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Monkag, den T. Dezember 1931
Nr. 286
fchastsprogramm der Reichsregierung, das auf der Grundlage sozialer Gerechtigkeit und wirtschaftlicher Erfahrung, und damit auch zur politischen Gesundung zeigt. An das deutsche Bürgertum ergeht der Ruf, sich durch das Anschwellen der radikalen Parteien nicht lähmen zu lassen. Es ist nunmehr erwiesen, daß der Nationalsozialismus, von dem weite Kreise des Bürgertums Rettung vor wirtschaftlichem Untergang erhoffen, durchaus nicht davor zurückschreckt, sich an den Grundlagen der bürgerlichen Freiheit und des Privateigentums aller Schichten zu vergreifen. Deshalb muß sich das deutsche Bürgertum auf seine Stellung zum Staat und auf seine Verantwortung vor der deutschen Zukunft besinnen und demgemäß handeln I"
Stuttgarter Gemeinderatswahlen
Stuttgart, 6. Dez. Bei der heutigen Gemeinde- ratswahl wurden von 266 749 Wahlberechtigten 209 048 Stimmen abgegeben. Die Wahlbeteiligung betrug rund 78,4 Prozent. (Bei der letzten Reichs- itagswahl am 14. September 1930 betrug die Zahl Ler Wahlberechtigten 261 497, die Zahl der abgegebenen Stimmen 212 752 oder 84,8 Prozent.) Es entfielen auf die kommunistische Opposition 4037 (Reichstagswahl 0), Chri-stl.-Soz. Volksdienst 9075 (11332) SoziaDemvkraten 46 810 (55 602), Zentrum 18186 (19 074), Denis dynationale 19 525 (18 006), Frauenliste 4760 (0), Einheitsliste, bestehend aus Demokraten, DVP., Volksrechtspartei, Rationale Volksgemeinschaft, 23 104 (49 998), Nationalsozialisten 44 599 (21360), Kommunisten 37 803 (36119) Stimmen.
Don den heute neu gewählten 30 Gemeinde - ratsmitgiledern entfallen auf die Komm. Opp. 0, auf den .Chr.-Soz. Volksdienst 1, Sozialdemokraten 7, Zentrum 3, Deutschnationale 3, Frauenlist« 0, Einheitsliste 3, Nationalsozialisten 7, Kommunisten 6 Mandate.
Das charakteristische Merkmal der Gemeinderatswahl ist das Anschwellen der nationalsozialistischen Stimmen, die sich seit der letzten Roichstagswahl, also innerhalb Jahresfrist, mehr als verdoppelten, während die Parteien der Einheitsliste, Demokraten, Deutsche Dolkspartei, Volvsrechtsaprtei und Nationale Volksgemeinschaft um mehr als die Hälfte zusammengeschmolzen sind Die Sozialdemokratie l)at sich als die stärkst« Partei behauptet, aber ihre Stimmen sind um nahezu 9000 zurückgegangen, während die Kommunisten einschließlich der Komm. Opposition ihre Stimenzahl um 5700 zu erhöhen vevnwchten.
Der Vveisrüikgaug dev letzte« zwei Sahve
Berlin, 7. Dez. Nach einer von offiziöser Seite aufgestellten Statistik, die sich auf den vom statistischen Reichsamt auf Grund der laufenden Erhebun- gm in 72 Gemeinden berechneten Lebenshaltungsindex stützt, hat sich die Gesamtlebenshaltung vom November 1929 bis zum November 1931 um 13,7 Prozent verbilligt In fast allen Artikeln des täglichen Bedarfs find Ermäßigungen eingetreten, so
z. B. bei Brot und Mehl, trotz einer Steigerung der Preise für' Weizengebäck um 3,3 Prozent, im
Durchschnitt doch noch um 3, ders auffallende Verbilligung _ . . preise erfahren. Sie beträgt 31,3 Prozent gegenüber 20,4 Prozent für die Ernährung insgesamt.
Dagegen haben sich die Wohnungskosten um 4 Prozent und die Leuchtstoffe um 2,3 Prozent verteuert, ebenso wie der Perkehr in dem genannten Zeitabschnitt um 3,6 Prozent teurer geworden ist- Dagegen haben die Preise für Bekleidung einen Rückgang um 22,7 Prozent erfahren. Im Durchschnitt kommt man für die Gosamtlebenshaltung ohne Wohnung auf eine Ermäßigung von 17,4 Prozent und für die Gesamtlebenshaltung einschließlich der verteuerten Wohnung auf die bereits genannte Zahl von 13,7 Prozent Preisrückgang.
Man wünscht mit dieser Statistik zu beweisen, daß die bevorstehende Preissenkung u. a. gerade an den von dem bisherigen Preisrückgang nicht berührten Stellen einsetzen will, also an den teuren Neubaumieten, die auch den Mietsdurchschnitt so erhöht erscheinen lassen, sowie an den öffentlichen Tarifen, di« Verkehr und Beleuchtung verteuern.
Die Industrie für Gemätzi- sung dev Postgebühren
Berlin, 5. Dez. Wie der Reichsverband der Deutschen Industrie mitteilt, hat er sich anläßlich der von der Reichsregierung angeregten Preissenkungsa-ktion für Ermäßigung der Postgebühren eingesetzt. Er hält es für richtig, zu den Tarifen der Vorkriegszeit zurückzukehren, u. a. gehörten dazu die Wieüerein- führung des 10-Pfennig-Portos für den gewöhnlichen Brief, erhebliche Ermäßigung des Drucksachenportos und Ermäßigung der Telephongebühren. #= gesehen von der zweifellos sehr weitgehenden psychologischen Wirkung diene die Herabsetzung des Portos unmittelbar der Belebung des Verkehrs.
^nnvsevnns der Spltzen- getvevMchaften
der Arbeiter, Angestellten und Beamten
er
Berlin, 5. Dez. In einer Kundgebung der Spitzen- gewerkschaften der Arbeiter, Angestellten unL Beamten heiß! es u. a.: In wenigen Tagen tritt in Basel der Sonderausschuß zur Begutachtung der wirtschaftlichen Lage Deutschlands zusammen. Sein« Pflicht ist, Lie Folgerungen aus der Erkenntnis zu zichen, daß die Deutschland auferlegten Reva- rationsoerpflichtungen eine der wesentlich sten Ursachen für die weltwirtschaftlichen Störungen der Nachkriegszeit geworden sind. Die Wiederherstellung des Vertrauens und der Wiederaufbau des internationalen Kredites ist die zentrale wirtschaftliche und politische Aufgabe. Di« Reparationslasten haben das Maß der durch den Krieg verursachten Schäden längst überschritten Damit ist ihnen jede moralische und wirtschaftliche Berechtigung entzogen. Sie sind heute nur noch ein Hemmnis der wirtschaftlichen Entwickelung der Welt. Ihre Beseitigung ist ein Gebot wirtschaftlicher und staatsmännischer Einsicht.
Zur Wiederherstellung des internationalen Vertrauens ist aber auch die Beruhigung der inneren Lage Deutschlands notwen- d i g. Die gwßs Not des Volkes, die Massenarbeitslosigkeit und die Verarmung der Mittelschichten bereiten in Deutschland den Boden vor für die Ver- «weiflungsstimmung, die dem heimlichen Bürgerkrieg
H-ottchche Neden und Gr kläennsen
Dr. Held über Deutschlands
Eichstätt, 6. Dez. In einer überfüllten Der- sammlungder Bayerischen Volkspartei und des Christlichen Bauernvereins sprach am Sonntag Ministerpräsident Dr. Held über „Deutschlands Kämpf« nach aussen und im Innern um seine Existenz." Dr. Held verwies einleitend auf die morgen beginnenden Baseler Verhandlungen der BIZ. Frankreich erwartete auch in diesem Augenblick, daß Deutschland nach wie vor Reparationen zahle, obwohl feststehe, daß wir heute schon 10 Milliarden mehr an Frankreich und das ehemalige feindliche Ausland geleistet haben, als die Schäden des Krieges für diese Länder betragen. Die neue Notverordnung würde schwere Opfer bringen. Wer die Katastrophe nicht wolle, müsse diese Opfer bringen. Worauf es in der nächsten.Zeit ankomme, sei, bei den Verhandlungen fest zu bleiben in der Erkürung:
Wir sind nicht mehr in der tage, Reparationen zu zahlen, nicht weil wir nicht wollen, sondern weil wir nicht können.
Dr. Held bezeichnete Frankreich als unversöhnlich, mit dem nicht weiterzukommen sei. Es wäre daher Solidaritätspflicht aller übrigen Staaten, Frankreich umzustimmen. Wir verlangen dagegen, daß die anderen Völker, die es versprochen haben, abrüsten oder daß Deutschland die Möglichkeit gegeben wird, sich wehrhaft zu machen. Auch unser Recht auf Kolonialbesitz, nicht Mandatsbesitz, wollen mir für die Zukunft nicht verloren geben. Ein deutsches Volk, das so zerrissen ist, sei viel leichter Spielball der ftanzösischen Polittk. Wir müßten uns daher auf Lem Boden innerer Einigung zusammenfinden: Rei» sachlicher Kampf, gestellt auf Liebe vom Menschen zum Menschen.
Gitte aufsehstteveesettde Stede des StettdstasSabse- ovdneie« Gvegov Stvassev
Stuttgart, 6. Dez. Der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Gregor Straffer hielt am Freitag abend in einer großen nationalsozialistischen Versammlung in der Stadthalle einte, durch ihre Schärfe aufsehenerregend« Bäte. Nachdem Strasser die Hauptziele der Nationalsozialisten: Kraft, Brot, Arbeit folgendermaßen erläutert hatte: Kraft im Innern zur Abrechnung nach außen, zur Aenderung der alten Verträge, Kraft durch Weckung von Wehrkraft und Wehrgeist; Brot durch Stärkung der Landwirtschaft; Arbeit durch Neuordnung der Wirtschaft, Arbeitsbeschaffung, Umsiedlung von der Stadt zum Land, Eigenheinie, Arbeitsdienstpflicht, sagte er u. a.: Niemand wird gezwungen „Heil Hitler!" zu
rufen, wenn wir tn der Macht sind. Wer aber dann
1,3 Prozent. Eine defon- noch „Heil Moskau!" ruft wird zuammengejchlagen. einem anständigen Vergleich mg haben die Fleisch- Eine Einigung in unftrer Innenpottttt gibt «» mcht. einigen. Die ®(äu«aeT <mü 31,3 Prozent gegenüber Komme uns keiner mit Bürgerkrieg oder'Mitleid. annehmen""
Mit uns hat man nie Mitleid gehabt. Die Knute Severings hat uns stahlhart gemacht, wie wir sein
müssen, um mit ihm abzurechnen.
Dix werden hart fein, uner bitterlich Hark, bru-
täglich neue Nahrung zuführt. In diesem sinnlosen Kampfe fällt die blühend« Jugend, die in beruflicher Kameradschaftlichkeit zusammenwirken könnte, fallen Arbeitslose, in deren herzen das gemeinsame Elend Verständnis füreinander wecken sollte. Die Gewerkschaften der Arbeiter und Angestellten und Beamten verurteilen diesen volkszersetzenden B r u d e r k a m p f und fordern die Regierung auf, Lie ganze Autorität des Staates einzusetzen, um zu erreichen, daß die innenpolitischen Auseinandersetzungen ausschließlich mit geistigen Waffen geführt werden.
Wir wenden uns an alle, die sich in dieser Zeit gewissenloser Demagogie und brutaler Drohungen Verantwortungsbewußtsein, Mut und Besonnenheit bewahrten, und fordern von ihnen, mit uns die Front zu stärken für Recht und Freiheft gegen Terror und Gewalt.
GshÄmeat Dv.Dursbevs übev feie Wirtschaftskrise und ihre Heilung
Berlin, 5. Dez. Geheimrat Dr. Duisberg äußert sich in der Sonntagsausgabe des „Berliner Tageblatts" zur Wirtschaftskrise und den wissenschaftlichen Möglichkeiten ihrer UeberMndung. Er erklärt ausführlich, wie die herrschende Krise zum größten Teil durch politische Maßnahmen hervorgerufen und verschärft worden sei, weshalb sie letzten Endes auch nur von der Seite der Politik her rest- los beseitigt werden könne. Die Lösung der Krise werde ausschlaggebend davon abhängen, ob es wieder gelingt, Ordnung in die Kreditverhältnisse und Handelsbeziehungen der Welt zu bringen. Dafür sei das Vertrauen und der gute Wille die wichtigste Poraussetzung, das Vertrauen des Einzelnen und die Solidität seiner Geschäftsführung, ebenso wie das Pertrauen der Völker untereinander. Nur wenn die Völker stark genug seien, ihre politischen Wünsche und Absichten und Zweckhandlungen der wirtschaftlichen Einsicht unterzuordnen, werde eine Lösung dieser Krise gelingen. Kein noch so kluges Sachverständigenkomitee, so schließt Geheimrat Dr. Duisberg seine Ausführungen, werde sie also lösen, sondern nur eine Konferenz von Männern, die über die politischen Vollmachten ihrer Völker verfügen.
treue SuievvrewS Attlees und R-seubev-S mit ens- lischen pvessevevtvetevn
London, 6. Dez. Mehrere Londoner Sonntagsblätter bringen wiederum in großer Ausmachung Interviews ihrer Berliner Berichterstatter mit Hit. ler, so vor allem „Sunday Graphic". Das von diesem Blatt veröffentlichte Interview ist inzwischen von der Pressestelle der Reichsleitung der NSDAP.
fd, wenn es gilt, mit dem «zwölfjährigen Schmutz" aufzuräumen."
Deutschland
•er Feinde"
Aber wir wissen auch, daß her Appell an die deutsche Ehre stärker ist als der Appell an die Feigheft. Wir weichen keinen Millimeter zurück, denn das wäre der Beweis, daß wir unrecht gehabt hätten. Der nationalsozialistische Reichstaastbgeordnete erklärte, es würde für Frankreich ein Risiko bedeuten, in ein von den Nationalsozialisten regiertes S einzumarschieren. „Die Feinde unserer F sagt« Strasser weiter, „sind unsere Freunde. Dem Völkerbund unseren tiefsten Respekt,aber wir werden uns mehr an Japan ein Beispiel nehmen. Uns wird niemand antasten, und wir werden in Ruhe Len neuen Nationalsozialistischsn Staat aufbauen, wenn die „marxistische Pest" aus
gerottet ist. Dann werden Arbeit und Opfer der alleinige Wertmesser sein über uns alle."
Tribute oder Schulden
Lin Interview Hugenbergs für den „Resto del Larlino".
Berlin, 6. Dez. Dr. Hugenberg gewährte dem Berliner Vertreter des „Resto bei Carlino", Bologna, eine Unterredung, in der er u. a. ausführte:
Italien ist das erste Land gewesen, das die Möglichkeit der Tributverträge und der neu zogemen Grenzen ebenso erkannt hat wie die fahr, die in der Ungleichheit der Rüstungen einzelnen Staaten liegt.
Un- ge- Ge- der
Er
Auch in den anderen Ländern wächst diese kenntnis. Die Welt schuldet dem amerikanischen Historikern Dank dafür, daß sie dazu beigetragen haben, die Lüge von der deutschen Kriegsschuld zu entlarven. Alle unparteiischen Beobachter sind sich darin einig, daß Deutschlamdnocheinem 13- jährigen Pi „ ; * völlig leistungsun, ,.. _________ dem Ausland ungefähr 30 Milliarden in Gold. Auf der anderen Seite verlangen die Franzosen eine Fortsetzung der Tributleistumgen. Eines schließt aber das andere aus. Frankreich fordert den Vorrang der politischen vor den kommerziellen Schuldem. Das Tributsystem und der französische Militarismus sind untrennbar verbunden. Deutschland aber, gerade weil eg seinen kommerziellen Verpflichtungem nachkommen will, soweit es in seinen Kräfte» stèht, muß weitere Tributzahlungen ablehnen.
rozeß der Aussaugung i -f ä h i g ist. Wir schulden
Ls muß mit größter Entschiedenheit ausgesprochen werden: Tribute oder Schulden; Jeder Versuch, Deutschland Zu weiteren Tribulzah- lungen zu zwingen, wird die Hoffnung der deutschen Gläubiger vernichten müssen.
Aber auch wenn wir von Tributen befreit wer- dem, ist das S ch u l d e n p r o b e l m noch schwer genug. Unsere Schulden sind in großem Umfange unproduktive Schulden. Trotz alledem wolle» wir uns über die Rückzahlung dieses Riesenkapitals in
Auch in der Ab rü stungs fra ge begrüßen wir die Erklärung Mussolinis, daß er die Ungleichheit der Rüstungen von Europa als die schwerste Gefahr für den Frieden ansieht.
als in wesentlichen Teilen unzutreffend wiedergegeben bezeichnet worden.
„Sunday Referee" veröffentlicht ein Interview des in London weilenden Beauftragten Hitlers, Rosenberg, in dem dieser wiederum betonte, daß die Nationalsozialisten ihr Ziel durch rein verfassungsmäßige Mittel zu erreichen gedächten. Eine Aenderung der Verfassung von Weimar sei von ihnen nicht beabsichtigt. Rosenberg wandte sich darauf außenpolitischen Fragen zu und betonte zum Schluß, daß die ungeheuren Zahlungen auf Grund des Versailler Vertrages jeden vernünftigen Plan für industrielle Sanierung unmöglich machten.
«teakvevfolgungen in Devisensaüren
Berlin, 5. Dez. Der Reichswirtschaftsminister hat unter Hinweis auf die erweiterten Strafbestimmungen der Verordnung des Reichspräsidenten vom 17. November die Devisenbewirtschaftungsstellen ersucht, jedesmal, wenn es sich, sei es bei Anträgen auf Genehmigung oder bei Erstattung der monatlichen Nachweisungen oder aus sonstigem Anlaß, der begründete Verdacht einer nach der Devisenverordnung und den Durchsührungsoerordnungen straff baren Handlung ergibt, der zuständigen Staatsanwaltschaft Anzeige zu erstatten. Die Devisenbewirtschaftungsstellen sollen in jedem derartigen Fall außerdem prüfen, ob sonstige Maßnahmen, etwa die Entziehung der allgemeinen Genehmigung und die Verweigerung weiterer Einzelgenehmigungen zu ergreifen sind. Außerdem ist den Devisenbewirtschaftungsstellen nahegelegt worden, sich zur Aufklärung zweifelhafter Tatbestände der Einforderung eidesstattlicher Versicherungen zu bedienen.
Vov dem Iusammenivttt des Baftev Gondevausschusses
Basel, 6. Dez. Die Führer der sieben Delegationen des Beratenden Sonderausschusses, der die Zahlungsfähigkeit Deutschlands nachzuprüfen hat, find gestern in Bafel eingetroffen. Der Sonderausschuß hat bekanntlich das Recht, sich durch Zuwahl um weitere vier Mitglieder zu vergrößern. Wie die Schweizerische Depeschenaaentur erfährt, werden in Kreisen der im SonLerausschuß vertretenen Zentralbanken folgende Namen genannt: Dr. E. Bind- schedler, Vizepräsident der Schweizerischen Credit- Anstalt, der holländische Wirtschaftsführer Colijn, Bankier RyLbeck, der in enger Verbindung mit Kreuger und Toll steht, sowie ein jugoslawischer Finanzmann. Diese Vorschläge sind jedoch nicht unbestritten, und es hat darüber im Laufe des ganzen Tages ein lebhafter Meinungsaustausch stattgesunden. Die erste offizielle Sitzung wird am Montag vormittag 10.30 Uhr stattfinden. Ueber die Frage, wer Len Vorsitz führen soll, wird zur Stunde noch verhandelt.
Muss»»«! fite eine Einschränkung der Rüstungen
Wien, 6. Dez. In der „Neuen Freien Presse" äußert sich Ministerpräsident INussolmi über den Besuch Grandis in Washington und dessen Besprechungen mit Hoover. Der Besuch, so erklärt Mussolini, galt der Darlegung des italienischen Standpunktes in der Weltkrise und der Betonung der italienischen Bestrebungen zur Förderung des Friedens und einer wirksamen Abrü^ungspolitik. Diese beiden Hauptprobleme der Zeit erfordern die Zusammenarbeit aller Staatsmänner. Die von Amerika geforderte Einschränkung der Rüstungen ist die wichtig"? Voraussetzung des infe^auonalen Wiederaufbaues. Italien betrachtet daher auch sie Abrüstung als erste Voraussetzung für künftige Verhandlungen. Es ist bereit, das Rüstungsfeierjahr zu verlängern. Die Unzufriedenheit mit der europäischen Lage ist mannigfaltiger Natur. Der Vertrag von Versailles, mit dem Europa beschwert ist, verlegt jedem Fortschritt den Wen: aber ehe wir an die Erörterung dieser Schwierigkeiten gehen, müssen wir unser Bemühen darauf konzentrieren, einen praktischen Plan zur Verminderung der Militärausgaben zu finden, die an den Energien fast aller Völker zehren.
Die engllsch-feanzösische LoMonivovevss
Paris, 5. Dez. Wie Havas berichtet, hat die englische Regierung in ihrer Antwort auf die französische Anregung betreffend die Aufnahme von französisch-englischen ZollverhandlMgen zwar sich grundsätzlich mit der Aufnahme freundschaftlicher Verhandlungen einverstanden erklärt, jedoch hervorgehoben, daß solche Verhandlungen verfrüht erscheinen, da gegenwärtig eine Aenderung an dem neu eingesührten englischen Zolltarif nicht im Bereich der Möglichkeit liege. Die französische und die englische Regierung hätten daher erkannt, daß es unter diesen Umständen besser sei, den Augenblick abzuwarlen, in dem zweckmäßigerweise Verhandlungen ausgenommen werden könnten. Daher fei beschlossen worden, die Abreise der französischen Delegation, die anfänglich auf Montag vorgesehen gewesen sei, vorläufig zu verschieben. '
Im übrigen vreösfentlicht die Agentur Havas Erklärungen des französischen Handelsministers Rollin. Dieser betont, daß die französische Kompensationstaxe sich nicht gegen England allein richt«, sondern berechtigt sei und gegen alle Länder mit entwerteter Währung zur Anwendung komme.
Die Ä'ZsVs- und K^kniev- bttebettenvevftchevuus ht dev Schweiz abselehttt
Bern, 6. Dez. Durch die schweizerische Volksabstimmung wurde heute bei großer Beteiligung die Einführung einer allgemeinen und gleichen Altersund Hinterbliebenenversicherung mit rund - zwei Dritteln Stimmen Mehrheit verworfen. Für das Bundesgesetz agitierten die Sozialdemokraten, die Freisinigen und die Bauernpartei; dagegen waren
Pläne zur Steigerung des Silberpreises
$pofane (Washington), 6. Dez. Der Präsident: j der amerikanischen Handelskammer gibt Kenntnis ,^ davon, daß von der amerikanischen Handelskammer: Pläne über eine Vereinbarung zwischen den am erb : konischen Silberproduzenten und der indischen Regierung ausgearbeitet worden seien, die sich auf die Exportverkäufe beziehen und bezwecken sollen, den Silberpreis zu erhöhen. Diese Pläne werden der am 1. März in Paris tagenden Konferenz der Internationalen Handelskammer vorgelegt werden.
Der deutsche Vertreter im Sonderausschuß der BIZ., Dr. Melchior, ist zusammen mit der deutschen Abordnung in Basel eingetroffen. Der Sonderausschuß tritt bekanntlich am Montag zusammen.
Letzte Leteseamme
Dovvelvaubmovd wese« sw «ravk
Eppenfelden (Niederbayern), T. Vez. Während des gestrigen Gottesdienstes wurde in Oberbusch in der Gemeinde Thausdorf in dem abseits gelegenen, von Wald umgebenen Anwesen des Krämers Frey eine schreckliche Mordtat verübt. bet die 24jährige Tochter Babette Frey und ihr 3^« jährigeg Nichtchen zum Opfer fiel. Die Leiche der Babette Frey war entsetzlich zugerichtel. Auch die Leiche des Kindes, das vermutlich beim Spielen >a bereiche von dem Täter überrascht worden war, wiesftnehrere Messerstiche auf. Die ganze Beute des Täters betrug etwa 20—30 RM, die ër au, der Ladenkasse raubte. Von dem Täter fehlt big jetzt noch jede Spur.
Standrecht Über Rankkng
Washington, 7. Dez. Aus Nanking wird gemeldet, gestern ist hier das Standrecht verhängt worden, nachdem Tausende von Studenten In lärmenden Kundgebungen den Krieg gegen Japan gefordert hatten. Truppen wurden aufgeboten, um der Kundgebung Einhalt zu tun. Der Präsident der Zentral-Universität Tschu-Kai-Hua ist zurückgetreten, nachdem Mitglieder der Universität von Studenten angegriffen worden seien, weil sie nicht auch der Ansicht waren, daß die einzige Lösung des Mandschurei-Konfliktes die Kriegserklärung an Japan sei. Bei der Wiederherstellung der Ordnung sollen Polizisten verletzt worden sein.
Derhauviltttts Über feie ein* gefrorenen Äeefeiie
Paris, 7. Dez. Mehrere Bankiers, die auf dem Weg« nach Berlin zur Teilnahme an den Ver- Handlungen über die eingeforenen Kredite Pari» passierten, traten heute zu ersten gemeinsamen Füh- lungsnahmen zusammen. Es handelte sich nm den Präsidenten der Thax-Bank, dem englischen Finanzier Tearts und dem Generaldirektor der Banc Frmipais d'accepkatlon Velay, die zusammen in» Laufe des Nachmittags die Weiterreise nach Berlin angetreten haben.