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folgte ihm und las einen Schriftabschnitt aus dem Alten Testamente vor. Die Nachmittagsandacht verlief ebenso. Nur wurde statt des Abschnittes aus dem Alten Testamente ein solcher aus dem Neuen Testamente verlesen und statt des Morgengebetes ein Abendgebet gesprochen. Die Mittagspause lag zwischen 10 und 12 Uhr. In der Stunde von 12—1 Uhr fand Montags und Donnerstags Mathematik-, Dienstags und Freitags Gesangsunterricht statt. Alle 3 oder 4 Wochen wurden auch Disputationen über Fragen aus der Grammatik, der Rhetorik und namentlich der Logik und Theologie veranstaltet.
Zweimal im Jahre und zwar stets in der Woche vor der Frankfurter Oster- und Herbstmesse hielt man Examen ab. Sechs oder sieben Wochen vorher wurde alles wiederholt, was gelernt worden war. Dabei wurden die Knaben „scharf angehalten". In der Woche vor dem Examen diktierte der Rektor selbst nachmittags einer jeden Klasse eine Versetzungsarbeit, ein „Exercitium pro loco“, nach dessen Ausfall die Plätze gegeben und die Versetzung in die folgende Klasse vollzogen wurde. Die Arbeiten mußten unter Aufsicht der Lehrer ausgeführt werden, wurden aber von dem Rektor korrigiert und im Examen dem Inspektor und den übrigen Examinatoren vorgelegt. Das Examen selbst fand in der vorerwähnten großen Stube des Klosters statt, in welcher eine lange Tafel mit vielen Stühlen stand, und dauerte gewöhnlich vom Montag bis zum Donnerstag. Die obersten Schüler der Prima luden hierzu den gräflichen Amtmann in Steinar?) und den geistlichen Inspektor, sowie den Stadtschreiber von Schlüchtern, zwei andere den Pfarrherrn, die beiden Hilfspfarrer, die Aerzte und andere angesehene Personen ein. Das Examen währte täglich von 7 bis 10 und von 12 bis _4 Uhr und wurde jedesmal mit einer Andacht begonnen und geschlossen. Der Inspektor prüfte am meisten und namentlich sehr scharf die oberen Klassen. War eine Klasse fertig, so hatte sie Ferien. Die übrigen Klassen dagegen erhielten solange Unterricht, bis sie an die Reihe kamen. Waren alle Klassen geprüft, so wurde das Examen in Beisein aller Examinatoren, Lehrer, Schüler und Gäste mit einer lateinischen Rede und einer musikalischen Aufführung geschlossen.
Die fremden Schüler zogen nun heim in die Ferien und kamen nach drei Wochen wieder. Die Stadtknaben aber und andere Schüler, die dageblieben waren, gingen schon wieder in der Woche nach dem Examen zur Schule, doch nur morgens 2 und nachmittags 1 Stunde. Auch wurden gewöhnlich zwei oder drei Klassen zu einer „zusammengestoßen", mit der dann einer der nicht verreisten Lehrer „repetierte". Andere Ferien als diese zweimal drei Wochen im Frühjahre und Herbste gab es noch nicht
Die Schüler bewohnten im Kloster besondere Kammern oder „Losamenter". In einer jeden Kammer standen gewöhnlich zwei Bettladen. Diese wurden nebst Tisch, Bank und Bücherbrett von dem Kloster gestellt. Die Betten samt Zubehör dagegen hatten die Eltern zu liefern. Sie wurden durch das „Klostergeschirr" abgeholt und wieder zurückgefahren, wofür der Knecht
*) SchtüWern gehörte zur Grafschaft Hanau, und die Grafen von Hanau waren die Schutzherren des Klosters.
ein „Trankgeld" bekam. Die Betten machten die Knaben selbst oder ließen sie durch andere Knaben machen. Jedes Frühjahr und jeden Herbst kam frisches Stroh in die Bettladen. Waren nur wenige Zöglinge da, so benutzte man die leeren Kammern zu Studierstuben, besonders diejenigen, deren Fenster hinaus aufs Feld gingen. Ein Raum, die sogen, „lange Stube" diente als Krankenzimmer. Die Schülerkammern wurden im Winter nicht geheizt.
Die Kost war sehr gut und reichlich. Morgens um 7 Uhr wurde eine Suppe und ein halbes Brötchen, ein sog. „Tellerlaiblein" gereicht. Zu Mittag gab es am Sonntag, Dienstag und Donnerstag, den sogen. „Fleischtagen", Suppe, Zugemüse, Fleisch und Braten; an den anderen Tagen statt des Bratens Butter und Schafkäse und Freitags und Sonnabends statt des Fleisches Stockfisch und Plattnasen. Dazu wurde jedem Schüler ein Brötchen und ein Becher Bier gereicht. Sonntags und an Festtagen aber wurde Wein getrunken. Das Eßbesteck mußte jeder selbst mitbringen. Abends gab es gewöhnlich noch ein Fleischgericht. Es wurde dreierlei Tisch geführt: für die Lehrer und Klosterbeamten, die Kostgänger und die Stipendiaten. Die adeligen Schüler speisten mit den Lehrern und Klosterbeamten im alten „Refektorium", dem ehemaligen Speisesale der Mönche, neben der Küche, jetzt die „große Stube" genannt. Die übrigen Kostgänger und die Stipendiaten empfingen ihre Mahlzeiten im sogen. „Stipendiatenhaus", das abgesondert vor der Südfront des Klosters stand und noch heute steht?) Es enthielt im Oberstocke zwei kleine Säle. Im Erdgeschosse wohnte der „Oiconomos", der Klosterschaffner, der für die Bedürfnisse aller Tische zu sorgen hatte. Die Aufwartung an diesen lag abwechselnd jedesmal zwei Stipendiaten ob. Diese hatten Brot und Bier herbei- zuholen, das tm Speisezimmer hängende kupferne Handfaß mit Wasser zu versorgen, die Speisen auf- und abzutragen, den Knaben die Becher zu füllen u. a. m. Erst wenn sie diese Dienstleistungen verrichtet hatten, speisten sie in ihrem Saal. Tischzeit war vormittags
10 Uhr und abends- 5 Uhr. Sie wurde mit der „Eßglocke" angezeigt, die von einem Stipendiaten geläutet wurde und zwar ziemlich lange, damit es die Kostgänger, die in der Stadt wohnten, hören und sich einstellen konnten. In der Eßstube hing über dem Wassersteine ein großes Handfaß mit Hahn. Neben an der Wand befand sich ein Kleidergestell mit zwei Lehnen, um die Mäntel und Ueberkleider darüber legen zu können. An der Wand selbst hingen die Handtücher oder „Handspell", die zum Abtrocknen der nach der Mahlzeit zu waschenden Hände dienten. Zweimal in der Woche wurden die Tischtücher und „Handspell" gewechselt. Die Mahlzeiten dauerten werktags eine kleine halbe Stunde, sonn- und feiertags aber länger. Des Morgens und des Abends wurde vor und nach dem Essen deutsch, des Mittags aber lateinisch gebetet. Denjenigen Knaben, die nicht zu Tische kommen konnten und es vorher bestellten, hob man Brot, Fleisch und Bier auf. Wer aber unentschuldigt die Tischzeit ver- säumte, mußte „Nachsehen". (Fortsetzung folgt).
*) Jetzt Dienstwohnung des Scmincwoberlchrers.