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Nr. 286

Montag, den 7. Dezember 1931

Seite 3

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Stadt Kauau

Dev ^^«vfevne^ Sonntag

Mit demKupfernen" Sonntag hat das «igent- kche Weihnachtsgeschäft seinen Anfang genommen. Leider stand diese Weihnachts-Ouvertüre unter einem ungünstigen Stern, denn es regnete fast den ganzen Tag über mit mehr oder weniger starker Eindringlichkeit. Aus diesem Grunde war auch die Landbevölkerung, die sonst immer mit das Haupt- lontingent der Einkäufer an diesem Tage stellte, nur recht spärlich vertreten. Auf den 'Straßen, vor den Schaufenstern und in den Geschäften konnte man trotzdem einen recht starken Betrieb beabachten und am späten Nachmittag auch zahlreicheChrist- Mchen" über die Hammer-, Krämer- und Nürn­berger Straße tragen sehen. In der Hauptsache aber war es ein Orientierungsbummel durch die Geschäfte, bei dem man immer wieder seststellen kannte, wie sehr sich die Preis« der gesunkenen Kaufkraft des Publikums angepaßt haben. Die Geschäftswelt hat jedenfalls ihre Schuldigkeit getan, diese Feststellung kann man unbedenklich treffen. Jetzt hat der Weihnachtsmann und der Geld­beutel das letzte Wort.

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Äe«devu«s der NeMmmunse« übev de« Rundfunk

Durch einen soeben ergangenen Erlaß hat der Reichspostminister, wie die Deutsche Beamtenbund- Korrespondenz erfährt, eine Reihe von Aenderun­gen in den bestehenden Bestimmungen über den Rundfunk verfügt Danach ist zur Aufnahme der Rundfunk-Darbietungen berechtigt, wer die Befug­nis zur Errichtung sowie zum Betrieb einer Rund- funkempfangsanlage besitzt. Diese Befugnis wird von der Deutschen Reichspost durch Aushändigung einer Urkunde (Rundfunkgenehmigung) verliehen. Sie neuen Bedingungen gelten auch für alle vor dem 1. Dezember 1931 erteilten Genehmigung (Ver­leihungen) zur Errichtung und zum Betrieb einer Rundfunkempfangs- oder Vermittelungsanlage, ohne daß es eines Umtausches der Urkunden bedarf. Von wesentlichen Aenderungen der Bestimmungen sind folgende zu erwähnen:

Der Selbstbau von Empfangsapparaten auch Kofferapparaten ist allgemein ohne vorherige Genehmigung gestattet; das Betreiben der Appa­rate, auch versuchsweise, ist jedoch nur auf Grund einer besonderen Genehmigung zulässig. Unter« nehmer, die sich gewerbsmäßig mit der Herstellung oder dem Vertrieb von Empfangsapparaten be­fassen, dürfen auf Grund einer Genehmigung in ihren Geschäftsräumen auf demselben Grundstück, das in der Genehmigungsurkunde als Betriebsstätte angegeben ist, für Zwecke ihres Betriebes mehrere Empfangsanlagen errichten sowie gleichzeitig betrel- ben. Der Uebertragung einer Genehmigung ist nur dann zuzustimmen, wenn die Person des Inhabers einer vorhandenen Empfangsanlage wechselt, wenn also eine andere Person, z. B. der Geschäftsnach- ntger oder der Wohnungsnachfolger, die bereits vorhandene Empfangsanlage übernehmen und künf­tig beireiben will. Personen, gegen die ein gericht­liches Verfahren wegen Funkvergehens schwebt, ist ^MWWMWWMWMWWWWWWMMW^jo

,ren ttsrjr rechtskräftig abgeschlossen ist.

Bestimmung, daß aus vierteljährliche Zahlung r Rundfunkgebühren hinMwirken ist, ist wegge­llen. Die Bestimmungen über das Vorgehen gegen amhörer sind neu geregelt worden, wobei die Mtöndigkeit der Postämter in der Behandlung der Angelegenheit erweitert worden ist.

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Avdeitslosen-^ntevstüüuns bei sevingsügigev BeschSstiguns

Der Spruchsenat für die Arbeitslosenversicherung hat eine grundsätzlich bedeutsame Entscheidung über die Frage getroffen, wann die Arbeitslosenunter­stützung gewährt werden darf, wenn der Arbeiter eine geringfügige Beschäftigung gefunden hat. Ein

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von Earl Otto Windecker

Copyright 1930 by C. O. Windecker.

V. Fortsetzung (Nachdruck verboten.)

Ist das wahr, Jean-Marie?"

Gaston lächelte. Jean-Marie. Er vergaß es immer wieder.Ja, mein Junge. Und ich denke, die Arbeit damit in die besten Hände zu geben."

Wieder ein Abend von einem tiefen Zu-Hause- Gefiihl. Marianne saß ihm im Lehnstuhl gegen­über-, immer wieder glitt sein Blick über diese ent­zückende Frau die heute voller Schalk und Humor shn mehr denn je fesselte und bannte. Maurice da­bei: er hatte das Radio angestellt, suchte uber- ieeische Stationen, Gaston und Marianne horten 65 kaum.

.. Es war Gaston, als erlebe er die Wohnung, dieses ganze Milieu zum ersten Male. Zum ersten âale empfand er tiefes Behagen, Geborgensein, Mmatgefühl. Vielleicht war es die Gemeinsamkeit des Kampfes draußen um das Werk, vielleicht war £ «ud), daß sich das erste Gefühl des Betrugs, der W der Unehrlichkeit der ganzen Handlung all- Reiflich verlor, daß er selbst vergaß vergessen sollte? Vielleicht war es so. Gaston gab sich keine Rechenschaft darüber. Er fühlte sich wohl. Unsag­bar wohl. Er sah sich in dem gemütlichen Salon um, es war mehr als sehen, es war aufnehmen, firnen, trinken. Alle die Möbel, die Bilder, die keinen Lampen, der weiche Teppich, das große Wer, alles das erschien ihm mit einem Male die Erfüllung lang gehegter Träume, Sehn- suchte aus der Zeit, da noch die Pistole druckte, J? Uniform einengte, als noch die heiße Sonne Marokkos auf das Gesicht, die Hände meder- vrannte . . . damals, als es noch einen Leutnant vauchat gab.

Wie lange war das Herl

»Warum nimmst du mich nie auf deine Reifen Jean-Marie?" fragte Marianne plötzlich und ubuzog das Gesicht ein wenig.

Gaston lächelte. 0

. "Keifen? Sollten dich Maschinen, verrußte Ar- °b>ter, schmutzige Einfahrwagen interessieren?"

Das 4-ân«is-StüB

Geldstücke, die kamen und vevschwanden

Die Schaffung eines 4-Pfennig-Stückes wird von der Reichsregierung erwogen. Es soll auf diese Weise die Pfennigrechnung gefördert werden, die in unserer Notzeit eine ganz besondere Bedeu­tung hat. Heute spielt der Pfennig wieder im Wirt­schaftsleben der Familie eine wesentliche Rolle. Vor dem Kriege und in den ersten Jahren nach der Inflationszeit war die Achtung vor dem Pfennig stark gesunken. Die Kaufleute rechneten besonders in Norddeutschland mit runden Summen. Wir wunderten uns, wenn in Bayern das Glas Bier mit 13 Pfennig berechnet wurde, denn in Nord- deutschland wurde in derartigen Fällen eine runde Summe von 15 Pfennig verlangt. Es gab auch in der Nachinflationszeit Waren, die 17 oder 22 Pfen­nige kosteten, nur in sehr geringer Menge. Man war sehr hochmütig geworden und gab sich zum Leidwesen der Hausfrauen mit derPfennigfuch- serei", wie man diese kleine Rechnung verächtlich nannte, nicht gerne ab. Heute ist das anders ge­worden, denn jede Hausfrau muß mit jedem Pfen­nig rechnen und achtet peinlich darauf, daß sie nicht bei der Preisberechnung übervorteilt wird. Die Kaufleute selbst, die mit der verminderten Kauf­kraft des Publikums rechnen müssen, sind selbst dar­auf bedacht, sich ihre Kunden zu erhalten und kalku­lieren die Preise äußerst genau, so daß die Pfennig­rechnung wieder vielfach gebraucht wird. An Kupfermünzen haben wir bekanntlich nur 2 Sorten, nämlich das 1- und 2-Pfennig-Stück. Die Schaffung eines 4-Pfennigstückes soll der Bequemlichkeit des Publikums dienen, um die immer zahlreicher wer­denden Pfennigpreise mit Hilfe eines gesteigerten Verkehrs mit Kupfermünzen schnell bewältigen zu können. In der neuen deutschen Münzgestaltung gab es bisher nur die oben genannten zwei Kupfergeldsorten. Rußland und Frankreich hatten vor dem Kriege auch größere Kupfermünzen bis zum Werte von 10 deutschen Pfennigen. Die rus­sischen 5 Kopeken-Stücke in Kupfer waren allerdings von gewaltiger Größe. In Rußland mit seiner aus­gebreiteten Bauernbevölkerung, die wenig verdient und wenig Geld ausgab, war dieses große Geldstück zu kleinem Wert angebracht. Bei uns wären der­artige Geldstücke eine zu große Belastung der Geld- behälter geworden. Klagt man doch bei uns schon viel über die großen silbernen 5- und 3-Mark- Stücke. Auch sie werden nicht so gerne genommen wie das Papiergeld. Wenn jetzt sehr viel Silber- geld in den Verkehr gebracht wird, so sind dafür währungstechnische Gründe maßgebend, denn bas Silbergeld braucht keine Golddeckung zu haben wie das Papiergeld. Das kommende 4-Pfennig-Stück bringt in unseren Münzverkehr ein neues Bild. Zahlreiche Geldstücke sind schon aus allerlei wirt-

Arbeitnehmer, der Arbeitslosenunterstützung bezog, hatte eine Beschäftigung im Fischereigewerbe ange­nommen, worauf ihm die Unterstützung entzogen wurde. Er legte jedoch Einspruch ein mit der Be­gründung, es handele sich nur um Gelegenheits­arbeit. Er sei nur an zwei oder drei Tagen in der Woche vier Stunden bejchästigt und habe eiiienMer- dienst von 810 Mk Die zuständige Spruchkammer billigte dem Kläger die Unterstützung nicht zu, weil er dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehe, denn

er müsse jeden Augenblick mit einer Ausfahrt rech­nen. Der Spruchsenat, der die Angelegenheit wegen ihrer grundsätzlichen Bedeutung zu entscheiden hatte, kam in seinem Urteil zu folgenden Grundsätzen: Verrichtet ein Arbeitnehmer eine vorübergehende ober geringfügige Beschäftigung, so kann ihm die Arbeitslosenunterstützung nicht aus dem Grunde versagt werden, weil er infolge dieser Beschäftigung dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehe; jedoch kann aus anderen Umständen hervorgehen, daß er dem Arbeitsmarkt entzogen ist. Ob durch eine Arbeit- nehmerbeschästigung der Lebensunterhalt gesichert wird, ist für die Frage des Vorliegens von Arbeits­losigkeit grundsätzlich unerheblich. Bei der Frage, . _______ ... _.... .

ob eine Beschäftigung als geringfügig anzusehen ist, August Sattler zurückblicken.

Warum nicht? Vielleicht hätten wir uns eher gefunden, wirklich gefunden, wenn du mich schon früher an deinen Dingen hättest teilnehmen lassen?" Sie hatte leise gesprochen.

Maurice sah auf.Marianne hat natürlich recht. Wir Franzosen haben, bei aller Achtung und Liebe, die wir unseren Frauen entgegenbringen, doch übersetzen, daß die Zeiten anders wurden, daß die Frauen auch das Recht eines Kameraden neben dem Recht der Geliebten und der Haussrau haben, Jean-Marie . . ."

Ei ei," lächelte Gaston, froh über die Ein­mischung des Jungm.Du weißt sehr tüchtig zu

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dozieren."

Der Diener meldete bald darauf, daß das Abend­essen gerichtet sei. Sie speisten vergnügt, scherzten, plauderten, und dennoch schwang ein ernster Untertan durch alte Scherze. Gaston begann silbig zu werden, er wußte selbst nicht recht, ihn bewegte. Vielleicht war er traurig.

Nach dem Essen bat ihn Marianne um

was

eine

Partie Schach.

Maurice hatte das Radio auf Daventry einge­stellt. Das Tanzorchester im Savoy-Hotel in Lon­don spielte einen Tango, leise, schwebend, kitschig vielleicht, und doch paßte er so in diese Stimmung, daß Gaston die Hand Mariannes vom Schachbrett aufnahm und leise küßte. Als er aufsah, bemerkte er, daß sie die Augen geschlossen hielt.

Das Schachspiel nahm sie beide in seinen Bann. Marianne war eine gute Spielerin. Gaston hatte unachtsam gespielt und sah jetzt mit ehrlichem Schrecken, daß er Position auf Position verloren hatte und in arge Bedrängnis geraten war.

Schach," bot er triumphierend. Marianne lächelte spitzbübisch und nahm ihm die bedrohende Dame weg.

Aufpassen," meinte sie lakonisch.

Noch einige Züge, dann gab Gaston die Partie verloren.

Du hast früher schlechter, viel schlechter ge­spielt," stellte Marianne anerkennend fest. Ueber- rascht sah Gaston auf, fast hätte er sich verraten. Nun lachte er herzlich.

Gut. Revanche. Ich will sehen, was ich noch mehr gelernt habe."

Du hast inzwischen gelernt?" es klang ein wenig enttäuscht.

Vielleicht."

schaftlichen und praktischen Gründen neu geschaffen worden, um nach kurzer Zeit wieder zu verschwin­den, da es sich herausgesteltt hat, daß sie den Er­wartungen nicht entsprachen So erging es z. B. dem kleinen silbernen 20-Pfennig-Stück, das in den 70er und 80er Jahren des vorigen Jahrhundert viel im Umlauf war, aber wegen feiner Winzigkeit zu Verlusten führte. Es wurde als unpraktisch aus dem Verkehr gezogen. Auch eine Nickelmünze zum Werte von 25 Pfennigen konnte sich nicht lange be­haupten. Die Goldstücke sind schon lange eingezo­gen. Es gab Werte zu 20,10 und 5 Mk. die goldenen 5-Mark-Stücke hatten ein ähnliches Schicksal wie die kleinen silbernen 20-Pfennig-Stücke. Auch sie ver­schwanden schnell aus dem Verkehr, weil sie zu win­zig waren. Ihren Wert behielten sie natürlich im­mer weiter bei, denn die Goldstücke haben fast den vollen Wert des Geldes gehabt, den sie darstellten und sind heute noch, wie bekannt, die Grundlage der Währung, wenn sie auch nicht mehr im Umlauf sind. Die Kriegs- und Nachkriegszeit haben zu zahlreichen Neuschöpfungen geführt, die der Not entsprangen. Im Jahre 1915 wurden eiserne 5= Pfennig-Stücke geprägt, da das Nickel in Deutsch­land selten wurde und für Kriegszwecke unentbehr­lich war. Es mußten also in Deutschland kleine Scheidemünzen aus Eisen hergestellt werden. Auch das deutsche Kriegsgeld, das für die besetzten Länder erforderlich war, bestand größtenteils aus Eisen. Die Pfennigstücke wurden aus Aluminium angefer­tigt, denn auch Kupfer war rar und mußte durch ein anderes Metall ersetzt werden. In den ersten Jah­ren der Inflation wurde das noch im Umlauf be­findliche Silbergeld gehamstert. Es verschwand aus dem Verkehr, und da man auf das Metallgeld nicht verzichetn wollte, so prägte man eine kurze Zeit lang Aluminumgeld. So gab es z B. Stücke zum Werte von 200 Mark in Aluminium, denn das deutsche Geld war schon stark entwertet und viele hundert Mark konnten bereits durch ein bißchen Aluminium ausgewogen werden. Aber die Ent­wertung machte so rasende Fortschritte, daß das bißchen Metall auch bald einen weit höheren Wert hatte, als es darstellte und darum aus dem Verkchr verschwand. Versuche wurden auch mit Porzellan­geld gemacht, daß in Meißen hergestelü wurde Es bewährte sich aber nicht. Jedenfalls wurde es nicht in Umlauf gebracht. Aus den Talerstücken wurden 3-Madk-Stücke, die auch eine neue Geldsorte dar­stellen, trotzdem sie nur den Wert der Talerstücke aufweisen. Durch die staatliche Umwälzung wurden die äußeren Formen sämtlicher Geldstücke stark ge­wandelt, da die Republik einen anderen Adler als Hoheitszeichen hat, als das Kaiserreich.

ist nicht schlechthin maßgebend, was unter den Be­teiligten ausdrücklich vereinbart ist. Vielmehr ist eine geringfügige Beschäftigung auch dann gegeben, wenn die Beschäftigung nach der Natur der Sache auf nicht mehr als 30 Arbeitsstunden in einer Ka­le nderwoche beschränkt zu sein pflegt oder,wenn für Mszkem höheres wöchentliches Entgelt als 10. RM ortsüblich ist. Ist der Verdienst in den einzelnen Kalenderwochen verschieden, so ist er nicht auf die ganze Dauer der Beschäftigung zu verteilen, sondern anzurechnen wie er auf die einzelnen Kalender­wochen entfällt

* Daten für 8. Dezember. 1815: Der Maler Adolf v Menzel in Breslau geb. 1832: Der norwegische Dichter Björnstjerne Björnson in Kwikne geb.

* Silberne Hochzeit. Die Eheleute Hans Wachter und Frau geb. Albert, Hanau, Bangert­straße 11, feiern morgen das Fest der silbernen Hochzeit. Das gleiche Fest feiern morgen die Eheleute Johannes Lein und Frau Luise geb. Lach.

* Auf eine 25jährige Tätigkeit als Lithograph bei der Firma H. u. A. Brüning kann morgen Herr

Das ist aber nicht schön von dir, mir das zu verheimlichen," meinte Marianne, während sie die Figuren aufsetzte.Ich werde jetzt besser auf­passen."

Einverstanden."

Verzeiht, ich bin müde." Maurice war aufge- standen und an den Spieltisch herangetreten.Ich werde schlafen gehen. Gute Nacht."

Beide starrten auf die Schachfiguren nieder, als die Tür hinter Maurice längst ins Schloß ge­fallen war.

Allons. Spielen wir," sagte Gaston nach einer Weile. Aber keiner machte einen Zug.

Bist du müde, Marianne?" forschte er ohne

müde, Marianne?

forschte er ohne

aufzusehen.

Sie antwortete nicht.

Wer zieht zuerst?" versuchte es Gaston noch­mals.

Warum fliehst du vor mir?" fragte Marianne leise, ihre Stimme zitterte.Ich fühl«, daß du mich liebst und dennoch . . ."

Gaston schwieg. In sich gesunken, saß er vor dem Spieltisch, den Kopf auf die Hände gestützt. Ganz, ganz still war es im Zimmer. Aber diese Stille war voll von tausenderlei Geräuschen, Melo­dien, schrillen Dissonanzen.

Du fliehst vor mir, Ioan-Marie. Nach Nancy, 'm das Büro, weil du nicht mit mir allein sein willst . . . .?"

Gaston schwieg.

Marianne war aufgestanden und ging nun mit müden Schritten zum Lehnstuhl hinüber, hinter dem die rote matte Stehlampe brannte.

Komm zu mir," sagte sie leise.

Gaston antwortete nicht. Ja das war der Augenblick, vor dem er sich gefürchtet hatte. Das war die Stunde, vor der er geflohen war ge­flohen wie gut Marianne seine Regungen er­kannte.

Langsam und schwer erhob er sich. Stand mit hängenden Armen vor der Frau. Er wollte die Gefahr mit einem Scherzwort überbrücken, sie in den Arm nehmen und küssen, sie betäuben durch ein Wort, ein Streicheln er vermochte es nicht.

Mariannes Gesicht wurde hart. Gaston er­schrak, als er die Wandlung in diesem Gesicht be­merkte. Er zuckte zusammen. Warum folgte er nicht seiner innersten Regung? Warum kniete er nicht nieder vor dieser Frau, die er liebte, sagte ihr die Wahrheit, die nackte, klare Wahrheit?

S« diesem Leichen soll die deutsche Ware Kege«

Die Kennmarke für deutsche Waren,

mit

der die Deutsche Volksgemeinschaft zur Be­hebung der Wirtschaftsnot jede Ware zeichnen will,

die einwandfrei deutscher Herkunft ist. Das neue Schutzzeichen, das von dem Maler Tobias Schwab geschaffen wurde, soll in Zukunft jede Verwechs­lung mit den ausländischen Erzeugnissen unmöglich machen.

* Bevölkerungsvorgang im November. Es wurden 35 Kinder (5 uneheliche) geboren. Es star­ben 24 Personen, und zwar an Tuberkulose 1, Krebs 4, Gehirnschlag 3, Lungenentzündung 2, Al­tersschwäche 2, durch Selbstmord 1. Unter 1 Jahr starben zwei eheliche Kinder.

* Sonntagsdienst am Samstag, 2. Januar 1932. Das Preußische Staatsministerium hat beschlossen, den Dienst bei den Staatsbehörden am 2. Januar 1932 wie an Sonntagen regeln.

* Justizpersonalien. Dem Amtsgerichtsrat Fisher in Windecken ist die nachgesuchte Dienstentlassung mit Ruhegehalt erteilt; Gerichtsassessor Wihtol von hier ist infolge Uebernahme als Regierungsassessor in die Reichsfinanzverwaltung aus dem Justizdienst geschieden. Justizbüroassistent Essich vom Amts­gericht hier ist zum Justizsekretär ernannt. Justiz- tz ilfswachtmeister Schmidt ist unter Ernennung zum Justizwachtmeister von Kassel an das Amtsgericht hier versetzt.

* Zahlung der Zweiten Dezember-Gehalksrake. Das Preußische Staatsministerium hat bestimmt, daß den Beamten, Ruhegehaltsempfängern und Hinterbliebenen von Beamten als weitere De­zemberrate ein weiteres Viertel der ihnen für den Monat Dezember zustehenden Dienst- und Ver­sorgungsbezüge, und zwar, soweit die Zahlung in bar zu leisten ist, am 10. Dezember d. I. auszuzah­len ist; Ueberweisungen auf ein Bank- usw. Konto düufen nicht vor dem 8. Dezember erfolgen. Ve- amtenschècks auf die weitere Dezemberrate dürfen nicht vor dem 10. Dezember angenommen werden.

28 000 tödliche Unglüsfälle in Deutschland. Aus der neuen Denkschrift des Reichsinnenministeriums über gejundtzeiüichen Perhältrüjje, des deutschen Volkes geht hervor, daß im Jahre 1929 rund 28 000 Personen tödlich verunglückt sind, auf den Tag um­gerechnet also nicht weniger als 76. 9600 Todes­fälle, also mehr als ein Drittel, sind auf Derkehrs- unfälle zurückzuführen, und zwar im einzelnen 3770 auf Kraftwagen, 2090 auf Krafträder, 2600 auf an­dere Fahrzeuge und 1140 auf die Eisenbahn. Im Vergleich zum vorausgegangenen Jahr hat sich die Zahl der tödlichen Unfälle um mehr als 800 ver­mehrt. Ferner kamen allein 5641 Personen durch Stürze und durch Lawinen und 3650 durch Ertrin­ken ums Leben. Durch Verbrennen, Verbrühungen und Aetzungen entstanden rund 1800, durch Einsturz und Explosion 1135, durch Leuchtgasvergiftung 665 und durch sonstige Gasvergiftungen wie durch Er­sticken 813 Todesfälle.

* An übertragbaren Krankheiten wurden in der Wohe vom 29. November bis 5. Dezember amtlich gemeldet: 1 Fall Diphtherie aus Rüdigheim.

Würde sie ihn nicht verstehen? Wäre es nicht das Ende dieses qualvollen Zusammenseins? Er stand unbeweglich und rührte sich auch nicht, als nun Marianne wortlos und ohne Gruß an ihm vorüber zum Zimmer hinausschritt.

Ein strahlender, duftender Frühlingsmorgen folgte diesem Abend. Zum ersten Male sah man Menschen ohne Mäntel auf der Straße, die ersten Hellen Blusen leuchteten in der frischen, fröhlich machenden Sonne, als Gaston, müde und zer­schlagen, sich zum Büro fahren ließ.

Der Kopf schmerzte ihn. Auf halbem Weg gebot er dem Chauffeur zu halten, er wollte den Rest des Weges zu Fuß gehen. Er wußte Maurice im Büro, das beruhigte ihn.

Langsam und nachdenklich schritt er durch die Straßen, das Erlebnis des letzten Abends lastete noch wie ein böser Alpdruck auf seinem Gemüt, vergebens versuchte er die Erinnerung von sich ab­zuschütteln.

Ein schlechter Tag," murmelte er vor sich hm. Er atmete auf, als er das hohe Gebäude der Ina- Verwaltung vor sich sah. Dort wartete Arbeit und Kampf.

Im Weitergehen stutzte er einen Augenblick. Wieder war es ihm, als sehe er den Mann, den er schon kürzlich nahe bei seinem Berufe bemerkt hatte dieses Gesicht er vergaß es sofort wie­der und erschrak heftig, als eine Stimme hinter ihm seinen Namen, seinen wirklichen Namen rief.

Fauchat . . . Fauchat . . .*

Er beschleunigte seine Schritte, ohne sich um- zusehen. Plötzlich fühlte er eine Hand auf seiner Schulter.

(Fortsetzung folgt).

Stadt -Theater Ka«a«

Montag, 7. Dezember, 810 Uhr, Bühnenoolksbund.

Roxy, der Fratz"

Dienstag, 8. Dezember, 8 Uhr, zum letzten Maler Michael Kramer-

Mittwoch, 9. Dezember, 8 Uhr, zum letzten Stofe* Maskottchen-.