte, auf welcher eine ehrwürdige Rittergestalt in voller Rüstung ausgemeißelt ist; — kunstvolle Arbeit, leider vom Unverstand und Vandalismus nicht unversehrt geblieben. Die Ecken des großen Mittelfeldes, in dem sich das Bild befindet, zieren die Wappen derer von Hütten, Bopneburg unb Schleer. Ueber demselben stehen die Worte: „Anno 1576 den 15. Novembris starb der edle und ehrenveste Alexander von Hütten zu Gronaw, dem Gott genade“. Unter dem Bilde lesen wir: „Unser Leben ist gleich ein fremd hin und wider reisen und wo das eherlich und löblich vollbracht, so müssen wir fröhlich und unentsetzt in göttlicher Ver- hengnuS zu dem Todt abschaiden". Als Alexander die Augen schloß, ahnte er nicht, daß sein Sohn Florian Und der Enkel Adam bereits die letzten Hütten sein sollten, die in der schönen neuen Burg aus- und ein- gingen, und daß da, wo einst die wuchtigen Tritte gepanzerter Ritter widerhallten, drei Jahrhunderte später muntere A B C-Schützen mit Schiefertafel und Fibel sich tummeln würden. Florian hatte zwar 10 Kinder gehabt, worunter 4 Söhne waren. Diese starben aber alle ohne Leibeserben, und zwar der letzte, Adam, wenige Monate nach seinem Vater am 4. September 1627. Ein Erinnerungszeichen an ihn. ist in Alten- gronau nicht zu finden, wohl aber ein solches an seinen Bruder Heinrich Albrecht. Auf der Gruftplatte, welche des letzteren Grab deckte, stehen die Worte: „Anno 1595 den 21ten Januar ist im Herrn entschlafen des edlen und ernvesten Florian von Hütten Sohn Albrecht Heinrich von Hütten. Dem Gott genade.“ Florians Namen fand Verfasser auch auf zwei Grenz- steinen unweit der sogenannten „Hütte" in Altengronau durch die Buchstaben F. V. H. mit der Jahreszahl 1611 darunter angedeutet. Leider steckte der eine Stein nicht mehr in der Erde, sondern war am Raine auf den Rasen niedergelegt.
Neben dem Denkmale des Burgerbauers^ Alexander steht in gleicher Ausführung das seines Bruders Sebastian. Die Inschrift lautet: Anno 1577 den 5ten Mai starb der edle und ernveste Sebastian von Hütten zu Gronaw, dem Gottgenade“. Darunter: „Gleich wie Christus ist auferwecket von den Todten durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln. Rom. 6.“
Sebastian bewohnte jenes Schloß unterhalb Alten- gronau, von dem heute nur noch der Name vorhanden ist. Man nennt den südwestlichen Teil des Dorfes, wo es einst stand, das Schloß. Vom Abhänge des Grauberges kann man am besten die Reste der Gräben und Wälle, welche es schützten, erkennen. Sebastians Vater, Eitel Sebastian, hatte es anfangs des 16. Jahrhunderts erbaut und 1527 unter hessischen Schutz gestellt. Schon Ende des Jahrhunderts scheint es verfallen zu sein. Sicher lag es 1648 in Trümmern. Sein letzter Bewohner war Georg Friedrich von Hütten, dessen Gruftstein jetzt an der südlichen Außenseite der Kirche angebracht ist. Leider fehlt gerade der obere Teil, auf welchem das Datum des Todes angegeben war.
Nach dem Tode Georg Friedrichs, seines Vetters
Florian und dessen Sohns Adam fielen sämtliche Alten- gronauer Besitzungen an Georg Friedrichs Bruder, Cyriak Eitel in Sannerz, dessen durch den großen Krieg in Bedrängnis geratene Kinder sich genötigt sahen, sie im Jahre 1648 für 28 500 Gulden an Amalie von Hessen-Cassel zu verkaufen.
Wenn sich aus Vorstehendem ergibt, daß sowohl die Burg Eitel Sebastians als auch die Alexanders verhältnismäßig neuen Datums sind, so erhebt sich die Frage: „Wo stand die alte Burg?" — Die Urkunden reden von der Burg Eitel Sebastians als von dem „neuen Haus unter Altengronau". Es liegt somit die Vermutung nahe, daß es ein „altes Haus über Alten- gronau" gab. Nun führt von genanntem Dorfe in nordöstlicher Richtung ein Weg den Frauenberg hinan, welcher der „schräge Burgweg" heißt, und die am Südhange des Berges liegenden Felder werden kurzweg die Burg genannnt. Wir werden also die alte Bürg auf dem Frauenberge in der Richtung des schrägen Burgweges zu suchen haben. Diese weist uns aber nach des Berges Höhe. Da liegt mitten im Walde ein mit Moos überwachsener Trümmerhaufen. Die Leute in der Umgegend nennen ihn „das alte Haus". Es scheint demnach zweifellos, daß wir hier die letzten unkenntlichen Reste der alten Burg vor uns haben. Schon 1379 scheint dieselbe recht herstellungsbedürftig gewesen zu sein; denn als Ulrich, Herr von Hanau, das Schloß an Ludwig von Hütten und dessen Ehefrau Jutta verpfändete, mußten letztere sich verpflichten, binnen 4 Jahren 400 Gulden an demselben zu verbauen und 1394 noch weitete 300 Gulden. 1434 wurden abermals 250 Gulden zu Bauten am Schlosse, Zwinger und Graben angewiesen.
Auf diese Burg hatte es einst Neidhard von Thüngen abgesehen, der mit dem damaligen Besitzer, Lorenz von Hütten, verfeindet war. In der Nacht auf den 10. November 1480 beabsichtigte er, sie durch einen Handstreich zu gewinnen. Aber sein Unternehmen scheiterte an der Wachsamkeit der Besatzung, und er verlor die Sturmleitern und anderes Steigzeug. Das Dorf Altengronau hatte den Mißerfolg zu büßen; denn nun wurde dieses angegriffen, geplündert und die Herden weggetrieben. Um die Mauern dieses Schlosses tobte auch im Jahre 1492 der Kampf, als Graf Philipp von Hanau mit den Brüdern Ludwig und Friedrich von Hütten in Fehde lag. Diesmal wurde es erobert und, wie es scheint, derart zugerichtet, daß eine gründliche Wiederherstellung mit sehr hohen Kosten verknüpft gewesen wäre. Das mag ein Hauptgrund gewesen sein, weshalb Friedrichs Sohn das „alt' Haus" auf dem Frauenberg ganz aufgab und ein „neu' Haus" unterm Dorfe erbaute.
In der Kirche zu Altengronau befinden sich noch 2 Grabsteine HuttensKr Familienangehöriger, bei denen sich aber zur Zeit nicht feststellen läßt, welcher der verschiedenen Familien sie angehören. Der eine trägt die Inschrift: „Anno 1579 den 3ten Juni starb die edle und tugendsame Jungfrau Margretha von Hütten zu Gronaw, der Gott genade“. Die Umschrift auf dem andern besagt: „1592 den 21. April ist im Herrn entschlafen die ehr und tugendsame