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22. Dezember
1931
Die Arbeit am SchtuSbeeicht von Basel
Keine konkvete« SovschlSge oder Anregungen im Schlutzbeviebt des Vallee Sondeeausschulles
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* Das Reichskabinett hat in einer Kabinett- fitzumg, die am Montag nachmittag stattfand und bis in die Abendstunden dauerte, die Beratungen über die sog. kleine Notverordnung abgeschlossen. Die Notverordnung wird am Dienstag oder Mittwoch erlassen werden. Sie wird einige Ergän- zungsmaßnahmen zu der Notverordnung vom 8. Dezember enthalten.
Nachdem die Schweiz das deutsch-schweizer Handelsabkommen zum 4. Februar gekündigt hat, will man, wie wir von unterrichteter Seite erfahren, versuchen, bis dahin Verhandlungen mit der Schweiz daüber aufunehmen, welche Maßnahmen nach diesem Termin ergriffen werden können, um einen direkten Zollkrieg zu vermeiden.
vom Ber-
Der Austausch der Ratifikationsurkunden zum Handels- und Schiffahrtsvertrag zwischen dem Deuffchen Reich und dem Irischen Freistaat 12. Mai 1930 hat am 21. Dezember 1931 in Hn stattgefunden. Der Vertrag und das Protokoll sind demnach am 31. Dezember 1931 in Kraft ge
treten.
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Landgerichtspräsident Karl Pannier ist gestern im 77. Lebensjahre in Dessau gestorben. Seit 1919 lebte er im Ruhestände. Pannier war ein hervorragender Jurist, der auch als Schrifffteller und H ebers et; er mittelhochdeutscher Dichter erfolgreich tätig war. Nicht weniger als 230 Bände der Re-
Die Friedenshütte in KattoMtz ist gestern bis zum 11. Januar geschlossen worden. Am 29. Dezember findet eine Gläubgerversammlung statt. Die Passiven werden mit 80 Mill. Zloty angegeben,
Präsident Hoover legte gestern dem Kongreß die Botschaft vor, in der er um die Bewilligung von Mitteln für die Beteiligung Amerikas an der Genfer Abrüstungskonferenz nachsuchte. Da die Konferenz wahrscheinlich viele Monate dauern wird, wird als erste Rate der Betrag von 450 000 Dollar angefordert.
Bei der Senatsdebatte über das Hoover-Atora- torium erklärte Reed und andere Senatoren, Frankreich könne sehr wohl zahlen und sie sähen nicht ein,
en „durchaus erforderlichen Schritt der Reparationsfrage, Deutschland
weshalb man den
Frankreichs in i , , „ . entgegenzukommen, dadurch erkaufen solle, daß man den Betrag von den Schultern des reichen Frankreichs auf den amerikanischen Steuerzahler abwälze.
* Arnoldo Mussolini, der Bruder des Chefs der italienischen Regierung, ist gestorben. Der Verstorbene war Chefredakteur des „Popolo d'Jtalia".
Der der Radikalen Partei angehörende Abgeordnete Margaine hat gestern in der französischen Kammer den Antrag gestellt, dem Völkerbund die Bil- dung einer internationalen Streitmacht zur Wiederherstellung der Ordnung im Fernen Osten vorzuschlagen.
Das „Echo de Paris" veröffentlicht den Inhalt des am 24. August paraphierten französisch-russischen Nichtangriffspaktes. Beide Staaten verpflichten sich danach u. a., sich gegenseitig nid)t anzugreifen, im Falle eines Angriffs einer dritten Macht Neutralität zu wahren und auf jede Propaganda gegeneinander zu verzichten.
Der Ausweis des italienischen Schatzamtes vom 30. November zeigte einen Fehlbetrag im Haushalt von 1467 Millionen Lire. Der Banknotenumlauf ist um weitere 137 Millionen Lire auf 14 254 Millionen Lire gebrodelt worden.
Bei den gestrigen Wahlen zum syrischen Parlament ist es in Damaskus und in Hama zu Zwischenfällen gekommen. Die Wahlbüros wurden von Demonstranten gestürmt und die Wahlurnen zertrümmert. Zwischen Polizei und Demonstraten entbrannte ein erbitterter Kampf mit Messern und Re, volvern. Die Ruhe konnte nur mit Mühe wieder
Bei dem gestern bereits gemeldeten Gefecht zwischen den aufständischen Kurden und Irak-Truppen haben diese an Toten einen Offizier und 13 Unter- "islziere und Mannschaften sowie 9 Verwundete zu verzeichnen, während die Kurden 20 Tote und 30 Verwundete eingebüßt haben sollen.
•) Näheres stehe tm politijchen Teil. : fe.
Einigung über die Schin i-igerungen
Basel, 22. Dez. Das aus Melchior, Risi,Layton und Beneduce bestehende Redakkions- komitee, das den Schlußbericht des Beratenden Sonderausschusses der BIZ. anfertigk, hat von 9 Uhr abends bis 2 Uhr morgens gearbeitet. Der Teil des Berichtes, der über die Schlußfolgerungen handelt, ist fertiggestellt worden. Ueber anbete Zeile des Berichtes hat man sich noch nichtvol ständiggeeinigt.
Nachdem die Mitglieder des Redaklionskomilees die Sitzung verlassen halten, blieben die technischen Sachverständigen noch eine zeitlang beisammen, um gewie technische Fragen im Bericht zu besprechen. Am Dienstag werden sämtliche Mitglieder des Ausschusses um 11 Uhr vormittags nochmals sich versammeln, um zu dem Stand der Arbeiten Stellung zu nehmen. Am Nachmittag wird dann das Redaktionskomitee wieder zusammentreten. Ls ist noch nicht zu übersehen, wann die Schlußfitzuugdes Ausschusses stallfiu- d e n wird. Während am Abend im allgemeinen eine optimistische Stimmung vorherrschte, hatte man nach Schluß der Nachtsitzung den Eindruck, daß wieder gewisse Schwierigkeiten auf- getaucht sind. Nachträglich verlautet, daß es in der Nachmikkagssitzung der elf Ausschußmitglieder Zu einem ziemlich heftigen Zusammenstoß zwischenLaylon (England) und Rist (Frank- reich) e k o m weg j
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Vor Eingang der obigen Meldung lag folgendes Telegramm vor:
Basel, 21. Dez. Der Sonderausschuß der BIZ. trat heute nachmittag zu einer neuen Geheimsitzung zusammen, vor deren Beginn die widersprechendsten Gerüchte umliefen. Als die Mitglieder nach zweistündiger Sitzung gegen 7 Uhr abends auseinandergingen, erklärte Professor Rist (Frankreich), daß man die ganze Nacht über an der Aufstellung ■ des endgültigem Textes der Schlußfolgerungen arbeiten werde, daß man hoffe, den endgültigen Wortlaut dem Ausschuß in einer neuen Geheimsitzung am Dienstagnachmit- ta g vorlegen zu können, daß man weiter auch erwarte, die Arbeiten spätestens am Mittwoch in einer letzten offiziellen Vollsitzung mit der Annahme des Berichts und der Schlußfolgerungen abschließen zu können. Der englische Vertreter Lay-
EurtinS zurReparationsivase
Nis zu Vogim» des Soovov-tNoratoeiumS hat Deutschland 38 Milliarden Goldmark an Revavationen in bav und kn Sachleistungen gezählt
Newyork, 21. Dez. 3n der „Newyork Times" äußert sich Reichsaußenminister a.D. Dr. Curtius in einem Interview zur Reparationsfrage. Er führte u. a. aus:
Hoffentlich werde es bei einem Zusammenwirken zwischen Politik und Wirtschaft möglich sein, die würgende Deflation zu beenden, durch eine definitive Lösung des S ch u l d e n p r o b e l m s und eine Reorganisation des Weltkredites das Vertrauen wieder herzustellen und auf diese Weise die Grundlage für die Bereinigung großer politischer Probleme zu schaffen, besonders der Abrüstung. Man dürfe nicht die gewaltigen Summen vergessen, die Deutschland bereits als politische Zahlungen geleistet habe. Nach den Berechnungen des Carnegie- Institutes in Newyork habe Deutschland aufgrund des Versailler Vertrages bis zum 30. 9. 1922 ungefähr 26 Milliarden Goldmark in bar und Sachleistungen gezahlt ohne Einrechnung des Wertes der abgetretenen Gebiete und der Kolonien. Bis zu Beginn des Hoover-Moratoriums habe Deutschland nach den Schätzungen dieses Instituts 38 Milliarden Goldmark gezahlt.
In einer Darlegung der deutschen Wirtschaftslage betont Dr. Curtius besonders die an sich und nach internationalem Steuervergleich
übermäßigen Steuerlasten, die dem deutschen Bürger und der deutschen wirtschaft auferlegt seien.
Zu den Baseler Verhandlungen sagt Dr. Curttus, die wirkliche Aufgabe des Baseler Ausschusses und der späteren Reichskonferenz fei, Heilmittel gegen die Weltkrise zu finden, in deren Depressionszentrum Deutschland liege. Präsident Hoover habe im vergangenen Sommer durch feinen
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ton stellte in Aussicht, daß der Bericht, über dessen Festlegung zwischen den Siborbnungen im Laufe der Nächt Wort für Wort und Seite für Seite ver- handelt werde, vielleicht schon Dienstag abend, vielleicht aber erst am Mittwoch vormittag auszugsweise bekanntgegeben und wahrscheinlich nach der Vollsitzung am Mittwoch im Wortlaut veröffentlicht würde.
Wie mir erfahren, bat sich in der Geheimsitzung des Sonderausschusses eine einmütige Auffassung des Ausschusses darüber ergeben, daß der Endbericht der Baseler Verhandlungen außer den allgemeinen wirtschaftlichen und finanziellen Schlußfolgerungen keine besondern Empfehlungen, Vorschläge oder Anregungen des Ausschusses an die künftige Re- gieruungskonferenz enthalten wird. Die Ausschußmitglieder sind dabei von der Auffassung ausgegangen, daß der Ausschuß lediglich das Man-
Einflüsse auf die übrigen Länder durchzuführen,
^inpupe aus die übrigen Länder durchzufuhren, daß es aber nicht ihres Amtes ist, der Reparations- konferenz Vorschläge zu machen, da bei ihr die Entscheidung liegt. Man sann jedoch als sicher voraussetzen, daß die Schlußfolgerungen ein deutliches und beweiskräftiges Bild der Nollage Deutschlands und der Einflüsse der Reparationen auf die Weltwirt- schäftskrise herausarbeiten werden.
Als Tatsache läßt sich vorläufig feststellen, daß der Ausschuß trotz der eindeutigen Ergebnisse der Bestandsaufnahme durch diè Schwierigkeiten, die sich vor ihm aufbauten, veranlaßt wurde, seinen Arbeiten einen Abschluß zu geben, der alle weiteren Entscheidungen auf die Regie- rungskonferenz überträgt. Um diese Entscheidungen, deren Grundlage durch die Basler Sachverständigenberatungen vorbereitet ist, nach Möglichkeit zu beschleunigen, werden die Sachverständigen in den Schlußfolgerungen auch die Notwendigkeit baldiger Schritte der Regierungen unterstreichen.
Plan vor der ganzen Welt die wechselseitige Verbundenheit zwischen der Krise und den internationalen Verschuldungen offengelegt. Auf diesem Wege dürfe man nicht umkehren. Hier gebe es nur noch ein Vorwärts in neuer Richtung.
Ueber alle innerpolilischen Hemmungen hinaus mußten die Politiker, Staatsmänner und Sachverständigen auf eine endgültige Lösung zu- sleuern.
Provisorische Maßnahmen und weiteres Hinauszögern würden den Vereinigten Staaten, der Welt und Deutschland nur wenig nützten. Der Ausfuhrüberschuß von ungefähr 760 Millionen Der Ausfuhrüberschuß von ungefähr 760 Millionen Dollar, den Deutschland 1931 habe, habe nicht ausgereicht für Zinsendienst und Rückzahlung der Privatschulden, geschweige denn Reparationen. Dieser Ausfuhrüberschuß sei durch die Drosselung der Einfuhr und die Wirkung der Deflation mit einer Schrumpfung des gesamten Handelsvolumens als Bealeiterscheinung erreicht worden. Wen Anzeichen nach könnte der gegenwärtige Ausfuhrüberschuß nicht- austecht erhalten werdest Eine weitere Angleichung zwischen den Rohstoffpreisen und den Preisen für Fertigfabrikate sowie die überall sich durchsetzende Schutzzollpolitik vergrößerten die Schwierigkeiten der deutschen Ausfuhr. Wenn das Volumen der deuttchen Ausfuhr und die Ausfuhrpreise nur um 10 Prozent heruntergingen, so würde
(Fortsetzung auf Seite 2)
Die nsue Tvibntkonkevem
Das Weihnachtsfest wird auf dem Gebiete der auswärtigen Politik kaum eine große Atempause bringen. Denn alles drängt schon auf das große internationale Ereignis hin. mit dem das neue Jahr beginnen wird: die Konferenz zur Neuregelung der deutschen Tributzahlungen. Das Datum des Konferenz- beginns ist noch nicht bestimmt. Man wird es aber kaum viel später als Mitte Januar ansetzen können. Der Termin wird von zwei Setten her bestimmt. Auf der einen Seite muß der Beratende Sonderausschuß in Basel seine Arbeiten abgeschlossen und seinen Bericht für die Tributkonferenz fertiggestellt haben. Mit diesem Abschluß kann man noch im Laufe des gegenwärtigen Jahres, vielleicht sogar noch vor Weihnachten rechnen. Auf der anderen Seite muß der Beratende Sonderausschuß in Basel seine Arbeiten abgeschlossen und seinen Bericht für die Tributkonferenz fertig- gestellt haben. Mit diesem Abschluß kann man noch im Laufe des gegenwärtigen Jahres, vielleicht sogar noch vor Weihnachten rechnen Auf der anderen Seite hat man daran festgehalten, daß die Abrüstungskonferenz am 2. Februar in Genf ihren Anfang nimmt. Die Tributkonferenz ist für alle beteiligten Länder
Dasselbe gilt aber auch von der Abrüstungskonferenz. Man wird also dafür Sorge tragen müssen, daß die beiden Tagungen sich zeitlich nicht allzusehr überschneiden, d. h. man wird sich nicht sehr viel später als Mitte Januar zur Tributkonferenz versammeln dürfen. Der Bericht der Baseler Konferenz kann bis dahin von allen beteiliigten Regierungen zur Kenntnis genommen und durchgearbeitet worden sein. Vielleicht ist der zeitliche Zusammenhang mit der Abrüstungskonferenz bei der Tributkonferenz auch für die Wahl des Ortes mitbestimmend.
Es ist in der letzten Zeit wiederholt in Deutschland und in dem Auslande hervorgehoben worden, was nicht nur Deutschland, sondern die Welt von der neuen Tributkon- ferenz erwarten muß: eine endgültige Lösung, die aus den furchtbaren Lektionen der deutschen und der Weltwirtschaftskrise die einzig möglichen Schlußfolgerungen zieht. Daß mit dem ganzen Tributsystem ein Ende gemacht werden muß, wird heute in Deutschland unterschiedslos von jedem, auch von denjenigen Parteien und Gewerkschaften gefordert, die früher Anwälte der Erfüllungspolitik waren. In die deutsche Forderung stimmen auch weite Teile des Auslandes ein, wie in der letzten Zeit bedeutsame italienische, englische und amerikanische Stimmen bewiesen haben. Es wäre aber doch bedenkliche Illusion, wenn man sich etwa dem Glauben hingeben wollte, daß die Wege für eine solche Lösung schon frei seien. Inst Gegenteil, die Hindernisse, die auf diesem Wegen liegen,' sind in den letzten Tagen recht grell beleuchtet worden.
Der Beratende Sonderausschuß in Basâ hätte sehr viel zu einer befriedigenden Lösung beitragen können, wenn er der wirtschaftlichen Einsicht der Mehrzahl seiner Mitglieder treu geblieben wäre. Er hätte dann feststellen müssen, daß die sogenannten Reparationen Deutschlands Wirtschaft und Finanzen bis an den Rand des Abgrundes gebracht und die gesamte Weltwirtschaft in Mitleidenschaft gezogen haben, daß Deutschland infolgedessen außerstande ist, die kurzfristigen Kredite zurückzuzahlen und seine Tributvervflichtungen zu erfüllen, daß schließlich Deutschland und mit ihm die Weltwirtschaft nur gesunden kann, wenn man die als verhängnisvoll erkannten und erwiesenen Tributzahlungen überhaupt abschafst. Von einem solchen Gutachten wird der Beratende Sonderausschuß wohl weit entfernt bleiben. Nach Ansicht der Franzosen
Oie bettttae Stammet? umfaßt 10 Seite«