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und haben wir nicht durch Wegreißen von Altem und Hinzufügen von Neuem einem alt-ehrwürdigen Gebäude den früheren Charakter geraubt?

Es ist hohe Zeit, daß wir in uns gehen und solche Vorkommnisse in Zukunft vermeiden.

Sollte die vorstehende Mitteilung hierzu etwas bei­tragen und bei manchem von uns den Sinn für die Erhaltung von Altertümlichem in etwas schärfen, so würde sie ihren Zweck erfüllen. Dr Cauer.

Prächtige Briefe aus der Fremde

sind uns als Antwort auf die erste Nummer von „Unsere Heimat" in großer Zahl zugeflogen Für heute möchten wir unsern Lesern einige Sätze aus zweien derselben mitteilen. Aus MuSkau schreibt uns eine Tochter des früheren Seminardirektors Liebusch:

. Welche Fülle von Erinnerungen zog durch das Herz beim Lesen . . . Die Klänge der Schlüchterner Glocken haben damals auf das empfängliche Kindergemüt einen tiefen Eindruck gemacht, wenn der Sonntag oder Festtag eingeläutet wurde. Wie oft hat uns das kleine Schulglöcklein in Trapp gebracht, trenn wir vorn Schulwege abkamen. Schlüchtern, du schönes, schönes Schlüchtern mit all' d irren Erinnerungen, wie könnte ich dich vergessen! 28 Jahre sind wir nun von dort weg, sind immer wieder dort eingekehrt, und mit welcher Wonne! Der Blick vom Hohenzeller Berg über die ganze Pracht zu unsern Füßen, wie läßt alles das Herz höher schlagen! Wie zogen beirr, Lesen von „Unsere Heimat" die Bilder aus längst vergangenen Zeiten so lebendig arn geistigen Auge vorüber: Der Zauber der Kindheit, die Schul- freuden und -Leiden, dann die Tage der Trauer und des tiefsten Herzleids und — der Abschied von meiner geliebten Heimat. Wenn auch Jahrzehnte seitdem dahingegangen sind, die Sehnsucht nach dort bleibt immer tief im Herzen und, so Gott will, ist es mir noch einmal vergönnt, auf Schlüchterus Auen zu wandeln. Mein Vater hatte sich die Aufgabe gestellt, sämtliche Inschriften der damals noch vorhandenen Grabsteine zu entziffern, 3m ei aus dem damaligen Turngärtchen ließ er heben und in die Krypta bringen. Mich schmerzt es jedesmal, wenn ich die Steinkohlen- Haufen darin sehe. Ich war damals noch Kind, als die Steine der Erde entnommen wurden; aber ich weiß noch, wie uns der alte We ßbinder Hafner vorredete, da wären Schätze zu finden. Er und wir Kinder buddelten und fänden eine Menge Menschen- gebeine, aber keine Schätze. Mit einer Schürze voll Menschen­knochen geriet ich damals in eine Lehrerkonserenz. Die verdutzten Gesichter sehe ich heute noch, als ich meinen Schatz zu Füßen der Herren niederfallen ließ und dann mit Eilpost hinaus be­fördert wurde . . .

Ein anderer Landsmann schreibt aus Göttingen:

Zwar bin ich schon seit 21 Jahren in einem andern deutschen Stammes- und Sprachgebiet, und ich habe auch die niederdeutsche Art in Wesen, Sitte und Sprache kennen und schätzen gelernt, mit der Geschichte der Gegend mich vertraut gemacht und in ihr gearbeitet. Aber tief im Herzen bleibt die Liebe zur Heimat un­auslöschlich glimmen. Und immer habe ich es — schon als Jüng­st-st! — bedauert, daß diese Heimat in ihren landschaftlichen Reizen, in der Art ihrer Bewohner und in ihrer Geschichte so wenig ge­achtet wurde. Die reichen, stolzen Unterländer „schmähten" die armen ins Unterland wandernden Feldarbeiter als „Fuldcr", das Interesse des Staates ging auf Hanau, die Geschichtsforscher wandten sich beut ältern Kulturland, das ja auch viel größere Ausbeute bot, zu. Wehmütig stimmt der Artikel „Vernichtete Schätze". Was hat jene Zeit alles in Schlüchtern verbrochen — auch die Kapelle ist damals zerstört worden! Und doch hatte die Romantik anderwärts längst Herz und Auge für die Vergangen­heit geöffnet! . . . .

Das Acht schWern vor Dem WhriiM Kritg.

Nachstehende Beschreibung ist sowohl dem „Protokoll bei der Kirche" als auch dem Schulprotokoll einverleibt und lautet folgendermaßen:

Eigentliche Beschreibung des Klosters Schlüchtern, wie es in Friedenszeiten vor dem dreißigjährigen Kriege anno 1616 und sofort bestanden und verwaltet worden und was sein uraltes hergebrachtes Recht und Gerechtig­keit gewesen, durch Augenzeugen, beides aus dem Rat und Gemeindsleuten, teils noch vorhanden.

Schlüchtern 16. April ao 1692 a Domino Johanne Weizelio pastore.

1) Der Küchenschreiber, wohnend in dem steinernen Haus (ober Neubau), hat täglich zwei Teile Schüler oder Kostgänger, dabei jedesmal drei praeceptores gespeist, der dritte Tisch, die Stipendiaten, gaben kein Kostgeld und war hierzu ein eignet Koch bestellt. Der Rektor Herr Pankratius Rullmann, hat eine Zeitlang im Kloster in der Abtei (wo jetzt rector Appelius wohnhaft), nachmals in seinem eignen Haus in der Stadt gewohnt Der Conrector Henriens Schefferus hat in der Stadt gewohnt Item die Ackerknechte, Kuh- und Viehmägde, Brüller- und Viehhirten, so alle ledige Personen gewesen sind, sind in der Hofstube ge­speist worden.

2) Der Pförtner hat seinen eigenen Lohn, Kost und Wohnung gehabt. Sein Weib hat den präceptoren und Ochülern, im Kloster wohnhaft, die Betten gemacht, weiß Gerät gewaschen, Winterszeit auch um Lohn die Oefen eingeheizt,

3) So hat kein Bedienter, im Kloster wohnend, eigne Kühe, Schweine, Hühner oder Gänse halten dürfen, sondern das Kloster hat allO zur Küchenschreiberei er­halten und verordnet.

4) Wie denn der Küchenschreiber und sein Weib alles Andere in Gärten und außer dem Kloster, wie auch Milch, Butter, Käse gesammelt, auch von dort Butter, Hühner, Eier, Zehntkälber und Lämmer, Best- häupter zur Küche geliefert worden.

5) Das Kloster hat seine Wind-, und Spürhunde gehabt, weil nach Belieben die Jäger oder auch die praeceptores (Lehrer) oder die Schüler auf Erlaubnis auf die Jagd zogen und, was sie gefangen, dem Küchen­meister eingeliefert. Ist auch oft „hohes Wildpret" zur Küche durch damaligen Jäger Rollmann geliefert worden.

6) Der Gegenschließer, so damals gewesen, Peter Lamm, nach dessen Tod Bernhard Rollmann Jäger und Gegenschließer, hat allezeit in Schlüchtern gewohnt, daß er bei solcher.....Haushaltung im Frucht- liefern hat mächtig sein können.

7) Ein jeder Diener hat sein befugtes Gras und Wieswachs gehabt und haben weder geistliche noch weltliche Diener weiter nicht in das klösterliche Gras und Wieswachs eingreifen mögen. Der Keller hat seinen Wieswachs, die Fitzwiese und die ... . und Grasgarten zuhauS .... in der Stadt bei der Pfarr­kirche gehabt.

8) Der Rektor hat ein Stück Wiese in der Born- wiese gehabt. Der Pfarrer hat seinen Wieswachs auf bet Mauerwiese, der Dorfkapellan seinen auf der Eich- wiese, der Gegenschließer seinen daranstoßend gehabt.

In demselben Aktenstück heißt es auch:

Das ehemalige Klostergebäude dient zur Schule und enthält auch die Wohnungen der Lehrer. Die Kirche steht seit 1751 ganz leer. In der Zeit des Rhein­bundes diente sie den Franzosen zum Lazarett.