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drei anderen Klosterglocken sind älter-Außer der Schul- glocke hängt im östlichen Turm noch die sog. Feiertagsglocke, die an den Festtagen und bei Beerdigungen mitklingt. Sie hat einen wunderbar schönen weithallenden Ton und läutete zu Ehren der Mutter des Heilandes. So wills ihre Inschrift: Ave Maria, gratia plena dominus tecum, benedicta in mulieribus. (©egrii^et feist du, Maria, voller Gnaden, der Herr mit dir, du Gesegnete unter den Weibern). Im westlichen Klosterturm hängen zwei Glocken, wovon eine die große Kirchenglocke bei ihrem Anschlagen begleitet und ns Land hineinruft: „Dum pulsor sanctam cuncti laudate Mariam!“ (Diese Inschrift lautet in deutscher Sprache: Während ich laute, lobt alle die heilige Maria!) Die Glocke rief zur Zeit vor der Reformation die Gläubigen znm Beten des Engelsgrußes. Eine zweite Glocke, die zur Uhr gehört, aber früher auch geläutet wurde, trägt in sehr alten Schriftzeichen, die schwer zu lesen sind, die Namen oer vier Evangelisten. Der Sage nach ist sie eine Armesünderglocke, die nur geklungen habe, wenn ein Zug den „Galgenberg" hinaufgezogen sei. Keiner der heute Lebenden hat sie je läuten gehört. Nur beim „Vierteln" der Klosteruhr tritt sie noch in Tätigkeit.
Was haben diese allen Klosterglocken, die sämtlich vor 1548, die letztgenannte vielleicht schon im 13ten Jahrhundert gegossen, alles erlebt! Furchtbare Kriegsstürme sind um die alten Mauern gebraust, Pestzeit, Feuersbrunst und Wassersnot haben an den Glocken- stricken gehangen und die Not der Menschen drüben im Städtchen ins Land gerufen. Sie haben sich mitfreuen dürfen, wenn nach furchtbarer Drangsal wieder Friedenszeit eingeläutet wurde und locken heut wie vor Jahrhunderten ^um Hause des Ewigen. Sie sind eine Gabe der Väter an die Generationen, die nach ihnen eine kurze Spanne Zeit dies - stille Tal ihre Heimat nennen. Sie sind länger hier daheim wie wir. Darum halten wir sie lieb und wert — unsre Heimatglocken.
Noch immer sind Glocken
Ein Mund der Macht,
Durch den oie schlasende Menschheit erwacht.
Noch immer sind Glocken Die Melodie
Der heiligen Heimat —; Ueberhör sie nie!
Flg.
Gegen bauliche Verunstaltungen in Stadt nnd Land.
In allen Strichen des Deutschen Reiches spüren die Händler und Liebhaber nach alten Truhen, Uhren, Schränken, Steingut und allerlei Gerät und suchen diese Dinge denen, die durch Erbgang Besitzer geworden sind, zu entlocken. Alan kann es bedauern, daß so das Land und die Bauernstube immer mehr entleert werden
von alten, guten Stücken. Aber schließlich: wenn die bisherigen Besitzer nicht wußten, was sie davon hatten, wenn sie es nicht würdigten, dann standen die Dinge ja wohl ziemlich umsonst in der „guten Stube", auf der „Diele" usw. Zum Nachdenken freilich stimmt die Frage: „Wie war es denn früher? Die Bauern müssen docy früher einmal Sinn und Herz für diese Dinge gehabt haben, denn ein einfacher Schränk war doch auch damals wohlfeiler als ein kunstvoll geschnitzter". Bauernkunst des 16. und 17. Jahrhunderts und ihr noch erhaltener lebendiger Rest in den sauberen blitzen den Stuben des alten Landes bei Hamburg usw. — wie ein Wunder stehen sie vor uns, den Lebenden, und wie eine Mahnung, daß unsere Entwicklung eben doch nicht in allen Teilen aufsteigend ist, daß manches zu- rückgebildet, verbildet, verloren gegangen ist.
Aber man hat den Verlust erkannt. Man will die Bauernkunst neu schaffen, man wünscht, diesen Born wieder' anzuschlagen und durch ihn das gesamte Kunst- leben zu befruchten; man hofft, daß durch Anknüpfung an die gewesenen Bauern- und Bürgerkunst Kunst und Leben richtiges alltägliches Leben — wieder mehr zur Einheit werden. Ein hohes und schönes Streben! llud inzwischen bemühen sich die wackeren Männer, die diesen Bestrebungen huldigen und u. a. in dem Bunde für Heimatschutz eine Vereinigung gefunden haben, der ländlichen Bevölkerung Verständnis und Liebe zu dem was sie noch haben und oft so wenig schätzen, einzu- flößen zu erhalten, was an schönen und charakteristischen Werken von Menschenhand vorhanden ist und Neues so zu gestalten, daß es sich daneben sehen lassen kann. Männer wie Schultze-Naumburg, Wieland, Rudolf, Sohnrey und Dethlefsen sind in der Richtung tätig. Die Regierung stellt sich erfreulicherweise hinter diese Männer. Für Pflege der Natur- und Kunstdenkmale geschieht mehr und mehr.
Neuerdings haben sich der Minister der öffentlichen Arbeiten und des Innern zu löblichen Tun vereinigt, indem sie über Maßnahmen gegen bauliche Verunstaltungen in Stadt und Land eine gemeinsame Verordnung an die preußischen Oberpräsidenten richteten, eine Verordnung, die dann, eine bureaukratischc Stufe nach der anderen, bis 311 den Außenbeamten, den Landräten, gehen soll. Wem diese Dinge nahe gehen, der wirb das Los des VerwaltungSbeamten preisen, dem so schöne Ziele in pflegliche Obhut, gegeben werden, und der nun wie ein Sämann den Acker bestellen kann.
Es handelt sich um durchaus freiwillige Arbeit, nicht um diejenigen Leistungen, die auf Grund des Gesetzes gegen die Verunstaltungen von Ortschaften usw: erzwungen werden können: Die Sphäre des vorsichtig-tastend im Jahre 1907 geschaffenen Zwangsrechts ist eng, konnte nur eng sein. Die Landschaft, die Dörfer, die Diele schön zU erhalten und zu gestalten, sind natürlich zunächst diejenigen, die sie bewohnen, berufen. Nun, die Tätigkeit der Verwaltungsbeamten, weiter „die tatkräftige Mitarbeit bereitwilliger, sachverständiger Kräfte in den Städten und auf.bem Lande", worauf die Ministerial- verordnung ausdrücklich in sympathischer Weise hindeutet, diese Dreiheit wird hoffentlich etwas Ersprießliches ausrichten. Die Verordnung saßt besonders die Bauweise