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fette 10

Samstag, den 5. Dezember 1931

Nr. 28»

Bücher unter dem Weihnachtsbaum

Die Wahl der Geschenke die wir unter den Christbaum legen wollen, wird in diesem Jahr mehr denn je zur Qual. Gilt es doch überall sich einzu­schränken und sich zu bescheiden —. Früher kaufte morn wahllos darauf los, vielleicht auch Dinge, die der Beschenkte gar nicht gebrauchen konnte, oder Luxusartikel u. Spielereien, die nur für Augenblicke Freude bereiteten. Jetzt in der Notzeit herrscht das praktische Geschenk vor, nichts Unnützes unter den Christbaum, das ist die Parole für das Weihnachts- feft 1932. Diese Parole ist gut, aber wenn man von nützlichen Dingen spricht, darf man nicht nur an solche denken, die unserm Körper zugute kommen, sondern muß sich auch der Bücher erinnern, sie ge­hören genau so zu dem Nützlichen und Praktischen wie alle. die anderen Dinge, die wir anziehen. Gerade in schweren Zeiten müssen wir uns auf den Schatz besinnen, den wir unser Eigentum nennen und den uns keiner wegnehmen kann: unser Schrift­tum. Auf jeden Gabentisch gehört deshalb das Buch. Groß ist die Zahl der Neuerscheinungen und auch für alle Interessen ist gesorgt. Hier mögen nun ein paar gute Bücher, die sich als Geschenke eignen, be­sprochen werden.

Biographien

Giacomo Puccini, Das Leben — Der Mensch —. Das Werk — von Richard Specht, Groß 80, 230 Seiten und 28 Bilder auf Kunstdruckpapier. Max Hesses Verlag, Berlin-Schöneberg. Man bapf sagen: dies Werk von Richard Specht, dem wir die liebevollsten Würdigungen von Richard Strauß und Johannes Brahms, das „Bildnis Beethovens" ver­danken, ist die erste große und umfassende. Wür­digung der menschlichen und künstlerischen Persön­lichkeit Giacomo Puccinis. So seltsam es klingen mag, der Mensch Puccini ist zu seinen Lebzeiten hinter seiner ungeheuren, internationalen Populari­tät im Dunkeln geblieben; und der Musiker Puccini ist den Historiographen der Oper niemals als ein würdiges Objekt erschienen: seine Erfolge waren ihnen zu groß und zu verdächtig. Das Buch Spechts erhellt dieses Dunkel, rückt diese Ungerechtigkeit gerade. Es schildert aus intimster, familiärer Kennt­nis Puccinis Lebenslauf, von den bescheidenen An­fängen zum ersten großen Erfolg, der „Boheme", zum triumphalen Aufstieg der Weltgeltung, bis zum qualvollen Tod. Aus feinstem psychologischen Spür­sinn, aus tausend Zügen ersteht ein liebenswerter Mensch mit all seinem Widerspruch, inmitten der Familie, den Freunden und Feinden, der Welt. Darüber hinaus ist das Buch eine glänzende lite­rarische Leistung: spannend wie ein Roman, von dem man nach der Lektüre der ersten Seste bis zum letzten Worte nicht mehr los kommt.

Max Eykh, Ingenieur, Landwirt, Dichter, von Lilidu Bois-Reymond. In HalbledLrgebun­den RM 3.50. Volksverband der Bücherfreunde, Wegweiser-Verlag G. m. b. H., Berlin-Eharlotten- burg 2. Dieser von idealer Auffassung seines Be­rufes getragene Poet und Pionier der Technik, der arbeitsfrohe und nachdenkliche Mensch, hat in Lili J eine Mographin gesunöe.n, M i das feinste Verständnis für feine Persönlichkeit be- j sitzt. Die Verfasserin hat ihren schriftstellerischen Ruf

durch wertvolle Romane und Erzählungen gefestigt. Sie gehört einer berühmten Gelehrtenfamilie an, deren Tradition ste besonders befähigt, das Leben und Wirken dieses Dichteringenieurs darzustellen. Ihre mit reichem Jllustrationsmaterial ausgestattete Biographie ist ein höchst interessantes Kulturbild und verdient weit über die Fachkreise hinaus Be­achtung.

Edison, sein Leben und Erfinden von Ernst Angel. In Halbleder gebunden RM 3.30. Volks­verband der Bücherfreunde, Wegweiser-Verlag G. m. b. H., Berlin-Charlottenburg 2. Die Eroberung Europas durch Amerika hat mit Thomas Alva Edi­son begonnen. Der Name dieses Mannes, der den Telegraphen verbesserte, das Telephon gebrauchs­fähig machte, den Phonographen, den Kinemato­graphen, die elektrische Glühlampe erfand, der die Elektroindustrie begründete, das erste Filmatelier, die erste Zentralstation errichtete — verkörpert in uns den Begriff Amerika. Edisons Leben und die Geschichte seiner Erfindungen ist • hier nicht von einem Techniker, sondern von einem Künstler ge­staltet. Das im wesentlichen in der Ichform geschrie­bene Buch liest sich wie ein atemspannender Roman, von dessen Schauplatz sich das Leben eines der größ­ten Erfinder des 20. Jahrhunderts in seinen ent­gegengesetzten Variationen, seinen Kämpfen, seinen Erfolgen und Mißerfolgen als plastisches Monumen­talgebäude abhebt.

Romane und GvrLhlmtse«

Die Mietskaserne Roman junger Menschen, von Ernst Erich Noth, Societäts-Verlag Frank­furt a. M. Dn Mietskaserne, diese zwangsweise Zusammensperrung, ist fast ein Sinnbild unserer Zeit. Einer Zeit, in der die Menschen der Großstadt einen fast vergeblichen Kampf gegen die Unentrinn- barkeit ihres Schicksals führen. Die Mietskaserne ist die Welt dieses Buches, diese grausame, von Klatsch, Verleumdung, Haß und Lebensgier vergiftete Welt. In ihr wächst eine Jugend in Kriegs-, Revolutions­und Jnflationsjahren heran, die heute Fabriken unb Universitäten. Kontore und Stempelstellen füllt. Tüchtigkeit und Begabung reißen Albert Krause dennoch hinauf. Mit einigen anderen wird er nach dem Novemberumsturz unter dem Motto ,,Freie Bahn dem Tüchtigen!" aus der Mietskaserne in die höhere Schule geholt. Er und die anderen wissen mit der höheren Schulbildung, die ihnen aufge- pfropft werden soll, nur allzuwenig anzufangen. Die Begegnung mit einer sozial besser gestellten Schicht wirkt zunächst nur verwirrend und korrum­pierend. Sie entfremdet der häuslichen Mietskaserne, ohne den meisten neue Wege zu zeigen. Der Aufstieg wird für den einzelnen eine Quelle neuer Konflikte. Drei Jungens aus Mietskasernen gehen durch Schul­nöte, Pubertätsschwierigkeiten, qualvolles Ringen um materielles und ideelles Weiterkommen heroisch den dornigen Weg des Aufstiegs zwischen Eltern­haus und Schule, wobei einer von ihnen auf der Hindernisumstellten dunklen Strecke bleibt.

Franke Verlag, Berlin. Esti^Buch^ von Ludwig Ganghofer zu lesen hat immer hohen Reiz. Wer ver­

mag die Natur des deutschen Hochgebirges und ihrer Bewohner besser und spannender zu schildern? Seine Bauern und Jäger lieben den Boden ihrer Heimat, gerade und aufrecht gehen sie durchs. Leben, natur­verbunden ist ihr Denken; noch ihr Wort atmet den kräftigen Duft des Enzians. In ihre Seele läßt uns der Dichter blicken, und die geheimnisvollen Wun­der der Natur erschließt er uns mit gleicher Meister­schaft.

SevsMedenes

Das Buch der fernen Well. Asien — Afrika — Australien — Amerika. 296 ganzseitige Bilder in Kupfertiefdruck nebst Erläuterungen. Einführung von Colin Roß. Paul Franke Verlag Berlin. „Eine prachtvolle, mannigfaltige Zusammenstellung von Bildern, die uvns eine, wenn auch naturgemäß begrenzte, so doch immerhin weitreichende Vor­stellung von Art und Großartigkeit überseeischer Natur und überseeischer Baukunst vermittelt."

Das ist das für ein Mensch! Das Rätsel Matuschka, seine Verbrechen und sein Doppelleben. Ein neues Berndorff-Buch. Verlag Dieck & Co., Stuttgart. Preis RM 3.—. Was ging in der Seele dieses Menschen vor? Die Klärung einer so ungeheuerlichen Tat liegt im Interesse der Allge­meinheit. H. R. Berndorff — bekannt durch sein Buch „Spionage", hat uns die Tragödie eines äußerst seltsamen Lebens so wirklichkeitswahr und mit stärkstem Erzählertemperament hingestellt, daß jeder erschüttert und mitgerissen ist. Matuschka der Eisenbahn-Attentäter! Seine Verbrechen haben in der Zeitgeschichte nicht ihresgleichen. Aus welchen Motiven raste er durch die Länder und versetzte durch seine Anschläge auf menschenreiche Expreß­züge die ganze Welt in Schrecken? Was ist wahr an den widersprechendsten Legenden, die sich um die­sen Wehrwolf bildeten und immer noch bilden? Was ist das überhaupt für ein Mensch, der derartiges tut? Wo kommt er her, wie hat er bisher gelebt, wie sieht es in der Seele eines solchen Menschen aus? Berndorff klärt die Widersprüche. Er sprach die Kriminalisten, er sah die Attentatsorte — er kam zu den bäuerlichen Eltern im fernen Csantaver, die nur von ihrem „Silvi", dem Stolz und dem „größten Kind" Csantavers sprachen. Er war bei den Verhandlungen, er sah die Akten — mit einem Wort, er berichtet die Tatsachen über Matuschka, den Attentäter, und Matuschka, den Menschen. Der ungarische Journalist Turcsanyi hat ihm bei der Beschaffung des Materials geholfen.

Das Buch der guten Werke. Herausgegeben von Bernhard Diebold. Societäts-Verlag, Frankfurt a. M. Einhundertsechsundsechzig Geschich­ten aus dem großen Kriege — von den guten Taten, die von Feind zu Feind geschehen sind. Franzosen danken Deutschen, Deutsche danken Engländern. Russen, Amerikanern, Negern u. a. wird Hilse und Kameradschaft bezeugt vom ehemaligen Feinde. Ein Buch der ergreifendsten Begegnungen im Niemands-

Ein Buch der privaten Waffenstillstände im Krieg. Ein Buch der Kriegsmütter, Kriegsbrüder und der

guten Krieger. Ein Sammelwerk aus allen Ständest und Lagern. Ein deutsches Volksbuch der Ver­söhnung.

Kalender

Alpines. Daß das Erleben der Schönheit und des Wunderbaren der Berge in ihrer Ursprünglich­keit trotz allem auch in unserer überheblichen, seelen­losen Maschinenzeit noch möglich ist, das beweist wiederum der alljährlich von zahlreichen Berg- und Naturfreunden mit Spannung erwartete Blodig'sche Alpenkalender mit seinem nunmehr erschienenen 7. Jahrgang 1932. (Verlag des Blodig'schen Alpen­kalenders Paul Müller, München 2 NW 8, Preis RM 3.20). Er kann als alpines Kunstwerk ange­sprochen werden, dessen 16 Kunstbeilagen, allein einen beträchtlichen Teil des an sich schon billigen Preises wert sind. Was hier mit dem leblosen Glas­auge der Kamera mit viel Liebe, Geduld und tech­nischem Können, was der Künstler mit dem leben­digen Auge und mit beseelten Händen der Bergwelt abgelauscht hat, verdient alle Anerkennung.

5326 Menschenleben sind seit Begründung bet Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger durch deren Küstenrektungsdienst dem Meere ent­rissen worden. So lesen wir in dem neuen Jahrgang 1932 des in aller Welt bekannten .Köhlerschen Illustrierten Flotten-Kalenders" (Wilhelm Köhler Verlag, Minden i. W), der in altgewohnter Reich­haltigkeit des Inhalts und in einer, wenn möglich, wiederum verbesserten Ausstattung soeben erschie­nen ist. Auch heute, wo Technik und größtmögliche Sicherheit die Schiffahrt beherrschen, hat die See­fahrt den Anstrich des Abenteuerlichen und Roman­tischen nicht verloren. So erklärt es sich, daß Span­nung das Kennzeichen aller der prächtigen See-Er­zählungen bildet, die der neue Jahrgang des Köhler- schen Flotten-Kalenders, von KünftlerhanÄ illustriert, in reicher Fülle bietet.

Verminderung der Erwerbslosigkeit! Einen sehr beachtenswerten Beitrag zu dem brennendsten Prob­lem unserer Zeit, der Ärbeitslosenfrage, gibt Dr. F. Kühner, Eisenach, im Leitartikel des soeben erschie­nenen Köhlerschon illustrierten Kolonial-Kalenders für 1932 (Wilhelm Köhler Verlag, Minden i. W ). Dis Vorschläge Dr. Kühners für zielbewußte koloniale Siedlungspolitik stellen eine praktisch durchführbare Ergänzung der jüngsten Siedlungs- vläne des Reichsfinanzministers dar und sind inso­fern ganz besonders aktuell. Zeigt schon die Er­wähnung dieses interessanten Beitrags, daß der Köhlersche Kolonial-KalenÄer, der bereits seit Jahrs zehnten für den kolonialen Gedanken eintritt, nicht bei unfruchtbarem Beklagen des Verlorenen stehen bleibt, sondern wirklich Wertvolles und Zeitgemäßes zu sagen hat, so schildern andere Beiträge die heu­tigen Verhältnisse in unseren ehemaligen Kolonien aus berufener Feder, berichtet ein Urwaldstedler aus dem innersten argentinischen Cbaco über seine mühevolle koloniale Pionierarbeit, plaudert Balder Old-m über das Leben des innrem Handlungsgehilfen in Heu Tropen, .linden sichinteresiarste, Tabellen, und Kartenskizzen.

Weiter« Besprechungen folgest.

3^ 6P<Mf4#M(HWVkWk |wl 'M) WiHft!

Nur die Zahlen sprechen lassen — heißt heute die Parole. Bei den Zahlen gibt es kein Drehen und Deuteln mehr: Was im Portemonnaie drin ist oder nicht drin ist, das zeigt messerscharf, ob man richtig gewirtschaftet hat.

Lassen Sie also die Dinge nicht mehr so einfach weiterlaüfen I Kommen Sie zu Tietz, und wir werden Ihnen schwarz auf weiß beweisen, wieviel besser Sie mit Ihrem Weihnachtsgeld auskommen, wenn Sie alle Waren bei uns kaufen,

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Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die im Grundbuch

1. von Erbstadt, Band XI, Blatt 378,

2. von Oberissigheim, Band 10, Blatt 440, eingetragenen, nachstehend beschriebenen Grund­stücke am 29. Januar 1932, vormittags 10 Uhr, an der Gerichtsstelle, Zimmer Nr. 1, versteigert werden:

a) Blatt 378, Erbstadt!

Gemarkung Erbstadt:

Lfd. Nr. 1: Ktbl. 4, Parz. 146, Grundsteuer­mutterrolle Nr- 69, Gebäudesteuerrolle Nr- 49 a, b, o, bebauter Hofraum, die Unter« gaffe, Haus Nr. 49, 2,50 Ar groß, Gebäude- steuernutzungswert 60 Mk.

b) Blatt 440, Oberissigheim: Gemarkung Oberissigheim:

Lfd. Nr. 1: Ktbl. 7, Parz. 283/9, Acker, hinter der Nachtweide, 15,25 Ar gr-, Grundsteuer­mutterrolle Nr. 304, Grundsteuerreinertrag 2,15 Tlr.

Der Versteigerungsvermerk ist am 28. Juli 1930 bzw. 22. Juni 1931 in das Grundbuch eingetragen.

Als Eigentümer waren damals eingetragen: A) bezügl. Blatt 378, Erbstadt: Landwirt Phi­lipp Lösch II. in Erbstadt,

^) bezügl. Blatt 440, Oberissigheim: die Ehe­frau des Landwirts Philipp Lösch, Elisa­beth, geb. Henkel, in Erbstadt.

Windecken den 14. November 1931.

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