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Nr. 304

Mittwoch de«

anau Giadt und Land

Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. * Bei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder au, Rückzahlung des Bezugspreises. / Für Platzvorschrift «.Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet.> Geschäftsstelle: Hammerstr.9 / Fernspr. 3956,3957,3958

30. Dezember 1931

Seltene gegen den AbeüstungsgedanHen

Die Pariser Presse bereitet die Slbrüstunsskonsevenz vor

ßneyf %w^^w»

Der deutsche Botschafter in Paris, v. Hoesch, ist gestern, aus Paris kommend, in Berlin einge- troffsn.

In seiner gestrigen letzten Sitzung des Jahres 1931 hat sich das Reichskabinett unter dem Vorsitz des Vizekanzlers Dietrich mit der Erneuerung des Reichsbahn-Verwaltungsrats beschäftigt, aus dem turnusgemäß sechs Mitglieder ausscheiden. Ein Kommunique über das Ergebnis der Beratungen ist nicht ausgegeben worden, da man die Namen der neuen Mitglieder erst veröffentlichen will, wenn ihre Wahl durch den Reichspräsidenten bestätigt worden ist. $

Der Reichskommissar für Preisüberwachung hatte gestern die Spitzenvertretungen der deutschen Hausfrauenvereine zu einer Besprechung gebeten, in der alle Fragen der Preissenkung, soweit sie Gegenstände und Leistungen für den lebenswich­tigen Bedarf betreffen, behandelt wurden. Seitens der Hausfrauenvereine wurden insbesondere zur Frage der Preisauszeichnung und zu den Hand werkertarifen Anregungen gegeben, die vom Rsichs- kommisfar verfolgt werden. Die Hausfrauenvereine sind vom Reichskommissar um Unterstützung bei seinen Aufgaben gebeten worden. Von den Ver­bänden ist der Wille zur Mitarbeit bereitwilligst bekundet worden.

haudlungèu emeu günstigen Verlauf, und man rechnet damit, daß am 1. März Stillhalteverhand- tungen in Kraft treten, die auf unsere Finanzkraft Rücksicht zu nehmen.

Aus der Umgebung Briands wird angeregt, zu der vorgesehenen Zusammenkunft Laval-Macdonald auch Reichskanzler Brüning einzuladen

* Der tschechische Legationssekretär in Moskau, Danjek, bestreitet die chm von russischer Seite ge­machten Anschuldigungen.

Zur Förderung der nach dem Weltkrieg geschaf­fenen einheimischen Zuckerindustrie nahm das lettische Parlament gestern ein Gesetz zur Einfüh­rung des staatlichen Zuckermonopols an.

Nach Meldungen mederländisch-indifche weiterer drastischer

aus Batavia bei

niederländisch-indische Regieuung die Einführung weiterer drastischer Sparmaßnahmen, um den Staatshaushalt ins Gleichgewicht bringen zu kön­nen. Es sind eine weitere Kürzung der Beamten­gehälter und die Einschränkung des Beamten­apparats geplant, außerdem ist die Verbrauchssteuer Mr Benzin und andere Petroleumnebenerzeugnisse von 7,50 Gulden auf 9 Gulden je Hektoliter erhöht worden.

Ministerpräsident Laval hat die Ministerien an­gewiesen, die ihnen im nationalen Ausrüstungsplan bewilligten Kredite unverzüglich zu verwenden, um so der zunehmenden Arbeitslosigkeit zu steuern. Das Unterstaatssekretariat für Körperpflege hat darauf­hin beschlossen, unverzüglich den Bau von 1200 Stadien zu beginnen, um den Maurern, Erdarbei- tern und Zimmerleuten, die am meisten von der Arbeitslosigkeit betroffen sind, Arbeit zu geben.

k Wie die ZeitungUsi Suomi" meldet, werden

Mische Außenminister und der russische Gesandte m Helsingfors demnächst in Verhandlungen über hen Plan eines sinnisch-russischen Nichtangrisss- paktes elintreten.

, In einigen Berliner Blättern wurden phan­tastische, aus Moskau stammende Gerüchte über den früheren Volkskommissar des Aeußeren Tschitscherin wiedergegeben. Wir werden von sowjetrussischer Seite ermächtigt festzustellen, daß Liese Gerüchte legl'cher Grundlage entbehren. Tschitscherin bezieht Hw normale Beamtenpension und lebt in durchaus auskömmlichen Verhältnissen.

Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, hat Gandhi an den Vizekönig von Indien ein Tele­gramm gerichtet, in dem er ihn fragt, ob die m Bengalen, in den Vereinigten Provinzen und m der Nordwestprovinz erlassenen Verordnungen den Bruch zwischen der Regierung und dem AllmLrschm Kongreß bedeuten solle und ob es der Vizekönig für erwünscht halte, daß Gandhi ihn aufsuche, um mit über die künftige Entwicklung zu sprechm.

*

Nach Blättermeldungen aus Genua ist in Eornigliane Ligure ein sechsstöckiger Neubau zu- fammengestürzt. 6 Personen wurden getötet und

) Näheres siehe im politischen Teil

VevdSchiigungen gegen

Deui-OSand

p a r I s ? 29. Dez. Die Abrüstungskonferenz wirft ihre Schatten voraus. In der ge­samten Boulevardpresse jagt eineEnthüllung" über die deutschen Rüstungen die andere und man kann sich bloß darüber wundern, wie armselig und fadenscheinig die Nachrichten sind, mit denen die fieberhaft arbeitenden Enlhüllungsfabrikanten dem Publikum aufwarten. Wichtig scheint jedenfalls die Tatsache, daß derWatin" gänzlich umgeschwenkt hat. Er steht auf derselben Linie mit demFigaro" und derAction Franyaife". denn er publiziert fast wörtlich dieselben Waschzettel, die aus der Lnthüllungswerkfiätte annahestehende Zeitun­gen" pünktlich zugeschickt werden.

Nachdem FranM in-Bouillon erst vor kurzem bei einer Veranstaüun-g unter starkem Bei- fall behauptet hatte, Deutschland habe in Hol- land 1200 Geschütze Herf teilen lassen, erschienen in den letzten Tagen imMatin" meh­rere Aussätze, die sich mit der angeblichen deutschen Aufrüstung beschäftigten. So verkündete Ler elsäs­sische Smâtor Eccardauf Grund cruthmtischen Materials", daß der deutsche Heereshaushalt gegen­über 1914 um 200 d. H. erhöht sei und daß von den 10 Milliarden Franken für die Reichswehr kaum die Hälfte im eigentlichen Haushalt enthalten sei. DerMatiu" befaßt sich hmte wieder mit den Geheimnissen der Reichswehr und .Lèbt den Inhalt einer Note betan d's --Mr

er»

bei einer Sitzung der Akademie für Wissenschaften zirkulieren ließ. DieOeuvre nennt den Namen Jean Rey. Danach hatte der Mitarbeiter einer bedeutenden Pariser Börfenfirma vor kurzem Ge­legenheit, in Holland Einzelheiten über die Tätig­keit der Kriegsindustrie in Schweden, Dänemark und Holland zu erfahren. Es

heißt Larin:

Es sind BefteKungen aus Deutschland, die diese Industriezweige am Löben erhalten. Man stellt für Deutschland Geschosse, Munition jeglicher Art, Ka­nonen und Lafetten her. In Holland baut man Lafetten für schwere G '

w|^ ____ Geschütze, in Schweden die

Kanonen selbst, in Dänemark die Zubehörteile. Die

State England nur für eine veovisoriWe Lösung?

Die britischen Schatzamtsachveeständigen für eine See längeeung des Movatoviums nnt drei Labre

£ o n b o n, 30. Dez. Zu der kommenden Reparationskonferenz sagt der Korrespondent desDaily Telegraph", die britischen und französischen Schatzamts-Sachverständigen wurden auf der Reparationskonferenz nur eine provisorische Lösung der Repacalionsfrage er­streben. bestehend in einer Verlängerung des Deutschland gewährten Moratoriums um drei Jahre.

Der Korrespondent desDaily Herold sagt, die französische These der Einschränkung der Zu­ständigkeit der Konferenz und auf grunosatzucye Aufrechterhaltung des Doungplanes wird vonge­wissen britischen amtlichen Kreisen" unterstützt.

Financial News" tritt einer Verlängerung des Moratoriums entgegen. Das Blatt sagt. Deut­schland werde bei Fehlschlag der Konferenz die bil­lige Erklärung abgeben, daß es keine Reparations­zahlungen leisten werde.

*

Während man seither in London der Ansicht war, daß eine Lauernde und endgültige Losung der Reparationsfrage gefunden werden müsse, daß die Verlängerung des Moratoriums allein, d. h. ohne bestimmte Aussicht auf einen erträglichen Zustand nach Ablauf Les Moratoriums, nicht genügt, scheint es jetzt Frankreich geglückt zu fein, diese Aussicht zu durchkreuzen.

Das susAch-kvamöfikrSe Veste«

Parts, 30. Dez. Der Berichterstatter des Echo de Paris" in London glaubt, das Pro;ekl einer englisch-französischen Reparationspolitik an dessen Ausarbeitung die franzüsischen und englischen Sachverständigen arbeiten, wie folgt umschreiben zu können:

1 Deutschland werde dn dreijähriges proviso­risches Moratorium für den geschützten Teil der Zahlungen zugebilligt werden.

Zahlung erfolgt in vollkommen normaler Weise ohne jede Verzögerung, und die Fabrikanten der verschiedenen Länder erklären, daß diese Aufträge für sie eine wichtige Belebung der Geschäfte bedeuten. Auf der anderen Seite sind es die italienischen In­dustrien, die große Mengen kleinkalibriger Munition für Maschinengewehre und Gewehre, für Deutsch­land bestimmt, Herstellen.

Aehnliche Behauptungen stellt in einem Aufsatz desselben Blattes der Admiral Docteur auf. Er nennt außerdem noch die Schweiz, von wo die Schnellfeuergewehre kämen. Scharfe Angriffe rich­tet er gegen die fogenante Handelsflotte, die in Wirklichkeit nur eine verschleierte Militär- Ker^ei ds-stelle. Die neuen Luftschiffe könnten t âcht-gleit ein halbes Lutzens Jagdflugzeuge ausnehmen. Zwl,chen beiden Aufsätzen sieht man das Bild eines holländischen Zeichners Mit Namen Louis Raemaekers, der während des Krieges in den Diensten der französischen Greuelpropaganda stand: Eine Marianne hütet, ernst besorgt orein- fchauend, eine Schafherde, zu beiden Seiten zwei große Hunde.. Unter dem Bild kann man lesen: Freunde des Friedens?" Darunter Marianne: Die Wölfe beklagen sich darüber, daß meine Hunde zu kräftig find." Mit solchen Mitteln wird die öffentliche Meinung hier beeinflußt. In fast allen Blättern ist immer wieder zu lesen, daß Frankreichs Sicherheit nach wie vor bedroht sei und es an eine einseitige Abrüstung nicht denken könne.

2. Deutschland hat in den drei Morakoriumsjah- ren den ungetrübten leit der Houng-Aunu. iläten zu entrichten, den Frankreich aber wie beim Hoover-Moratorium unverzüglich der Reichsbahn wieder leihweise zur Verfügung stellen würde.

3. Deutschland würde Frankreich, Rumänien und Südslawien weiterhin ein Mindestmaß an Sachlie­ferungen zugestehen.

4. Nach Ablauf der dreijährigen Moratoriunts- frist, wird die Zahlungsfähigkeit Deutschlands aufs neue geschätzt werden.

5. Deutschland würde mit den amerikanischen, englischen, französischen und neutralen Banken ein Abkommen über die allmähliche Zurückzahlung der eingefrorenen, kurzfristigen Kredite abschließen.

6. Die alliierten Regierungen würden, als Gläu­biger Deutschlands, die Washingtoner Regierung zu überzeugen versuchen, daß nachdem sie den wirt­schaftlich Wiederaufbau Deutschlands begünstigt hät­ten. ihre Opfer eine entsprechende Herabsetzung ihrer Zahlungen bei Amerika notwendig machen.

Dieses Projekt bedeutet nichts anderes als Fort­bestehen des bisherigen Zustandes der Ungewißheit. Anstatt der deutschen Krise und damit der Weltwirt­schaftskrise in, ihrem vollen Umfange zu Leibe zu rücken, will man sich mit einem zeitlich begrenzten Zahlungsaufschub der deutschen ungeschützten Zah­lungen begnügen, um nachher zum Wahnwitz der Reparationspolitik wieder zurück zu kehren. Wenn es wirklich gelänge, in absehbarer Zeit die große Krise durch eine Epoche der Konjunktur abzulösen,

(Fortsetzung auf Seite 2)

Wevben um Sesievvelch

Dem Gesetz der Trägheit folgend läuft der deutsch-österreichischL Wirtschaftsverkehr noch eine Zeitlang weiter. Wie lange die Kauf­leute sich aber den Luxus von Lieferungen, die infolge der in beiden Staaten geltenden Devisenverordnungen praktisch ohne Bezahlung bleiben, werden leisten können, steht dahin. Lange kann es gewiß nicht mehr dauern, bis wir, wird nicht grundlegende Abhilfe ge­schaffen, vor dem Ende des Wirtschaftsverkehrs zwischen den beiden deutschen Staaten stehen.

Handelsstatistiker mögen errechnen, welchen prozentualen Anteil diese Entwicklung an der Schrumpfung des deutschen Außenhandels­volumens hat. In Paris und Prag, wo man gewohnt ist, Prozente und Handelsvolumen nicht als Selbstzweck zu betrachten, sondern als bewährte Mittel zu politischen Zwecken, ver­folgt man die Dinge keineswegs unter dem Gesichtspunkt der Handelsstatistik allein. Wie die französische Politik allenthalben die Not unserer Zeit ausnützen möchte, um ihre Macht zu befestigen, versucht sie mit außerordent­licher Intensität, die brennend aktuelle Krise der deutsch-österreichischen Handelsbeziehungen zu nutzen, um endlich ihre Hausmacht auch über Oesterreich aufzurichten und so den zwölf- Ä^mZrauB. öomf^tuöfH^ en Mitteleuropa zu verwirklichen.

Nach Neujahr beginnen, bescheiden aufge­macht und so leise als möglich angekündigt, österreichisch-tschechische Indu- strieverhandlungen unter staatlicher Führung. Solche Verhandlungen mit dem Ziele einer industriellenEntente" man be­achte den Ausdruck! wurden von Herm Benesch immer wieder vorgeschlagen und von österreichischer Seite immer wieder abgelehnt. Beides ist begreiflich: sowohl der Wunsch des Herrn Benesch, das österreichische Deutschtum in seine tödliche Umarmung zu zwingen, indem er es in eine unnatürliche Wirtschaftsoerbin­dung preßt, wirtschaftlich aussaugt und na­tionalneutralisiert", als auch die Weigemng Oesterreichs, seine ausgeblutete Industrie einer erdrückenden Konkurrenz der ähnlich geschich­teten, aber ungleich mächtigeren Industrie der Tschechoslowakei die natürlich von Deutschen aufgebaut und zu ihrer heutigen Höhe ent­wickelt wurde schutzlos auszuliefern. Schließ­lich wird Herr Benesch ja zusamt seinem Staat und dessen grotesk aufgeplusterter Wehrmacht von den Franzosen allein zum Zwecke der Ent- deutschung Mitteleuropas ausgehalten. Oester­reich aber war in all seinem Dauerjammer im­mer noch in der Lage, politischen Forderungen, ob sie nun in elegantem Französisch oder in dem nicht allein dem Tonfall nach barbarischen Tschechisch vorgetragen wurden, wirtschaftliche Tatsachen entgegenzuhalten, die Tatsache näm­lich, daß der tschechoslowakische Markt der österreichischen Wirtschaft garnichts, der reichs­deutsche dagegen gar manches zu bieten hatte.

Nun der deutsch-österreichische Wirtschafts­verkehr abreißt, sieht Herr Benesch die Stunde gekommen, neuerlich ein preiswertes Angebot zu machen. Gehört nicht drei Viertel der österreichischen Industrie auch heute noch dem Konzern der Credit-Anstalt an? Und steht die Credit-Anstalt nicht heute schon, da von durchgreifender Sanierung noch keine Rede ist, völlig unter französischem Einfluß? Die Argumente häufen sich. Lie­benswürdig genug von Herrn Benesch, daß er im diplomatischen Umgang mit Oesterreich seine Erpressungen immer noch als Argu­mente bezeichnet; die Zeit ist vielleicht nicht mehr fern, da er auch diese letzte Maske inter­nationaler Umgangsformen fallen lassen wird.

Bemerkenswert ist übrigens die Wahl der mährischen Landeshauptstadt Brünn zum Verhandlungsort. In Brünn befindet sich das mitteleuropäische Wirtschaftsinstitut für die tschechoslowakische Republik, das der u n garische Donaubündle r, Staatssekre«

Oie betröge Stammet umfaßt 18 Betten