Xt. 292
Montag, den 14. Dezember 1931
Selts 9
Stadt Ha«a«
Dev «Srwemte'* Sonnias
Der Silberne Sonntag hatte bedeutend mehr Wèihnachtseinküufer auf die Beine gebracht als der Kupferne. War auch das Wetter dem Silbernen etwas besser gesinnt als seinem kupfernen Kollegen, so trug zu der stärkeren Kauflust wohl in erster Linie der Umstand bei, daß uns nur noch zehn Tage vom Feste trennen. Besonders war die Landbevölkerung heute stark unter den Einkäufern vertreten. Die Abendzüge und Autobusse nach den Landgemeinden waren mit Leuten voll besetzt, die mit Paketen beladen aus Hanau zurückkehrten. Ueberall konnte man die Beobachtung machen, daß die bisher geübte „Seh"tätigkeit immer stärker einer „Kauf tätigkeit Platz macht. Allerdings war es auch heute wieder in der Hauptsache die billige Ware, die ihre Abnehmer fand, während bessere Sachen, oder gar Luxusgegenstände, die schon einen tieferen Griff in den Geldbeutel nötig machen, nur wenig Beachtung fanden. Ein endgültiges Urteil über das diesjährige Weihnachtsgeschäft kann wohl erst nach dem Goldenen Sonntag abgegeben werden. Denn nach wie vor ist die Tendenz, mit den Einkäufen bis zum letzten Augenblick zu warten, vorherrschend, sehr zum Schaden der Verkäufer wie auch der Käufer selbst.
Dev LandgevMtsberrvk Hanan im Sahve 1931
Nach dem Terminkalender für preußische Justizb eaimte für das Jahr 1932 zählt der Landgerichtsbezirk Hanau, der sich erstreckt auf den Stadtkreis und den Landkreis Hanau sowie die Kreise Fulda, Gelnhausen, Gersfeld, Hünfeld und Schlüchtern, 292 487 Gerichtseingesessene. Zum Landgericht gehören 22 Amtsgerichte, nämlich Hanau, Bad Orb, Bergen, Bieber, Birstein, Burghaun, Eiterfeld, Fulda, Gelnhausen, Großenlüder, Hilders, Hünfeld, Langenselbold, Meerholz, Neuhof, Salmünster, Schlüchtern, Schwarzenfels, Steinau, Wächtersbach, Weyhers und Windecken, eine Kammer für Handelssachen in Hanau, eine „auswärtige" Strafkammer bei dem Amtsgericht in Fulda (für die Amtsgerichtsbezirke Fulda, Burghaun, Ei- tenfeld, Großenlüders, Hilders, Hünfeld, Neuhof Aüd Weyhers), zwei Schöffengerichte, nämlich in Hanau (für die Amtsgerichtsbezirke Hanau, Bad Orb, Bergen, Bieber, Birstein, Gelnhausen, Langenselbold, Meerholz, Salmünster, Schlüchtern, Schwarzenfels, Steinau, Wächtersbach und Windecken) und in Fulda (für die Amtsgerichtsbezirke Fulda, Burghaun, Eiterfeld, Großenlüder, Hilders, Hünfeld, Neuhof und Weyhers), eine Amtsanwaltschaft in Hanau (für den Landgerichtsbezirk) und zwei nebenamtliche Arbeitsgerichte in Fulda und Hanau. Gerichtstage finden statt in Lohrhaupten (Amtsgericht Bieber), Mansbach (Ag. Eiterfeld), Tann (Ag. Hilders), Ulmbach (Ag. Salmünster), Heubach (Ag. Schwarzenfels) und Gersfeld (Ag. Weyhers).
Das Landgericht besteht an richterlichen Beamten aus dem Landgerichtspräsidenten, zwei Landgerichtsdirektoren und sieben Landgerichtsräton, die Staatsanwaltschaft aus dem Oberstaatsanwalt und zwei Stagtsanxpaltschftsräten. JOi« Zahl der Richter MWWlUMWmtnMââ^ beträgt 3U, unb zwar je 5 in Hönau und Fulda und je einen an den übrigen Amtsgerichten. Die Amtsanwaltfchast ist besetzt mit einem Oberamtsanwalt. Die Zahl der Rechtsanwälte des Landgerichtsbezirks beträgt 40 (im Vorjahre 40), darunter 30 (im Vorjahre 30) Notare.
Dev SuHeve Schutz dev Sonn- und Sekevtase
Das bezweckt die neue Polizeiverordnung? — Das materielle Feierkagsrecht wird nicht berührt
Durch die Polizeiverordnung des preußischen Innenministers über den äußeren Schutz der Sonn- und Feiertage, die am 15. ds. Mts. unter Fortfall aller bisherigen diese Angelegenheit betreffenden
C^«wuH*Wtt»H»e wUwwlßMlww
von Carl Otto Windecker
Copyright 1930 by C. O. Windecker.
33. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Nun — der Anruf, der eben einging, war von einem Herrn, der nach Ihnen fragte.
„Ja — und — was wollte er?" Erregt trat Meunier einen Schritt näher.
»Ihre Freundin entschuldigen. Sie läge doch noch zu Bett."
„Sie scherzen."
„Vielleicht."
»Sagte der Herr nicht seinen Namen? fragte Meunier wieder, wie auf die Folter gespannt.
»Nein. Leider nicht," betonte Gaston. „Mein Schwager hatte die Freundlichkeit, ihm zu sagen, ~~ daß Sie verreist seien." „
„Sie belieben heute morgen zu scherzen, schelte Meunier, nun etwas beruhigter. „Ich verstehe überhaupt nicht, daß jemand mich um diese frühe Zeit anruft."
»Mit Ausnahme Ihrer Freundin. ,
»Natürlich," fiel Meunier rasch ms Wort. »Wahrscheinlich wollte sie sich entschuldigen lassen.
»Das vermutete ich auch. Und aus diesem Aund ließ ich meinen Schwager auch sagen, daß Sie verreist seien." .. .
. »Sie wird böse sein, wenn sie erfährt, daß das Nicht der Wahrheit entspricht."
»Es entspricht aber der Wahrheit."
«Wie meinen Sie das?" , .
»Wir werden jetzt an Ihrer Wohnung vorbèl- Wen und Sie werden die Freundlichkeit haben, Ihren Koffer herunterzunehmen. Ich brauche Sie °^"Mnd während der Rennen." ,.
Meunier trat einen Schritt zurück. »Oh — ®as paßt mir aber gar nicht . . ." »Aber mir," warf Gaston dazwischen.
»Könnten Sie nicht..." .. .
»Nein. Es bleibt dabei. Allein aus diesem habe ich auf Sie gewartet." haben âr W^n noch weitere Einwendungen zu "s^hug," sagte Gaston nun ernst. „Kommen Haben Sie Telephon in Ihrer Wohnung?
Semi von Knigge am ^ransenbeit
Die große Uhr de» Krankenhause» schlägt dreimal. Besuchszeit! Das ist immer eine Freude für die Kranken. Schnell wird noch einmal in den Spiegel gesehen, ob die Farbe seit gestern frischer geworden ist, und in innerlich fast festlich erhöhter Stimmung empfängt man die Heranströmenden. Denn sie strömen wirklich. Manches Bett ist so umlagert von Verwandten, Bekannten, Nachbarn und entferntem Zubehör. daß die Sitzgelegenheiten nicht ausreichen und ein förmliches Gedränge âm Krankenbett entsteht.
Das ist für empfindliche Kranke immer die schönste Gelegenheit, erhöhte Temperatur zu bekommen. Und deswegen sollten Mann oder Mutter die Kraft aufbringen, dem Kranken alle Besucher vom Halse zu halten, die nicht von Anteilnahme, sondern von Neugier und einer Dosis Sensationslust hergetrieben werden. Aus Rücksicht auf die anderen Kranken muß die Stimme erfreulicherweise gedämpft werden; aber das erfordert auch stärkeres Aufpassen und eine Anspannung der Leidenden, die ebenfalls durch Ermattung nach der Besuchsstunde testiert wird.
Dann schleppen die gutmeinenden Freunde Berge von duftenden Blumen und Ehwaren mit. Da die Blumen nachts entfernt werden, mag das noch hin- gehen; denn sie sind ja doch die liebste Gabe eines schönen „Draußen", erinnern an Kraft und Wandern! Doch die Eßwaren! Eine einzige kleine Aufmerksamkeit würde unendlich mehr Freude machen als die Riesentüten mit Süßigkeiten und Ehwaren, die entweder den Patienten den Magen verkorksen oder von denen sie weggeben müssen, weil sie die Mengen nicht bewältigen können. Das sind Verstöße gegen die guten Sitten am Krankenbett, die zwar aus wohlmeinendem Herzen, aber auch zu einem Teil aus dem Wunsch entstehen, durch die Masse zu wirken und die anderen Spender zu übertrumpfen.
Ja, die liebe Eitelkeit, sie ruhet nimmer. Die Kranke ist oft nicht imstande, sich gegen solche Gewalttätigkeiten aus Freundschaft zu wehren; daher muß der nächste Angehörige mit großer Diplomatie die Besucher auf das richtige Maß der Liebesgaben
Landespolizetverordnungen in Kraft tritt, ist nur der äußere Schutz der Sonn- und Feiertage einheitlich für das ganze Land geregelt, wÄ>rend das nicht in allen Landesteilen gleiche materielle Feiertagsrecht grundsätzlich unberührt geblieben ist. Ueber dieses materielle Feiertagsrecht besteht jedoch nicht immer die notwendige Klarheit, und deshalb soll demnächst eine die Uebersicht erleichternde Zusammenstellung der geltenden Bestimmungen veröffentlicht werden. Zu beachten ist, daß auch die besteheirden Vorschriften über Sonntagsruhe in den Gewerbe- und Handelsbetrieben durch die neue Poligeiverordnung nicht berührt werden.
Wie der Minister in einem Runderlaß an die Polizeibehörden ausführt, bezweckt die Neuregelung vor allem, „veraltete und unzeitgemäße Beschränkungen zu beseitigen und einen vernünftigen Ausgleich zwischen religiösen Anschauungen und Empfindungen sowie zwingenden praktischen, nament-
und Feiertagsschutz bleibt unter besonderer Berücksichtigung der nunmehr einheitlich bestimmten Hauptzeit des Gottesdienstes bestehen. Besonderen äußeren Schutz durch Beschränkung öffentlicher Veranstaltungen verschiedener Art genießen in Zukunft nur noch der Karfreitag, der Buß- und Bettag, der Totensonntag, der Vorabend des Weihnachtsfestes, der Donnerstag und der Samstag der Karwoche, wobei das Maß Les Schutzes der verschiedenen Bedeutung der Tage entsprechend verschieden gestaltet ist. In Fortfall gekommen sind die früheren besonderen Beschränkungen (z. B. Verbot öffentlicher Tanzlustbarkeiten) für die ersten Tage des Weih- nachts-, Oster- und Pfingstfestes und für die übrigen Tage der Karwoche
Der Minister betont hierbei dann, daß die Einschränkung des äußeren Schutzes des Bußtages und
fragte er wie nebenbei, während sie den Wagen bestiegen.
„Nein," antwortete Meunier kurz. Er war sichtlich verstimmt. ,
Bald darauf hielt der Wagen vor dem Haus, in dem Meunier eine kleine möblierte Wohnung inne
hatte.
„Mein Schwager wird die Liebenswürdigkeit haben, Ihnen behilflich zu sein," lächelte Gaston, als Meunier mit auffallender Schnelligkeit den Wagen verließ.
„Oh —," der Sekretär blieb stehen, „das kann ich Herrn Ducolombier nicht gumuten. Bitte, Monster Audet..." . ,.
„Gehen Sie nur weiter," sagte Maurice ruhig und schob den Verzweifelten vor sich her. „Ich bin Ihnen gerne behilflich."
Als beide nach einiger Zeit wieder zum Wagen kamen, sah Meunier noch bleicher aus als vorher.
„Seltsam," lachte Maurice, während er neben 7 ' 7 plötzlich hat sich herausgestellt, daß Herr Meunier doch Telephon in seiner Wobnung hat. Er hatte es ganz vergessen."
Gaston konnte sich ein Lachen nicht verkneifen.
Gaston Platz nahm,
Erst gegen Abend kamen sie in Brest an. In den Straßen des Städtchens herrschte schon der typisck>e Betrieb. Vor den Hotels parkten Hunderte von Automobilen; über die Straßen, von Haus- giebel zu Hausgiebel, waren Fahnenreihen gespannt und Anschriften mit Wegweisern zum Rennbüro. Gaston, dem dieser Betrieb neu war, bemühte sich sachlich zu bleiben. Er wurde viel gegrüßt — es war unsicherer Boden für chn.
Wie gut er daran getan hatte, schon zwei Tage vor Rennbeginn hierherzufahren, wurde ihm erst klar, als er bei drei, vier Hotels anfragen mußte, ehe er freie Räume fand. Kleine, unansehnliche Zimmer, schlechte Betten. Maurice schimpfte und wunderte sich über die Ruhe seines Schwagers. Meunier verzog das Gesicht zu einem Grinsen.
Der Chauffeur brachte die Koffer herauf. Draußen, vor den Fenstern, in dem engen Straßenschacht, brüllten die Motoren der Rennwagen, die Hupensignale gellten ununterbrochen. Ein Höllenlärm brauste durch das Städtchen. Johlen und Schreien und wilde Grammophonmusik drang aus den kleinen, verräucherten Wirtshäusern, die nicht oft einen solchen Besuch sahen.
hinlenken. Möge er wenigstens mit dieser Abwehr Glück haben uni sich nicht die Feindschaft der ganzen Besucherlinie zuziehen! Denn bei den seelischen Attacken der Freundschaft wird er machtlos sein!
Fast ist es, als ob die Luft im Krankenhaus einen Zwang auf einfache Naturen ausübt — den Zwang, sich ausschließlich an traurige Begebenheiten erinnern zu können, und diese Erinnerungen als Unterhaltungsstoff an das Krankenbett tragen zu müssen. Ganz ähnliche Fälle, wie der zum Besuch Anlaß gebende, haben leider immer schlimm geendet. Man erzählt das harmlos. Wirft auch winzige Schlaglichter auf Rückfälle, Operationen, die gut verliefen, aber leider---! Man ist klug und weise und betont, daß in Wirklichkeit doch niemals der Patient erfährt, was los war. Ja, man benimmt sich denkbar schlecht! Ohne überhaupt eine Ahnung zu haben, wie nachher in der Stille, wenn der freundliche Besucher heimgekehrt ist, diese Gespräche als Erreger seelischer Unruhe bei dem Kranken sich auswirken. Bei einigen vielleicht bleiben sie latent als unfaßbares Genesungshemmnis, bei anderen werden die Worte wie eins Zündschnur ins Unterbewußtsein gesenkt, um später bei dem geringsten Anlaß zur Explosion der Nerven zu führen. Nur wenige können sich der Wortwirkung ganz entziehen, weil sie den starken Willen aufbringen, sich durch nichts in ihrer.Genesung beirren zu lassen.
Starker Wille ist aber schon an sich eine Genesungserscheinung. Hilflose, schwache Kranke sind zu Abwehr und Sichverschließen gegen Stimmungs- strömungen selten imstande. Und darum muß der Besuch an sich die höchsten Anforderungen guten Benehmens stellen. Mit dem Ausruf: „Aber gut sehen Sie aus!", wenn man das Gegenteil denkt, ist es nicht getan. Der Besucher muß nachdenken, ehe er zum Kranken geht, seine Reden wie seine Züge in der Gewalt haben und nicht glauben, daß er durchaus die ganze Stunde absitzen muß. „Nur ein Viertelstündchen" sei er ein freundlicher Gruß aus jener Welt, in die man bald wieder zurückkommt. Er sei heiter, gütig, zart, taktvoll!
So denkt Herr von Knigge.
des Totensonntages gegenüber den früheren Vorschriften und der strengeren Karfreitagsregelung nicht zu einer Preisgabe des Schutzes führen dürfe. Die Polizeibehörden sollen vielmehr unter Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse sich vergewissern, daß der ernste Charakter der betreffenden Veranstaltungen auch in ihrer äußeren Aufmachung und Ankündigung gewahrt bleibt. Für unvorhergesehene Fälle ist die Gestattung von Ausnahmen von den vorgesehenen Verboten und Beschränkungen durch die Polizeibehörden möglich, doch soll stets sehr genau geprüft werden, ob in einem Einzelfalle ein besonders dringendes Bedürfnis vorliegt. Ausgeschlossen ist unter allen Umständen die Erteilung allgemeiner Besreiuungen von den Vorschriften. .
• Daten für den 15. Dezember. 1742: Gebhard
baren.
* Das Fest der silbernen Hochzeit begehen morgen, 15. Dezember, die Eheleute Andreas Weingärtner und Frau Christel geb. Kistner, Heraeusstraße 12. — Dats gleiche Fest feiern morgen, 15. Dez. Ludwig Desch und Frau Else geb. King, Langstraße 52.
* Adventsfeier des Kesselstädter Frauenbundes. Am Nachmittag des zweiten Adventssonntags hatte der Kesselstädter Frauenbund seine Mitglieder und deren Angehörige zu einer schlichten Adventsfeier eingeladen. Der bis auf den letzten Platz besetzte Saal gab wieder den Beweis, daß die Veranstaltungen unserer evangelischen Gemeinde sich immer mehr einbürgern und für einen engeren Zusammenschluß als wertvoll und wichtig empfunden werden. Diesmal war es gestattet Kinder mitzu-
Gaston stand sinnend am Fenster, als er unten, im dichten Gassengewühl, ein bekanntes Gesicht zu bemerken glaubte. Er sah näher hin — tatsächlich, es war Dr. Brunner, der auch jetzt, in all dem
Trubel, seine beneidenswerte Ruhe nicht zu
Ver
lieren schien.
Gaston riß das Fenster auf und schrie Namen des Deutschen in den Lärm.
Er rief mehrmals. Darm endlich schien Deutsche es gehört zu haben, er strahlte, als er Gaston in dem engen Nahmen des kleinen Fensters erblickte.
ben
der
„Ich komme!" rief er von unten. Gaston verstand die Worte nicht, aber er erriet ihren Sinn.
Gleich darauf klopfte es stürmisch an die Tür. Dr. Brunner trat ein, lachend, lebhaft, wie chn Gaston selten gesehen hatte.
„Warum wohnen Sie hier?" begrüßte er seinen Chef. „Ich habe Zimmer für Sie im Hotel des Voyageurs reservieren lassen . . ."
„Sie sind ein wundervoller Mensch," unterbrach ihn Gaston und reichte ihm die Hand.
„Dort ist wenigstens Gelegenheit, ein Bad zu nehmen," stellte Brunner zur Antwort fest.
Wenige Minuten später schon langten sie im Hotel des Voyageurs an. „Wo wohnt Bourbonnais?" fragte Gaston, als er mit Dr. Brunner allein war.
„Ein eigenartiger Junge," antwortete Brunner nachdenklich. „Er wollte nicht bei mir wohnen, obgleich ich ein Zimmer für ihn bestellt hatte."
„Eigentümlich," nachdenklich strich Gaston über sein Gesicht. „Ist er schon im neuen Wagen gefahren?"
„Zweimal. Ich blieb dabei."
„Was ihm sicherlich nicht sehr angenehm war.
„Ich bemerkte es auch. Aber ich wollte ihn nicht allein lassen. Da Sie selbst nicht ganz zuversichtlich sind, darf ich Ihnen meine Ansicht sagen?"
„Aber bitte, lieber Doktor, selbstverständlich."
„Ich traue dem Jungen nicht."
„Eigenartig", wiederholte Gaston nur. —
Da Dr. Brunner nicht gewußt hatte, daß Gaston seinen Sekretär mitbringen würde — Gaston erzählte er später die Vorkommnisse des Morgens,, die ihn zu diesem Schritt veranlaßten — hatte er nur zwei große Zimmer reservieren lassen und sie, wie er dann unter Lachen zum besten gab, wie ein Teufel gegen die Ueberangebote der Zu- ^pätgekommenen verteidigt.
bringen, man hatte das Programm schon darauf eingestellt. Das gemeinsam gesungene Lied „Wie soll ich dich empfangen" diente zur Sammlung. Die Vorsitzende, Frau Pfarrer Boos, begrüßt« die Festgemeinde mit lieben, herzlichen Worten und wies auf den inneren Wert, den die Adventszeit ganz besonders für uns Frauen in sich birgt. Die nun folgenden Gedichte, Aufführungen und Musikstücke wurden meist von Kindern vorgetragen und gespielt. Die Darbietungen waren von einer Bundesschwester mit viel Liebe und Geschick eingeübt worden und erfreuten die Herzen von groß und klein. Eine Besonderheit wies das diesjährige Programm noch auf. Ein Gemeindeglied aus der Schar der Berufskünstler, Herr Theaterdirektor a.D. Poetsch, hatte seine reife Kunst in der uneigennützigsten Weise in den Dienst des Frauenbundes gestellt. Er las die Ballade „Die Glocke von Innis- faire" von Fr. Halm und das Gedicht „Zum Weihnachtsbaum" von Rosegger und verstand es, durch seinen wohldurchdachten Vorttag die Zuhörer ganz in den Bann der Dichtungen zu ziehen. Ein Abgleiten in das Sentimentale bei der Glocke von Jnnisfaire wurde glücklich vermieden und die dramatische Steigerung fein herausgearbeitet. Nach der Kaffeepause hielt Herr Pfarrer Boos eine Ansprache, die er auf das vorher gespielte Stück „Des fremden Kindes Weihnachtsfest" aufbaute. Ein armes, elternloses Kind geht in den Wald, um die Weihnachtsfee zu suchen und sie zu bitten, ihm ein Weihnachtsbäumchen zu schenken. Es findet wirklich die Fee, wird von ihr in den Kreis der Elfen ausgenommen und als es sein Kleid abwirst, steht es im Elfengewand zwischen den anderen. In der Erscheinung des Kindes mit dem Elfengewand unter dem armseligen Kleid steckt eine tiefe Wahrheit. Unser Volk als ganzes steckt im armen Gewand und geht so durch die Adventszeit Weihnachten entgegen. Aber es trägt auch unter dem armen Gewand das Elfengewand der Liebe und des Erbarmens für die Not des Bruders. Herr Pfarrer Boos führte die Zuhörer durch die Geschichte Kessel- stadts in den Jahren 1813—14. Er erzählte, wie die Einwohner in großer Not im Armenkleide gehen mußten, aber darunter doch das Elfenkleid der Liebe und gegenseitigen Helfens getragen haben. Während des 30jährigen Krieges dichtete Paul Gerhardt die Lieder „Wie soll ich dich empfangen" und „Befiehl du deine Wege". Sie sollten dem Volke helfen, trotz Elend Armut und Pest, das lichte Kleid des kindlichen Glaubens und ge- trösten Mutes anzulegen. Herr Pfarrer Boos dankte für das Dargebotene und sprach den Wunsch aus, daß es einen Widerhall in unseren Herzen finden möge. Dieser festliche Nachmittag solle keine bloße Vereinssache sein, sondern dazu helfen, uns auf das Weihnachtsfest vorzubereiten, uns seine hohen Seelenwerte deutlich zu machen, zugleich auch unseren Widerstand zu stärken gegen alle Bestrebungen, die darauf ausgehen, das christliche Weihnachten zu stören und zu zerstören. — Nach einer kleinen Aufführung „Nikolaus Bescherung" stieg der Nikolaus von der Bühne herunter und verteilte seine Gaben unter hellem Jubel unter die kleinen Gäste. Es war ew Nikolaus, wie man ihn auf Bildern nicht schöner sehen kann, doch merkwürdig, er kam den meisten Kindern vom Kindergottesdienst her so bekannt vor. Die Verlosung der von den Mitgliedern gestifteten Gegenstände brachte einen schönen Bettag für die Weihnachtsbescherung unserer Alten und Einsamen.
* von einem Herzschlag betroffen wurde am Samstag vormittag im Kassenraum der Ortskrankenkasse Hanau-Stadt ein 25 jähriger Goldschmied von hier, als er gerade einen Krankenschein in Empfang nehmen wollte.
* An übertragbaren Krankheiten wurden in der Woche vom 6—12. Dez. amtlich gemeldet aus Hanau: Tuberkulose 1 Fall und Diphtherie 1 Fall, ferner 1 Todesfall an Diphtherie aus Rüdigheim, verstorben in Hanau.
Entfernung des häßlichen Zahnbelags? Ganz einfach: Man putzt die Zähne erst mit der bekannten Chlorodont -Zahnpaste und spült dann mit Chlorodont- Mundwasser unter Gurgeln tüchtig nach. Tube 50 Pf- Hüten Sie sich vor minderwertigen, billigen Nachahmungen,
„Das macht nichts," wandte Maurice ein und zwinkerte Gaston vertraulich zu. „Herr Meunier und ich werden uns schon vertragen. Wir schlafen in einem Zimmer. Nicht wahr, Meunier?"
„Ich liebe das nicht sehr," bedeutete Meunier sehr reserviert.
„Ich im allgemeinen auch nicht," lächelte Maurice zuversichtlich. „Aber da es nun nicht anders geht, müssen wir uns in diese Tatsache schon hin- einfinden."
„Ich werde mir gerne in einem anderen Hotel ein Zimmer besorgen," versuchte Meunier sich an Gaston zu wenden. „Ich möchte Herrn Ducolombier keine Schwierigkeiten machen."
„Das finif gar keine Schwierigkeiten," versicherte Maurice liebenswürdig. „Und da immerhin die Möglichkeit besteht, daß Sie für meinen Schwager einen oder zwei Briefe zu schreiben haben,so geht es nicht an, daß man Sie dann erst in einem anderen Hotel suchen muß."
„Herr Ducolombier hat recht," sekundierte Gaston, im stillen belustigt. „Sie werden sich für diese wenigen Tage schon an unsere Gesellschaft gewöhnen müssen, Meunier." Das letzte hatte er in scharfem Ton gesagt. Der Sekretär verbeugte sich und murmelte eine Entschuldigung.
Bis spät in die Nacht hinein dauerten Verkehr und Lärm in den Straßen. Gaston hatte ein paar Flaschen Wein ins Zimmer bestellt — die Unterhaltung wurde nicht warm, da die Gegenwart Meuniers zur Vorsicht mahnte.
„Was sagt unser Fahrer zu dem neuen Ina- Wagen?" fragte Gaston den Deutschen.
„Ich habe ihn um feine, Meinung leider nicht gefragt," betonte Dr. Brunner mit einem Seitenblick auf Meunier. „Die erzielte Geschwindigkeit aber war sehr zufriedenstellend."
(Sortierung folgt).
Stadt Theater Sanau
Montag, 14. Dez., 8—11 Uhr, Freie Volksbühne: „Im weißen Röß l"
Dienstag, 15. Dezember, 8 Uhr: „3m weißen Rößl"
Mittwoch, 16. Dez., 8 Uhr. Durchschlagender Lacherfolg! Zum ersten Male: „Potasch und Perlmutter",