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Heschichte der Murg Ichwarzenfels.

Von hohem Bergesrücken, verödet und allein,

so schaut mit ihren Türmen die Burg ins Land hinein".

Einer echten Gebirgsbahn gleich, bald unter, bald über der Erde dahin schlüpfend, bald an Berghängen, bald über hohe Dämme sich windend, nimmt der Elm- Gemündener Zug mit Leichtigkeit alle Hindernisse, die ihm dadurch entstehen, daß zwischen den Stationen Elm und Mottgers sich Vogelsberg, Spessart und Rhön die Hände reichen. Auf letzterem Haltepunkt veranlaßt uns ein Blick in das unter uns liegende Sinntal zum Aussteigen, bietet sich uns doch ein ganz bezauberndes Bild. Dicht zu unseren Füßen das zwischen blühenden Obstbüumen liegende Dörfchen Mottgers, dahinter, wie aus einem Steinbaukasten aufgebaut, das ehemalige Blaufarbenwerk, jetzige Forsthaus und noch weiter im Hintergründe Weichersbach mit seiner alten, aber nicht unschönen Kirche, alles umrahmt von grünen Fluren und waldigen Bergen. Was uns jedoch am meisten anzieht, das ist das gegenüberliegende Schwarzenfels mit seiner Burgruine. Da uns letztere einer genaueren Besichtigung wert erscheint, entschließen wir uns kurz zu ihrem Besuche und scheuen nicht den mühsamen Weg hinab in das Tal der schmalen Sinn und drüben den steil emporsteigenden Hopfenberg hinan Nach halb­stündiger Wanderung stehen wir am äußeren Burgtore.

Nicht sieht man stolze -Ritter in ihrem Eisenkleid, auch nicht auf weißem Zelter des Burgherrn stolze Maid."

Noch sind neben und an dem heutigen Glockenturme Spuren eines früheren Torgebäudes sichtbar, das im Herbste 1860 durch Brand vernichtet worden, und durch das man in den geräumigen Hof der Vorburg cintrat, der jetzt durch ein einfaches Lattentor abge­schlossen ist. Zur Linken des Hofes liegt das massive Gerichtsgebäude der frühere Marstall dessen Fensterbogen die charakteristischen sog.Eselsrücken" ausweisen, und in dessen westlichem Teile die Kirche des Dorfes Schwarzenfels sich befindet. Nach den über einer Pforte und am Eingang des Treppenarmes be­findlichen Jahreszahlen ist dieser Bau in der Mitte des 16. Jahrhunderts entstanden.

Zur eigentlichen Burg führt ein mit freistehenden Säulen und zahlreichen meist hanauischen und psen- burgischen Wappen geziertes Portal mit der Jahres­zahl 1621. Rechts in der inneren Burg erblicken wir den recht ansehnlichen und umfangreichen Hauptturm - den Bergfried, der aber auck recht deutliche Spuren der über ihn dahingegangenen Jahrhunderte erkennen läßt. Einige Erdgeschosse, Umfassungsmauern, ' Gebäude und Turmreste bilden die Ueberbleibsel des einst so stolzen Schlosses, nach deren Besichtigung wir durch einen kurzen, überwölbten Gang vor die Westseite der Burg gelangen und uns dort aus einer unter einer schattigen Eiche stehenden, von Efeu umrankten Ruhe­bank underlassen, entzückt von dem wunderbaren Blick in das Sinntal und auf die dahinter liegenden, von der uvtergehenden Sonne beleuchteten Bergwände.

Goldnc Abendsonne, wie bist du so schön", klingt es in uns. Nur noch wenige Minuten, und schon taucht sie hinab am Rande des Himmels, diesen noch prächtig särbend, um in fernen Landen als Morgen­rot begrüßt zu werden. Doch aus fernen Gegenden versetzt unser Geist sich in vergangene Zeiten. Und aus den eben geschauten Trümmern erhebt sich das Schloß in seiner ursprünglichen unver­sehrten Gestalt, und seine wechselnden Geschicke ziehen an unserer Seele vorüber.

Es tönen die Fanfaren, einladend zum Turnier, es weht von hoher Zinne des Burgherrn stolz Panier".

Leider ist nicht mehr ersichtlich, wann und von wem das Schloß erbaut wurde. In der Geschichte wird es zuerst gegen das Ende des 13. Jahrhunderts erwähnt. Auch läßt sich mit voller Bestimmtheit nicht mehr sagen, wem es in dieser Zeit gehörte. Wahrscheinlich aber waren damals die Grafen von Rieneck seine Besitzer, und ein Gottfried von Steckelberg hatte als Amtmann es zu verwalten und zu verteidigen. I340 finden wir Schw- im Besitze Ulrichs d. J., Grafen von Hanau, der zum Amtmann einen Cito Küchenmeister darüber setzte, dessen Familie schon früher auf dem Schlosse Wohnsitz hatte. Diesem folgte Frowin von Hütten, der von 1346 bis 1364 Amtmann von Schw. war. Als Nachfolger desselben finden sich Fritz v. d Thaun (1372) und Ludwig von Hütten 1384. Ulrich V., Herr von Hanau, gab 1398 Schloß und Gericht Schw. seineu beiden jüngeren Brüdern Reinhard und Johann, von denen ersterer 1401 Amt und Kellerei mit Aus­nahme der Gerichte Lohrhaupten und Jossa und des Dorfes Oberkalbach an Karl von Thüngen verschrieb, an dessen Stelle 1412 Hrch. von Merlau trat. Zu dem mit Schlosse Schw. verbundenen Gerichte gehörten zufolge einesWeistums" von 1453 nachstehende Dörfer: Sterbfritz, Mottgers, Weichersbach, Vollmerz, Sannerz, Hütten, Gundhelm, Oberkalbach, Heubach, Zell, Uttrichshausen und die Hälfte von Züntersbach sowie die verwüsteten Orte Ramholzborn, Lindenberg, Kressenborn, Winnerbach, Reibolz und Neuendorf. Auch war damals das Gericht Gronau damit verbunden. Bis zum Jahre 1448 war dann ein Ulrich v. Hütten Amtmann von Schwarzenfels. Als weitere Amtmänner sind zu nennen Hans voll Eberberg, Johann von Nord- eck, Philipp von Eberstein; letzterer bis 1510. Die Burgmannen hatten einen Burgsitz (Kemnate) im Schlosse inne und einen Hof davor. In einer um diese Zeit zwischen den Herren v Hütten lind den Grafen von Hanau ausgebrochenen Fehde diente Schw. letzteren als einer ihrer Hauptwaffenplätze. Unter Philipp III. von Hanau, einem großen Liebhaber von Bauten, wurde ein großer Teil des Schlosses erneuert; dann wies genannter Graf es seiner Gattin Helene, einer geborenen Pfalzgräfin, zum Witwensitze an, und diese bewohnte es auch noch nach dem Tode ihres Gemahls bis zum 5. Februar 1579, wo auch sie ver­schied.

Auch Graf Philipp Ludwig I. (1561 1580) nahm mehrere bauliche Veränderungen und Erneuerungen vor Er hinterließ 2 Söhne, Philipp Ludwig II. und Albrecht, von denen letzterer durch Vergleich vom Jahre