Sette 4
Samstag, bett 5. Dezember 1931
Advent
Geheimes schleiert durch nächtige Lust, Wie Kerzenglanz und Tannemmft. Ein Abendläuten singt daher, So ahnungsveich, verheißungsschwer.
Aus dem tiefen Grab der Vergangenheit Erhebt sich der alten Väter Zeit--
Das Volk des Herrn in Aegypterland, Feurige Schlangen, Wüstenbrand, Das Volk des Herrn in Babylons Joch, An den Wassern weinend, gebeugt, und doch, Und dennoch, ob Schultern und Seelen auch wund, Das jauchzende Wort aus Prophetenmund: Aus Ifai Stamm erblühet das Reis, Der König, der Juda zu führen weiß!
Das Volk im Finstern strauchelt nicht, Ihm strahlt von ferne tröstendes Licht, In die Nacht der Verstoßenen geht der Schein: Du Bethlehem, bist du auch arm und klein, Aus dir soll mir kommen der Herzog, der Hirt, Der Israel erlösen wird!
Es spricht eine Jungfrau zart und hold, Herr mir geschehe wie du gewollt---
Drei Könige folgen dem hellen Stern, Der am Himmel brennt als Verheißung des Herrn. Sie wandern, o Seele, nun wandre auch du Dem lieblichen Wunder von Bethlehem zu.
Sophie Fleischhauer.
Ein wovt an die Hanauer und die NevSlkevnng des Hinterlandes
Vom Hanauer Einzelhandelsverband wird uns geschrieben: Der Hanauer Einzelhandel kann es für sich als Erfolg verbuchen, daß er es namentlich in den letzten Jahr«n durch außerordentliche und erfolgreiche Anstrengungen fertig gebracht hat, dem Stadtinneren, wenigstens was die Auslagen anbe- longt, das Gepräge der Großstadt zu geben. Aber nicht allein die Auslagen, sondern auch die Der- kaufslokalitäten, welch« in großer Zahl in ge- schmackvoller Weise mngebaut worden sind, können — und das kann man mit ruhigem Gewissen behaupten — den verwöhntesten Ansprüchen genügen und jeden Vergleich mit den Läden und Auslagen der Großstadt aushalten. Aber nicht allein Läden und Auslagen tragen großstädtischen Charakter, sondern auch was Reichhaltigkeit, Geschmack und Preiswürdigkeit der gebotenen Waren anbelangt, hat Hanaus Einzelhandel in seinen ver- schiedenen Zweigen den Vergleich mit der Großstadt nicht zu scheuen.
Wie steht es nun aber mit dem Hanauer Käuferpublikum? Viele, man darf ruhig sagen, sehr viele Hanauer sind bisher an den Anstrengungen des Hanauer Einzelhandels achtlos vorübergegangen. Es ist ganz ohne Zweifel, daß man heute in Hanau
mz ohne Zweifel, daß man heute in Hanau
genau so vorteilhaft kaufen kann als in der nahen
höhere unkansn für oen auwWHt
usw. und Erhöhung der Arbeitslosigkeit in Hanau. Es ist daher unbedingt notwendig, daß die Hanauer Geschäfte voll zur Geltung kommen und Ler Hanauer sein Geld in Hanau ausgibt. Dies hat neben der Annehmlichkeit für den Käufer auch eine wirtschaftliche Stärkung unserer Stadt zur Folge. Von welch ungeheuerer Wichtigkeit all diese Dinge sind, hat der Oberbürgermeister von Kaiserslautern in nachstehend Wiedergegebenem Erlaß für die städtischen Beamten zum Ausdruck gebracht:
„Die ganze Bevölkerung bildet eine Notgemeinschaft unter dem ungewöhnlichen Druck der Reparationskosten. In solcher Zeit muß auch jeder Be-
rufsstond alles vermeiden, was die Spannung erhöht. Es sind mir aus Geschäftskreisen Klagen Dorgetragen worden, daß ein Teil der Beamtenschaft größere Sammelbestellungen auf Waren auswärts gemacht hat. Man hört auch, daß die Liefe- , „ . ,
rangen sehr enttäuscht haben. Ich richte an die schaff (Standardisierung, Absatzorganisation, Ge-
Zweites
GiSdi. Absttuementskonzevi
Dor ausoerkauftem Saale fand Donnerstag abend das zweite Städtische Abonnementskonzert in den stimmungsvollen Räumen der Stadthalle statt. Ein erlesenes Publikum war versammelt, um das ganz große Ereignis der Symphoniekonzerte dieses Winters zu feiern: den weltberühmten letzten Spät- romantiksr der deutschen Musik Hans Pfitzner (Generalmusikdirektor, Professor,Doktor usw.), seinen genialen Kompositionen (Ouvertüre zum „Christelflein" und Klavierkonzert) unter seiner eigenen Leitung zu lauschen und sie als Erlebnis köstlichster Art mit nach Hause zu nehmen, ihm als dem einzigartigen Deuter der großen Romantiker Robert Schumann (Vierte Symphonie in d-moll) und Richard Wagner (Meistersingervorspiel) zu huldigen. Ueber Werdegang und Bedeutung dieses größten aller lebenden Komponisten ist in Vorbesprechungen und in der Einführung zu dem Konzert durch Studienrat Heinrich Schulze bereits hinreichend gesprochen worden. Eine wertende Behandlung der vier zur Aufführung gelangten-Werke ist ebenda erfolgt. Es bleibt demnach nur die Aufführung an sich zu besprechen. Hans Pfitzner als Dirigent steht noch immer auf der jugendfrischen Höhe seiner Straßburger Zeit. Er ist dem Werk ein künstlerisch in höchstem Maße verantwortungsbewußter Schöpfer, ein glänzender Führer für das Orchester (Landessymphonieorchester für Pfalz und Saargebiet), aus Lem er geradezu feenhaft schöne Farben und Linien herausholte. Ist schon Schumanns Symphonik von jeher ein gefürchtetes Problem für die Orchesterdirigenten gewesen, Hans Pfitzner bricht den Bann grauer Problematik und läßt aus der Partitur ein Gedicht ungeahnter Farbenpracht und packendsten Melos aufblühen. Im Banne dieses genialen Dirigenten feiner erhaben ichönen Musizierweise und unter dem fesselnden Einoruck einer sehr sympathischen ganz großen Pianistin (Maria Koerfer aus Köln) wurde das Hauptwerk Les Abends Pfitzners Klavierkonzert in Ès-dur op. 31 zum Höhepunkt des Konzertes. Anfänglich schien die neue Umgebung die Solistin etwas zu hemmen. Im zweiten, dritten und vor allem im fienialen Fugato des letzten Satzes wuchs sie aber zu L ' H^hen pianistischer Hochkunst empor.
Liniere Leier beringen fit#
warum muß es gerade die höhere Schule fein?
Für viele Eltern wird wieder Lie Frag« akut, was sie mit ihren Töchtern zu Ostern beginnen sollen. Bald werden die Aufforderungen zur Schulanmeldung für die höheren Schulen in der Zeitung stehen und der Familienrat muß sich ins Klare kommen, wohin mit unserem Kinde. Muß es gerade die höhere Schule sein? In erster Linie ist dies eine Frage der Begabung Man sollte grundsätzlich keine Töchter zur höheren Schule umschulen, wenn sie keine besondere Veranlagung dazu haben. Der Gewinn für ein solches Kind ist sehr problematisch. Ausschlaggebend aber für unsere Frage ist, was später das Kind werden soll. Soll es studieren, so ist die höhere Schule unentbehrlich. Soll es aber einen praktischen Beruf ergreifen, so ist die Bildung, die es auf der höheren Schule erhält, nicht genügend. Denn es verläßt ja dann zu einer Zeit die Schule, wo der do^ vorgesehene Lehrgang noch gar nicht beendet ist. Die Lehrpläne höherer Lehranstalten nehmen in erster Linie Rücksicht auf den Abschluß, der durch das Maturum gekennzeichnet ist. Es empfiehlt sich in einem solchen Falle, je nach den Mitteln, entweder die Volksschule fertig zu besuchen oder die Mittelschule zu absolvieren. Man darf den vermittelten Bildungsgrad beider Schulen nicht gering achten. Sie bilden solide Grundlagen für ein Mädchen, das sich einem praktischen Beruf widmen soll oder will. Besucht ein solches Mädchen später noch eine Berufsschule, so ist es für seinen Beruf hinlänglich vorbereitet. Anstellungen als Kindergärtnerin, Hortnerin, Soziakbeamtin, selbst künstlerische Berufe stehen ihr offen, ohne daß sie die Menge akademischen Proletariats zu vermehren braucht. Man soll sich dabei ruhig von einem eingewurzelten Vorurteil frei machen, nämlich der falschen Ansicht, daß man aus Gründen des Ansehens tfie höhere Schule wählen müsse. Wir sind in den Dingen viel fachlicher geworden. Nicht das Ansehen, sondern das Können machen auch das Mädchen, das werktätig verdienen will. Der praktische Nutzen ist wertvoller als ein Prestige, das nur in der Ein-
•) Einsendungen, die unter dieser Rubrik veröffentlicht werden sollen, müssen M« Freitag mittag in der Händen der Redaktion sein. Die Verantwortung fib die Eingänge trägt der Einsender. Die Redaktion.
ganze Beamtenschaft die Bitte, sich in dieser Not- gemeinschaft mit der ganzen Einwohnerschaft verbunden zu fühlen und am Platze zu kaufen. Eine Stärkung der örtlichen Wirtschaftskreise liegt im Interesse eines jeden Einwohners, also auch der Beamtem. Wer billig« Waren will, kann sie auch hier haben. Wer auf Qualität sieht, bekommt auch von auswärts nichts geschenkt. Im Gegenteil! Bei Sammelbestellungen fühlt der auswärtige Lieferant gar keine Verantwortung gegenüber dem Einzelabnehmer, zu dem er in gar keine Beziehung tritt. Der Kaufmann im Ort muß aber seinen ortsansässigen Kunden so bedienen, daß «r wiederkommt. Gerade die Beamtenschaft, die sich nicht von Monat zu Monat um das Existenzminimum
Die Zeiten sind schwer, das wissen auch mir und gespart muß werden, warum dann nun noch die Verteuerung durch die Reise in die nahe Großstadt. Es ist zu hoffen, daß dieser Mahnruf bei allen Hanauer Bürgern wohlverstanden wird.
• Staatsbürgerliche Vortragsreihe 1931/32. Am Freitag, 11. Dezember, spricht Dr. Busemann- Frankfurt a. M in der Stadthalle über: „Deutsche Agrarpolitik". Es gelang, für diesen Dortrag einen SachverstSnLigen zu gewinnen, der aus breitester Kenntnis der Dinge über Len wichtigen Fragenkreis zu unterrichten vermag. Hier wird ein Stoff erörtert, der den Stadtbewohner gerade heute nicht minder angeht als den Landwirt selbst. Wirkt sich doch die Gestaltung der deutschen Agrarpolitik bis in den kleinsten Haushalt aus. Zollfrage, Getreidepolitik, bäuerliche Veredelungswirt-
Blumen und nicht endenwollender Beifall umjubel- ten Hans Pfitzner als den Schöpfer des besten Klavierkonzertes Ler Neuzest urtb als den genialen Dirigenten des Abends, Maria Koerfer als die phänomenale Pianistin und Künstlerin, den neuen Stern und hoffentlich die „Carefio rediviva“! Den beiden großen Künstlern, dem genialen Hans Pfitzner auf recht baldiges Wiederkommen; den Vermittlern dieses musikgeschichtlich unbedingt bedeutendsten Ereignisses seit Jahrzehnten für Hanau bleibt der unvergeßliche Dank der großen Konzertgemeinde des Abends.
Eine Frage an die Konzertbesucher: Mutz mit dem Verklingen des letzten Tones sofort nach der Garderobe gestürzt werden? Dr. E. H.
Tkchatkowspv - Dvovak - Schubset
Eine Dovb«trachtung zum Kammerkonzert am 10. Dezember.
Don Willy Vissing.
Das Programm des Dezember-Konzertes der Kammermusi kvereinigung sieht das Klaviertrio op. 50 in a-moll von Tschaikowsky, das Klavier- quartett in Es-Dur op. 87 von Dvorak und Schuberts Klavierquartett in F-Dur vor.
Die musikalische Entwicklung Europas lag bis zu Anfang des 19. Jahrhunderts vorwiegend bei den germanischen und romanischen Völkern, von denen die Deutschen, Niederländer, Franzosen und Italiener an hervorragendster Stelle stehen. Zu diesen gesellten sich um di« Jahrhundertwende die Slaven mit einer stark emporstrebenden Entwicklung der Tonkunst. Hier sind es vor allem die Russen, die sich schnell eine führende Stelle zu erringen wußten. Ihr Hauptrepräsentant ist Peter Tschaikowsky (1840—1893), der erst mit 23 Jahren -das Studium der Musik ergriff, und seinen bedeutendsten Gönner und Förderer in seinem Landsmann Nikolaus Rubinstein fand. Dem Andenken dieses eminenten Klaviervirtuosen und Pädagogen ist das Klaviertrio op. 50 — übrigens das einzige Kammer-musikwerk Les Meisters mit Klavier —- gewidmet. Der rührenden trauer um den dahin- geichiedenen Freund gibt ein ergreifender Klage- gejang im ersten Satz, der mit einem Allegro
bikdung besteht. Man muß den Berechtigungsfimmel durch die Tat abbauen und mit Vernunft das verhindern, was Spranger richtig als „Verschulung Deutschlands" bezeichnet hat.
Pädagogien».
kauft deutsche Waren!
Die deutsche Hausfrau ist plötzlich wieder ein unendlich wichtiges Mied in der deutschen Schicksalskette geworden. Es hagelt nur so mit Beschwörungen an sie, an chr deutsches Pflichtgefühl, an ihre Vaterlandsliebe. Deutsche Hausfrau, fleht der Herr Reichsernährungsminister, deutsche Hausfrau, kaufe deutsche Ware. du rettest das Vaterland! — Die deutsche Hausfrau greift sich an die Stirn und denkt: Ja, wie ist denn das? Fahren wir nach England, Frankreich, Spanien, Amerika und kaufen dort ein, oder wird uns nicht diese verpönte Auslandsware hier im guten deutschen Lande angeboten. Ist dieser flammende Appell nicht an die falsche Adresse geraten? Ist es nicht Sache des deutschen Kaufmanns, deutsch zu denken, und ist es nicht Sache des Wirtschaftsministers, in dieser Zeit, in der an Notverordnungen und Verboten wirklich kein Mangel ist, auch einmal das offenbar sehr notwendige Verbot zu erlassen, daß unnötige Auslandsware nicht eingeführt werden darf? Soll die deutsche Hausfrau stärker sein als alle diese deutschen Männer? Sollte der deutsche Kaufmann wirklich so wenig Pflichtbewußtsein haben, daß er auf dem Umweg über die Hausfrau gezwungen werden muß?
Es heißt den Gaul beim Schwanz aufzäumen, wenn man die Hausfrau ermahnt, nur deutsch zu kaufen. Wenn ihr Gelegenheit geboten ist, Auslands- ware zu kaufen, dann sind die deutschen Millionen dafür doch schon ins Ausland geflossen, und nur der deutsche Kaufmann hätte den Schaden. Frägt sie pflichtbewußt an, ob die Ware deutsch sei, dann ist sie natürlich deutsch. Der kalifornische Apfel stammt mindestens aus Südtirol, um doch noch ans deutsche Herz zu rühren.
Macht ein Ende mit dem unwahren Pathos! Mag eine deutsche Frau noch so international eingestellt sein und hat sie den tollsten Fimmel für Auslandsware, er wird ihr vergehen, wenn sie nur noch deutsche Ware findet. F. K.
noflenschafiswesen) sind gemeindeutsche Angelegenheiten. Außen- uâ Innenpolitik zeigen sich hier aufs Engste verflochten. Soll Deutschland die Autarkie erstreben, allein oder mit Len süd-östlichen Nachbarstaaten einen geschlossenen Wirtschaftsraum bilden? Wie wirkt dies auf Industrie und Handel, wie nehmen es die ausländischen Gläubigermächte auf? Kann deutsch« Agrarpolitik im weiten Sinne eine Entlastung der Arbeitslosigkeit bringen durch Förderung der Ostsiedlung, durch Schaffung von Randsiedlung im Umkreis der Städte, durch Ausbreitung des Kleingartenwesens? Wer sich über diese Fragen zuverlässig unterrichten will, möge den Vortrag nicht versäumen. Der Besuch und Verlauf des ersten Abends in der Staatsbürgerlichen Vortragsreihe
Dauerkarte für 4 Borträge 2.— RM feinschl. Garderobe). Ratenzahlung ist möglich. Einzelkarte 60 Pfg., für Erwerbslose, für Studenten und Schüler je 20 Pfg. (einschl. Garderobe). Kartenvorverkauf: Albertis Hofbuchhandlung, Hammerstraße (Tel. 2679), Königs Hofbuchhandlung, Römerstr. 1 (Tel. 3660), Verkehrsbüro Holly, Langstr 58 (Tel. 2655).
* Drennholzversteigerung. Am Montag, 7. Dez., vorm. 10 Uhr und nachm. 1 Uhr findet auf dem Sportplatz am Bahnhof Wilhelmsbad eine Holzoersteigerung statt. Auf die amtliche Bekanntmachung in der vorliegenden Ausgabe unseres Blattes wird hingewiesen.
* Sterbendes Volk? Arbeitslosigkeit und Untergang oder Siedlung? Es wird nochmals auf den bereits gestern angekündigten Lichtbildervortrag der Jungdeutschen Bewegung, Hanau, heute abend 8% Uhr, im Restaurant „Zur Karthaune", Salzstraße, hingewiesen.
wechselt, zwingenden Ausdruck Das Hauptthema des Allegros ist von stark nationaler Prägung, während di« beiden Seitenthemen den Lyriker Tschaikowsky offenbaren. In der gleichen elegischen Stimmung des Anfangs schließt der von hinreißender Leidenschaft durchpulste Satz.
Der zweit« Satz zeigt die Variationsform in teilweis« sehr steter Behandlung. Auf einer schlichten Weise einfachster Liedform baut sich eine bunte Reihe mit allen Mitteln virtuoser Kunst ausgeschmückter Variationen, jedem Instrument eine bantbare foliftifdje Aufgabe bietend. Die feinen Klänge einer Spieldose, ein schwebender Walzer, ein sentimentales Klagelied der beiden Streicher über zartesten Klavierarpeggien und eine feurige Mazurka seien als die wesentlichsten Gebilde hervorgehoben.
Die letzte Variation ist als ein selbständiger Schlußsatz gedacht, gegen dessen Ende wiederum die Elegie des Anfanges erscheint, zuerst sich machtvoll im ff aufschwingend, dann in feierlicher Toten klag« das ganze Werk beschließend.
Die kontrastreiche, eigenartige Melodik, die stark entwickelte,, oft an Schumann gemahnende Rhythmik und nicht zuletzt Äie blühende Phantasie rechtfertigen durchaus die Sonderstellung, Li« das Werk in Ler Ka-mmermusikliteratur inne hat.
Etwa um Li« gleiche Zeit trat das Volk der Böhmen musikalisch auf den Plan. Gleich den Russen slavischer Abkunft, besitzen sie neben Sen-e- tama ihr stärkstes Talent in Anton Dvorak (1841 bis 1904), der sich durch fein starkes urwüchsiges Musikantentum der weitgehendsten Protektion Franz Liszt's erfreuen durfte. Sein Klavierguartett op. 87 in Es-Dur zeugt von elementarer Erfindungskraft -und wirkt besonders durch feine slavischen Rhythmen und Melodien, die besonders den ersten und letzten Satz auszeichnen. Das melancholische „Lento" ist reich an interessanten Klang- kombinationen, während bas kapriziöse „Scherzo" mit dem rhythmisch stark profilierten H-Dur‘trio zum teil Brahms'sche Züge aufweist.
Auch in diesem Werk ist es di« stark nationale Note, die Dvorak in die Kunstmuftk hinein verpflanzt hat, die den Hörer begeistert und zum Mit- erleben zwingt.
Zwischen diesen beiden Werken steht Franz Schuberts „Adagio und Rondo-concertante für Klavier mit Begleitung von Violine, Mola und -Cello", Wie schon die Bezeichming sagt, handelt
Dev Mkolan-tas
„SeD Ihr auch immer artig gewesen
Der 6. Dezember heißt im Kalender der Nikolaustag; er ist dem Andenken des hl. Nikolaus geweiht und spielt heute im Volksleben noch eine große Rolle, wenn ihm auch nicht mehr die Bedeutung, die er im Mittelalter hatte, gleichkommt. Der Glanz des Weihnachtsfestes hat im Laufe der Zeit den Nikolaustag in den Hintergrund gedrängt, doch besteht noch an vielen Orten der Umzug des hl. Nikolaus, der die Kinder beschenkt und zum Fleiß und Gehorsam mahnt.
* Mode und Kunst — Handel und Sewerb».
Unter diesem Motto veranstalten die Damenschnei- Lerinnen-Zwangsinnung Stadt- und Landkreis Hanau und der Gemeinnützige Hausfrauenvereiii Hanau am 6. und 7. Dezember in der Stadthalle schau und Ausstellung. Die Eintrpsttiri« rm°OKb Hausfrauen-Nachmittage, verbunden mit J^btn- schau und Ausstellung. Die Eintrittspreis« M so niedrig gehalten, daß es jedermann möglich ist, Lief« Veranstaltungen zu besuchen. Durch Preisfragen kommen wertvolle Gegenstände zur Der- tellung. Jeder 20. und jeder 50. Besucher erhält ein Geschenk, außerdem werden an die Besucher; der Ausstellung, die an beiden Tagen ununter- i brochen geöffnet ist, Gratisproben verteilt. Am f Sonntag abend führt die Turn- und Sportvereinl- 'blarnDonay auf. (Näheres siehe Inserat.)
* von den Apotheken hat Sonntags, bzw Nachtdienst von heute abend 7 Uhr bis nächsten Samstag abend 7 Uhr die Einhornapotheke.
* Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten fite«! Telephonanruf Nr. 20s". — Arbeiter-Samariter Kolonne Telephonanruf Nr 4030
* Das Hahnenkammhaus ist bis März nur Sonntags, das Buchberghous Samstags und Sonntags geöffnet. Ein Besuch an Wochentagen bedarf der vorherigen Anmeldung beim Bahn^isâât Schmidt, Langenselbold (Tel. 82).
Der erste Eindruck ist der beste Schöne weiße, mit Chlorodont-Zahnpaste behandelte Zähne verleihen jedem Gesicht einen eigenen Reiz Tube 50 Pf. Versuch überzeugt. Hüten Sie sich vor minderwertigen, billigen Nachahmungen, denn für das Wertvollste was Sie besitzen, die Zähne, ist das Beste gerade gut genug.
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es sich um kein eigentliches Klavierquartett, sondern um ein Solostück für Klavier, bei dem die drei Streicher, ähnlich wie' im Klavierkonzert der Wiener Klassiker, nur bei den „Tuttis" in Erscheinung treten. Das Werk — das übrigens zum ersten Male in Hanau jur Aufführung kommen dürfte — zeichnet sich Lurch formelle Logik und flüssige Melodik aus und hübet so eine willkommene Entspannung zwischen den slavischen Klängen Dvoraks und Tschaikowskys.
o Stadtlhealer Hanau. Aus Lem Theaterbüro wird uns geschrieben: Zu kleinen Preisen von 70 Pfg., 1.30 Mk. und 1.80 Mk. wird heute Samstag, abends 8 Uhr, zum letzten Male der Senja- tionserfolg der deutschen Bühne „Die Affäre Dreyfus", Schauspiel in 5 Akten von Herzog-Rehfisch- gegeben. Eine nochmalige Wiederholung findet nicht statt. Versäume deshalb niemand diese letzte Gelegenheit. — Morgen Sonntag, abends 7% Uhr, gelangt Las ganz entzückende Lustspiel „Roxy, der Fratz" von B. Conners zur Aufführung. Bei biefem Dichter ist alles so frisch und ehrlich gemacht, daß man seine rechte Freude an dem bunten Geschehen und den lieblichen Familienszenen hat. ®5 ist Ifo recht ein Stück, das man nicht bloß mit den Ohren zu hören braucht, man kann auch sein Herz ein wenig offen halten.
o Hochschulpersonalien. In Berlin verstarb IW Alter von 72 Jahren der über Deutschlands Grenzen hinaus bekannte Altmeister der deutschen Hochschullehrer der Pharmazie Geh. Regierungsral emeritierter o. Professor Dr. med. et phil. et rer. nat. Hermann Thoms.
Heliogabalus, der bereits mit 14 Jahren den römischen Kaiserthron bestieg, übertraf alle feine Vorgänger an Grausamkeit. Ueber seine Verschwendungssucht berichtet Herodianus, daß er z. B. keinen Ring, so kostbar er auch war, länger als einen Tag getragen habe Seine Fischteiche ließ er mit Rosenwasser und den Wasserbehälter, auf dem einmal ein Seegefecht dargestellt wurde, mit Wein füllen. Auf feiner Tafel erschienen Pfauenzungen, Papageiengehirn und ähnliches. Die Hunde ließ er mit Gänselebern, die Pferde mit getrockneten Trauen und seine Löwen und Tiger mit Rebhühnern und Fasanen füttern.