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retten, so ist es höchste Zeit. Jedes Jahr bedeutet für dieses Werk einen Verlust, da die Unwissenheit der Besitzer und das Suchen der Altertumshändler mehr und mehr Gegenstände zerstören oder außer Landes bringen.
Im Folgenden stelle ich nun auf Ersuchen des Vorstands meine Gedanken über die Einrichtung einer Schlüchterner Altertumssammlung zur Erwägung, die aus der Liebe zur Heimat hervorgehen und auf der Kenntnis vieler privater und öffentlicher Sammlungen im In- und Ausland beruhen. Auch die Anregungen des verst. Pros. Moritz Heyne waren mir von großem Wert. Dieser verdienstvolle Mann hat im Jahre 1889 mit kleinen Anfängen eine Sammlung in Göttingen begründet, deren Wert jetzt in die Hunderttaufende geht, und die in manchen Abteilungen das Germanische Museum in Nürnberg übertrifft. Etwas so Großes können wir für Schlüchtern natürlich nicht hoffen, aber etwas Befriedigendes und Wertvolles kann bei sachkundiger und liebevoller Arbeit auch dort zu stande gebracht werden. Meine Aufstellungen und Angaben können natürlich nicht vollständig sein, sondern bedürfen der Erwägung um so mehr, da ich nun seit 25 Jahren nicht mehr in näherer Berührung mit der alten Heimat stehe; nur Richtlinien möchte ich hier geben.
Vorgeschichtliche Altertümer.
Diese Abteilung wird zwar aus verschiedenen Gründen nicht sehr reichhaltig werden, immerhin aber mag ach manches aus der Zeit vor Christi Geburt finden Steinwerkzeuge, altgermanische Mühlsteine, Kupfer- und Bronzeschmuckstücke, Tongefäße und dergl. sonst vorkommende Gegenstände mögen wenigstens in dein wohl zuerst besiedelten Kinzigtal anzutreffen sein. Schlüchterner Lokalpatriotismus behauptete, daß der Drasenberg der Berg des Drusus sei, aber selbst der Progymnasiast lächelte einst schon ungläubig zu den begeisterten Erzählungen des alten Lotz, der auch auf das „Huhn" einen Lagerplatz der Hunnen verlegte. Ein Kupfergeldstück aus dem Jahr 370 habe ich einmal in Hohenzell gefunden, aber es war — im Klingelbeutel. Schlüchtern lag außerhalb der römischen Befestigungslinie, so können also nur von gelegentlichen Durchzügen einzelne Stücke zurückgeblieben sein. Ueber etwaige Römerspuren in der Obergrafschaft Hanau wird wohl .am besten unser Schwarzenfelser Landsmann, Herr Prof. Dr G. Wolff in Frankfurt, der verdiente Limesforscher, Auskunft geben können, dessen Hülfe ich überhaupt dem Heimatbund wünsche. —
Aus der Zeit des Mittelalters wird naturgemäß auch nicht sehr viel vorhanden sein. Die einzige Stadt in unsrem Gebiet war Steinau, und ihre Bedeutung lag weniger in den Häusern der Bürger, als in den Gerichtsstuben der Obrigkeiten; größere Wohlhabenheit kann fast nirgends vorhanden gewesen sein, weder auf den Burgen unsres Landes — Ulrich von Hütten berichtet ja über die Enge und Dürftigkeit des väterlichen Hauses —, noch bei den Bürgern, noch bei den Bauern, hier herrschte vielmehr die Armut vor. Was etwa aus alter Zeit vorhanden war, haben int 30jährigen Krieg die Soldaten des Würzburger Bischofs gründlich vernichtet, so sehr, daß in einem Dorf nicht
einmal ein Brett vorhanden war, auf dem man eine Leiche ins Grab legen konnte. Manch schönes Gerät mag im Kloster zu Schlüchtern gewesen sein — aber auch das ist alles hin. Doch unverdrossen sammeln wir auch dürftige Ueberreste. aus allen Zeiten unsrer Heimat; wir werden sie in folgende Abteilungen ein- ordnen.
Kirchliche Altertümer.
Hierher gehört in erster Linie alles, was zu dem Kloster Schlüchtern in Beziehung steht. Es wird sorgfältig auf alle Bodenfunde geachtet werden, die in der Nähe des Klosters oder in ihm gemacht werden; vielleicht gibt auch der Staat, dem bisher so wenig an der Erhaltung des Ursprünglichen gelegen war, dies oder jenes heraus. Die katholischen Gegenden des Kreises werden manches alte Stück besitzen, das in dem sicheren Gewahrsam der Sammlung gut aufgehoben wird. Die reformierte Kirche, die nach der Reformation die Kirchen gründlich umgestaltete und durchweg in unserer Heimat geherrscht hat, wollte das Sinnliche verbannen und eine Verehrung Gottes „im Geist und in der Wahrheit" allein gelten lassen; und unser weltberühmter Landsmann Jak. Stimm, ein echter Sohn unsrer Heimat, sagte einmal, daß er nirgends andächtiger als in einer schmucklosen reformierten Kirche sein könne. Auch die später durch die Hanau—Lichtenberger Linie gegründeten lutherischen Kirchen hatten ganz die oberdeutsche einfache Art. Verzierungen waren fast nur an Orgel und Kanzel. Man sammele dergleichen Ornamente, ferner einen alten Abendmahlstisch, Lesepult des Lehrers, Abendsmahls- und Taufgeschirr, die nicht mehr gebraucht werden; alte Bibeln, Gesangbücher (aus der Zeit vor 1770 besonders), Katechismen, Kirchen- ordnungen, Agenden, Gebetbücher (von Dr. Mel und andere), Predigtbücher, Klingelbeutel, Opferbüchsen und Opferstöcke, auch alte Totenkränze aus den Kirchen, Grabtafeln, (in reformierten Gegenden waren die Kreuze nicht gebräuchlich), usw.
Israelitische Altertümer werden ohne Zweifel gern in die Sammlung gegeben werden, z. B. Thorawickel und -mäntelchen, Vorhänge, gestickt oder gemalt, Gebetsriemen, Wandleuchter, Sabbathleuchter, Geräte, Gegenstände vom Passah-, Purim-, Kippur-, Laubhütten-, Chanukkafeste, Bücher u. a. m.
Bilder des Klosters und der Kirchen, besonders aus älterer Zeit, müssen zusammengebracht und aufgehängt werden. Urkunden kirchlichen Ursprungs werden im Original oder in Nachbildungen in Glaskästen ausgelegt. Auch Zeugnisse des Aberglaubens: Himmelsbriefe, Ringe, Schnüre u. s. m.
Das Schulwesen.
Alte Schulordnungen, Schulbücher (sehr schwer zu haben), Vorschriften, alte Anschauungsbilder, Griffel- und Federbüchsen, überhaupt alles, was auf die Schule Bezug hat, wird zusammengestellt. In manchem alten Schulschrank liegt interessantes Material, das bem Moder entrissen werden müßte.
Rechtspflege und Verwaltung.
Hanau, Fulda, die Ritterschaften, Hesfen-Cassel, die Franzosen zur Zeit des Großherzogtums Frankfurt, Preußen haben Besitz verlören oder ergriffen und haben