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Samstag, des 5. Dezember 1931
Nr. 289
Inm SteUenabbatt an bet Volksschule
Dom Presseausschuß des Kreislehrervereins Hanau-Land wird uns geschrieben:
Als die ersten für den Abbau von Schulstellen an den Volsschulen unseres Regierungsbezirks maßgebenden Zahlen „416+2" bekannt gegeben wurden, war erfreulicher Weise fast allgemein ein „Un» Möglich" zu hören. In Versammlungen interessierter Kreise bekundeten die Teilnehmer in nicht miß- Kuverstehender Weise ihre Entrüstung. Auch die maßgebenden Regierungsstellen stellten die Unmög« tichkeit des Abbaues von Schulstellen in geforderter Höhe fest. Eine eingehende Nachprüfung der für die Errechnung gegebenen Grundlagen hatte denn auch eine erfreuliche Herabsetzung der Abbauzahl zur Folge. Immerhin sind damit die Gefahren, welche durch den bereits begonnenen Abbau unsere Volksschule bedrohen, noch unübersehbar groß so daß es wichtig genug erscheint, die ganze Art des Abbaues noch einmal kurz zu beleuchten. TatsächlH findet in vielen Gemeinden ein Abbau von zwei verschiedenen Seiten aus statt. Selbstredend hat der Staat, um die unbedingt notwendige Entlastung der Staats«
irreben:
kaffe zu erzielen, nur ein Interesse an dem Abbau von Normalstellen. Es werden also von dieser Seite aus 7200 Normalstem abgebaut. Die auf die ein» zeln«n Kreise entfallenden Abbauzahlen sind mittler« weile bekannt geworden. Die damit notwendigerweise verbundenen Entlastungen und Versetzungen werden in Kürze in die Wege geleitet. Obwohl diese Maßnahmen für die Betroffenen eine verständliche Härte bedeuten, so kann im ganzen gesagt werden, daß der Umfang dieses Abbaues, wenn er den je« welligen Schulverhältniffen entsprechend durchge- führt wird, in Anbetracht der bestehenden wirtschaftlichen Verhältnisse erträglich erscheint. Sie werden aber für die betroffenen Schulen zur Katastrophe, wenn an ihnen gleichzeitig der Abbau durch die Gemeinden einsetzt. In vielen Gemeinden bestehen z. Zt. noch die vielfach bekämpften Mehrstellen. Für ihre Ermittlung ist der 1. Februar als Stichtag festgesetzt. Alle Stellen, für die an diesem Tage nicht eine Durchschnittszahl von 60 Kindern vorhanden ist, gelten als Mehrstellen. Die durch diese Mehrstellen entstehenden Kosten sind von der Gemeinde allein zu tragen. Die am 1. Februar errechnete Mehrstellenzahl gilt vom folgenden April ab für ein ganzes Jahr. Nach der mit dem Beginn des neuen Schuljahrs erfolgten Neuaufnahme ändert sich die Schülerzahl in den meisten Schulen wesentlich, weil die Zahl der Schulneulinge diejenige der Abgänge seit Jahren immer bedeutend überstieg, so daß also die auf Grund jener Errechnung gültigen Mehrstellen in Wirklichkett gar nicht mehr vorhanden sind. Trotzdem muß die bildungsfreundliche Gemeinde die Kosten für alle Mehrstellen aufbringen. So kann der Fall eintreten, daß eine Gemeinde z. B. für 4 Mehrstellen zu zahlen hat, obwohl tat» sächlich, gemessen an der Kinderzahl, nur zwei vorhanden sind. Die Notlage der Gemeinden und sonst erzeugter Druck zwingen dieselben, mm auch ihrerseits dm Abbau der Mehrstellen zu betreiben. Wenn nun in einer Gemeinde, .die mit dem Wbau zweier Normalstellm bedacht ist, gleichzeitig auch die Mehrstellen zum Verschwinden gebracht werden, was nach der Notverordnung sehr wohl möglich ist, so kämen auf einmal 6 Teilen für den Abbau in Frage. Ge-
sehr wohl bekannt. Die Folgen, die ein solcher Abbau zeitigen wird, sind überhaupt nicht abzusehen. Gewiß muß für alle Maßnahmen der Bestand des Staates richtunggebende Linie fein, aber die Auswirkungen des geschilderten Abbaues werden so verheerend sein, daß die Richtigkeit des Beginnens ganz entschieden verneint werden muß. Wenn man beim Saatgut abbaut und den Acker schlechter be-
AeebK-Vollverlarnntlung bet Handwerkskammer
In Gegenwart zahlreicher Vertreter der Staats-, Reichs- und Kommunalbehörden, verschiedener Kör- perschaften und zahlreicher Handwerksmeister hielt die Handwerkskainmer für Kurheffen und Waldeck am Freitag im Stadtverordneten-Sitzungssoale ihre Herbst-Vollversammlung in Kassel ab, die dadurch bedeutungsvoll wurde, daß der Geschäftsführer des Reichsoerbandes des Deutschen Handwerks, Dr. Meusch-Hannover in seinem Vortrage „Beruss- gebante und Berufsstondspolitik" die Gedanken entwickelte, die einer Erneuerung der Wirtschafts, form im Handwerk vorausgehen und Gemeingut aller Mittelstandskreise werden müßten. Dazu fei erforderlich, daß der Aufbau des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens von einer neuen, einigenden Idee und Gesinnung getragen merbe. Die Berufsstandsidee, wie sie vom Handwerk seit langer Zeit vertreten wird, ist aufbauend und einigen- zugleich. Sie will die Gliederung des Wirtschaftsorganismus nach den geschichtlich gewordenen Berufsgruppen unter Aufrechterhaltung der freien Einzelwirtschaft, aber unter Einordnung in den G eine inschaftszusammen hang, der ihr die Grenze weist. Die Idee ist geeignet, für die WiederaufrichtungethischerZiele über der Wirtschaft, Herstellung einer verantwortungs- bewußten Berufsstandswirtschaft und ihren organischen Einbau in eine wahre Volksgemeinschaft, pflichtmäßig« Beteiligung aller Breussstondsgenos- en an den gemeinsamen Aufgaben, aufbauende Zu- ammenarbeit aller Schichten innerhalb der Berufs- tände zum Gesamtwohl lebendig zu wirken und das gesamte Handwerk auf den Wert und die Notwendigkeit einer unabhängigen Berufsstands. Organisation hinzuweisen. Schneidermeister Gil- b e r t - H a n a u wandte sich in scharfen Ausführun- gen gegen die Bestrebungen, das uralte Jnnungs- strafrecht den Innungen nehmen zu wollen: schor» diese Androhung habe das Handwerk geschädigt, indem völlig unberechtigt der Verdacht erweckt worden sei, als sträubten sich die Innungen gegen einen Preisabbau. In einer Entschließung wurde ein umfangreicher Aufgaben- und Auisgabenabbau in der gesamten öffentlichen Hand, insbesondere Abbau der Regiebetriebe, gefordert, ferner die
Senkung der Tarife der Reichsbahn, der Reichspost und aller gemeiMichrr Versorgungsbetriebe, schließlich aller Steuern und der Soziailasten. Die Kapitaloermittlung müsse neu geregelt und der Zinsfuß ermäßigt werden. Die Kartell- aefetzgebung müsse gleichfalls neu geregelt und die Zollpolitik umgestaltet werden. Die Bindungen des Arbeitsmarktes sind aufzulockern, alle Lasten der Zwangswirtschaft müssen beseitigt, insbesondere die Verordnungen über die Zuschläge bei Steuerrück, ständen, well der gewerbliche Mittelstand infolge der Wirtschaftslage nicht zahlen kann.
Der Antrag der Handwerker-Vereinigung in Witzenhausen auf Verleihung der Rechte zur Führung der Lehrlingsrolle ân Handwerkervereine wurde aus grundsätzlichen Gründen abgelehnt. Es wurde beschlossen, daß Lehrlinge über 18 Jahre die Berufsschulen besuchen müssen, jedoch nur an dem fachlichen Unterricht töllzunehmen brauchen. Nach längerer Aussprache wurde einem Anträge des Landesverbandes für das Schneider, gewerbe in Hessen-Nassau in Frankfurt am Main stattgegeben, wonach die Gehilfinnen im Damenschneiderhandwerk mindestens 5 Jahre als Gehilfinnen gearbeitet haben müssen, ehe sie zur Msffterinnenprüfung zugelassen werden dürfen. Die Dergüntungssätze für Lehrlinge und Lehrmädchen wurden um ein volles Drittel herabgesetzt, sie be- tragen jetzt 2 RM, im ersten, 3 RM im zweiten, 4.50 RM im dritten Lehrjahr, 6 RM für das erste und 8 RM für das letzte Halbjahr des vierten und letzten Lehrjahres, Mes für die Woche. Die Mei- sterprüfungsgebühren wurden einheitlich um 10 RM erhöht, dafür fällt in Zukunft die Schwumeister- gebühr als Sondergebühr fort, Es wurde beschlossen, Gründungen von Iwa ngsinnungen für das Kraftfabrzeug- und Motorrad-Reparaturgewerbe -grundsätzlich zuzulassen, weil sich hierfür eine Notwendigkeit ergeben habe. Der Haushaltplan für 1931 '32, der in Einnahme und Ausgabe mit 234 278 RM (im Vorjahr 220111 RM) abschließt, wurde nach längerer Erörterung angenommen und bamit die Vollversammlung geschlossen. dl.
stellt, so kann nur eine dürftige Ernte die Folge sein. Zudem gilt es zu bedenken, daß wir in unserem Kreise Gemeinden haben, die ohne den fraglichen Abbau bereits Klassenstärken von 68 ja 85 Kindern aufzuweisen haben. Schon bei diesen Verhältnissen wird die gerade in der Volksschule notwendige Erziehungsarbeit von vornherein zur Unfruchtbarkeit verurteilt. Man denke sich in unseren Tagen, wo für Tausende von Kindern das Elternhaus nur noch die elementarsten Bedürfnisse befriedigen kann, Grundschulklassen mit 60, 65 und mehr lebhaften, zappelnden und fordernden Kindern, man stelle sich das bis zur drangvollen Enge besetzte Klassenzimmer vor! Und trotzdem noch ein weiterer Abbau?! Wenn
aus jeden Fall bis zum 1. April bestehen bleiben, so tritt für den Augenblick auch keine nennenswerte Ersparnis ein. Es fei daher zusammenfassend gesagt, daß der umfangreiche Abbau Verhältnisse schafft, die selbst bei restlosem Einsatz der physischen und seelischen Kräfte der Lehrerschaft nicht zu meistern sind.
„Ein Volk, da» seine Zukunft will, Hebt feine Ä i n È e r '. 1.
Die Lage bet Landwirtschaft
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vor 50 Jahren üblich waren, immerhin ganz gute Ergebnisse erzielt worden seien, so gilt es doch zu bedenken. daß unser gesamtes Schülermaterial in gesundheitlicher Beziehung jenem zum großen Teile überhaupt nicht vergleichbar ist. Durch die notwendigen Zusammenlegungen der Klassen werden in nicht seltenen Fällen kostspielige Umbauten sich als notwendig erweisen. Da die festgesetzten Mehrstellen
NN
Von Heinrich Bernges III., Langendiebach
Es wird heute über die allgemeine schlechte Lage der Landwirtschaft soviel geredet und geschrieben, daß es sich fast erübrigt, sich noch weiter damit zu beschäftigen, ich halte es aber für angebracht, im besonderen auch die bäuerlichen Verhältnisse unseres engeren Bezirks einmal näher
zu betrachten, da man immerhin noch viel Unkenntnis der tatsächlichen Lage oder auch Verständ- nislosigkeit antreffen kann. Immer wieder hört man die Behauptung, daß dem Bauern vor den Torm der Großstadt Frankfurt a. M. bessere Lebensbedingungen gegeben seien, und er auch bessere Absatzmöglichkeiten hätte, als das sogenannte Hinterland. Diese Behauptung findet ihre Widerlegung schon darin, daß heute im Zeitalter des Lastautoschnellverkehrs Entfernungen von 100 und mehr Kilometer keine ausschlaggebende Rolle mehr spielen und Transportkosten sich nur minimal auswirken.
Wir Bauern im hiesigen Bezirk haben uns In rechter Erkennung der gegebenen Verhältnisse wie auch notgedrungen auf die Veredelungswirtschast umgestellt. Beredelungswirtschaft treiben, heißt Umwandlung der Urprodukte in menschliche Nah. rungs« und Genußmittel, als da sind: Fleisch, Milch, Butter usw. Bis zum Frühjahr ds. Js. war diese Einstellung wohl die gegebene, oder besser gesagt, wenn auch nicht sehr rentabel, so doch nicht verlustbringend. Das hat sich mit einem Schlage geändert. Die Erzeugerpreise für Rindvieh und Schweine, Milch, Butter, Gemüse und Obst sanken derart, daß sie sich weit unter den Friedenspreisen bewegen. Der Zusammenbruch der Veredelungs- Wirtschaft ist Tatsache geworden, denn wer kann für die Preise, die allwöchentlich aus den Marktberichten zu ersehen sind, noch Vieh und Schweine mästen, wer kann für 11 Pfg. das Liter Milch produzieren usw. Der Bauer ist ja in dieser Hinsicht, wie man zu sagen pflegt, Kummer gewöhnt, aber nicht nur keine Entlohnung für die aufgewandte harte Arbeit, nein selbst die gemachten Aufwendungen fließen nicht mehr an chn in voller Höhe zurück. Wie sieht es nun auf der Gegenseite, der Ausgabenseite aus? Das landwirtschaftliche Dienstpersonal erhält heute die doppelte Höhe des Barlohnes der Vorkriegszeit, Sozialversicherungen, die der Bauer in allen Fällen ganz übernehmen muß, betragen das Fünf- bis sechsfache, Handwerkerrechnungen und Bedarfsgegenstände immer noch das doppelte der sogenannten Friedenspreise, von den übrigen Produktionsmitteln wie Kunstdünger und Steuern gar nicht zu reden.
Die schleichende Krise hat sich zu einer Katastrophe umgewandelt, wie sie selbst der größte Pessimist nicht vorgeahnt hat. Gerade jetzt machen in diesem wirtschaftlichen Niederbruch sich die Ernteschäden bemerkbar. Der bäuerlichen Bevölkerung unseres Kreises verursachten diese einen ganz vorsichtig errechneten Schaden von 1^ Millionen RM. Diese Summe ist dem Betriebskapital entzogen, das sowieso schon auf einen Bruchteil des notwendigsten herabgéfunfen, sofern man von dessen Vorhandensein überhaupt noch reden kann,
Es dürfte jedem Eingeweihten und auch jebem Einsichtigen klar sein, daß der Bauer heute von der Substanz leben oder besser gesagt Schulden machen muß, und die Zeit ist da, wo auch der best- geleitetste Betrieb in die unaufhaltsame Röckwärts- bewegung mit hineingerissen ist. Die AllsMken auf die Zukunft dürften noch ungünstiger fein, denn das kommende Frühjahr erfordert Neuanschaffung von Saatgut, insbesondere Kartoffeln und . Hafer und bringt außerordentlich knappe Stroh- und Futterverhältnisse, so daß ein Durchhalten desi betriebsnotwendigen Rindvieh- und Schweine- Inventars unsere größte Sorge werden wirb.. Es
bei solchen Zuständen und Aussichtenoen MS« nicht verlieren soll. Kaufmännisch gerechnet wär« J es dringend notwendig, bei einer solch völligen« Unrentabilität, genauer gesagt — Schuldenwirt' | schaft — nach dem Beispiel der Industrie den Be- ’ trieb still zu legen, eine Ansicht, die auch in bäuerlichen Kreisen heute stark vertreten wird. Aber ist dies möglich? Ich behaupte „nein", denn der
Ja, verehrte Leser, das Haus stellt, das bedeutet aber nicht, im Gegenteil, Ihre Einkäufe sollen trotz
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