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Teneral-Äktzeiger M^
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Nr. 28V
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IC. Dezember
1931
Deulschland im »tvwtschaMchen Biriegszustand^
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* Reichsfinanzminister Dietrich hat gestern im Rundfunk die Grundzüge der Notverordnung dar- gelegt. *
* Die Reichstagsfraktionen werden in der nächsten Woche zusammentreten, um sich mit her Notverordnung zu befassen.
♦ Die Vorbesprechungen der ausländischen Still- Halte-Gläubiger haben zu einem grundsätzlichen Üebereinkommen geführt.
* Der Reichsbankdiskontsatz wurde von 8 auf k Prozent ermäßigt.
Das Bundesamt des Stahlhelm veröffentlicht eine Erklärung zu dem.Uniform« und Abzeichenverbot in der Notverordnung, in der es heißt: „Nachdem unser Einspruch in letzter Stunde keinen Erfolg gehabt hat, befiehlt die Bundesführung allen Stahlhelmkameraden äußerste Zurückhaltung Md Disziplin. Weitere Befehle werden folgen. Der für Samstag, den 12. und Sonntag, den 13. Dezember einberufene Bundesvorstand wird zu der durch die neue Nowerordnung geschaffenen Lage Stellung nehmen.
Nach einem hier eingetroffenen Funkspruch ist das Posifluazeug Marseille —Algier in Höhe der
HruanzminMeir Dr. Dietrich über die -wtverovdmltts
Berlin, 9. Dez. 3m Berliner Rundfunk sprach heule abend Reichsfinanzminister Dr. Dlekrich. Er führte u. a. aus: Die heute verkündete Notverordnung verfolgt in ihren Grundgedanken fünf große Ziele. Sie erstrebt zunächst die Senkung der Preise und der Gestehungskosten. Sie bezweckt ferner, den Etat des Reiches auszugleichen und soll gleichzeitig auch die Etats der Länder und Gemeinden in Ordnung zu bringen. Die dritte Aufgabe ist die Verteidigung und die Erhaltung der Währung. Die vierte ist die Sicherung der deutschen Stellung, der deutschen Verhandlungsfähigkeit in dem großen Kampfe. der zurzeit um die Reparationen und die Ordnung der deutschen Privatschulden, die Deutschland an das Ausland zu zahlen hat, imgange ist. Und schließlich der letzte und fünfte Punkt ist die Sicherung und der Schutz des inneren Friedens.
Vvünitts «ttd Hoovev
Nach inneren Maßnahmen — Außenpolitik!
Am gleichen Tag wurden in zwei Ländern, die heute, das kann man wohl sagen, eine Schlüsselstellung in der von der Krise betroffenen Welt einnehmen, nämlich in Deutschland und in den Vereinigten Staaten, gigantische Wirtschaftsprogramme verkündet, denen eine welthistorische Bedeutung zukommt. In Deutschland hat Reichskanzler
Diese Verordnung macht kein Halt vor Verträgen und ändert vielfach privairechtliche Abmachungen ab. Aber in außerordentlichen Zeiten ist mit normalen Mitteln nichts anzufangen. Wir haben heute einen Zustand, der als
Kriegszustand erster Ordnung
bezeichnet werden darf, bei dem das ganze Kredit- gebäude der West und das ganze Wirtschaftssystem in Gefahr ist. Diese Notverordnung übt auch nicht nur einen gewissen Zwang aus in vielen Punkten,
sten Jahres erfolgt, muß aber das Dreiemhalibfache bezahlt werden. Es steckt darin ein starker Anreiz, von dieser Möglichkeit völliger Ablösung so schnell wie nur möglich Gebrauch zu machen. Aber es werden auch weitere
Freiheiten auf dem Gebiete der Wohnungs- wirkschaft
gegeben. Das Angebot von größeren Wohnungen ist heute so, daß sich die Reichsregierung erlauben
Dr. Brüning die „vierte Verordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen und zum Schutze des inneren Friedens" erscheinen lassen, in den Vereinigten Staaten hat Präsident Hoover die Iahresbotschaft an den soeben versammelten Kongreß gerichtet. Diese beiden Dokumente stehen im Zeichen eines erbitterten, entscheidenden Kampfes gegen die Krise und ihre
konnte, vom 1. Aprils 1932 sch für Hiche größeren
denden Kampfes gegen die Krise und ihre politischen Auswirkungen. In beiden Fällen handelt es sich um scharfe Eingriffe in den Ablauf des wirtschaftlichen Lebens, wie man sie im Rahmen der bestehenden Wirtschaftsordnung noch nie erlebt hat. Darüber hinaus stellen die beiden Akte Merksteine auf dem Wege der weltpolitischen Entwicklung unserer
Tage dar.
yèitsb fehlen nod).
An der Belgrader Universität sind gegen das jetzige Regime StudentenunruheN ausgebrochen, in deren Verlauf einzelne Gruppen für die Republik demonstrierten. Der Rektor hat hierauf die Schließung der Universität angeordnet.
Die belgische Kammer lehnte die Lesung der Vorlage, die die Befreiung vom Militärdienst bei Gewissensbedenken vorschlägt, mit 82 gegen 68 Stimmen ab.
Die Cortes haben mit 368 gegen 0 Stimmen den endgültigen Text der spanischen Verfassung an-
Bauwesens und der Bewirtschaftung der Häuser, die durch diese Notverordnung ganz anders organisiert wird, als das bisher der Fall war. Nicht nur, daß die Hauszinssteuer gesenkt und auch in einer Reihe von Jahren beseitigt lird, wird auch die Möglichkeit gegeben, sie mit dem Dreifachen eines Jahresbeitrages abzulösen und damit das Haus steizumachen von dieser Last. Wenn die Ablösung der Hauszinssteuer erst nach dem L April dss näch-
ei:
die Beschlagnahme von Wohnungen Md auch i Verfügung über frei werbende Wohnungen Sui , die Obrigkeit beseitigt für alle einigermaßen größeren Behausungen. Man darf also wohl sagen, daß im wesentlichen das Kapitel der Häuserzwangs- wvitschaft mit dieser Notverordnung abgeschlossen ist Auch im Tarifvertrag-system haben wir in Zukunft etwas andere Wege als bisher zu gehen.
(Fortsetzung auf Seite 2)
MÄum M>e Sowuhi Brüning wie Hoover lenken ihr us aber wird Augenmerk nicht nur auf die Sanierung der und auch ine wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnisse S” im eigenen Lande. Sie beide wollten, was im ' wâ fanen Wesen der Dinge liegt, die Umkehr der gesam-
ten kulturellen Welt bewirken, die sich in den Zuckungen der Krise windet. In seiner Rundfunkrede hat der Reichskanzler ganz eindeu-
genommen.
*
Die Japaner haben ihre Streiffluge über der Mandschurei wieder aufgenommen, Heute früh warfen acht Flugzeuge über Tschungtschiantung 21 Bomben ab und über Tawa sieben. Diese Stadt war auch Maschinengewehrfeuer ausgesetzt. Die genannten Ortschaften liegen an der Bahnlinie nach Niutschwamg.
Diskontbeeabketzuns dev Aeichsbank
B e r t i n, 9. Dez. Die Reichsbank hat mit Wirkung ab Donnerstag, den 10. Dezember den Diskontsatz von 8 auf 7 Prozent und den Lombardsah von 10 auf 8 Prozent herab-
tig auf die Verbundenheit aller Völker der Welt hingewiesen, indem er besonderen Nach- druchauf folgende Sätze legt: „Wenn jedes Land hat, sich abzugrenzen, währungs- d zollpolitisch für sich zu sorgen, so
die Tender
Jn der zweiten Novemberhälfte ist die Zahl der unterstützten Arbeitslosen in Oesterreich um 22 7000 Huf 273 658 gestiegen.
Zur Beratung der Ausführungsbestimmungen, die für die Mietenfenkung und die sonstigen Neuerungen auf dem Gebiete des Wohnrechtes zu erlassen sind, tritt heute in Berlin eine Konferenz der Länder zusammen. Sie soll, wie das Berliner Tageblatt berichtet, vor allem Richtlinien für die Senkung der Mieten in Neubauwohnungen auf3 stellen, nachdem für die Wohnungen in alten Häusern die Notverordnung selbst vom 1. Januar an die Mieten um 10 Prozent gesenkt hat.
gesetzt.
Begründung dev Diskont- senkung
Berlin. 9. Dez. In der heutigen Zentralaus- schußsitzung begründete der Reichsbankpräsident den Beschluß des Reichsbankdirektoriums mit Wirkung vom 10. Dezember ü. J. den Diskontsatz um 1 Proz. und den Lombardsatz um 2 Proz. zu ermäßigen wie folgt.
Aus Wuppertal wird gemeldet: 2m Laust des Dienstag zeigten sich an verschiedenen Stellen der Stadt Nationalsozialisten emzeln oder in kleinen Trupps in voller Uniform mit der offenbaren Absicht, sich nach vorgefaßtem Plan über die Verordnung dès Oberpräsldenten hinwegzusetzen. Im En wurden rund 100 uniformierte Nationalisten zwangsgestellt. Soweit sie von dem An- «ebot der Polizei, sich Zivilkleider zu verschaffen, Gebrauch machten, wurden sie nach ^estftillunq ihrer Personalien entlassen. Der' Rest, der diese Aufforderung ablchnte, wurde erst tm Laufe der Nacht auf freien Fuß gesetzt.
Durch das tapfere Verhalten eines Newyorker Polizisten konnten im Stadtteil Brooklyn 600 Kmder vom sicheren Tode gerettet werden. In einem Kino, in welchem sich die Kinder befanden, brach Feuer aus. Im Zuschauerraum entstand eine furchtbare Panik. Ein diensthabender Schutzmann konte aber die Kinder beruhigen. Er forderte sie auf, sie ni och- ten sich die Hände reichen und ihm richtig folgen. So brachte er die Kinder, die eine lange Schlange btlbeten, sicher aus dem brennenden Gebäude heraus.
•) Näheres siehe im politischen Teil.
Bei einer Nachprüfung des bei der Reichsbank gegenwärtig gellenden Dikont- und Lombardsatzes auf seine Berechtigung hin muß man auf der einen Seite dem Umstand Rechnung tragen, daß unsere Währung infolge der bestehenden Devisenordnung und des Stillhalteabkommens sich zurzeit nicht in unbehindertem Wechselverkehr mit den ausländischen Währungen befindet, chten ist, daß ein großer Teil dieser ausländischen Währungen infolge der in diesen Ländern bestehenden Vorschriften sich mehr oder weniger dem Charakter einer Binnenwährung nähert, während noch andere Währungen gegenwärtig ohne die Grundlage einer festen Münzparität sind. Auf der anderen Seite wäre es falsch anzunehmen, daß der deutsche Geldmarkt mit den ausländischen Märkten überhaupt nicht mehr kommuniziere, vielmehr findet, und zwar besonders insoweit es sich um die Wiederinanspruchnahme der durch das Stillhalteabkommen offen gehaltenen Kreditlinien handelt, eine Wechselwirkung zwischen den von den ausländischen Gläubigern uns abge- ?r-ii«S rtvlrt.M Qtttftfrtbrt.« itnh S aw» hil*r
wobei zu beul
forderten Zinssätzen und dem Diskontsatz der Reichsbank statt. Ob in diesem Gesamtbild der jetzige Diskont- und Lombarosatz der Reichsbank beizubehalten ist, besteht besondere Veranlassung zu untersuchen, nachdem durch die erlassene Verordnung des Reichspräsidenten die bisher bestehende Unsicherheit über den Ausgleich des Haushalts für den Rest des Haushaltsjahres 1931 behoben worden und ein Haushaltsplan in Kraft getreten ist, der den Rest des Jahres 1931 abdeckt, dies alles in VerbmdMg mit tiefgreifenden wirtschaftspolitischen Maßnahmen, zu denen das Reichsbankdirektorium keine Stellung nehmen kann, die aber den Willen der Reichsregierung, die wirtschaftliche Grundlage
für die Aufrechterhaltung der Währung zu sichern, bekunden. Insbesondere gilt es zu prüfen, ob es nicht bei voller Beachtung der währungs- und de- oisenpolitischen Gesichtspunkte, die trotz der eingangs geschilderten Besonderheit der derzeitigen Lage der deutschen Reichsmark ihre Geltung behalten, möglich ist, durch entsprechende Herabsetzung der bestehenden Diskont- und Lombards« tz«, die in der Entwicklung liegenden preissenkenden Tendenzen zu unterstützen, die neben oder auf Grund der Notverordnung durch beschlossene oder geplante Maßnahmen verschiedener Stellen, wie der Reichsbahn, anderer Unternehmungen oder innerhalb der Geldwirtschaft einen neuen Antrieb erhalten. Diese Prüfung hat die Möglichkeit einer Senkung des Diskontsatzes um 1 Prozent und einer Senkung des Lombard- satzes um 2 Prozent ergeben, wodurch die früher übliche Spanne von 1 Prozent zwischen Diskont- und Lombardsatz wiederhergestellt würde. — Der Zentralausschuß schloß sich einstimmig den Ausführungen Dr. Luthers an.
Senkung des SollrinSkatzeS nm 2 Prozent
Berlin, 9. Dez. In Anbetracht des durch die heutige Notverordnung gekennzeichneten Ernstes der gegenwärtigen Wirtschaftslage und in dem Bestreben, die Notmaßnahmen der Regierung zur Gesundung der deutschen Wirtschaft soweit wie irgend möglich zu fördern und zu unterstützen, haben die Witglieder der Bereinigung von Berliner Banken und Bankiers (Stempel-Bereinigung) im Einvernehmen mit den maßgebenden öffentlich-rechtlichen Kreditinstituten des Reiches und der Länder sowie den maßgebenden auswärtigen Banken und Bankhäusern beschlossen, den SollZinssah. der gegenwärtig 2 Prozent über dem Reichsbankdiskontsah, d. h. 10 Prozent p. a. beträgt, auf 1 Prozent über den jeweiligen Reichsbankdiskontsah zu senken. 3m Zusammenhang mit den Maßnahmen der Reichsbmk ist somit eine Senkung des Sollzinssahes um volle 2 Prozent, also von 10 auf 8 Prozent, erzielt.
politisch und zollpolitisch für sich zu sorgen, so wächst unweigerlich das Gesamtmaß der Wirtschaftsstörung aller Länder. Alles dies weist auf die internationale Verständigung hin. Aber bis zu einer solidarischen Lösung der Krise der Welt muß jede verantwortliche Re« gierung den Weg gehen, der aus den Lebensbedingungen des eigenen Volkes und der eigenen Wirtschaft sich ergibt. Vollkommene Lösungen kann sie allein nicht geben."
Gerade dieser letzte Satz verdient besonders Beachtung. Hiermit wollte Dr. Brüning sagen, daß '6ie Notverordnung die Bekämpfung der Krise im internationalen Ausmaße keineswegs entbehrlich macht, sondern umgekehrt, unmittelbar dazu zwingt. Und so ist es verständlich, wenn der Reichskanzler „noch einmal den dringendsten Appell an alle beteiligten Regierungen" richtete, „dafür zu sorgen, daß die oft und von allen Seiten verkündeten Grundsätze verständnisvollen und olidarischen Zusammenwirkens sich jetzt endlich in letzter Stunde in die Tat umsetzen. Die nächsten Wochen werden von entscheidender Bedeutung sein."
Deutlicher konnte Dr. Brüning garnicht werden. Die internationalen Verhandlungen über
die Lösung des .Stillhalte, und Reparations- Problem, die jetzt' imgange sind, werden nunmehr ganz im Zeichen der Vierten Notverordnung stehen. Dies.e unerhört kühne chirurgische Operation, die am deutschen Wirtschaftskörper vorgenommen worden ist, schafft für Dr. Brüning außenpolitisch eine machtvolle Rückendeckung. Die Stellung Deutschlands den anderen Mächten gegenüber ist dadurch außerordentlich gestärkt worden. Denn Deutschland kann mit Recht auf das ungeheure, beinahe phantastische Ausmaß der Opfer hinweisen, die alle Schichten des deutschen Volkes bringen, und an das maßgebende Ausland die Frage richten, was nun dieses seinerseits zur Bekämpfung der Krise zu tun gedenke. Wie wird es nun um das Still- Halte-Abkommen und um die Reparationen bestellt sein? Nachdem Reichskanzler Brü-
Oie beuilse Nummer umßa-t 12 Geben