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Fveltag, bett 4. Dezember 1931

Nr. 284

D r. Luther wies heraus hin, daß niemand »iffen könne, von welchem Zeitpunkt an die Ueber­windung der Krise beginne und wiederholte, daß das Primäre die psychologischen Voraussetzun­gen des Wiederauflebens, also das Vertrauen sei, praktisch gesprochen — die Aufträge. Die Reichsbank werde sich stets in den Dienst der Wirt­schaftsförderung stellen, selbstverständlich innerhalb der Grenzen, der einer Notenbank durch ihre Pflicht zur unbedingten Aufrechterhaltung der Währung gezogen seien.

Ueber die anschließende

Äusivvache

wurde vom Industrie- und Handelstag folgende Mitteilung herausgegeben: In der Aussprache wurde anerkannt, daß die Regierung Brüning erhebliche Sparmaßnahmen mit großem Ernste durchgeführt hat. Das Streben nach Ausgleichung des Reichs­haushalts wurde angesichts der Weltmarktlage und der kommend«! internationalen Verhandlungen als notwendig anerkannt.

Dieser Ausgleich würde aber nach den Plänen der Regierung mit schweren Belastungen für die Wirtschaft erkauft werden, wenn nun die Umsatzsteuer wesentlich erhöht und durch eine zusätzliche Sapitalertragssteuer auf festverzins­liche Anlagen eine Wegskeuerung von Kapital mit sehr bedenklichen Folgen für Kapitalbestand , und Pertrauenslage einlreten wurde.

Eine solche Belastung der Wirtschaftskraft ist Umso mehr zu bedauern, als die Zuspitzung hätte vermieden werden können, wenn rechtzeitig mit der Erkenntnis der Lage die notwendigen Maßnahmen Hand in Hand gegangen wären. Auch jetzt ist auf dem Gebiete der Staats- und Ver­waltungsreform weder eine durch­greifende Tat, noch ein einheitlicher Plan zu sehen. Dazu wurde mit tiefer Be­sorgnis auf die Gefahren hingewiesen, die aus der Ostverordnung sich für Kreditwesen und Wirt­schaftsleben im Osten ergeben und verlangt, daß gemäß den Beschlüssen des Reichstagsausschusses wenigstens die unentbehrlichsten Maßnahmen zur Abwendung vermeidbarer Schädigungen der Gläu­biger, insbesondere der gewerblichen Wirtschaft, eingebaut würden. Mit stärkstem Nachdruck wurde davor gewarnt, ähnliche Maßnahmen für andere Teile des Reiches zu treffen.

Zur Frage der Preise

wurde darauf hingewiesen, wie diese mit dem Sinken der Kosten, dem Rückgang der Kaufkraft und der Verschärfung des Wettbewerbs fast durch­weg stark gesunken sind. Es wurde der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß in Aussicht stehende Preis­senkungen bei wichtigen Grundstoffen, wie die not­wendigen Preissenkungen öffentlicher Betriebe, namentlich der Reichsbahn, in diesem Sinne nach den inneren Gesetzen der Preisbildung weiterwir­ken würden. Dagegen glaubte man, von einem ver­waltungsmäßigen Eingreifen an vielerlei Stellen natürlicher Preisbildung weder wirtschaftlich noch stimmmungsmäßig eine günstige Wirkung erwar­ten zu können.

Anschließend sprach Fabrikant Wilh. Vögele, Mitglied des Reichswirtschaftsrats, Vizepräsident der' Handelskammer Mannheim, über die gegenwärtige handelspolitische Lage.

I Er verwies auf den gegenwärtigen gewaltigen Ausfuhrüberschüße' der wesentlich die Folge der Zahlungsverpflichtungen Deutschlands sei. Weiterer Druck der Kapitalgläubiger auf Deutschland mit gleichzeitiger Absperrung der Gläubigerländer wie dritter Länder gegenüber der deutschen Ausfuhr widerspricht sich selbst. Das Sinken des Pfundes und die Schutzzollpolitik Englands bedeuten auch für Deutschland eine ernste Beeinträchtigung der Ausfuhrmöglichkeiten. Die Ermöglichung der De- vifenterminsicherung fei zur Erleichterung der Aus­fuhr wiederholl zu fordern. Eine Einpressung der Ausfuhr in staatliche Kontingente sei abzulehnen. Eine wirkliche Gesundung ist nur möglich, wenn der internationalen Wirtschaftsverflechtung wieder­um Raum gegeben wird.

MM gegen wettere Lohnkürzungen

Berlin, 4. Dez. Wie der „Vorwärts" aus Stuttgart berichtet, hat der sozialdemokratssche Par- teivor'sitzenLe Otto Wels in einer Versammlung in der Stadthalle folgendes ausgeführt: Die Sozial­demokratie habe auf Grund des Ausfalls der Wahl vom 14. September nicht bestritten, daß von dem Notverordnungsrecht Gebrauch gemacht werden müsse. Wenn Herr Brüning jetzt eine neue Not­verordnung vorbereite, so sei es nötig, auszuspre­chen, daß für gewisse Dinge die Grenz: erreicht sei Jede Absicht nochmaliger Lohnkürzungen werde aus unseren erbitterten Widerstand stoßen. Wir werden Brüning dann fragen, mit wem er regieren wolle.

Sine SnttthNeSung des BevUnev Zentrums

Berlin, 4. Dez. Die Vertretertagung der Ber- KnerZentrumspartei nahm gestern in einer Ent­schließung zur politischen Lage Stellung, in der es heißt: Die groß« politische und wirtschaftliche Not stellt den Reichskanzler Dr. Brüning und die Reichsregierung erneut vor folgenschwere Ent­scheidungen. Wiederum müssen Opfer gefordert werden. Wiederum stellt die Berliner Zentrums­partei die Forderung auf, daß oberster Grundsatz der LastenvertSilung die Gerechtigkeit sei. Sie weist auf die Lage der Lohn-, Gebâlts- und Renten­empfänger hin und betont, daß deren Kaufkraft nicht nur in ihrem eigenen Interesse, sondern auch im Interesse von Handel, Gewerbe und Wirtschaft erhalten bleiben muß. Daher müssen vor weiteren Maßnahmen alle zweckdienlichen Wege, die zu einer Senkung der Preise, insbesondere der gebundenen führen, beschritte» werden. Unter diesem Gesichts­punkt muß auch an die Mietssenkung heran, gegangen werden.

Zustimmende Veschlüsse des Staatsrats

Berlin, 8. Dez. Der preußische Staatsrat stimmte heute der P o l i z e i v e r o r d n u n g zu, wonach von 5 Uhr nachmittags bis 7 Uhr morgens G e - ländeübungen und ähnliche Veranstaltungen sowie die Vorbereitungen dazu und alle Märsche in geschlossener Ordnung unter freiem Himmel ver­boten werden. Auch gegen die Polizeiverordnung über das Verbot der Abgabe von Hieb-

Laguna der landwiviichatt- liOen Genossenschaften Gemeinschaftsarbeit mit Sandel und Vevbvauchevschaft auf allen Absatzgebiete«

Essen, 3. Dez. Der Gesamtausschuß des Reichsverbandes der deutschen lanb • wirtschaft!. Genossenschaften (Raiff­eisen) befaßte sich heute auf einer Tagung gemein­sam mit den Vertretern der westdeutschen Industrie und den Vertretern der Kontinente mit der Frage einer .Zusammenarbeit der landwirtschaftlichen Ge­nossenschaften mit Handel und Verbraucherorgani­sationen". An dieser Tagung nahmen der Ober­bürgermeister von Essen, Dr. Bracht, der Kölner Regierungspräsident Elfgen. Bertreter der Land­wirtschaftskammern voh Münster und Bonn, des Deutschen Industrie- und Handelstags sowie fast sämtlicher Industrie- und Handelskammern des Westens teil.

Die Leiter der im Laufe des Jahres beim Reichs­verband gebildeten Absatzfachstellen referierten über den Absatz von Obst, Gemüse, Eiern, Wein, Kar­toffeln und Molkereiprodukten. Die Aussprache er­gab eine Bejahung der Gemeinschaftsarbeit auf allen Absatzgebieten. Es wurde festgestellt, daß alle Bemühungen um Produktionssteigerung durch einen fehlenden Zollschutz illusorisch gemacht werden. Be­sondere Kritik erfuhr der „Sortenwirrwarr" in der landwirtschaftlichen Produktion. — Anläßlich dieser Veranstaltung sprach der Präsident des Reichsver­bands, Reichsminister a. D.

Dr. Hermes über die gegenwärtige Lage der Landwirtschaft

die Wirkungen der Osthilfenotverordnung ein. Sub- ventionsn, so führte er aus. könnten dauernde Er­leichterungen für die Landwirtschaft nickst schaffen. Vielmehr müsse sie bestrebt sein, wieder Eigen- kapital zu bilden und selbst für die Verbesserung ihrer Produktion zu sorgen. Die Landwirtschaft habe wie kein anderer Wirtschaftszweig Interesse an der Unantastbarkeit des Privateigentums, ein Grund­satz, der von der Notverordnung verletzt werde. Durch die Notverordnung sei die Möglichkett ge­geben, zugunsten einzelner landwirtschaftlicher Be­triebe die Rechte der Gläubiger einfach zu ver­nichten.

Reue Revisionsgrundfähe für das landwirtschaftliche Genossenschaftswesen

Auf der Tagung des Reichsverbandes der land­wirtschaftlichen Genossenschaften (Raiffeisen) wur­den u. a. neue Revisionsgrundsätze verabschiedet, die von den den Reichsverband angeschlossenen Landes- und Provinzialverbänden bei der Durch­führung der Revision zu befolgen sind.

Nach diesen neuen Grundsätzen darf sich eine Revision nicht auf formelle Feststellungen beschrän­ken, sondern muß die gesamte Geschäftsführung er­fassen. Die Bestimmungen gehen so gar so weit, daß bei Widerstand eine Genossenschaft aus­geschlossen werden kann, wenn sie sich weigert, den Feststellungen der Revision zu entsprechen. Im Zu­sammenhang mit der Annahme der neuen Revisions­grundsätze hat der Gesamtausschuß auch einer ...... ... ________....__________ ... ________ . neuen Ausbildungs- und Prüfungsordnung für W«st- und Süddeutschlcmd, ging Dr. Hermes auf I Verbandsrevisoren zugestimmt.

Nach einer Schilderung der immer stärker werden-, den Not der bäuerlichen Wirtschaft in Nordwest-, W«st- und Süddeutschlcmd, ging Dr. Hermes auf!

LlttmSsüches „Mitteleuropa"

Seine ML«« für uns unannehmbar

sammenschluß der Jahrhunderte hindurch ein einheit­liches Wirtschaftsgebiet bildenden Nachfolgestaaten eintreten. Die zahlreichen sichtbaren und unsicht­baren Fäden des wirtschaftlichen Lebens, die diese Staaten noch immer verbinden, bilden verheißungs­volle Grundlagen für die Neuaufrichtung eines ein­heitlichen Wirtschaftsgebietes auf der erweiterten Grundlage der ehemaligen Monarchie."

Herr Hantos ist nach Berlin gekommen, um, wie er in all seiner Harmlosigkeit verrät, zu ver­suchen, die „maßgeblichen Kreise" davon zu über-

und ver- g e b l. _, Mein", so klares Bl

zeugen, daß es im Interesse Deutschlands liege, diese Entwicklung zu fördern und „nicht durch Schlagworte wie Legitimismus, Donauföderation und Zumutung anderer imperialistischer Gedanken" zu verhandeln. .Zumutung imperialistischer Ge­danken" ist entschieden hübsch gesagt. Im übrigen wird Herr Elemer Hantos sich in Berlin n e r - aeblt» bemühen. Man hat hier ein ziemlich

sen und allgemein wohl auch in den Kreisen der Wirtschaft. Auch von der geheimnisvollen Kraft, die Herrn Hantos mitteleuropäisches Institut in Wien speist und unterhält, hat man doch wohl eine ziemlich deutliche Vorstellung. Auch die „Vossische Zeitung" rückt merkbar von ihm ab. „Eine Donauföderation ohne Deutschland", schreibt

Santos in Berlin

Berlin, 3. Dez. Herr Elemer Hantos, ehe­dem Rechtsanwall und Abgeordneter in Budapest, der, feit er ein kurzes Gastspiel in der Karolyi- Regierung absolvierte, als Staatssekretär a. D. fir­miert, ist in Berlin eingetroffen, um, wie er schon von Prag aus der „Vosstschen Zeitung" mitteilen, aßt, hier „seine" Pläne zum Zusammen - chluß der Nachfolge staaten zu ver­land eln.

Um auf diese Verhandlungen gebührend auf­merksam zu machen, hat er dem Prager Mitarbei­ter des Ullstein-Blattes ein Interview gegeben, in

dem er auseinandersetzt, warum in dem Mittel­europa, wie er und sein großer Gönner Benesch es sich ausmalen, für Deutschland kein Platz sein darf. Nicht daß er Deutschland überhaupt auszu­schließen gedächte. O nein: „Die Einbeziehung Deutschlaichs in die mitteleuropäische Kooperation ist von mir auf industriellem, agrarischem " '

kehrspolitlschem Gebiet vorgesehen." „Allein", so fährt Herr Hantos fort, sichtbar ohne ein Gefühl dafür, wie komisch er mit diesem Jmperatorstil wirkt, auf handelspolitischem Gebiet könnte ich das nicht tun." Handelspolitisch — das ist Herrn Hantos im übrigen und in Wahr­heit sehr unmaßgebliche Meinung — könnten sich nur ungefähr gleich große Gebiete mit ähnlicher

Wirtschaftspotenz erfolgreich Zusammenschlüßen: sie, „ist für uns nicht annehmbar . „Unter diesem Gesichtspunkt werde ich für die den Zu- --

anb Stichwaffen an Personen unter 20 Jah-i Nehevsvannte Kovdevungen ren wurden keine Einwendungen erhoben. Der 7. Verordnung über die Lockerung der W o h* nungszwangswirtschaft wurde ebenfalls zugestimmt, wonach das Wohnungszwangsrecht für Wohnungen mit einer Iahresmiete von 1200 Mark und mehr in Berlin und von 1000, 700, 500, 300 und 240 Mark für die Orte der übrigen Ortsklassen

aufgehoben wird.

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um IMnistergebä^tev

Weimar, 3. Dez. Der Thüringische Landtag be­handelte am Mittwoch noch einmal die Frage der Notverordnungen. Bei der Aussprache spielte der Abbau der Ministergehälter eine große Rolle. Die Nationalsozialisten hatten bei den letzten Haushalts­beratungen beantragt, die Gehälter der Minister auf 12 000 RM zu senken. Der thüringische Mi­nisterpräsident Baum erklärte hierzu, daß die Kür­zung der Ministerbezüge durch Reichsnotverordnung geregelt sei. In die Rechte der Minister und Staats­beamten könnte daher durch Landesrecht nur in dem Maße eingegriffen werden, wie das durch Reichs­verordnungen zugelassen werde. Dem Ansehen eines Ministers würde es abträglich fein, wenn seine Be­zug« niedriger bemessen würden als die der nach­folgenden Staatsbeamten. Im übrigen stehe eine weitere 12prozentige Kürzung der Gehälter in Aus­sicht. so datz die Bezüge der Minister so wie so auf annähernd 12 000 RM gesenkt würden. Er wies im übrigen darauf hin, daß er auf 2000 RM seines Gehaltes bereits freiwillig verzichtet habe, was er auch nach der weiteren Kürzung um, 12 v. H. tun werde. Wie stehe es aber in dem Muster­ländle der Nationalsozialisten, in Braunschweig? Thüringen zahle jährlich 28 000 RM für seine Mi­nister während Braunschweig das um zwei Drittel kleiner sei als Thüringen, 24 000 RM ausgebe. Die Nationalsozialisten könnten da mit gutem Beispiel voraugehen. Baum wies dann darauf hin, daß der frühere Minister Dr. Frick seit seinem Sturz bis zum Jahresende 10378 RM Uebergangsgelder be­zogen habe, ohne irgend welche Gegenleistung. Als der Minister dann auf den Pensions-Sondervertrag für Dr Frick hmwies, entstand großer Lärm. Zwi­schen dem Sozialdemokraten Gründler und dem Vizepräsidenten des Landtages, Marschier )N. S. D. A. P.) kam es dabei zu einem heftigen Zu­sammenstoß, da Marschier seinen Gegner Spitzbuben und Schwindler nannte. Marschier wurde darauf vom Landtagspräsidenten aus dem Saal gewiesen. Minister Baum erklärte im übrigen, daß er die Anträge der Parteien dem thüringischen Kabinett oorlegen werde.

Aufstand in San Salvador

Salvador« Präsiden! Araujo abgesetzk

Rewyork 3. Dez. Associated preß meldet aus Mexiko (Stabt): Da, hiesige mexikanische Fliegerhauptquarkier erhielt aus San Salvador einen Funkspruch, der besagt, daß Präsident Araujo ab. gesetzt worden ist. Lin militärisches Triumvirat regiere das Land. Wahlen würden bald — und Zwar wahrscheinlich innerhalb zwei Tage» — ab. gehalten werden. Die Lage in der Republik wird als ruhig bezeichnet.

6ltie frühere als die obige Meldung der Asso­ciated Preß aus Mexiko (Stadt) besagt, daß die mexikanische Flugverkehrsgesellschaft Funkberichte erhielt, nach denen es in San Salvador zu Straßenkämpsen gekommen sei. Die Unruhen wür- de» als die Rebellion politischer Parteien bezeichnet und Präsident Araujo habe gebeten, vorläufig keine Flugzeuge auf den regelmäßigen Flugpostlinien nach der Hauptstadt fliegen zu lassen. — „Reronort Sun" veröffentlicht privatberichte an, San Salvador, die besagen, daß die Garnisonen zweier Forts meutern und auf den Rationalpalast schossen.

Rewyork, 3. Dez. Bei dem Sturz des Präsidenten der Republik St Salvador wurde, wie Associated preß weiter au6 Mexiko (Stadt) berich. tet, in San Salvador ein Beamter des Schatzamtes getötet, als er sich weigerte, die von den Umstürz- lern gestellten Bedingungen anzunehmen.

Leitte glückliche Ansel mehr

Steigende Arbeilslosenzisfer auch in Frankreich.

Paris, 3. Dez. Nach den Ende November ver­öffentlichten amtlichen Ziffern ist die Zahl der un­terstützten Avbettslosen in Frankreich im Laufe einer Woche um 10 000 auf 81 553 gestiegen. 7479 ein­getragene Arbettslose entfallen dabei auf Paris und seine Vororte. Ende des Jahres 1930 betrug die Zahl der Unterstützten nur 11952. Besonders scharf treten die Rückwirkungen der Krise seit Ende Juli in Erscheinung, da die Zahl der eingetragenen Ar­beitslosen seit dieser Zeit um insgesamt 45 637 an» gewachsen ist. Die amtlichen Ziffern geben jedoch nur ein sehr unvollkommenes Bild der tatsächlichen Lage. Die Leitung der französischen Arbeiterver­bände schätzt die Zahl der Vollarbeits­losen aus eine halb« Million und die der Kurzarbeiter auf das Dreifache. Die Entwick­lung auf dem Arbeitsmarkt wird von sachverständi­gen Streifen sehr pessimistisch beurteilt. Besonders ernst ist die Lage im nordsranzösischen Industrie­gebiet.

Die Arbeitslosigkeit in den fron* zöfischen Häfen hat allmählich einen der­artigen Umfang angenommen, daß Laval täglich Deputationen zu empfangen hat, die ihm die Not­lage in den Hafenstädten auseinandersetzen. So kam gestern unter Führung dreier Deputierten vom un­teren Lauf der Seine und des Bürgermeisters von Rouen eine Abordnung aus Rouen zu ihm. Sie setzten ihm die Notlage bes Hafens auseinander, die insbesondere auf den Rückgang der Einfuhr an Holz - und Kohlen zurückzvführen ist. So leiden die fr

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zösischen Häfen schwer unter dem Zollschutz, der t der Regierung im Interesse der Bergwerksbesi und der Landwirtschaft aufgebaut wird. Auch

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Kvankirn-BoniUons

Paris, 3. Drz. Der Abgeordnete Franklin- Bouillon hat heute nachmittag in Versailles eine politische Rede gehaUen, in der er ausführte, die Regierung habe notwendigerweise auf die Politik der Negation zu verzichten. Man müsse endlich Deutschland und den alliierten Ländern einen be­stimmten Aktlonsplan oorlegen. Dutschland müsse, wie seinerzeit auch Frankreich, eine Amortisierungs- kasse schaffen, um in 10 oder 15 Jahren seine 210 Milliarden Schulden zurückzuzahlen. Die Amor- tifirrun-gsküsse müsse dazu durch den Ertrag der Zölle und de- Tabakverkaufs garantiert werden. Falls die Nationalsozialisten, wenn sie in Deutsch­land zur Regierung kämen, die übernommenen Verpflichtungen kündigen,

mühten Frankreich, England und Amerika ein „Handelsbündnis" abschließen. Durch dieses „Handelsbündnis" müßten sich die drei Län. her verpflichten, eine etwa lOprojentige Steuer auf alle von Deutschland nach diesen drei Län­dern llusgeführte Produkte zu legen.

An diese unhaltbaren Bovschläge knüpfte der Redner noch einen Ausfall gegen Deutsch­land indem er ausführte: Auf diese Weiss würden di« deutschen Großindustriellen mehr Interesse da­ran haben, ehrlich die Verpflichtungen Deutschlands emyihalten, statt Hitler mit Zuschüssen zu unter­stützen und die Revanche vorzubereiten. Außerdem würde man bei dieser Gelegenheit sehen, ob die Alliierten, die den Feinden Frankreichs 170 Mil­liarden geliehen hätten, entschlossen seien, auf ihre Schuldner einen Druck auszuüben, und nicht auf Frankreich, das ihr erstes Opfer sei. Franklin- Bouillon schloß seine Rede mit der Erklärung, diese oder andere Maßnahmen würden zur Lösung der Krise nur beitragen, wenn Frankreich sich inner- politisch erst einmal wie 1914 zur restlosen nationa­len Einiguna durchgerungey haben werde. Das sei das einzige Mittel für Frankreich, sich in der Welt Achtung 0U verschaffen Das sei auch die einzige Hoffnung, die übrig bleibe, um die Unruhestifter zu entmutigen und den Frieden zu gewährleisten.

Bei einem Empfang von Pressevertretern er­klärte Gandhi, er hoffe am 28. Dezember in Indien einflutreffen. Er werde dem Nationalkongreß seine Ansicht vortragen. In der Zwischenzeit werde er die Erklärungen des Premier-Ministers wie die gestrige Unterhausdebatte sehr sorgfältig erwägen. Gandhi erklärte, sein Eindruck fei, daß man nicht mehr gemeinsam auf demselben Wege meitergehen könne. Er wiederholte, daß vor seinem Eintreffen in Indien die etwaige Wiederaufnahme der Be­wegung des Ungehorsams nicht erfolgen werde.

drücklich darauf aufmerksam, wie sehr die Häfen durch diese Politik der Einfuhrverbote leiden. An­dererseits erschien aber auch eine Abordnung von Minenarbeiter an der Loire bei Laval, um ihn auf die Zunahme der Arbeitslosigkeit der Minenarbei­ter aufmerksam zu machen.

^«attVveM beMvän^i bit

Paris, 4. Dez. .Journal Offkiel“ veröfsonl- licht in seiner heutigen Ausgabe ein Dekret, das eine Beschränkung der Einfuhraenebmigungen vorstehl für Länder, die die Devisenkontrolle ein geführt haben. Das Dekret lautet: Um die Interessen der französischen Lrporteure. die nach den Ländern lie­fern, die eine Devisenkontrolle ein geführt haben, zu wahren, wird die Einfuhr aus diesen Länder« nach Frankreich tum Teil oder aant von der Reroiftkung von Einiuhraenebmigungen abhänni« gemacht, safte die Devisenkontrolle in ben befroffmben Länd-en die Reoelunq der französischen Guthaben zu be­einträchtigen geeignet ist.

Verordnungen seitens der einzelnen Ministerien merden die Länder bestimmen, ans die dieses De­kret Anwendung findet, sowie auch die eln»efnen Bedingungen fekfehen, unter denen Einfuhrgeneh­migungen bewilligt werden.

Letzte Telegramme

Eine Mahnung an Svankvech

London, 4. Dez. 3m Zusammenhang mit den Schwierigkeiten einzelner französischer Banken spricht „F i n a n z i e l Times" die Hoffnung aus, daß die französische, öffentliche Meinung dadurch veranlaßt werde, den Ernst der internationalen Lage besser zu beurteilen und sich klar darüber zu werden, welche Rückwirkungen die Weltkrise auf die französisch« Wirtschaft haben könnte.

D*e p^oteftaEchsu rMvchett Amerikas fite Gchuldeu-

Gireichung

Philadelphia, 4. Dez Der Rationalver- band der protestantischen Kirchen Amerikas nahm eine Entschließung an. in der eine allgemeine Ver­minderung oder Streichung der internationalen Kriegsschulden gefordert wird. Reue Schuldenver- trage sollten jedoch, wie weiter verlang! wird, die Versicheruna enthalten, daß Schuldennachlässe nicht für Kriegsrüstungen verwendet werden dürfen.

SeuevSbv««ft auf Slovida

Zacksonville (Florida), 4. Dez. Eine heftige Feuersbrunst, die von einer Reihe von Explosionen begleitet war, brach gestern abend hier aus. Sämt­liche Hafenkais sind von ihr bedroht.