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Kaiserliche Bestimmung von 1276, daß die Burg niemals wieder aufgebaut werden sollte, umging Ulrich dadurch, daß er die Burg an einer anderen etwas niedriger gelegenen Stelle erbaute. Er begann mit dem Bau im Winter 1387/88, nachdem er sich zuvor die Unterstützung von Mainz und Würzburg gesichert hatte. Hanau, darauf bedacht, daß der die Gegend beherrschende Punkt unbefestigt bliebe, drohte mit Fehde, gab sich aber schließlich mit der Versicherung zufrieden, daß ihm von dem „slosze Steckelnberir“ kein Schaden geschehen sollte. Nach des kinderlosen Ulrich Tod kam die Burg an seinen unmündigen Neffen Ulrich, für den die Vertreter der anderen Hutten'schen Linien die Vormundschaft führten. Ihr Mündel starb frühzeitig (1423). Die Burg wurde nun gemeinsames Besitztum der weitverzweigten Hutten'schen Linien, den ritternläßigen Wohnsitz in ihr besaßen jedoch nur die Altengronauer. Im Jahre 1452 werden als Besitzer (Ganerben) der Burg genannt: Lorenz v. H. zu Alten- gronau, Ludwig v. H. zu Stolzenberg, Hans v. H. zu Hausen, Bartholomaeus v. H. zu Arnstein und Karl von Thüngen. Da diesen fünf die Unterhaltung und Bewaffnung der Burg in der geldarmen Zeit bei ihrem geringen Einkommen zuviel Kosten verursachte, erweiterten sie die Zahl der Ganerben auf 32. Mit- ganerbe konnte jeder auch nicht zur Hutten'schen Familie gehörige werden (ausgenommen waren nur Fürsten, Grafen und Herren) unter folgenden Bedingungen : Jeder Ganerbe mußte ein einmaliges Einkaufsgeld von 100 Gulden und einen Jahresbeitrag von 5 Gulden zahlen. Das Geld sollte zur baulichen Instandhaltung der Burg verwandt werden. Jeder war angehalten, auf der Burg 4 gute Handbüchsen,
1 neue Armbrust mit Winde, 500 gestielte Pfeile, 20 Pfd. Pulver und 20 Pfd. Blei zu haben. Diese Vorräte sollten halbjährig auf ihre Vollständigkeit von zwei immer auf zwei Jahre erwählten Baumeistern geprüft werden, die auch dafür Sorge zu tragen hatten, daß stets ein genügender Vorrat von Wein oder Bier (4 Fuder) auf der Burg vorhanden war. Falls die Burg belagert wurde, sollte jeder Ganerbe einen reisigen Knecht mit Harnisch und Armbrust schicken Wenn aber die Burg verloren gehe, sollten sie sämtlich zur Wiedereroberung helfen: wer nicht mittue, nach ge- (ungenem Werk 50 Gulden zahlen u. 4 w. Dafür hatte jeder Ganerbe das Recht, von der Steckelburg aus seine Fehden zu führen und dort Schutz zu suchen. Es fand sich auch bald die festgesetzte Zahl Ganerben, bot doch in dieser sehdereichen Zeit die abseits gelegenen, schwer angreifbare, gut ausgerüstete Burg manchem einen willkommenen Schlupfwinkel. Krollmann vergleicht treffend die Institution der käuflichen Ganerb- schaft mit dem modernen Aktienbetrieb. So war um die Mitte des 15. Jahrhundert die Steckelburg eine Burg auf Aktien. Der Bischof von Würzburg und der Graf von Hanau waren aber mit dieser Neuerung nicht einverstanden. Nach 12tägiger Belagerung nahmen sie den Ganerben die Burg (1458), gaben sie jedoch bald wieder freiwillig unter Abschaffung der erweiterten Ganerbschaft an die Hutten'schen Linien zurück. Die Belagerung und Einnahme .von 1458 ist, soweit bekannt,
die einzige in der langen Geschichte der zweiten Steckelburg. —
Am Ausgang des 15. Jahrhundert ist im Besitze der Burg Lorenzen's von Altengronau Sohn Ulrich, der Vater des Dichters und Kämpfers, durch welchen der 3tame Hütten unsterblich geworden ist. Dieser Ulrich war ein unruhiger Geist. Fürstendienste und Kriegsdienste, die ihn bald hierhin bald dorthin im weiten deutschen Reich führten, sagten ihni mehr zu als das ärmliche Ritterleben auf der Steckelburg. Aber es war nicht nur das unruhige Blut und die Freude am Kriegshandwerk, was Ulrich Fürstendienste nehmen ließ; sicherlich wirkte auch seine wirtschaftliche Lage mit: seine Besitzungen brachten wenig ein, die Unterhaltung der Burg, die ihm, da sich die anderen Ganerben nicht darum kümmerten, allein oblag, erforderte nicht unbedeutende Mittel, die er sich durch Fürstendienste zu verschaffen suchte. 1509 wurde von ihm die Burg durch Anbau eines Rondells, Geschützturms, erweitert, über dessen Eingangspforte noch heute sein Name und die Jahreszahl 1509 zu lesen find. Ulrich starb 1522 auf der Steckelburg. Die Bedeutung seines großen Sohnes zu würdigen fällt nicht in den Rahmen dieser Skizze. Nur seiner Beziehungen zu unsrer Burg soll gedacht werden. Hier wurde er 1488 geboren, hier verlebte er seine Jugendzeit bis zur Aufnahme in's Kloster zu Fulda (1499); durch seine Flucht aus Fulda (1505) mit seinem Vater zerfallen, mußte er jahrelang der Heimat fern bleiben. In der Ferne hat er oft in seinen Briefen und Schriften des väterlichen Stammsitzes, der arr Hutteniea, gedacht. Erst im Jahre 1515 öffneten sich ihm wieder nach vorausgegangener Versöhnung mit dem Vater die Tore der Heimatburg. Aber der Aufenthalt in ihr konnte seinen unruhigen, feuerigen Geist (ein väterliches Erbe) nicht fesseln Wenn er in einem Brief aus dieser Zeit an Willibald Pirkheimer das ße^en und Treiben auf den Ritterburgen ausmalt, so dürfen wir wohl annehmen, daß er die Farben zu diesem Bilde der väterlichen Behausung entnommen hat. Er schreibt: „Kein Leben ist mühseliger und unruhiger als das auf unseren Burgen. Die Bauern, welche unsere Fluren bebauen, sind äußerst arm Was wir von ihnen erhalten, ist sehr wenig. Wir müssen uns stets dem Schutz eines mächtigen Fürsten unterwerfen, und selbst dann stehen wir in Gefahr, wenn wir die Burg auf kurze Zeit verlassen, einem von denen in die Hände zu fallen, die mit unserem Schirmherrn in Fehde leben. Wir dürfen uns nicht zwei Ackerlängen von unserer Burg entfernen, ohne vom Kopf bis zu den Füßen bewaffnet zu sein. So müssen wir das nächste Dorf besuchen, so auf die Jagd und zum Fischfang gehen. Kein Tag vergeht, ohne daß zwischen unseren und den Bauern unsrer Nachbarschaft Streitigkeiten entstehen. Da sollen wir schlichten. Geben wir zu viel nach, so schaden wir den Unsrigen, bestehen wir hartnäckig auf unserem Recht, ziehen wir uns Fehden zu. Und dann die Burg selber: von engen Mauern umschlossen, eingeengt durch Viehställe und Waffenschuppen. Pulverkammer und Geschützstände, voll Pech, Schwefel und anderem KriegS.lpparat. Ueberall im Hause riechtS nach Pulver