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Aber es macht sich immer wieder, da eine verborgene Meisterhand nachhilft, und dadurch hernach jedesmal vieles besser wird als vorher. Es geht doch immer auswärts! Wer tiefer gräbt und nach den Ursachen des Geschehens fragt, gewahrt auch, daß jedem Geschlecht ein gewaltig Teil Verantwortung gegenüber seinen Erben zufällt, daß die Gehenden den Kommenden bis zu einem gewissen Grade zum Fluch oder Segen werden. Jede Generation sieht sich vor die Frage gestellt:Jst's gut, wenn die Kinder werden, wie ihr seid?" Und die, welche sie hören, fangen an zu sinnen und zu arbeiten, viele aber überhören sie. Noch viel deutlicher aber steht das andere zwischen den Zeilen der Blätter geschrieben, die vom Werden und Vergehen reden: Tut eure Pflicht während der kurzen Spanne Zeit, die euch zugemessen ist! Baut treu da weiter, wo die Väter aufgehört haben! Habt die Heimat lieb! Haltet ihr die Treue !"

Das ist nämlich ein weiterer Gewinn, der dem Suchenden aus den alten Blättern zuströmt, die von den Geschicken der Heimat in längst vergangener Zeit erzählen. Wir merken, daß die Heimat ihren Anteil an der Volkslast auch getragen hat und ahnen etwas von der Kraft, die die Väter in furchtbarer Notzeit fähig machte, unendlichen Jammer zu tragen Dann spinnen sich auch Fäden von der Gegenwart hin zur Vergangenheit und verknüpfen unser Denken fester mit Boden der Heimat, die wir um so höher werten, je tiefer wir in ihre Geschichte eindringen. Dann erscheint es uns unfaßbar, daß jemand in der Fremde die Heimat vergessen kann und als geradezu unnatürlich die Flucht ohne Not von der heimischen Scholle in die Ferne. Gewiß, es giebt Menschen, die wurzeln so fest im Heimatboden, daß sie aus viel Erstrebenswertes verzichten, nur, um in der Heimat bleiben zu können. Sie würden draußen doch nie ganz glücklich werden, weil stets ein letzter, untilgbarer Rest von Heimweh im Herzen wachbliebe. Für manche wäre es sogar der Tod ihrer Persönlichkeit, würden sie gewaltsam aus dem Mutterboden in fremde Erde verpflanzt. Dessen­ungeachtet bleibt aber das andere auch wahr: Zu geschichtlichem Sinn und zur Heimatliebe müssen bis meisten Menschen erst erzogen werden. Das gelingt aber am besten, wenn man sie einführt in die Geschichte der Heimat Ich meine, es muß den Landmann stolz und stark machen, wenn er bedenkt: Es ist Heimaterde, die du pflügst, wieviel mal sie auch seit der Urväter Tagen ihr Angesicht gewechselt hat. Es muß ihm weh tun, die Scholle, die schon die Väter genährt, in andren Händen zu- sehen. Wo's anders ist, ist etwas nicht Ordnung. Aus .dem Spekulieren mit der hei­mischen Scholle erwächst viel Elend!

Wir erhalten durch das Forschen in der Heimat- geschichte endlich auch mehr Interesse und-Verständnis für manche andere Kunde aus der Väter Zeit. Wir erkennen den Wert manches verachteten oder nicht be­achteten Erbstücks, sei es, daß wir Alte schauen in der Tracht einer halbvergessenen Zeit oder den fast verwischten Spruch an der Giebelwand eines Bauern­hauses lesen. Es scheint uns, als fänden wir Perlen im Schutt, wenn wir ein Wort hören, in dem die

Väter eine erkämpfte oder erfahrene Wahrheit nieder­gelegt haben, oder wenn wir auf eine gute Sitte, einen schönen Brauch, ein sinnig' Lied aus ihrer Zeit treffen. Der freilich wird kein Verständnis für all' dies ge­winnen können, dessen Augen nur an dem hängen, was die Kasse beleiht und jederzeit versilbert werden kann. So kommt's, daß der eine den Acker liebt, weil ihn schon der Vater besessen, der andere ihn aber nur deshalb schützt, weil er die Hypothek trägt.....

Flg. .

^em HeimMötskim

Du Dörflein dort im Wiesengrund, Umblüht von Blumen weiß und bunt, Umkränzt von grüner Baumeszier, Wie grüßt du freundlich her zu mir! Du trautes ^eimatbörflein mein, Dich schloß ich ganz ins Herz hinein!

Dort unten meine Wiege stand, Gewiegt von treu'ster Blutterhand Dort blühte mir der Jugend Glück, Zu dir kehr' ich so gern zurück! 'in Lust und Leid, in Freud und Schmerz Schloß ich dich, Heimat, treu ins Herz!

^remb blieb die Fremde immer mir, Die Heimat fand ich nur in dir!

Drum, schließ ich einst die Augen zu

In weiter Fern' zur ew'gen Ruh, Soll meine letzte Bitte sein: Gott segne dich, du Dörflein klein!

Breitenbach. A. Kreß.

Schlüchtern u. Steinau im Streit

anno 1548.

Aus der Vergangenheit hört man immer gern er­zählen. Und das neue BlättchenUnsere Heimat" will ein solcher Erzähler sein. Wie eben das Dörfchen aussieht, das weiß man, das sieht man. Wie es aber ehedem war und aussah, das weiß man nicht, möchte es aber wissen, um an dem Einst das Jetzt zu messen. Von den alten Zeiten nun reden Denkmäler, alte Häuser, alte Flurnamen und Urkunden. Unter den letzteren ans unserer Gegend sind die frühesten diejenigen, welche Schenkungen begüterter Personen an benachbarte Klöster betreffen. So gibt es eine ganze Anzahl llr- kunden über Schenkungen von Gütern der Gemarkung Elm am das Kloster zu Fulda. Solch ein kultiviertes und geschenktes Stück Ackerland wurde Bifang genannt von der Ackerfurche, von welcher eine neben die andere gezogen wird. Nicht wenige Urkunden betreffen aber auch Grenzstreitigkeiten der Dorfschaften untereinander. Wer weiß, mit welcher Hartnäckigkeit auch in unserer