Rettende Begegnung in der Wüste
lach wie ein Teller — ein Meer von Sand ... erbarmungslos darüber die
Sonne, nun schon viele Flugstunden lang — jede etwa neunzig Meilen. Anne starrt auf die Routenkarte im schmalen Rahmen. Der Tank ist fast leer. Nur noch zwanzig Meilen . . . und dann?
Durch die dunkle Sonnenbrille starren ihre Augen, brennend, schmerzend, nach Süden. Fata morgana? Das dort vor ihr, das winzige Klümpchen im Sand . . . Vorwärts, vorwärts! Wälle, winzig wie Spielzeughaus mit Schießscharte und Turm . . . Wirklichkeit, kein Hirngespinst! Die Rettung! Da ist es auf der Karte: „Fort St. Jean" . . .
Wenige Minuten später liegt fie, wohlig entspannt und frisch gebadet, eine Taste Tee vor sich, im Langstuhl des Kommandanten.
Seine Finger zittern, seine Augen suchen die ihren. Mein Gott.. . diese Frau ... Sie mutz noch bleiben, sie darf nicht jetzt schon wieder weg!
Da fällt ein Schrei von draußen herein, wie ein geschleuderter Stein. Beide stürzen beinahe. Der Offizier setzt das Elas ab und reicht es Madame.
„Avion de guerre . . .“ sagt er.
Eine ganze Weile hängt der Zweidecker hoch über dem Platz in der Luft, wie eine riesige Libelle. Dann, wie in plötzlichem Entschluß, wirft er sich in jähem Sturzflug gegen die Erde.
Der Kommandant läuft auf die Maschine zu. Ein Mann im Dreß eines französischen Fliegeroffiziers klettert heraus und erstattet irgendeine Meldung. Der Kommandant schüttelt ihm kameradschaftlich die Hand.
„ So viel hoher Besuch in meiner armen Hütte", sagt er. „Erlauben Sie, Madame, Ihnen einen Kameraden vorzustellen: Capitain d'Estelle", und zu dem andern: „Miß Seymour fliegt mit ihrer kleinen Motte durch halb Afrika, um ihren Bruder drunten im englischen Nigeria zu besuchen."
Anne sieht die lichtblauen Augen des Kapitäns d'Estelle mit einem Ausdruck auf sich gerichtet, daß ihr alles Blut zum Herzen drängt.
Der Kommandant verläßt die beiden. Das Diner ist heute eine Angelegenheit, nach der er selbst sehen muß.
Draußen haben die Leute Annes Tank versorgt und verschraubt, jetzt gehen sie zum Doppeldecker des Kapitäns.
In dem kahlen Raum drinnen fitzen zwei Menschen einander gegenüber.
„Sie sehen nicht aus wie ein Franzose", sagte Anne plötzlich in die Stille hinein, nur um etwas zu sagen. „Ich hätte Sie für einen englischen Offizier gehalten." Unwillkürlich spricht sie englisch.
„Das hat mir im Weltkrieg gute Dienste geleistet." Sein Englisch ist scklackenlos. „Einmal haben mich sogar meine deutschen Kameraden als englischen Spion festgenommen."
Mein (Sott, hat er das gesagt? Annes Herz schlägt wild gegen die Rippen.
„Ihre—deutschen Kameraden?" wiederholt sie tonlos. „Dann . .. dann sind Sie gar nicht . . ."
„Ganz recht", sagt er heiser.
Plötzlich tidct der Morseapparat, — mit beiden Händen packt Anne das surrende Papierband.
metern zieht und unterhalb der Taille mit einer Schleife aufhört. Auch die Aermel des Kleides find zur Hälfte aus dem gleichen Material.
saurer Sahne verquirlt. Zwei Pfund^ s Kartoffeln werden gekocht, sofort geschält und in dünne Scheiben geschnitten. Eine Backform wird aus*
dige Zusammenpresten der Atmungs» organe die Spitzen nicht genügend mit frischer Luft gefüllt werden.
*
Augen bedürfen einer ständigen
gefettet und abwechselnd mit je einer siege. Wenn die Frauen wüßten, Lage Kartoffeln und einer Lage te sehr die Schönheit und die Seh- ^rh ------
Kinder im Advent
Wer als Kind eine glückliche Vorweihnachtszeit erlebt hat, weiß, welche Seligkeit, welches Elücks- erleben, wieviel Romantik und Kraft in diesen Tagen liegt, und wie unendlich viel den Kindern verloren geht, denen man nicht die Myglich- heit gibt, sie zu erleben. Der Wunsch nach Romantik und phantastischen Dingen ist in jedem Kind lebendig, darum erfaßt es auch diese Zeit mit so besonderer Innigkeit. Für eine Mutter gibt es keine schönere Gelegenheit, sich mit ihren Kindern eins zu fühlen, sie ganz eng an sich heranzuziehen, als die Adventszeit. Sie mutz sie mit ihren Kindern erleben, sie ihnen ausschmücken und das Geheimnisvolle dieser Tage unterstützen. Weihnachtsgeschichten, kleine Heimlichkeiten, Weihnachts- lieder, das Pfefferkuchenbacken, alles wird zur Seligkeit. An den
Adventssonntagen brennen Lichter, immer eins mehr, je näher man dem Ziele kommt,
Märchen werden erzählt, Tannenbäume stehen aufden
Straßen, man kann es nicht erwarten, bis endlich einer auf dem Balkon steht; Schulen
Neben all den phantastischen Hutformen tauchen neuerdings wieder Glocken auf. Sie werden vormittags zum sportlichen Kleid getragen und ein wenig schief auf den Kopf gesetzt.
Breitschwanz und Breitschwanzplüsch find die ausgesprochenen Favoriten dieses Winters. Man verwendet sie schlechthin für alles. Ein roter Tuchmantel hat eine Paste aus schwarzem Breitschwanz, ein Jackenkleid einen kleinen braunen Pelerinenkragen, der lose obendrauf getragen und mit einer Schleife vorn zugebunden wird. Hüte und Müffchen daraus in beiden Farben, immer zum Anzug passend, gehören beinahe zum guten Ton. Schlichte Wollkleider haben oben links eine Schleife aus Breitschwanz, deren Ende sich durch das Kleid in Abständen von zehn Zenti-
„Ich bin kein französischer Offizier." Schweigen. Stille ohne Laut.
„Warum sagen Sie mir das?" Sie weiß fast selbst nicht was sie spricht.
„Weil Sie eine Frau sind, die erste weiße Frau, der ich begegne... seit Jahren . . . Weil ich einmal
sprechen mutz — oder etwas springt in mir ,
zer-
und Theater bringen weihnachtliche Aufführungen, denen sich die Kinder mit Leib und Seele hingeben. Wunschzettel werden geschrieben, Vermutungen ausgetauscht, es ist eine herrliche Zeit. Dann mutz der Tannenbaum vorbereitet werden; nur hier nicht mit Erziehungstheorien kommen, sondern die Kleinen kindlich ihren Baum putzen lasten, wie sie ihn sehen wollen. Sicher ist er geschmacklich schöner, wenn er keinen andern Schmuck als Wachskerzen trägt, aber er soll kein Dokument unseres einwandfreien Geschmacks sein, sondern er soll Symbol sein und Kinderherzen erfreuen. Latzt die Kinder, wie in früheren Zeiten, abends Nüsse vergolden, jede einzelne vergoldet ihnen vielleicht noch ein
abendlichen tiefen Dekolletö getragen und geben ihm eine sehr pikante Note.
Mäâi^
Schlechte Körperhaltung kann schlimme Folgen haben. Sie verdirbt das Dekollete, die Nackenlinie und den Brustansatz. Das frühzeitige Welkwerden der Brust, über das die meisten Frauen klagen, ist ebenfalls
eine Folgeerscheinung. Man
die Muskeln, die die Brust sollen, die Möglichkeit zur Arbeit
und läßt sie schlaff werden. Selbst Lungenleiden können durch schlechte Haltung entstehen, da durch das stän-
Ein unbeschreiblicher Blick kommt aus seinen Augen. Dann beginnt er:
„Ich bin Deutscher, Flieger- offizier im Weltkrieg. Nachher... Was nachher? Was zu mir gehörte, war gestorben, verdorben, ich hatte keinen Menschen mehr auf der Welt. Ich ging ins Riff zu den Kabylen. Nach Abd el Krims Niederlage hielt ich mich verborgen. Jahrelang. Die Franzosen hatten einen Preis am meinen Kopf gesetzt und die Kabylen ließen mich nicht aus den Bergen. Dann verriet mich einer an die Franzosen. Ich wurde nach Oran transportiert, ins Militärgefängnis. Sollte mit dem nächsten Galeerenschiff von dort weg.
Eines Tages holte man mich zum Kommandanten. Ich stehe vor ihm, er sieht von seinem Buch auf. Starrt mich an. Kein Wort Dann ein Wink: zurück in die Zelle!
Tage- und nächtelang zerbreche ich mir den Kopf: Wer ist der Mensch? Woher kenne ich das Gesicht? Und auf einmal weiß ich es. Vor Verdun habe ich einmal einem Franzosen das Leben gerettet. einem Major.
Drei Tage danach, spät abends, das war gestern, höre ich Schritte im Gang vor der Zelle , * * Da
mal im Leben ein trauriges Stündlein; laßt sie Körbchen flechten, auch wenn ihr den Sinn nicht einseht und heimlich denkt, wieviel schöner und bequemer man alles für ein paar Pfennige kaufen kann, laßt sie alles machen, wie sie es empfinden, und schafft euren Kindern das schönste Erlebnis ihrer Kindheit.
kraft der Augen leiden, wenn man sie leichtsinnig überanstrengt, würden sie wohl ein wenig vorsichtiger damit umgehen. Im Halbdunkeln zu lesen, bei ungenügendem Licht zu nähen usw. mutz unbedingt unterlassen werden. Daß dabei unvermeidliche Zusammenziehen des Augenlides greift auch die Umgebung an und man bekommt schneller Fältchen unter den Augen.
nimmt tragen
Heringsspeise.
Drei gut gewässerte Heringe werden mit dem Milcher zusammen feingehackt und mit einem achtel Liter
geht die Tür auf. Der Kommandant steht vor mir, steht mich stumm an . . . ohne einen Laut. — Dann dreht er sich auf dem Absatz um und geht hinaus. Ich mache einen Sprung vorwärts, drücke die Klinke nieder ... die Tür ist offen!
Einige Augenblicke später bin ich über die Mauer des Gefängnishofes. Ich sehe die Hangars vor mir. Schon glaube ich mich gerettet. Da, ein halblautes Qui vive? dicht vor mir. Der Strahl einer Laterne trifft mein Gesicht. Ich stürze vorwärts, höre im Sprung einen Revolver knacken, fühle eine Kehle zwischen meinen Fingern . . . Drücke zu . . .
Was ich nachher getan, weiß ich kaum. Irgendwie steckte ich den Revolver des Toten zu mir, ritz den Fliegerdreß von der Wand des Hangars, warf den Propeller an . . . Die Maschine war in Bereitschaft, es war genug Brennstoff da . . .
Die Sonne brannte. Hunger und noch mehr Durst quälten mich; ich hatte seit 24 Stunden nichts gegessen. Und dann sah ich das kleine Fort."
Reglos sitzt Anne, betäubt durch den Anvrall fremden Schicksals an ihr behütetes Leben.
Tack, tack, tack . . . tack, tack... tack ., > iai, tack . ,,
Man übergießt das
Kartoffeln.
Ganze mit einem Viertel Liter Milch oder Sahne, streut geriebenen Käse obendrauf und bäckt das Gericht bei mittlerer Flamme ungefähr eine Stunde im Ofen. ' /
Heringe in neuer Aufmachung. ' k Frische Heringe mit grüner Sohe. '
Zwei Pfund frische grüne Heringe werden ausgenommen, gewaschen, gesalzen und mit Zitronensaft, Zwiebeln, Gewürzkörnern und ein paar Tomatenscheiben einige Stunden gebeizt. Dann wird ein Topf gut aus« gebuttert, die Heringe werden hineingelegt und bei kleiner Flamme gar gedünstet. Darüber gibt man eine holländische Sotze, der man vielleicht feingehackte Petersilie und Dill zufügt. Man itzt Salzkartoffeln dazu.
Der Morseapparat im Nebenzimmer spricht. Ruft in die Wüste. Anne versteht davon nichts. Aber ein Blick in das Gesicht des Mannes vor ihr sagt ihr alles. Er hört. Er liest die Zeichen wie ein Buch. „Fangt ihn! Haltet ihn!" Seine Augen öffnen sich- Der erstorbene Blick eines, der abgeschlossen hat, trifft sie.
„Warten Sie", sagt Anne langsam und befehlend in diese Augen hinein.
Noch immer tickt erbarmungslos der Apparat. Wie ein Knäuel Eingeweide aus einer tödlichen Wunde drängt der Papierstreifen heraus. Mit beiden Händen faßt Anne zu, stopft das Papier in den Ausschnitt ihres Kleides, bis nichts mehr da ist als die Rolle weißen, leeren Papiers
„Kapitän d'Estelle", ihre Stimme schwingt klar und feierlich durch den kleinen Raum, „das Schicksal hat gesprochen. Es hat entschieden - für Sie!"
Schritte. Anne reitzt sich zu* sammen mit aller Kraft. Und es gelingt ihr sogar ein Lätbeln. Der Kommandant steht vor ihr.
„Madame, Monsieur . . . daS Esten ist bereit!"
Nach Osten, der fernen äütjptt» schen Grenze zu, verschwindet^ Glast der Zweidecker des Kapitäns d'Estelle,