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Vernichtete Schätze.

(Aus Schlüchtcrus Vergangenheit).

Eine Hauptaufgabe erblickt unser neugegründeter Verein darin, Denkmäler aus früherer Zeit, mögen sie groß oder klein, aus Holz, Stein oder Erz sein, zu erhalten und zu pflegen, weil sie als Zeugen einer längst vergangenen Zeit bei den späteren Geschlechtern das Interesse an der Geschichte der Heimat und damit auch die Liebe zur Heimat zu erwecken und zu erhalten vermögen.

Sehen wir uns freilich in Schlüchtern um nach solchen Denkmälern, so sind es trotz der tausendjährigen Geschichte, die Schlüchtern aufzuweisen hat, recht herzlich wenige, an denen unser Blick haften bleibt. Ein Zeit­alter, dem aller Sinn für das altehrwürdige abhanden gekommen war und das seine'nächsten Bedürfnisse viel­fach am einfachsten und billigsten durch Zerstörung des Allen befriedigen zu können glaubte, hat in der Ver­nichtung alter Denkmäler weit schlimmer gewirkt, als Feuer und Krieg. Als in den Jahren 1835 und 1836 das einstmalige altehrwürdige Benediktiner-Kloster zu Schlüchtern mit seiner schönen alten gotischen Kirche zu einem Lehrerseminar umgeb aut wurde, und als etwa um die gleiche Zeit das alte gotische Schisf der Pfarrkirche einem nüchternen Erweiterungsbau Platz machen mußte, da glaubte man die alten kunstvollen Grabdenkmäler, welche der alten Sitte entsprechend in beiden Kirchen Ausstellung gefunden hatten, nicht besser verwenden zu können, als sie zu Mauersteinen zu zerschlagen. Nur einige wenige sind durch Zufall diesem Geschicke entronnen und geben davon Zeugnis, welchen Verlust wir durch jene grausame Zerstörung erlitten haben. So ist es denn als ein Glück zu preisen daß wenigstens im Jahre 1777 ein für die, alten Sprachen und für die Geschichte begeisterter Schlüchterner Bürger, der damalige Rektor des Schlüchterner Gym­nasiums J. H- Hadermann Aufzeichnungen über die zahlreichen Grabdenkmäler in der damals bereits wüst und leer stehenden Klosterkirche gemacht hat und daß diese Aufzeichnungen auf uns gekommen sind.

Ein Enkel J. H. Hadermanns, der noch manchem älteren Bürger Schlttchterns persönlich bekannt gewesene Ph L. M. Lotich zu Herolz hat seinerzeit eine auf G rund eigner Kenntnis etwas erweiterte Abschrift des Hadermannschen Denkmäler-Verzeichnisses angefertigt, die mir von Herrn Pfarrer Freund in Ramholz freund­licher Weise überlassen worden ist. Wir finden da Mitteilungen über 50 alte Grabdenkmäler,die sich in der Klosterkirche zu Schlüchtern nach der Reihe von der linken nach der rechten Hand, von oben bis unten befunden" und die hier nur wenig gekürzt und mit einigen Erläuterungen versehen folgen mögen.

1. Im Anfang (rechts vom Chor)' linker Hand steht ein Stein, woraus das Bildnis eines Geistlichen mit einem langen Chorrock mit weiten Aermeln. Zu seinen Füßen rechts steht eine Mütze mit verschiedenen Zierraten; in den Händen hält er ein Buch, auf dessen Deckel Christus am Kreuze mit der Ueberschrift J. N.

R. J. und unten die Jahreszahl 1571. Weiter ist keine Schrift darauf. Wer dies gewesen, weis ich nicht ausfindig zu machen.

2. Gleich bei diesem steht in der Stauer ein Stein daraus das Bildnis eines Abts ausgehauen, der eine Stille auf dem Kopf und einen Hirtenstab in der Hand hat.

Ich habe auch die Legende (Inschrift), die bei meinem Großvater nicht offen stand, entziffert. Hart- inannus Abbas huius ecclesiae. anno millesimo CCCCXXXVI (Wahrscheinlich hat es 1336 geheißen in welchem Jahre Abt Hartmann 1 gestorben ist).

3. Ein paar Grabsteine, die sich nun, da man aufräumen wird, vollständig zeigen werden.

4 . In der Kirche selbst: Die wohledle Ehr- und Tugendhafte Jungfer Kunigunde von Trümbach ist in Gott christlich entschlafen d. 17. Juli 160-1.

Cben stehen 2 Wappen: Handelshaus- Boyueburg unten 2 Wappen: Trümbach-Hutten zu Steckelberg.

5. Christoph Jacobi, Centgraf u. Klosterkeller geb. 1661 starb den 9. Rovbr 1706 Ruhet in Gott. (Klosterkeller = Klosterrentmeister, der in jener Zeit auch politisch seinen Herrn, den Grafen v. Hanau, zu vertreten hatte und in dieser Eigenschaft den Titel Centgraf führte).

6 In der Mauer des Chors steht das Monument des Abts Christian. Dieser liegt auf den Knien mit gefalteten Händen. Oberhalb des Bildnisses steht: Christiane Happ ex Windecken Abbati, qui ingenti lande ultilitateqne publicis instauratis conser- vatisque rebus, cum cura annos XXXVI prae- fui'Set, moritur anno Sal M.DXXXIII. VI Jd. Aprilis. Zn Deutsch etwa: Dem Abt Christian aus Windecken, der im Jahre des Heils 1533 am 6. April gestorben ist, nachdem er dem zu höchstem Lob und Nutzen aufgerichteten und erhaltenen Klösterlichen Ge­meinwesen sorgend 36 Jahre lang vorgestanden hatte. (Dieser Stein ist erhalten geblieben und steht zur Zeit in bem kapellenartigen Ausbau in.den Klosterhof hinaus, direkt dem Haupteingang in das Seminar gegenüber. Unter Abt Happ wurde das Kloster bis auf die alte Klosterkirche, welche unverändert bestehe» blieb, neu aufgebaut.)

7. Frau Susanne, Felizitas Weidlin, Herrn Heinrich Burkhard, Pfarrers in Schlüchtern, eheliche Hausfrau. 1681.

8. Margaretha, Philippina, Gattin des Orts­pfarrers, deren Vater Balthasar Schütz, Centgraf und Klosterkeller war.

9. Unter dem Altar ragt ein Stein hervor mit MDCV, IV. Jan. (1605, 4. Jan.) Joachim Fabricius Hamburgensis Ecclesiae hujns Diaconus. (Der aus Hamburg gebürtige Orts-Pfarrer Fabricius stürzte am 4. Januar 1605 in Schlüchtern, als er nach der Feier einer Kindtaufe das städtische Schenkhaus neben dem Rathaus verlassen wollte, in den hochgehenden Elmbach und ertrank darin.)

10. Salvator, Walther LurZarus (Bürger) Söhn- chen des Schlüchterner Schullehrers Joh. Heinrich Bürger. P 1689.

11. Der Leichnam der kleinen Friedrich Geisler 1711.