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schon dcr Steinauer Markt liegt". Zeitungen zur Bekanntgabe dieser Abänderung gab es nicht, deshalb wurde sie schon am Lichtmeßmarkte unter Trommel- schlag bekannt gegeben. Die Alten unter uns erinnern sich noch, welch' ein Gedränge an den Hauptmarkttagen in der Obergasse (Fuldaer Straße) war, und auch wir Jüngere Wissens noch aus dem Anfang der 80er Jahre, wie, der Stadtdiener Scholl mit Mühe für ein Gefährt, dessen Führer ihn um Beistand angesprochen, die Bahn frei machte. Und nun gar erst vor 200 Jahren, als die Märkte die Kaufläden von heute fast ersetzten und die Handwerker, die auchauf Vorrat schafften", ihre Erzeugnisse feilboten. Jedes Dorf sandte Scharen von Marktgängern ins Städtchen, und die Aufforderung: Kaff mer e Moattstöck!" wurde oft gehört und nicht selten befolgt. Jetzt bekamdes Hannesche" die Winter- Kappe für dieGang in die Parrstonn" oder der Kasperdes wolle Halstuch", das einem Kummet ver­gleichbar, dem armen Kerl von Martinstag bis um Pfingsten am Halse saß. Auch Gote und Rätter sahen sich jetzt schon bezügl. der Neujahrsgeschenke vor, denn me wäß niert, bie am Nikelafemoatt es Wäre is". Am dichtesten war das Gewühl in den Mittagstunden und ein meisten umstanden der Platz der Marktschreier den heute noch derbillige Jakob" entnimmt. Dort versorgte man sich auch bei denAertzten" mit Mitteln gegen dasGliederreißen und LungenkeucheN" und kaufte Pillen und Pülverchen gegen allerlei Gebrest bei Menschen und Vieh. Die Markttage waren die Erntezeiten für die Gastwirte; denn die meisten Markt­besucher ließen gern'was draufgehen". Von einem Bauern aus dem Fuldifchen" wird erzählt, daß er im rothen Löwen auf einen Sitz ein Gehengk Knobeline bei sich gepackt habe". Dem Pfarrherrn Johann Mau­ritius Kochcndörfcr von Hintersteinau war solchesAus­laufen der Jugend auf die Kirchmessen und Märkte der Nachbarschaft" ein Aetgernis, und er ging mit Ampthülfe" dagegen vor, um, wie er sagt,der Trunkenheit und Völlerei zu steuern". Aber sein Wehren und Mahnen scheint vergeblich gewesen zu sein; noch waren die Folgen des großen KriegesArmut, Roheit und Zuchtlosigkeit nicht überwunden, und die Klage über den Tiefstand des Gemeindelebens klingt noch lange aus den Kirchenvorstandsprotokollen seiner Nachfolger. Derkalte Moatt" war die Schlüchterner Kirmeß. Aus allen Gaststuben drang der Ton der Fidel und der Juchschrei der Tänzer. Ein Bauer zahlte für sich und seinen Sohn denMarktgang"mit einem Kälblein. Doch sei hier bemerkt, daß anno 1714 das Pfund Schweinefleisch 5, Hammelfleisch 4, Schaf- fleisch 3'/,, Kalbfleisch 3'/,, Rindfleisch 4 -41/., Kreuzer kostete; drei Pfund Roggenbrot wurden mit eine n Batzen, das Maß Korn wurde mit 1 fl. 15 bezahlt.

In den Schenken hielten die Stadtknechte auf Ord­nung, im Marktgewühl die Marktwächter und Markt- beseher. Die amtliche Marktwage befand sich in der Halle unterm Rathauß". Leichte Verfehlungen gegen

die Gesetze lvurden meist an Ort und Stellegebüßt". In bezug auf zu entrichtende Abgaben war folgendes bestimmt:

Das Standgeld wird alliier auf die Markttage erhoben, und zwar van jedem Stand, nachdem der Mann ist und Loßung hat,

bis auf 1, 2, 3, alb., wovon bie Marktwächter und Stadtknechte bezahlt und denen Bürgermeistern jedem 1 Maas Wein gebühret, das übrige zur Hälfte gehöret dem Centgraf und der andere Theil denen Herrn Bürgermeistern, und wird diese Hälfte durch die Bürgermeisterrechnung geführet und der Stadt berechnet. Das Marktgeld behörct den Marktbesehern, welches von jedem Aus­ländischen, so etwas feil hat, beträgt einen Kreutzer, wird aber sanften außer denen Märkten nichts bezahlt".

Heute ist die ganze Marktherrlichkeit verschwunden, selbst zumkallc Moatt" werden nur noch einige Stände" aufgeschlagen. Es gibt andere, bequemere und bessere Kaufgelegenheiten. Man würde auf diesem Wege auch ben gesteigerten Ansprüchen nicht mehr ge- migen können. Aber schön war's doch noch anno 1886, als wir uns bei derHerbsten von Fulda" ein Magenbrot" für 4 Pfennige holten oder die.^-Lateiner beimFangerjes-Spiele" in das irdene Geschirr gerieten! Oder wenn wir beim Zinngießer gegen zerbrochenes Zinngerät eine kleine Zinnpfeife eintauschten und dem Sodener Schuhhändler zuhörten, welcher der Bauers­frau versicherte:Die Schlappe Halle ewig, bann Nähl neikomme". Gemeint hat er die Nägel an den Fußzehen. ... Flg.

Heimatpost.

Die Zahl der Mitglieder unseres Heimatbundes be­trägt jetzt 140. Von Landsleuten oder Freunden unserer Heimat in der Fremde traten weiter bei:

27. Herr Baurat Fritz Maurer in Bernburg (Anhalt)

28. Gottfried Stell in Köln a. Rh.

29. Professor Dr. Schnegelsberg in Jever

30. Pfarrer Kahl in Bockenbeim-Frankfurt

31. Pfarrer Hattendorff in Fulda

32. , Pfarrer Pfeiffer in Berlin N. W.

33. Adam Schäfer in New-Uork

34. Architekt Alfred Weichel in Forst

35. .. Karl Knüll in Bischofsheim

36. John Denhard in Sau Francisco

37. Major Spangenberg in Köln a. RH.

38. Julius Schäfer in Hanau

39. Frau Dr. Tremel in Forchheim

40. Herr Bibliothekar Dr. Krollmann auf Schloß Schlobitten

41. Restaurateur Schröder, Bahnhof Salzschlirf

42. Lehrer Hasenstein in Niederhoue

-3. Graf zu Solms-Laubach, Schloß Arusburg

44. Lehrer Rüder in Mittelbuchen

45. W. Thaler, Königsberg i Pr.

46. Georg v. Paris, Schutzniaun in Frankfurt a. M.

47. Frau von Sanftein in Frankfurt a. M.

48. Herr Steuerinspektor Müller in Fulda

49. Pfarrer E. Pfalzgraf in Hull (England)

50. Apotheker Karl in Freiensteinau

51. Oberstaatsanwalt Rabe in Köln a. Rh.

52. Regierungs- it. Schulrat Mühlmann in Cassel.

Auch bcmBund für Heimatschutz" (Sitz Meiningen) hat sich der Heimatbund angeschlossen. Unser Bund ist interkonfessionell. Es kann inUnsre Heimat" jede Richtung bezüglich der Geschichte unsres Heimatkreises zum Worte kommen. Die Verfasser tragen selbst die Verantwortung für ihre Ausführungen.

Die von' Professor Schultze-Naumburg verfaßte SchriftDie Entstellung unseres Landes" ist von der Geschäftsstelle des BundesHeimatschutz" in Meiningen Feodorenstr. 8, gegen Einsendung von 45 Pfg. zu be­ziehen. Sie sei unsern Freunden empfohlen!

Als Manuskript gedruckt. Verlag des Heimatbundes. Für die Schristleitung ---Druck von C. H o h m e i st e r in Schlächtern.

Lehrer Flemmig in Schlüchtern.