8 -
Der Bürgermeister-Eid anno 1557.
Aus einem Gerichtsbuche Schlüchterns).
Nnchdcin Jr von einem Erbaren Rat . . . und bau Jr von einer gantzen Bürgerschafft allhie zu Schlüchter uf heut zu Burgc- meifter erkorn, erwelt und verordnet worden, damit Jr dann nun Wissen mögt, wie und wclchcrmassen Jr euch In solchem einem bcuolhen Ampt zu halten habt Und aber Jr sNameu) vormals dem Scheffenstnel ein leiblichen Eidt gethan, beim selbigen gethan Eidt man Euch auch nochmals bleiben last, So sollet Jr doch neben und mit (Namen) Jtzt unser gncdig Herschaft Hanaw Amptmaun angeloben, und dan Jr N. N. ferner einen Aidt schweren Himit zu Got und seinem Heiligen Wort unser gnedigen Herschast Hanaw auch Jrer gnaden Stadt Schlüchter und gantz Bürgerschaft und Gemein ein trewer und vleissiger Vorgehen und Bürgermeister zu sein, Ire ehre, Wurdenn und notturft auch gemeinen Nutzen jeder Zeit zu befördern und mit Wissen mmer versäumen oder liegen lassen, und was Jr mist und versteet, oder auch fürkompt, daran Jchtwaß gelegen ist, In Rath fürderlich anpringen, vnd ivas auch von Oberkaits wegen, oder im Rath befohlen oder. beschlossen Wirt, daran sein, daß solches ohn allen Berzugk und vcgeendert vollzogen werde, Auch des Raths Heimlichkeiten und Rathschlägen (So Jr die hört) ober auch Kund gethan wurden, niemand offenbaren Euch auch aller Erbarkeit befleischen, der Oberkait des Raths und gemeiner Stadt Schlüchter schaden zu jeder Zeit waren, recht und gerechtigkeit Helfsen handhaben, und gemeinlich alles anders, das einem trennen Vorgeher und Bürgermeister nach alten löblichen Hertomen und gebrauch zu tun gehurt, nach Ewerm besten Berstandt, vermögen vnd vleiß handeln aufrichten und handhaben, darin nit anzusehen Jemandts freuntschaft vnd nit gäbe oder geschenk barumb nemen, in kein weis noch wege, getreulich und ongeferlich, Als euch got helff und sein Heiliges Wort,
&^e( onn Aeklnehek | Reffes onn Saa^.
Die Wandkarte von Europa,
(Anno 1821) Kommt da der Herr Superintendent und Kreisschulinspektor in die Schule nach M. zur Visitation. Der Herr Bürgermeister und Gemeinderat finb auch da, und die Sache geht ausgezeichnet. Der Lehrer wird gelobt und die Schüler mit ihm und als die Prüfung aus ist und die Bretzeln verteilt sind, nimmt der Lehrer den Herrn Superintendent beiseite und sagt ihm, er möge doch bei der Gemeindevertretung dafür wirken, daß eine neue Karte von Europa angeschafft werde. Darauf wendet sich der Herr mit folgenden Worten au die Väter des Dorfes: „Meine Herrn, ich gratuliere Ihnen zu dem vorzüglichen Lehrer, den Sie hier haben. Die Leistungen der Schule sind ausgezeichnet. In Anbetracht dessen werden Sie gewiß gern dem Herrn Lehrer eine bescheidene, berechtigte und allein im Interesse Ihres besten Gutes, Ihrer Kinder liegende Bitte erfüllen. Es handelt sich um die Anschaffung einer neuen Wandkarte von Europa, und ich bitte Sie, diese Anschaffung aus Gemeindemitteln zu beschließen." — Nach längerem Schweigen räuspert sich der Bürgermeister und sagt: „Ich mäin, Herr Soppcrdänt, bohs brauche mir e Körte vo Aeuropa — bäh vo ons fömmt dann emo noch Aeuropa." —
Als Manuskript gedruckt. Verlag des Hcimatbu
Der Drescher und der Grotzkapitalismus.
Als der alte Hannes noch jung war — es sind schon fast 50 Jahre her — da war er ein Hauptdrescher auf dem Luisenhof bei Frankfurt. Sparsam war er immer, denn er wollte die Annebohr gern, und einen Hausstand auf Abzahlung gründen, das war zu seiner Zeit, wo wir noch nicht preußisch waren, keine Mode bei Seinesgleichen. Deshalb hielt er die „Kräuzer desomme", und einmal hat er seinen Wochen- lohn einen ganzen Monat stehen lassen. Als er nun den Lohn von vier Wochen zusammen hatte, da stellte er sich mit dem Blick nach Frankfurt, das damals noch nicht mit Bernem eins war, sah stolz über die Stadt hin, klopfte auf seine Tasche und sagte: „Frangfordche, Frangfordche, bann ihch b'r noch ämo so komm, do is bei Gällche all". My.
Zur Nachricht.
„Unsere Heimat" wird vierteljährlich, später, wenn möglich, öfter der ,Schlüchterner Zeitung^ beigelegt. Außerhalb des Kreises wohnende Nichtleser dieser Zeitung erhalten „Unsere Heimat" gegen einen erhöhten Mitgliedsbeitrag durch, die Bundeskassierer zugesandt.
Wir bitten, bitse Släittr zu '
Anfragen aus dem Gebiete der Heimatkunde werden an dieser Stelle gern beantwortet. Mitteilungen über Funde, alte Urkunden, Bücher, Bilder, u. dergl. nehmen sämtliche Vorstandsmitglieder entgegen. Ehe man nach auswärts verkauft, mache man dem „Heimatbund" Mitteilung. Der Bund sammelt im Interesse der Allgemeinheit und plant Angliederung an das im Entstehen begriffene Städtische Museum.
Alle aus dies Blatt „Unsere Heimat" bezügliche Zuschriften bitten wir an Lehrer Flemmig in Schlüchtern zu richten.
Allen Schlüchterner Kindern in der Fremde, auch denen in weiter Ferne, entbieten wir herzlichen Heimatgruß! An alle Adressen, die uns mitgeteilt werden, wird unser Blättlein versandt.
Der Heimatbund.
des. Druck von S, H o t) meist er in Schlüchtern.