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'Aanau Stadt und Land

Anzeiger für«^

Äs. 303

Dienstag de«

29. Dezember

1931

Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Sanou. Sei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch ans Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. / Fürplatzvorschrift u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet. / Geschäftsstelle: Hammerstr. 9 / Jernfpr. 3956,3957,3958

-----_,^en BEs^a-mwe^as m gelifchsn Kreisen hervorgerufen hat.

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* Reichskanzler Dr. Brüning und die Minister Dietrich und Gröner haben einen kurzen Urlaub bis Anfang der nächsten Woche angetreten.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / SezugSpreiS: Für den halben Monat RM.1.-, für den ganzen Monat RM. 2.- ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10, Freitag 15, Samstag 12 R-Pfg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite 8 R-Psg.. im Reklameteil von 68 mm Sreite 25 R-Pfg. Offertengebühr 50 R-Psg.

Laval läßt dementieren

Noch keine offizielle Einladung zu eines ÄluSspvache Macdonald -Laval

Das Gutachten des Baseler Sonderausschusses ist bisher den beteiligten Regierungen noch nicht offiziell zugegangen. Man nimmt in Berliner amt­lichen Kreisen an, daß es heute oder spätestens in den nächsten Tagen in Berlin vorliegen wird. In politischen Kreisen verlautet, daß bisher über Ort und Zeitpunkt der Reparationskonferenz noch keine endgültige Entscheidung getroffen worden ist. Es be­steht jedoch eine gewisse Wahrscheinlichkeit dafür, daß die Konferenz'zu Beginn der zweiten Januar- hälfte im Haag zusammentreten wird.

Die Dechandlungen über Erneuerung und Ab­änderung des Stillhalteabkommens, die infolge des Weihnachtsfestes von Mittwoch den 23. bis zum 27. unterbrochen waren, wurden gestern vormittag in den Räumen der Reichsbank in Berlin wieder ausgenommen.

Der Präsident des Evangelischen Oberkirchen- rates in Berlin D. Dr. Kappler ist, wie wir er­fahren, persönlich an den preußischen Kultusminister hercmgetreten, um wegen der Schließung von neun ausschließlich evangelischen pädagogischen Akade­mien vorstellig zu werden und dem Minister von der Beunruhigung Kentnis zu geben, die Lie Nach- L richten über die geplante Besetzung des leitenden

Der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Funke hat an den Reichsinnenminister Groener eine Beschwerde gerichtet, in Ler er darauf hinweift, daß in versichedenen Teilen Braunschweigs von den Nationalsozialisten ständig gegen das Uniform­verbat verstoßen werde. Die Landjäger, die aufge­fordert worden sein, gegen die Ungesetzlichkeiten vor- gugehen, hätten erklärt, sie seien dazu wegen fehlen­der AusführungÄbestimmungen des Ministeriums nicht in der Lage. Der Abgeordnete fordert Besei­tigung dieser Mißstände.

Die am Sonntag auf einem Ausmarsch in Rahlstedt wegen Verstoßes gegen die Weihnachts- friedensbestimmungen festgenommenen 28 Ham­burger S. A.-Leute, die sich heute vor dem Schnell- Dichter verantworten sollten, wurden außer Ver­folgung gesetzt. Es wurde festgestellt, daß es sich bei demAusmarsch" lediglich um einen Weih­nachtsausflug gehandelt hat und daß verbotene politische Abzeichen nicht gezeigt worden sind.

* Wie wir von feiten des Reichsverkehrsmini­steriums erfahren, ist der Gesetzentwurf über die Vereinheitlichung der Reichswasserstroßenverwal- tung soweit vorbereitet, daß er am 5. Januar mit den beteiligten Länderbehörden durchberaten wer­den kann.

*

Dr. Simmer ist gestern vormittag vom Flug­hafen Tempelhof zu seinem Afrika-Flug gestartet.

Der Schriftführer der freiwilligen Wohlfahrts- vrganisation Newyorks erklärte vor dem mit Ler Untersuchung der Arbeitslösenstage betrauten Se­natsausschuß, das Gespenst der Hungersnot drohe Millionen von Menschen in Amerika. Die Leiterin der jüdischen Wohlfahrtsorganisationen in Chicago stob die Zahl der Arbeitslosen in Chicago mit 624 000 an.

Die aus Washington gemeldet wird, sollen im Februar und März auf der Höhe von Hawai und «n der kalifornischen Küste amerikanische Manöver stattfinden, an denen sämtliche Seestreitkräfte der Bereinigten Staaten in Verbindung mit dem Land­ler teilnehmen werden. Am 6. Februar soll die Schlachtschifflotte mit Unterstützung von Land- und Lnftstreitkräften einen Angriff auf Hawai unter­nehmen. Später wird die Flotte an der kalifor­nischen Küste bei San Pedro ein Landungsmano­ver unternehmen, an dem das Lenkluftschiff Patron" teilnehmen wird.

.Times" meldet aus Tokio, daß der Kaiser von Zapan am letzten Sonntag die Entsendung weiterer Truppen nach der Mandschurei genehmigt habe.

Die neue chinesische Rational-Regierung ist gestern gebildet worden. Zum Präsidenten der Nationalregierung, dessen Stellung derjenigen des Staatspräsidenten in den westlichen Demokratien ^tspricht, wurde Linsen, der frühere Präsident des Gestehenden Rats ernannt. Präsident des Voll- Stehenden Rats (Ministerpräsident) wurde wunfo.

*t Näheres stehe im politischen Teil.

Trotz Dementi Iutammen- M Macdonald-Laval?

Paris, 28. Dez. Die Meldung der LondonerTimes" und einiger französischer regie­rungsfreundlicher Zeitungen des Inhalts, daß Ramsay Macdonald an Laval eine Einladung zu einer persönlichen Aussprache über die Regelung der Reparationsfrage gerichtet habe, dementiert man am pariser Innenministerium. Trotzdem halten die aus der Umgebung des Ministerpräsidenten informierten Journalisten die Nachricht für zutreffend und betonen in ihren Kommentaren, daß es sich dabei um die Festsetzung eines ge­eigneten Zeitpunktes handele. Es wird auch die Anregung nach London gegeben, die Aus­sprache in Paris zu veranstalten.

Der ganze Vorfall erinnert lebhaft an die Vor­geschichte der Einladung Les Ministerpräsidenten Laval nach Washington. Auch damals ging zuerst ein Dementi hinaus, aber wenige Tage nach­her fand die sensationelle Neuigkeit ihre volle Be­stätigung. Es ist wahrscheinlich, daß in den Kreisen Ler französischen Botschaft in London an der Vor­bereitung einer Zusamsnkunft Macdonalds mit La­val gearbeitet wird. Diese Tatsache ergibt sich aus einer Bemerkung desTemps", der auf die Wach- famkeit der französischen Diplomatie in London be­sonders hinweist, und es für felbstverständlich hält, daß der Augenblick gekommen sei, um eine gemein­schaftliche Politik Frankreichs und Englandsim Interesse der Aufrechterhaltung des Friedens und sier Präsidentsch aft läßt folgende Mitteilung erscheinen:

Im Gegensatz zu den heute früh veröffentlich­ten Informationen hat Herr Pierre Laval keine Einladung erhalten, nach London zu Besprechungen mit Herrn Ramsay Macdonald zu kommen. Die englischen und französischen Sachverständigen be­handeln die Reparationsfrage. Die Möglichkeit einer Zusammenkunft der beiden Regierungschefs kann erst dann in Aussicht genommen und opportun werden, wenn die Sachverständigen ihr« Aujfgabe beendet haben."

Diese Mitteilung scheint auf den ersten Blick ein formelles Dementi der auch von uns wiedergegebe- , , _ _

neu Information darzustellen, daß Herr Macdonald Sachverständigen stattfinden soll.

Gandhis OeimSehv

Triumphaler Empfang in Vombav - Lndien zu schärfstem Widerstand entschlossen

Bombay. 28. Dez. Mahatma Gandhi traf am Montag, von der Londoner Kon­ferenz nach Indien zurückkehrend, in Bombay ein. Der ursprünglich vorgesehene großartige Empfang, bei dem Gandhi in einem mit weißen Pferden bespannten Wagen durch die Straßen Bombays fahren fällte, war fallen gelassen worden. Trotzdem hatte sich eine unge­heure Menschenmenge am Hafen eingefunden und riesige Menschenmengen, die auf 500 000 geschätzt werden, drängten sich in den Straßen. Gandhi wurde von Patel und dem Moslem­führer Ansari, sowie von seiner Frau an Bord des Schiffes begrüßt. Mit dem Spinnrad unter dem Arm schritt Gandhi unter die Menge, die ihn mit lauten Rufen begrüßte und ihm Girlanden aus indischem Garn zuwarf. In den Straßen wurde Gandhi mit Rufen be­grüßt, die zum Ungehorsamkeitsfeldzug aufforderten.

Gandhi erklärte Pressevertretern, den Erfolg der Londoner Konferenz halte er für gering. Die Kon­ferenz sei nur ein Debattierklub gewesen. Ueber Len Waffenstillstand von Dehli sagte Gandhi, er betrachte die Unterzeichnung dieses Vertrages als einen Akt staatsmännischer Klugheit von feiten Les indischen Kongresses. Später hielt Gandhi eine ReLe, in der er das Volk aufforÄerte, sich bereit zu halten, wenn der Kampf unvermeidlich sei. Er werde aber keinen Versuch unterlassen, um eine gütliche Lösung zu finden.

Bombay, 28. Deg. Die öffentliche Rede, die Gandhi heute abend hier hielt, schloß er mit fol­genden Worten:3$ glaube nicht, daß ich die gleiche Selbscheherrschung wie früher werde beobachten können, wenn die Lage einen energischen Entschluß erfordert Bei Len letzten AuseinanLersetzungev ist man mit Knüppeln gegen uns vorgegangen, bei einem etwaigen künftigen Konflikt werden wir Kugeln zu erwaretn haben."

Zusammenstöße

Bombay, 28 Dez. Kurz vor her Ankunft Gandhis zu schweren Zusammenstößen Kongreßanhängern gekommen, 'ne GanLhi beschuldigen, die

in

Bombay war es zwischen Parias und _ .

DieUnberührbaren", tue Gandhi beschuldigen, die Durchsetzung ihrer Forderungen nach entsprechender Vertretung in den indischen Provinzparlamenten verhindert zu haben, waren mit Stöcken, Glasscher­ben. Meffern und anderem bewaffnet. Sie rissen

dem französischen Ministerpräsidenten eine persön­liche Begegnung vorgeschlagen habe. Bei aufmerk­samer Lektüre Ler französischen Mitteilung stellt man aber fest, daß sie lediglich eine offizielle Ein­ladung an Herrn Laval, nach London zu kommen, dementiert, sie läßt aber die Möglichkeit einer Zu­sammenkunft zwischen den beiden Regierungschefs offen. Die Mitteilung besagt also vorerst nichts weiter, als daß der Zeitpunkt und der Ort dieser Begegnung noch nicht festgestellt ist, und daß in­folgedessen keine Einladung hat ergehen können.

Die ensttsch-fvamdMchen Sevhattdlunse«

London, 29. Dez. Ueber die enguscy-fran- zösischen Reparations-Verhandlungen berichtet der Pariser Korrespondent desDaily Telegraph": Im Anschluß an die Pariser Besprechungen zwischen Jianbin und Leith-Roß sei vereinbart worden, daß von französischer wie von britischer Seite je eine Formel ausgestellt wer­den soll Sobald es den Sachverständigen gelun­gen ist, die beiden Formeln in Einklang zu brin­gen. soll der von ihnen ausgestellte Entwurf den beiden Regierungen zur Billigung unterbreitet werden.

Der Korrespondent fügt hinzu, Jianbin unb Laval scheinen der Ansicht zu fein, daß die ange­regte Zusammenkunft zwischen den beiden Premier­ministern erst nach Beendigung der Arbeiten der

die Fahnen und Girlanden, die von den Kongreß- anhängern in den Straßen angebracht waren, her­unter. Kurz vor Ler Ankunft von Gandhis Dampfer strömten sic zum Hafen, wo sich ein Gefecht zwischen ihnen und den Kongreßanhängern entspann, das erst durch starke Polizeiabteitungen beendigt werden konnte. Bei der Prügelei wurLen 25 Personen ver­letzt.

S«dic« vov elnev Slgvav- vevolution?

Bombay, 28. Dez. Pilhalbai Patel, der auf demselben Dampfer wie Gandhi eintraf, bemerkte in einem Interview, daß die dritte Rundtischkonferenz sich als Fehlschlag erweisen werde. Es seien An­zeichen dafür vorhanden, daß Indien rasch einer Agrarrevolution entgegengehe. Der Boykott briti­scher Waren, britischer Handels- und Versicherungs­gesellschaften müßte viel strenger durchgeführt wer- den. Der Besuch Gandhis und seine Tätigkeit In England, schloß Patel, habe das Ansehen des In­dischen Longresses kaum erhöht.

Macdonald übev die Lase ht Sudle«

London, 28. Dez. Ministerpräsident Macdonald erklärte in einer Unterredumg mit Pressevertretern, (Fortsetzung auf Seite 2)

Die Taktik des AuS- weiGens

In Frankreich ist man mit dem Bericht der Basler Sachverständigenkonferenz zufrieden. Man schätzt an ihm vor allen Dingen, daß er sich äußerlich im Rahmen des Doungplanes ge­halten hat. Wie derTemps" befriedigt fest* stellt, haben die Sachverständigen keinen Ver­such gemacht, die künftige Zahlungsfähigkeit Deutschlands abzuschätzen und keinen unbe­grenzten Zahlungsaufschub für Deutschland verlangt. Sie haben auch zur Genugtuung der Franzosen den kurzfristigen deutschen Pri­vatschulden keinen Vorrang vor den Tribut- zahlungen zuerkannt. Ferner finden die Fran­zosen zu ihrer Freude in dem Bericht nicht die nach ihrer Ansichtfalsche Auffassung", daß die Erschöpfung der deutschen Wirtschaftskraft durch jahrelange Tributleistungen die Grund­ursache der Weltwirtschaftskrise ist. Bei dieser Feststellung muß man allerdings den Bericht des Sonderausschusses nicht sehr genau gelesen haben. Denn daß ein Zusammenhang zwischen den Tributerpressungen und der allgemeinen Wirtschaftsnot besteht, haben auch die Sach­verständigen in Basel, einschließlich der franzö­sischen Vertreter, durchaus anerkannt.

Die Art, wie man den Bericht in Frank &^ * AL französischen Absichten. Man will in Paris einer Entscheidung, einer durchgreifenden Be­handlung des Tributproblems ausweichen und sich mit dem Herumdoktern an den Symp­tomen begnügen. Keins der Kernproblems soll überhaupt in Angriff genommen werden» wenn es nach den Absichten der französischen Regierung geht. Aber die französische Taktik darf für die bevorstehende Tributkonferenz nicht ausschlaggebend sein, wenn wirklich ein Erfolg erzielt werden soll. Sie wird auch von den anderen beteiligten Ländern keineswegs anerkannt und gebilligt. Man kann sicher da­mit rechnen, daß England auf der Konferenz einen ganz anderen Ton anschlagen wird. In der englischen Presse kommt sehr deutlich zum Ausdruck, daß die englische Regierung sich nicht dazu verleiten lassen darf, bei der Be­handlung der Tribut- und der Kriegsschulden­frage auf das Votum des amerikanischen Kon­gresses Rücksicht zu nehmen, daß sie vielmehr mit denjenigen europäischen Nationen zusam­mengehen muß, mit denen sie in der Auf­fassung des Grundproblems übereinstimmt.

Danach kommt auch ein Zusammengehen mit Frankrich nicht in Frage, denn in der eng­lischen Presse wird der Tributkonferenz ^ein viel weiterer Wirkungskreis gezogen, als es nach der französischen Auffassung zulässig ist. Die Regierungskonferenz", so schreibt im Sinne der allgemeinen englischen Auffassung, derObserver^,muß sich zunächst mit der Frage einer Verlängerung des deutschen Mo­ratoriums beschäftigen. Aber sie muß darüber hinausgehen. Sie muß sich ganz ohne alle Zweifel auch mit der Frage der Kriegsschulden beschäftigen. Außerdem hat der Sonder- ausschuß in Basel klar und deutlich nachgewie­sen, daß das Schuldenproblem nur ein unzer­trennlicher Bestandteil des Gesamtproblems der Weltwirtschaftskrise und der allgemeinen Depression ist. Deshalb kann die Regierungs­konferenz auch an dem Gesamtproblem nicht vorübergehen. Sie wird die Diskussion über alle die Hauptfragen der Weltwirtschaftskrise eröffnen müssen, von den Währungsfragen bis zu den Fragen der internationalen Han­delspolitik. Nichts, was mit dem Schulden­problem zusammenhängt, darf von dem Aus* gabenkreis dieser Konferenz ausgeschlossen werden."

Den Franzosen, die nur die allerengsten Tributfragen als Konferenzthema zulassen wollen, werden sich bei dem Lesen dieses eng­lischen Verhandlungsprogramms die Haare sträuben. Und sie werden sich nach einem Bundesgenossen umsehen und wahrscheinlich hoffen, daß sie ihn in dem amerikanischen Kon-

Die Mm Kummer umfaßt 10 Serien