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MtZ DSseNHiM.

1. Die Aebbeldurde?)

Unser Nachbar Kaspar P., Gott hab' ihn selig, seines Zeichens ein gelernter Bäcker, hauste mit seiner alten Mutter, seiner Schwester Marictrant und seinem Neffen Johannes ehrbar und friedlich in seinem Hause in der Krämergasse. Bei der Bürger- garde trug ig. mit großer Auszeichnung den Schellenbaum. Mit der Bäckerei war es dazumal so 'ne Sache; die Leute, mit Aus­nahme der ganz armen, backten ihr Brot selber. Brötchen, Pali- sadcn und Zwieback wurden selten gekauft, und wer dergleichen wünschte, holte sie beim Boländer auf dcm,,Hcideküppel". Kaspars Palisaden - zwei 3 Kreuzer — und die Osterwecke wurden ge­wöhnlich so trocken, daß die Marietraut und der Hannes sie nur eingeweicht hinabbringen konnten. Kurz entschlossen ließ Kaspar den Ofen kalt, schob den großen und den kleinen Schießer oben darauf, schüttelte den Mehlstaub aus dem Kamisol, zog den Bäcker- schurz aus, spannte den Schweizer, die Blaß und den Schack an, fuhr in den Acker, baute das Feld und ward ein Bauer. Nur auf Hid hehren Feiertage, Weihnachten, Ostern und Pfingsten, rauchte der Ofen. Althergebrachte Kundschaft, die getreuen Nach­barinnen backten beim Kaspar die Fciertagsknchen, und das wollte ■ zu jener Zeit viel heißen. -

Es war am Ostersonnabend anno eintausendachthundertsieben- undvierzig; schwer lag die Teuerung auf dem Lande. In den Gebirgsdörsern herrschte Hungersnot, die der überaus trockene und heiße Sommer 1846 gebracht hatte; der Viehstand war fast vernichtet. Trotz alledem mußten zu Ostern Kuchen gebacken werben. Kaspar saß vor seinem Backofen, umgeben von seinem weiblichen Stäbe; da war die Blumin, das Ammariche, eine über­aus konragierte Frau, das Grettche mtb die sonstigen Frauen der ehrbaren Nachbarschaft. Die Tante Beck vom Sack, eine weit­läufige Verwandte P/s, hatte neben vielen andern einen Pracht- kuchen geschickt, auSgebreitet auf einem großen Blech — ich sehe ihn heute noch vor mir — war er dicht mit Aepfeln belegt, mit großen unb kleinen Rosinen gespickt lind in die Länge und die On/re durch seine mürbe Teigbänder in Karo geteilt. Frau Beck erwartete Besuch von Hanau, und da sollte der Kuchen zu­gleich ein Repräsentationsstück für des Hauses Wohlstand sein. Doch mit des Geschickes Mächten ist kein ewiger Bund zu flechten. Es tarn anders. Neidisch sahen die Frauen auf den Kuchen. „DoS is gar kenn Küche, dos is c DurdeI" .sagte die altes Blumin. Kaspar schmunzelte: „So is känner meh do!" — ' Schon beim Einschieben machte er Spargemente, und Kaspar mußte ihn auf der einen Seite hochheben, um ihn in den Ofen zu bringen. „Er is denn, er kömmt nach wieder eraus!" Damit stand «aspar auf und ging vor die Hanstür, um einmal die Gasse „ hinans und hinunter zn gucken. „Die Küche sein gut; sc müsse eraus!" erklärte das Ammariche, und dagegen gab's kcinc^Wider- rede. Kaspar setzte sich vor den Ofen, ergriff den großen Schießer unb holte die prachtvollen Kuchen einen nach dem andern heraus. Die Torte wurde vorerst auf die Seile geschoben; endlich, zu aller­letzt, tarn auch sie an die Reihe. Aber sie sperrte sich, das Loch war zu schmal, das Blech zu breit; sie ging nicht heraus. Kaspar drehte rechts, er drehte links; er nahm noch den kleinen Schießer, hob und balancierte; er fluchte wie ein Türke, alles umsonst. Um ihn herum stand mehr als ein halbes Dutzend Frauen, von welchen d c eine dies, die andere das riet. Kaspar brach der Angstschweiß aus; das Francngercdc brächte ihn vollends aus beut Häuschen. Er sprang auf, kriegte sich am Kops, rannte zur Tür hinaus und rief: „Ich häng' mich auf!" Jetzt waren die Frauen allein Herr der Situation; das Ammariche übernahm sofort den Oberbefehl unb rief: „Hol der groß' Säwel!" Der große Säbel war ein Prachtstück, ein französischer Dragonerpallasch mit prächtigem Korbe, aus den Kriegsjahren zurückgeblieben. Das Schwert mürbe herbeigeschafft; das Ammariche zog blank, machte einen Ausfall gegen das Ofenloch und fuchtelte mit der scharfen Klinge in dem Backofen um die Torte herum. „M r hol' en in Stöcker erans, e KuKebrät her zum Dranflege!" ja kam auch schon das erste Stück, dem folgte das zweite u. f-- ■. Der Anblick war zu verführerisch. Eine der Nachbarinnen gU zu und lief mit einem Fetzen zur Tür hinaus. Da stolperte Marietrant aus der Tür und rannte mit einem Stück ins Hös-

*) Apfeltorte. ____________________________________________

Als Manuskript gedruckt. Verlag des Heimatbundes. Für die Schriftleitung: Lehrer Flemmig in Schlüchtern. Druck von C. Hob meist er in Schlüchtern.

chen. Die Frau P. — sie trug eine von den gesteiften hanau- ischen Hauben, die einem griechischen Helm nicht unähnlich sahen — folgte ihrer Tochter unb lief in den Kuhstall. Da durfte der Hannes nicht Zurückbleiben; er rannte mit seiner Beute in die Scheuer. Das Grettche hatte auch eins getappt und lief schnell den Hof hinunter. „So, etzt hätte men haus, dos iß des letzt' Stück!" meinte Ammariche. Ganz von seiner Operation einge­nommen, hatte es uoit der Stronzerei nichts gemerkt; es drehte sich um und rief verwundert; „Ei, bu is der Küche hiekomme?" „Jo hie Weibsleut' und der Hannes Hot sich jedes e Stock ge- nomme!" So, is dos alles, bos üwer'g gebliewe is? Philipp, du Host der Säwel geholt, tra eu aach wieder furt oun nahm der des letzt' Stück!" verfügte Ammariche mit souverainer Macht. — Als Philipp, das Schwert in der Rechten und das Stück Torte in der Linken aus der Tür trat, kam Hannes aus der Scheuer und leckte sich die Finger ab.

So kam die Tante Beck um ihre Acbbcldnrde; der Kaspar aber hat sich wochenlang nicht bei ihr sehen lassen.

Frankfurt a. M.

W Lotz.

Heimatpost.

Ein sehr wertvolles Bild der Brüder Grimm wurde von Fräulein G. Grimm in Berlin, Tochter von Wilhelm Grimm, dem Hmnatbund überwissen. Der freundlicheil Geberin sei auch auf diesem Wege'herzlich gedankt. Aufrichtigen Dank auch Herrn Professor Schröder in Göttingen für Uebedmittelung eines Jugend- bildes Jakob Grimms. Es ist ferner gelungen, eine Reihe interessanter und wertvoller Gegenstände für das Heimatmuseum zu erwerben.

Am Sonntag, den 3. Januar 1909, findet nach­mittags 2 Uhr im „Hess. Hof" zu Schlüchtern eine Generalversammlung des Heimatbundes statt, in welcher Herr Seminardirektor Dr. Grau einen Vortrag halten wird. Vielleicht gelingt auch cuie^Icine AllSüiflluna. die- zeigen soll, worauf es beim Samiueln für das Heimatmuseum ankommt.

Unser Heimatbund ist auf 180 Mitglieder ange- wachsen, darunter folgende Landsleute und Freunde unserer Heimat außerhalb des Kreises:

53. Herr Rentier Eckhardt in Wiesbaden

54. Frau Amtsgerichtsrat Winneberger in Altkirch (Elsaß:

55. „ Geheimrat Briesen in Celte

■ 56. Herr Ernst Köhler in Lewa (Deutsch-Ostafrika'

57. „ Pfarrer Sanibert in Hanau

58. Frau Regierungsrat Baronin von Hauteville in Cassel

59. Herr Kaufmann W. Heilmann in Schierstein

60. „ Geh. Justizrat Köhler in Cassel

61. „ Pfarrer Göbcls in Hanau

62. „ Pfarrer Frischkörn in Altenhaßlau

63. „ Wendel Grünbaum in Fulda

64. „ Kretsschulinspektor 'Leimbach in Namslau

65. Frau Direktor Hops in Herborn

66. Herr Pfarrer Roll in Hofbicbcr bei Fulda

,67. „ Stadtschulinspektor Hahne in Hanau

68. „ Oberförster Göbcls in Hachenburg

69. „ Pfarrer Hoffmann in Lagenselbold

70. „ Forstmeister Fenner, Forsthans Wolfgang bei Hanau

71. „ Amtsrichter Hadcrmann in Jdstcin

72. „ Lehrer Werner in Wächtersbach

73. Frau Steuerinspektor Blume in Eisenach

74. Schwester Auguste in Meerholz.

Herzlichen Heimatgruß! Wir bitten, fleißig für den Heimatbund ZU werben!