Einzelbild herunterladen
 

5 —

29. Am 22. Martii 1620, zwischen 1 u. 2 Uhr, ist der Ehrenfeste, gestrenge Melchior Neidhard von Lautern gottselig entschlafen, dem Gott gnädig ist.

30. Henriette Margarethe Ammon, geb. Diez, deren Vater Johann Wilhelm Ammon, Klosterkeller war. gest. 1709.

31. Anno 1590 d. 17. Septbr. ist die edle tugend- reiche Frau Magdalene von Mörle gen. Behem, geb. von Thüngen, zu Uerzell christlich entschlafen, der Gott gnade.

32. Anno 1602 d. 20. Mal ist die Edle und Tugendsame Frau Eva von Mörle gen. Behem, geb. von Lautern zu Uerzell in dem Herrn selig entschlafen.

33. In der rechten Seite steht ein roter Stein mit denl von Lauterschen Wappen. Oben steht Anno Dom. M.CCCC (1400). An dem Rande auf 3 Seiten: Wilhelm von Lautern dem Gott gnade. (Dieser Wil­helm v. Lauter und sein Bruder Apel von Lauter waren die ersten ihres Geschlechts, welche sich bei Schlüchtern ansässig machten).

34. Anno 1506 d. 1. Novbr. des Nachmittags, ist entschlafen der Edle Wolf Eberhard von Mörle gen. Behem, dem Gott eine frohe Auferstehung verleihen wolle. Anien.

Oben 2 Wappen: von Mörle—Behlingen.

Unten 2 Wappen: Vischborn—Behlingen.

35. Ein Stück Stein darauf: Glump ... 78 (Allem Anschein nach vom Grabmal des Schlüchterner Pfarrers Johannes Glümper).

36. Ein großer mit Stein vielen Wappen und ohne Ausschrift.

37. Ein gleicher.

38. In der Mauer ein Monument von rotem Stein. Das Monument des Ritters Hans von Schlüchtern und seiner Gemahlin. Lotich setzt hinzu: Von meinem Großvater nicht gut beschrieben. Nach vielen Vorstel­lungen und wahrscheinlich besonders deswegen, weil dieser Stein für Maurer nicht mehr nutze, wurde er gerettet vor dem Herrn Spangenberg. Mein Vater hatte ihn verkehrt in die Krenzgangstür stellen lassen, damit er nicht von den Franzosen, Preußen re zer­schlagen würde. Als die Tür geöffnet wurde, wurde der Stein umgeschlagen und da lag er und alles ging darüber, Maurer, Zimmerleute mit ihren Instrumenten gingen täglich darauf herum, bis ich ihn im Kreuzgang aufstellen ließ.

(Dieses Monument ist uns infolgedessen erhalten geblieben und steht, wie das des Abts Happ, in dem kapellenartigen Ausbau im Klosterhof. Es stellt den Amtmann Hans v. Schlüchtern in einer Plattenrüstung dar und neben ihm seine Gattin. Von den 4 Wappen am obern Rand des Steins ist das über der rechten Seite des Ritters stehende Wappen der Schild derer von Schlüchtern).

Dr. Cauer. Schluß folgt.

Schlüchterner Hlocken.

Heimatglocken sind etwas Lebendiges Sie reden zu uns in Freud und Leid, und mancher unter uns ist froh, daß er ihre Sprache versteht. Sie breiten über die Heimatflur den Sonntagsfrieden und rufen die Abendstille aus dem dämmernden Wald auf den Acker und zu den Heimstätten der Menschen. Sie können warnen und gellend nach Hilfe schreien, sie ver­mögen auch zu trösten und das Herz mit Freude zu füllen am Christabend wie am Tag der Heimkehr aus der Fremde. Wie horcht man auf, wenn fern von der Heimat Glockenton ans Ohr dringt und man glaubt, einen der Heimat verwandten Ton herauszuhören! Dann braucht man nur die Augen zu schließen, und das Bild der fernen Heimat steht vor einem in seiner ganzen Schöne, hingezaubert durch der Heimatglocken herzbezwingende Macht. Deshalb kommt auch dann erst so recht das Gefühl des Geborgenseins über den Heimgekehrten, wenn Heimatglockenklang ins Stüblein flutet und das Herz füllt mit Frieden und Glück: „Daheim! Daheim!" In der großen Stadt verschlingt der Lärm der Straße den Ruf von oben; bei uns aber findet der Glockenklang noch sein Echo im Menschen­herzen und soll es, will's Gott, immer finden Und dann der Glocken ehrwürdig' Alter! Die Alten, die sie einst in den Glockenstuhl hingen, sind vergessen und nicht allein sie, auch ihre Gräber schon. Aber die Türme reden noch dieselbe Sprache, die sie ihnen geschenkt, genau so, wie vor Jahrhunderten Die Glocken sind wohl das einzige, was sich aus ihrer Zeit den Urenkeln unverändert erhalten hat. Eine jede von ihnen trägt eine Inschrift, die auch ein Klang aus vergangenen Tagen ist. Sehen mir einmal nach, was unsre Glocken uns in dieser Beziehung zu sagen haben. Da sind zunächst die 3 Glocken auf dem Kirchtürme, unter ihnen die größte unsrer Vaterstadt. Sie erklingt am Samstagabend zuerst, wird beim „Erstläuten" und „Ausläuten" gezogen und trägt die Inschrift: H. Jo­hann Michael Weitzel. H. Joh. Kaspar Hensler. Beide H. Kirch-Baumeister zu Schlüchtern. Goss mich J. Schnidewind in Frankfurt a. Main. H. Joh. Peter Braun, Pfarrer 1700. Daran, daß sie uns weiter nichts meldet, ist der „Herr Zentgraf" schuld, der in der über die Glockeninschrift entscheiden­den Sitzung des Presbyteriums am 7. Juni 1700 auf die Frage, „ob man etwas auf die neue Glocke wollte machen lassen", erklärte, „daß er es für unnötig halte". Darüber könnte man dem Manne heute noch böse sein, weil er verhinderte, daß etwas vom Geist der Gemeinde jener Zeit im Glockenwort festgehalten wurde. Doch redet schließlich auch dies Schweigen. Die zweite Glocke auf dem Kirchturm zeigt die Inschrift: In Gottes Namen floß ich. Joh Georg Bach U. B. in Windecken goß mich 1805. Das „Vaterunserglöcklein" stammt aus dem Jahre 1753 und ist von Johann Peter Bach in Windecken gegoffen.

Sehr viel älter sind die Klosterglocken. Nur die jüngste unter ihnen trägt eine Jahreszahl. Auf ihr lesen wir: Conrad Göbel zu Frankfort goss mich 1543. Sie ruft heute die Kinder zu Schule. Die