Nr. 301
Donnerstag, den 24. Dezember 1931
Seite S
wettevbeviGt
Das mächtige zentraleuropäffche Hochdruckgebiet, das mit feinem Kern über Süddeutschland liegt und Barometerstände bis etwa 785 Millimeter auf» warst, beherrscht noch vollkommen dir Wetterlage. Es kommt jedoch vielfach zu Hochnebel, der nur zeitweise von kurzen Aufheiterungen unterbrochen wird. Die im Norden über den Kontinent ziehenden Tiefdruckwirbel werden in Norddeutschland bei westlichen Winden eine vorübergehende Milderung der Temperaturen bringen, während im übrigen Deutschland die zurzeit herrschenden Temperaturen noch im wesentlichen erhalten bleiben. — Vorhersage bis Donnerstag abend: Vorübergehend auf- heiternd und i»n wesentlichen trocken, im Norden mrfkommende Bewölkung und Niederschlagsneigung. nachts stärkerer Frost, schwache Winde. — Witterungsaussichten für Freitag: Vielfach aufgeheitert und sehr kalt.
ÄeeiS WKdlnas«
Betr.: Die Polizeistunde an den Weihnachtsfeiertagen und an Sylvester.
Bekanntmachung
Der Herr Minister des Innern hat im Einvernehmen mit dem Herrn Finanzminister für dieses Jahr angeordnet, daß die Polizeistunde am zweiten Weihnachtsfeiertag und am Neujahrstag allgemein auf 2 Uhr und Sylvester auf 6 Uhr festgesetzt wird.
Büdingen, den 23. Dezember 1931.
Hess. Kreisamt Büdingen: Dr. Gaßner.
i Büdingen, 21. Dez. Oeffentliche Kreisausschußsitzung In der heutigen Sitzung wurde das Urteil des Kreisausschusses über den Antrag des. Georg Hills, Ortenberg, um Erlaubnis zum Abbruch der unter dem Denkmalsschutz stehenden Stadtmauer verkündet' Dem Antrag liegt folgender Tatbestand zu Grunde: Der Landwirt und Bäckermeister Georg Hills Ortenberg, hat um die Erlaubnis zum Abbruch der unter Denkmalsschutz stehenden Stadtmauer nachgesucht. Ein von dem Antragsteller im November vorigen Jahres gestellter Antrag, um einen Durchbruch der Mauer, wurde unter gewissen Voraussetzungen gestattet. Der Antragsteller beantragt aber jetzt den ganzen Abbruch der auf seinem Grundstück stehenden Mauer. Die sachverständige Behörde gibt ebenfalls einen Durchbruch der Mauer aber nur insoweit zu, als dieselbe in ihrem äußeren Eindruck nicht geschädigt wird, aber durch die vorgesehene Bebauung des Platzes würde die Stadtmauer unsichtbar gemacht- In einer Sitzung am 31 Oktober beschloß der Kreisausschuß, an Ort und Stelle einen Augenscheintermin vorzuneh- men. Dieser Termin fand am 11. Dezember statt. Nach ausgiebiger Inaugenscheinnahme erkennt der Kreisausschuß die Zwangslage des Antragstellers innerhalb feiner Hofraitè und Wirtschaftsgebäude an, so daß in solchen Fällen in der heutigen schweren Zeit der Schutz des Altertums, so sehr man solchen wahrzunehmen bemüht ist, vor den Lebensnotwen- digksiten eines Steuerzahlers zurück.zutreten habe. Das Urteil laute-: Dem Anträge des Landwirts und Bäckermeisters Hills Ortenberg, die Stadtmauer in dem geplanten Umfange der Erweiterung seiner
Fallen d-m Antragsteller tut Last.
s Büdingen, 23. Dez. Im Kreisarte Mittelgründau war es in einer politischen Versammlung im November ds. Js. zu schweren Auseinandersetzungen und Ausschreitungen s-eitens einer Reihe Anhänger der KPD. gekommen, wobei den zur Sicherheit und Ordnung bestellten Polizeibeamten Widerstand geleistet, beide Beamte mit Fußtritten bedacht, und schließlich die Fensterscheiben des Rathauses zertrümmert wurden Ein der NSDAP, angehöriger junger Mann aus Haingründau hatte außerdem einen Messerstich erhalten. Mit diesen Vorgängen hatte sich nunmehr der Strafrichter des hiesigen Amtsgerichtes zu befassen: er verurteilte den Kom- munistensührer Ps. aus Mittelgründau, dem zwar nicht nachaewiesen werden konnte, daß er die Tritte nach den Beamten ausgeführt batte, der sich aber doch noch andere Straftaten zu Schulden hatte kommen lassen zu vier Monaten Gefängnis und den
Dev Mann im Llebel
Weihnachtsskizze von Alex. v. Gleichen-Rußwurm
Es ist ja eigentlich ein großes Glück, daß Peter Men die kleine Aushilfsstelle bekommen hatte, wenn auch nur für die nächsten Monate. Ferner, daß seine gute Adele einige Unterrichtsstunden gab, ihr Fach war Stenographie. Auf diese Weise konnte Man sein Leben gerade über Weihnachten fristen. Aber es würde doch ein trauriges Fest werden, denn Peter war nicht in der Lage, seiner Adele das Wnterjäckchen zu schenken, das sie so notwendig brauchte.
Zigarren und Zigaretten, ebenso das Bier hatte er sich schon abgewöhnt, aber diese kleinen Ersparnisse sammelten sich langsam, und die tückischen kleinen Ausgaben stiegen allzu schnell. So gehörte Peter Allen zu denen, die da rechneten und rechneten Nun war es ihm, als sei er auf dem Heimwege von seinem Büro am Fluß schon eine zeitlang sinnend und rechnend auf und ab gelaufen, ohne des schönen winterlichen Abends zu achten. Da plötzlich fiel ein starker Nebel ein, weich, wattig und verzauberte alles.
Peter fand sich in der ihm sonst bekannten Gegend gar nicht mehr zurecht. Es hatte sich im Nebel ein Mann zu ihm gesellt, dessen Umrisse phantastisch halb größer, bald kleiner mit dem Nebel zu wogen schienen.
War ihm der Mann gefolgt, weil Peters Hin- und herlaufen ihm selbstmordverdächtig schien? Jedenfalls gedachte er. etwas Tröstliches zu sagen, denn er ließ sich plötzlich überraschend vernehmen: „Mann, wollen Sie etwas verdienen?"
Dieser Antrag der Mannes im Nebel begegnete bet Peter Mißtrauen, er antwortete ein wenig chW'g: „Auf ehrliche Art, gewiß", aber der Mann nn Nebel ließ ihn nicht aus.
. Er sagte: ,Hch habe für Sie, Herr Peter Allen eine, anständige Verdienstmöglichkeit. Nehmen mir on, ich bin Lotterieeinnehmer: ich muß von der Lotterie doch eine bestimmte Anzahl Lose verkaufen, habe selbst keine Zeit dazu, vertraue Ihnen die Zettel an, und morgen treffen wir uns um dieselbe Stunde wieder hier. Sie melden mir das Ergebnis unb erhalten eine beachtenswerte Provision. Es sechs, bie bringen Sie schon an." Schon mblte Peter den Umschlag in seiner Hand.
Heute brennt der
Das Weihnachtsfest ist das Fest der Kinder. Mit glänzenden Augen, wie die Kleine auf dem Bild, stehen heute abend viele viele Tausend Jungens und Mädels um den Baum und staunen die Pracht des brennenden Christbaums wie ein Wunder an. Die älteren von ihnen wissen schon, daß ja auch der brennende Baum das Symbol für ein Wunder ist, für das größte, das die Menschheit erlebt hat. Der â dieherrlicher als all die Geschenke, die unter ihm liegen. Und in
Kosten des Verfahrens. Die gleiche Strafe erhielt auch ein Omnisbusbesitzer aus Büdingen, der mit seinem Kraftwagen S.-A.-Leute zu einer politischen Versammlung gefahren und so in zwei Fällen gegen die Verordnung des Herrn Reichspräsidenten zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen verstoßen hatte.
Aus Steinheim ««d Umgebung
— Klein-Auheim, 24. Dez. Am 2. Weihnachtsfeiertag veranstaltet der Turn- und Sportverein
Bis dahin war die Sache soweit normal versaufen, aber jetzt trat der Mann im Nebel ganz nahe an Peter heran und flüsterte ihm ins Ohr: „Verteilen Sie bie Lose an Leute, denen Sie wohlgesinnt sind, denn jedes bringt sicher, ganz sicher und überraschend Glück."
Allein geblieben, überlegte Peter, wem er die so geheimnisvoll Glück verheißenden Lose anbieten könne. Fünf davon, denn eines bestimmt« er für Adele.
Wie das so geht, wenn man arm und ärmer wird, hatte Peter Allen, der früher in guten Greifen verkehrte, die alten gesellschaftlichen Beziehungen aufgegeben und vergessen. Er entsann sich mit Mühe diese und jener einst sympathischen, gastfreundlichen, lebenswarmen Menschen, die seinen Kreis gebilbet, und begann mit Eifer von einem zum andern zu gehen, seine Glückslose anzubringen und machte dabei überraschend« Erfahrungen.
Hatte er sich losgelöst von diesen gastlichen Menschen wegen zunehmender Verarmung, so waren jene Freunde, ohne daß er es geahnt, noch vier schneller und tiefer in den Abgrund der Zeit ge. sunken. Keiner von ihnen hätte ein Los erstehen können, obwohl es nicht viel kostete und sehnsuchtsvolle Blicke sich darauf hefteten. So viel verschämte Armut drückte Peters Herz, und er empfand es fast bedrückend, allen diesen gegenüber noch verhältnismäßig gut gestellt zu sein.
Da erinnerte er sich der Verheißung jenes Mannes im Nebel, und er sonnte gar nicht anders, er verschenkte die fünf Lose ...
„Da habe ich aber ein gutes Geschäft gemacht", sagte er sich sodann. „Was wird Adele dazu jagen?"
‘ Wie eine Antwort auf seine Gedankengänge er* tönte jetzt ihr« helle Stimme: „Aber Peter, was bist Du fest eingenickt hier am Ofen. Nun, das macht wohl der Nebel.
„Der Nebel", wiederholte er, noch ganz be= nommen von seinem Traum. Er erzählte ihn der Gattin, wobei die traurige Sache mit der Winterjacke herauskam. Adele lachte nur und meinte, sie fühle sich in der alten sehr wohl. Dann wurde sie aber ernst und sagte, was an dem Traum stimm«, sei der Umstand, daß es jenen früheren Freunden schlecht ginge, und sie habe selbst schon beschlossen, jedem von ihnen auszusuchen und mit irgend einer Kleinigkeit zu erfreuen, denn das Schlimmste an der
den Blicken der Kinder spiegeln sich die vielen Lichter des Weihnachtsbaumes und geben erst den rechten Festesglanz. Kinderaugen sind zu Weihnachten das Schönste was es gibt, sie leuchten und wärmen in dunkler Wintersnacht mehr als alle Sonnen. Man braucht den Deutschen nicht erst zu sagen, daß sie am Heiligabend ihren Kindern den Baum anzünden sollen, überall brennt er und bringt auch in der .iUinikn Hütte ein feinen Freude und Weihnachls- stimmung.
1872 Klein-Auheim seine diesjährige Weihnachtsfeier im großen Kaisersaal, verbunden mit Verlosung und Tanz. Zur weiteren Unterhaltung wird noch ein schönes, lustiges Weihnachts-Theaterstück aufgeführt. Anfang 7.30 Uhr.
w Klein-Auheim, 22. Dez. Spar- u. Hilfs - lasse. Am 21. Dez. fand die zweite ordentliche Generalversammlung der hiesigen Spar- und Hilfskasse statt. Den Porsitz führte der Vorsitzende des Aufsichtsrates Herr Georg Eckrich. Zunächst gedachte er in ehrenden Worten des inzwischen verstorbenen Mitglieds Johann Möser II. Die Versammlung ehrte den Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen. Alsdann wurden die aus dem Vorstand ausscheidenen Mitglieder Eller und Como
Armut sei doch die Vereinsamung, das verschämte Verbrochensein, die falsche Verlegenheit, da man gerade in der Armut zusammenrücken solle.
Peter umarmte sie schweigend. Da läutete un- erwartet die Klingel Adele neckt;: „Das wird der Mann im Nebel sein, ober einer von den Beschenkten und läßt uns an seinem Glück teilnehmen."
Sie hatte noch den Mund offen zu weiterer Neckerei, da blieb derselbe geöffnet und stumm vor Staunen, denn breitspurig stand in der Türe der unerhörteste aller Besucher der Geldbriefträger. Dieser Himmelsbote legte einen dicken Brief aus den Tisch.
„Ich glaube, wir träumen jetzt alle beide", sagte Adele, indes Peter den Brief öffnete. Er sand eine erkleckliche Summe darin und folgendes Schreiben:
„Herr Allen, lieber alter Peter, den wir einst .schwarzer Peter" nannten. Ich schäme mich nun Hon seit vielen Jahren, wenn ich an Dich denke, und in diesem Jahre, da ich erfuhr, wie schlecht es allen Leuten in Deutschland geht, und ich mir denke, daß Du nicht ausgenommen bist, schämte ich mich um so heftiger und fuhr herüber. Herr Allen, ich habe Sie einst bestohlen. Ich habe dwnals Ihre Vertrauensfeligkeit benutzt und Sie einer kleinen Barschaft beraubt. Sie glaubten Ihre Brieftasche verloren zu haben. Ich ging damit nach Amerika. Es war der letzte Augenblick vor dem Einwande- rungsvevbot, und der letzte Augenblick für einen beherzten jungen Fremden, Geld zu machen. Das gelang mir, und nun schick« ich Ihnen die betreffende Summe mit Zinsen abgerundet zurück. Wenn Sie irgend etwas brauchen, wenden Sie sich an folgende Anschrift, Ich hoffe, daß Ihnen die Lotterielöse Glück bringen., Sie nie mehr mit Selbstmordgedanken herumirren."
Peter griff sich an den Kopf und in die Tasche, welcher er «in Los — das sechste, für Adele bestimmte Los, entnahm. „Ja, um Himmelswillen, ich habe ja gar nicht geträumt. Der Mann im Nebel . . . schau nur her und sieh Dir das Los an! Das stimmt."
In die Hände klatschend, rief Adele: „Und so wollen wir dem armen Teufel, der gewiß mit seiner Reue ärmer ist als wir alle, etwas sehr Nettes zu Weihnachten schicken."
und die aus dem Aufsichtsrat ausscheidenen lieb Meder Gieles und Eckrich wiedergewählt. Alsdann verlas der Vorsitzende den Bericht über die Revision, die vom 21.—23. Ott. von 2 Revisoren des Landesverbandes vorgenommen wurde. Es wurde festgestellt, daß die gesetzlichen und statuarischen Verpflichtungen erfüllt sind und daß die Beschlüsse des Vorstandes und der Generalversammlung gehandhabt wurden. Durch eingehende Prüfung der Rechnungsführung wurde ferner festgestellt, daß auch hier alles im Rechten geht. Das Vermögen der Kass« wurde in dem Berichte mit 31111 RM angegeben. Es sind in der Zeit von Juli bis November auf der Kasse 84 157 RM an Spargeldern mehr abgehoben worden als eingezahlt. Außerdem sind auch in „Laufender Rechnung" 10 000 RM mehr an Auszahlung gemacht worden Insgesamt sind also 74157.76 RM in der kritischen Zeit zurückgezogen worden. Zurzeit übersteigen die Rückzahlungen die Einlagen nur noch um ein geringes. Zwei Beschlüsse wurden noch gefaßt. Erstens soll das fremde Betriebskapital von 500 000 RM auf 600 000 RM erhöht werden können. Die Statuten sahen seither nur ein solches in Höhe von 500 000 RM vor, obwohl die Spareinlagen den Betrag von 500 000 RM bereits überstiegen haben. Als zweites wurde auf Grund des Berichtes, den der Vorsitzende von der im Juni d. I. stattgefundenen Generalversammlung der Landes- genossenschaftsbank gab. und auf Antrag aus der Versammlung der Austritt aus obiger Bank beschlossen. Als Mitglied unterhielt ■ die Kasse dort seither ein Guthaben von 3000 RM und haftete mit 20 000 RM.
w Klein-Auheim, 23. Dez Am 3. Weih nachts- feiertag findet im Kaisersaale die Weihnachtsfeier der katholischen Vereine statt. Eine vorzügliche Unterhaltung wird geboten.
Aus Frankfurt a. M
Sperrung der Schleuse Kostheim wegen Frost- verschärfung
: Wie das Wasserbauamt mitteilt, wird wegen drohender Frostverschärsung die Bergfahrt durch Schleuse Kostheim ab Mittwoch nachmittag gesperrt. Der Abbau der Nadelwehre ist für Donnerstag vormittag vorgesehen. In der Nacht zum Donnerstag erfolgen Schleusungen kostenlos.
Der Revolverheld aus der Dilbeler Straffe gesteht
: Während die beiden Mittäter bei der Revolver- schießerei im Cafe Daube in der Dilbeler Straße berens vor Gericht ein Geständnis abgelegt hatten, verlegte sich bisher der eigentliche Schütze Roman Müßig darauf, zu leugnen. Gestern wurde er nun den Tatzeugen gegenübergestellt, die ihn einwandfrei als den Täter wiedererkannten. Daraufhin bequemte sich Müßig zu einem Geständnis und gab an, der Schütze gewesen zu sein. Müßig kommt auch noch für eine Reihe weiterer Straftaten als Täter in Frage, die die Polizei jetzt aufzuklären sucht, über die näheres mitzuteilen jetzt aber noch nicht ratsam erscheint.
Der Fassadenkletterer wandert ins Gefangn!«
: In Bad Homburg betätigte sich eine zeitlang der Arbeiter Anton Moog als Fassadenkletterer. Er turnte an Veranden und Fenstergesimsen mit grösster Gewandtheit ost bis zum Dach empor und Uchte sich meist etwas abgelegene Villen aus, um sich zu bereichern. In einer Villa, die nach Kirdorf zu lag, hauste er wie ein Vandale und zerstörte zahlreiche Gegenstände Diese Villa besuchte er nach Jahresfrist nochmals. Am schlimmsten wurde durch ihn ein Chauffeur geschädigt, dessen sämtliche Kleider und Wertsachen verschwanden Moog wurde in der Verhandlung vor dem Großen Schöffengericht fünf schwerer Einbrüche überführt, die ihm eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren und drei Monaten eintrugen.
o Und das wollen Unsterbliche sein! Die französische Akademie darf sich rühmen, daß sie heute ungleich mildere Richter findet als in früheren Zeiten, die sich nicht daran genugtun konnten, die erlauchte Vereinigung zur Zielscheibe mehr oder weniger bos« hafter Witzx zu machen. Mußten es doch die Unsterblichen um die Wende des 18. Jahrhunderts erleben, daß der Feind in ihrer eigenen Mitte faß und feine satirischen Pfeile gegen seine Kollegen richtete! Das beweist ein Brief, den der Akademiker Boileau, der wegen seiner „Satiren" berühmte französische Dichter, um das Jahr 1700 an seinen Freund Brosette richtete und den ein glücklicher Pariser Bibliophile aufgestöbert hat. Das Schreiben gibt sich als eine erbarmungslose Verurteilung der Akademie zu erkennen, die sich „abgesehen von zwei oder drei Ausnahmen aus Leuten zusammensetzte, deren Verdienste banalster Art, und die nur in ihrer eigenen Einbildung groß sind." Die zwei oder drei Ausnahmen werden in dem Briefe leider nicht genannt. Daß sich Boileau, der sich in seinen Satiren" einiges Verdienst zuerkennt, zu ihnen zählte, darf als selbstverständlich angenommen werden. Wer waren aber die anderen? Wenn man die Liste der Mitglieder der Akademie des Jahres 1700 durchsieht, wird man, neben Boileau, vor allem auch den Philosophen Fénelon, den Märchendichter Charles Perrault und den „Adler von Möaux", den großen Kanzelredner und Geschichtsschreiber Bossuet, raten dürfen. Sie sind tatsächlich die einzigen, deren Namen auf die Nachwelt gekommen sind.
o Reue Maya-Funde. Die reichste Sammlung der Welt an präkolumbischen Altertümern besitzt wohl die ethnographische Abteilung des Britischen Museums, das seit 1926 alljährlich eine Expedition zur Erforschung der altamerikanischen Kultur in die Wälder Mitielamerikas unternimmt. Die diesjährige Expedition mußte sich ihren Weg unter unsäglichen Mühen durch 60 Kilometer dichtesten Urwaldes bahnen, wurde aber reichlich belohnt durch die Entdeckung neuer Maya-Ruinen am südlichen Staun-Fluß, herrlicher Tongesäße und Schmucksachen, Waffen und Werkzeuge aus dem 3. ober 4. vorchristlichen Jahrhundert.
Die Athener errichteten dem Berosus eine Statue mit einer Zunge aus Gold aber nicht, well er ein großer Geschichtsschreiber war, sondern weil er ein Astrologe gewesen ist