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Donnerstag, den 5. Dezember 1931

Nr. 283

politische Leistungsfähigkeit Indien» habe sich in den letzten Jahren außerordentlich gesteigert Wenn man mit Entschlossenheit und den erforderlichen materiel­len Hilfsmitteln das Problem der Selbstverwaltung Indiens in Angriff nehme, so werde man, dank der englischen Fähigkeit, die Einrichtung, Bedürfnissen anzupassen, Erfolg y«

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Erfolg werde als einer der großartigsten Beiträge, die jemals in der Geschichte zur Aufrichtung der Demokratie geleistet wurden, gerechnet werden. Mac­donald kündigte, wie schon in seiner gestrigen Erklärung, an, daß die Regierung Lie geplante Ver­fassung auch dann in Kraft setzen werde, wenn die erhoffte Einigung aller Gemeinschaften Indiens wie­derum ausbleibe. Er forderte Churchill auf, seinen Abänderungsantrag zurückzuziehen und bemerkte auf den Zwischenruf eines oppositionellen Abgeord­neten, daß Indien nicht die vollkommene Unabhän­gigkeit wünsche.

Die Länder werden unterrichtet

(Fortsetzung von Seite 1)

neuen Gehaltssenkung noch zwei weitere einschnei­dende Maßnahmen für die Etatbalancierunq ge­plant werden, die Erhöhung der Umsatz- und die Wiedereinführung der Kapi­talertragssteuer. Auch diese Fragen sind übrigens noch keineswegs vollkommen geklart. Das geht schon daraus hervor, daß am heutigen Don-' nerstag im Reichsfinanzmimfterium die schon an­gekündigte Konferenz der Finanzminister der Län­der Zusammentritt. Sie hatten bei der vorigen Notverordnung darum gebeten, in Zukunft doch nicht erst im letzten Augenblick, sondern so zeitig zusammengerufen zu werden, daß sie ihre Ansichten noch zur Geltung bringen können. Die endgültige Gestaltung der Finanzfragen wird also erst von der heutigen Konferenz mit abhängen.

SND. wird vovsteMg

Am Donnerstag nachmittag findet eine Bespre­chung des Reichskanzlers mit den Vertretern der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion statt, in der die Sozialdemokraten mit dem Kanzler noch einmal über die geplante Preis- und Lohnsenkungsaktion der Reichsregierung verhandeln wollen. Die Sozial­demokraten werden entsprechend der von dem Par­teiausschuß und der Fraktion gebilligten Richtlinien noch einmal gegen jede weitere Kürzung der Löhne und Gehälter Einspruch erheben. Der Kanter wird versuchen, mit den Sozialdemokraten zu einem Kompromiß zu kommen, das den Sozialdemokraten sin« weitere Tolerierung des Kabinetts Brüning ermöglicht.

Rekchsbannevknndsebnns in Berlin

Berlin, 2. Dez. Der Gau Berlin des Reichs­banners Schwarzrotgold veranstaltete heute abend im Sportpalast eine Massenkundgebung gegen den Nationalsozialismus. Als erster Redner sprach ein Vertreter der Bundesleitung des Reichsbanners LändtagsäbgeordNekèr Major w

Redner wies in feinen Ausführungen auf das Box­heimer Dokument der Nationalsozialisten hin und warnte vor einem Paktieren mit dem National­sozialismus. Nach ihm sprach der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Tarnow, der dem Natio­nalsozialismus den Vorwurf machte, er verberge hinter der Maske des Nationalsozialismus den An­griff auf die sozialen Errungenschaften des deutschen Volkes. Wir Republikaner kämpfen, so sagte der Redner, um die demokratische Republik nicht um der Staatsform willen — das liegt an letzter Stelle —, sondern um ihres sozialen Inhaltes willen. Im An­schluß an den Abgeordneten Tarnow sprach der Zentrumsoertreter Schulrat Kellermann, der als Mitglied einer Reichsbannerdelegation an der Abrüstungskundgebung in Paris teil- genommen hatte. Schulrat Kellermann schilderte seine Eindrücke bei dieser Kundgebung. Trotz der Sturmszenen im Trocadero hätten die deutschen Vertreter die stärksten Eindrücke aus Paris mitge­bracht. Man dürfe die Tumulte im Trocadero nicht als Ausdruck des französischen Volkswillens werten, sondern lediglich als eine organisierte Hetze der Action Frangaise. Die deutschen Vertreter in Paris hätten durchaus das Gefühl und die Ueberzeugung gehabt, daß in Frankreich eine starke Bewegung zu Deutschland stehe, die gewillt sei, mit allen Mit­teln den Kampf gegen den Faschismus zu führen. Schulrat Kellermann richtete den ausdrücklichen Appell an Reichskanzler Brüning, den Gedanken des Kampfes für den Staat in feinen Regierungs­maßnahmen erkennen zu lassen, und zu beweisen, daß er eins sei mit dem Denken und Fühlen der Millionen Republikaner in Deutschland. Es sei die letzte Stunde, die Republikaner erwarte­ten vom Reichskanzler die Tat. Als letzter Redner wandte sich der technische Gauführer des Berliner Reichsbanners Neidhardt an die Schufoformationen des Reichsbanners, die er für den Kampf für die Republik verpflichtete. Er rich­tete den Appell an die Republik, ihre Kämpfer nicht im Stich zu lassen. Der Staat müsse seine treuen, entschlossenen und begeisterten Kämpfer gegen die Todfeinde der Republik schützen. — Die Kund­gebung verlief ohne Zwischenfall.

Müf-vmvevb-L bleibt

Berlin, 2. Dez. Der preußische Minister des Innern hat gestern, wie der Amtl. Preuß. Pressedienst mitteilt, folgenden Erlaß an sämtliche Ober- und Regierungspräsidenten und den Polizei­präsidenten in Berlin gerichtet:

„Nach Pressemeldungen hat der 3. Strafsenat des Reichsgerichts m einem Urteil vom 30. Novem­ber 1931 die auf Grund meines Erlasses vom 31. 3. ' 1931 ergangene Anordnung des Oberpräsidenten der Rheinprovinz betreffend das Verbot des Tragens der Parteiuniformen der NSDAP., für ungültig erklärt. Ich ersuche, ungeachtet dieses Urteils, das offenbar im Widerspruch zu den Beschlüssen des Vierten Strafsenats des Reichsgerichts vom 7. August 1931 und vom 29. 9. 1931 steht, das Tragen nationalsozialistischer Uniformen entsprechend den aus Grund des oben erwähnten Erlasses ergangenen Anordnungen der Oberpräsidenten und des Polizei­präsidenten in Berlin nach wie vor polizeilich zu verhindern."

Dev Siaatsvai stimmt zu

Gugenbers wieder H-arteiMbrev Sie ««SevovdeuMcheu Bollmachten bewilligt Hugenberg dkstamkevt sich von den Katioualkorkaltste«

Berlin, 2. Dez. Am Mittwoch begannen die Verhandlungen der Parteiverttetung der Deutsch- nationalen Volkspartei im Festsaal des Preußischen Landtages. Die darauf satzungsgemäß vorgenom- mene Neuwahl des Parteivorfitzenden gestaltete sich zu einer einzigartigen langanhalten- den Kundgebung für Hugenberg. Dr. von Winterfeld stellte fest, daß die Wahlhandlung durch diese Kundgebung erfolgt sei. Mit der glei­chen Zustimmung wurden dem Parteivorsitzenden die vom Parteivorstand vorgeschlagenen außer­ordentlichen Vollmachten für die Wei­terführung der Partei übertragen.

Nach der Erledigung organisattoneller Fragen wurden die politischen Verhandlungen mit großen

einer

Stede des vavte^üheevS Dv. Husenbevs

eröffnet. Er führte u. a. aus: Das törichte Ge­rede der letzten Wochen über den „sozial-reaktio- nären" Charakter der Deutschnationalen Volks- vartei verklingt allmählich. Aber wir greifen das Thema der Gegner auf. „Sozialreaktion" ist das Schlagwort, niit dem man lange Jahre hindurch jede Dummheit vor dem Volk begründet oder ver­teidigt hat. Wir sind die Erben des gesunden Geistes der nun 50 Jahre alten kaiserlichen Bot­schaft über deutsche Sozialgesetzgebung. Aber wir sind andererseits die schärfsten Kriftker der Un­möglichkeiten, die von der Sozialdemokratie in diese Gesetzgebung hineingetragen sind, ja geradezu des Unsinns, den sie um ihrer Machtb edürfnisse willen daraus gemacht hat. Die Not des Volkes hat längst die Herzen gegeneinander geöffnet. Nur der Terror und der Klassengeist halte Arbeitgeber und Arbeitnehmer noch auseinander.

Ls gilt, diesen Terror zu brechen.

Hierzu brauchen wir, was unsere aufrechten Väter Zivilcourage nannten, bürgerlichen Mut. Die Grundlage unseres ganzen neuen Denkens ist sozial auf der Gemeinschaft der Menschen gegründet.

Dem - Mittelstand und der Landwirtschaft Sozialismus predigen, heißt ihnen den Würgengel preisen, der sie größtenteils zugrunde gerichtet hat. Der deutsche Arbeiter und die deutsche Arbeiterfrau sind heute an her Schwelle des Uebertritts von der sozialistisch-marxistischen in die nationale Gedankenwelt. Dabei macht ge­rade der Arbeiter sich über die Unvereinbarkeit beider nichts vor. Er wird in der einen Welt fest- aeh alten durch Terror und Organisation, durch Unterstützunaskassen und sonstige wirtschaftlichen Reize, durch das geoenseitige Vorurteil zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern und durch Ge­wohnheit. Er will aber Menschentum und Kamerad-

[Bericht von Dr. Kaiser (Ztr.) zur Kenntnis genom­men.

München, 2. Dez. Wie die Pressestelle Ler NSDAP mitteilt, hat Rechtsanwalt Dr. Frank II namens der Reichsleitung der NSDAP, heute an Len Reichsinnenminister Dr. Groener und an Reichs- präsiLent 0. Hindenburg folgendes Telegramm ge­schickt:

„Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei er­hebt schärfsten Protest gegen die rechtswidrigen Ver­suche der preußischen Staatsregierung und Staats­behörden, trotz unanfechtbarer reichsgerichtlicher Ent­scheidung das in seiner Ungesetzlichkeit nunmehr end­gültig unwirksame einseitige und beleidigende Uni- formverbot gegen Nationalsozialisten aufrechtzuerhal­ten und bittet ergebenft dringlich um reichsaufsicht­liches Einschreiten."

Das Leumundszeugnis und dev Dotioviitel swösevs

Darmstadt, 2. Dez. Dr. Best hat bei der Hessischen Staatsanwaltschaft in Darmstadt gegen Schäfer-Offenbach Anzeige wegen unbefugter Füh­rung des Doktortitels erstattet. Auf Befragen habe Schäfer angegeben, er habe im Jahre 1922 in Frankfurt die Doktorprüfung bestanden und den Titel erworben. Nachforschungen hätten jedoch er­geben, daß diese Angaben unwahr seien. Es be­stehe der dringende Verdacht, daß Schäfer den Doktortitel zu Unrecht führe.

Die Pressestelle der Gauleitung Hessen der NSDAP. nimmt in einer längeren Erklärung mit der Ueberschrift „Die Polizei hat Schäfer gedeckt" Stellung zu der Frage, wie es komme, daß der „Gewährsmann des Herrn Severing", Hermann Schäfer, in der NSDAP, eine Rolle spielen konnte. Die Gauleitung habe von Schäfer ein Leumunds­zeugnis verlangt. Darin habe die Polizei dem „Dr. K. Wilhelm Schäfer" bescheinigt, daß er nicht vorbestraft sei. Zu Vorwürfen^ die gegen Dr. Wagner in seiner Eigenschaft als Pächter des Boxheimer Hofes erhoben wurden, erklärt die Gaüleitung, daß Dr. Wagner sich in jeder Weise tadelsfrei benommen habe.

Berlin, 2. Dez. Der Preußische Staatsrat stimmte heute der Verordnung zu, wonach bis zum 1. Oktober 1934 Erlaubnisse für neu zu errichtende Schankwirtschaften nicht erteilt werden dürfen. Ausnahmen sind nur mit Genehmigung des Regierungspräsidenten zulässig. Auch gegen die Ausführungsanweisung zu den Durchführungsbestimmungen über den Ueber- landverkehr mit Kraftfahrzeugen wurden Einwendungen nicht erhoben. Die Verord­nung legt fest, in welchen Fällen die Benutzung von Kraftfahrzeugen als nicht öffentlich anzusehen ist, und enthält Bestimmungen über die Erteilung der Genehmigung zum Betrieb. Gegen die geänderte Ausführungsanweisung zur Gewerbe st euer- verordnung über d'è Berechnung der Steuer­sätze für den Fall, daß Gemeinden im Verhältnis zu einander sowohl Wohn- als auch Betriebsgemein­den sind wurden gleichfalls keine Einwendungen er- _______ hoben. Die Staatshaushaltrechnung für dürfen.

schaft. An Sozialismus und feine allen Führer glaubt er längst nicht mehr. Geblieben sind Solidari­tätsgefühl und Mißtrauen gegen ein Bürgertum, das in der Tat politisch auf der ganzen Linie elend versagt hat.

Hugenbuvg wandte sich dann den National­sozialisten zu: Wenn irgend jemand, so führte er aus, dürfte ich vor der Beschuldigung sicher fein, die Harzburger Front durchbrechen zu wollen. Ich habe immer wieder die Zusammenarbeit der natio­nalen Kräfte betrieben. Ein jeder würde lügen, der etwa behauptet, daß ich jetzt andern Sinnes sei. Aber jetzt ist es nötig, ein offenes Wort auszuspre­chen, um so mehr, als gerade jetzt von führender Stelle Worte ins Land hinausgehen, wie: Es werde in Deutschland erst Friede sein, wenn der National­sozialismus den andern Parteien den letzten Mann entreißt, oder wie das: wenn das gegnerische System in Deutschland zum Sturze käme, so werde dies aus­schließlich das Verdienst des Nationalsozialismus sein. Hierzu nur eine Randbemerkung. Aus dem Land kommen viele Anfragen an mich feit vielen Monaten. Die einen sagen: „3m Wahlkampf von 1930 haben Sie gesagt „Macht mir den rechten Flügel stark!" Das haben viele Tausende dahin ver­standen, daß sie für die Nationalsoziali- sten stimmen sollten, denn die bilden doch heute den rechten Flügel!" Dazu ein kurzes Wort. Den rechten Flügel bilden noch heute wir Deutschnationalen. Im Geist der nationalen Erweckung übertrifft uns niemand. Den Kampf gegen Marxismus und Bundesgenossen hat niemand mit solcher Klarheit geführt, wie die von mir geleitete Partei. In allen Wirtschafts- und sonstigen Fragen liegen die Grundzüge unsrer Aufbaupläne für jeder­mann offen.

wir brauchen in Deutschland nationale Er­hebung der Geister und des Willens, aber wir brauchen in dieser Zeit der Wirrnis und des Schwankens und der äußersten Gefahr auch Nüchternheit und Klarheit.

Wer sie will muß unsre Hauptmacht stark machen. Wenn ich also heute sage: Macht mir den rechten Flügel stark! so heißt das: macht mir die Deutsch- nationale Partei stark! Andre Feinde im Land sagen mir: „Die Nationalsozialisten unsers Bezirks kämpfen trotz der gemeinsamen Front aufs schärfste gegen uns. Der Hauptstoß richtet sich heute wahl- politisch gegen die Bundesgenossen." Dazu muß ich bemerken: Ich kann muh nicht um jeden Stunk im Land kümmern. Ihr müßt mit den Waffen kämpfen, mttdenen ihr bekämpft wer- d e t und wenn es irgendwo einmal zu schlimm wer­den sollte, so wird hoffentlich der gemeinsame Blick auf die Sache die Möglichkeit eröffnen, daß Herr Hit­ler und ich noch rechtzeitig Ordnung stiften

öle HSchfLvenKott

Berlin, 2. Dez. Der Haushaltsausschuß Les Reichstags behandelte heute die Frage her Höchst­pensionen. Ein Vertreter des Reichsfinanzministe- riums nahm gegen die Festsetzung einer starren Grenze von 12 000 RM Stellung. Bei einer sol­chen Höchstgrenze würde es schwer fein, für die lei­tenden Stellen, insbesondere politischer Art, erste Kräfte zu erhalten, weil diesen ja auch heute noch die Möglichkett gegeben sei, in dèr freien Wirtschaft oder in freien Berufen ganz andere Gehäller zu verdienen. Sie würden, wenn sich die Gelegenhett böte, eine gut bezahlte Stellung in der Wirtschaft zu erlangen, wenig Neigung verspüren, in dem dor­nenvollen Staatsamt zu verbleiben.

Nach längerer Aussprache wurde ein kommu­nistischer Antrag, das Höchstruhegeld auf 5000 Mark im Jahre festzusetzen, und alle darüber hinaus- gehenden Mehrbeträge einzubehalten, abgelehnt. Dagegen nahm der Ausschuß einen sozialdemokra­tischen Antrag an, wonach wenn sich bei der Berech­nung des Ruhegeldes ein Jahresbetrag von mehr als 12000 Mk. ergibt, der Mehrbetrag nicht zur Auszahlung kommen soll.

rNilttävikEes Bündnis ,wl- k<ve« Dolen «. «Sübslawien?

Paris, 2. Dez. Die Reise Les südslawischen Außenministers Mormkowitsch nach Warschau wird mit Verhandlungen über eng« militärische Ver­knüpfung Polens mit der Kleinen Entente in Zu­sammenhang gebracht. Das Blatt „Libertë" über­schreibt einen dieses Thema behandelnden Artikel mit den Worten: „Die Ab wehrsront gegen Deutschland und Sowjetrußland muß durch den Eintritt Polens in di« Kleine Entente verlängert werden". Das Blatt weist auch auf die ParallelverhanL langen militärischen Charakters hin. Die Abrüstungsfrage soll in den Warschauer Be­sprechungen besonders erörtert werden.

Die wirtschaftlichen Plane Süd- slawiens werden gleichfâ angebeutet. Man spricht von der Förderung der polmsch-südslawischen Beziehungen über Rumänien hin. Dieser Plan scheint in der Tschechoslowakei sehr unangenehm empfunden zu werden, denn es liegen hier bereits Prager Informationen vor, die Frankreich zu einer Stellungnahme auffordern. Die Tschechoslowakei fürchtet, daß der Transithandel von Polen nach Südslawien abgelenkt werde. Von tschechischer Seite werden Garantien hinsichtlich der Aufrecht­erhaltung des Transitverkehrs von Polen nach Südslawien über die Tschechoslowakei und Oester­reich verlangt.

Der ungarische Londwirtschaftsminister Jwady erklärte im Parlament u. a. es sei mit Deutschland eine Vereinbarung in Vorbereitung, um im nächsten Jahre mehreren tausend ungarischen Landarbeitern Arbeitsmöglichkeit in Deutschland zu gewähren. Im Hinblick auf die Arbeitslosigkeit in Deutschland wird man diese Erklärung wohl mit Recht bezweifeln

Schwevev Autounfatt Ov. Schachts

Waren (Mecklenburg), 2. Dez. Heute erlitt der frühere Reichsbankpräsident Dr. Schacht, der sich auf der Fahrt von Berlin nach Rostock befand, in einer etwa 5 Kilometer von waren entfernten Ort­schaft einen schweren Automobilunfall. Infolge des eingetretenen Glatteises kam der schwere Personen­kraftwagen auf der Chaussee vor den ersten Häusern ins Schleudern und fuhr mit voller Wucht gegen eine dort stehende Scheune. Der Wagen wurde auf die linke Seite geworfen und schwer demoliert. Zn dem Wagen befanden sich außer dem ehemalige» Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht sein Sohn und der Chauffeur. während die beiden letzteren fast keine Verletzungen erlitten, hat Dr. Schacht, der im ersten Augenblick bewußtlos geworden war, erheb- liche innere Verletzungen und Schnittwunden da­vongetragen. Er wurde in eine nahe Dorfschmiede gebracht. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde er dann mit einem herbeigerufenen Auto in das Warener Krankenhaus übergefâhrt. Infolge der er­littenen Verletzungen dürfte Dr. Schacht vorläufig nicht transportfähig sein. Das schwer beschädigte Auto mußte abgeschleppt werden.

waren, 2. Dez. wie das Städtische Kranken- Haus waren um 7 Uhr abends mitteilt, Hal die um 6 Uhr vorgenommene ärztliche Untersuchung des früheren Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht er­geben, daß ihm bei dem Autounfall zwei Ripvea gebrochen sind. Sonst liegen keine inneren Ver- lehungen vor. Das Befinden ist nach wie vor zu­friedenstellend.

Kenes SioEen dev Sevdaud- Immen übev die

LNandsthttverfvage

Paris, 2. Dez. Die heutigen Verhandlungen des Völkerbundsrates haben gewisse Schwierigkei­ten zutagetreten lassen. Sämtliche Fragen, wie Zu­sammensetzung der Studienkommission, Text der Resolution, Kommentar dazu usw. sind etwas in den Hintergrund getreten. Der Zwölferrat hat sich heute nachmittag erneut eingehend mit der Frage der Schaffung einer neutralen Zone beschäftigt, für die die Japaner eine Definition gegeben haben, die auf den Widerstand der Chinesen stößt. Die Japaner erklären, daß sie wohl grundsätzlich für die Schaffung einer neutralen Zone seien, sich jedoch das Recht vorbehielten, falls unvorhergesehene be- syndere Ereignisse eintreten, ohne weiteres in die neutrale Zone und sogar darüber hinaus vorzu­rücken, und zwar ohne vorherige Befragung oder Heranziehung neutraler Beobachter. Sie erklären sich jedoch bereit, sofort nach durchgeführter Aktion den Völkerbundsrat in Kenntnis zu fetzen. Die chinesische Delegation besteht unbedingt auf einer Garantie des Völkerbundes für die neutrale Zone. Diese scharfe gegensätzliche Formulierung beider Auffassungen hatte es dem Völkerbundsrat ange­bracht erscheinen lassen, in Einzelverhandlungen mit t^n beiden Parteien zunächst diese Frage M bereinigen, ehe man auf die anderen Probls S zurückkomme. Auf alle Fälle ist heute flargefteTX daß man noch mit einer längeren Tagung be \ Rates wird rechnen müssen.

Paris, 2. Dez. Die Heereskommission der Depst- tiertenkammer ist in Nizza eingetroffen, um sich über den Stand der Befestigungsarbeiten in der Umgebung zu informieren. Erst in den letzten Tagen wurden neue Befestigungsbauten in der Gegend von Mentone, deren Kosten sich auf mehr als 50 Millionen Franken belaufen, an verschiedene Jndustriefirmen vergeben.

Rache an einem Echt- betmkehvev?

Paris, 2. Dez. Ein hoher Beamter der hiesigen Handelsvertretung des Rätebunds, Konstantin Zelenski, war auf Antrag der Räteregierung, die ihn der Unterschlagung von etwa 300 000 Franken beschuldigte, strafrechtlich verfolgt worden. Das gestern ergangene Urteil einer Strafkammer stellt die völlige Schuldlosigkeit des Angeklagten und eine „bewußt falsche Beschuldigung" durch die Räteregierung fest. Aus Moskauer Antwortschreiben gehe hervor, daß Zelenski die betreffenden Gelder stets der dafür voraesehenen Kasse zugeführt und die zuständigen Stellen in Mo«kau darüber in aller Form unterrichtet habe. Die Räteregierung habe aber durch eine solche Klage Zelenski bloß­stellen wollen, weil er dem Befehl, nach Moskau mrückzukehren, nicht Folge geleistet habe. Die Handelsvertretung wurde zur Tragung sämtlicher Gerichtskosten verurteilt.

Die neuen deutschen Grßrundfunksender

Die neuen Großanlagen Breslau. Leipzig und Frankfurt a. M. werden nach Mitteilung der Reichsvost nicht vor Februar 1932 betriebsfertig sein. Für die weiter beschlossenen Großsender Ber­lin und Hamburg kann gegenwärtig ein Zeitpunkt noch nicht angegeben werden, da noch verschiedene technische Fragen in Zusammenhang mit dem Aus­bau des deutschen Rmrdfunksendernetzes geklärt werden müssen.

Letzte Telegramme

Aus Gvam übev eine #f âm dutts kn den Tod sesan en

Frankfurt a. W., 3. Dez. Als gestern vor. mittag ein Gerichtsvollzieher in einer Wohnung in der Rudolfstraße Möbel abtransportieren wollte, die einem Ehepaar wegen Mietrückstände gepfändet worden waren, fand er die Wohnung verschlossen vor. Er ließ die Tür ausbrechen und nachdem schon mit dem Abträgen der Möbel begonnen worden war, fand man in der Küche die beiden Wohnung», inhaber. die 48jährige Ehefrau und den 84jährigen Ehemann auf einer Matratze liegend tot auf. Sie halten sich mit Zyankali vergiftet und auch den Gashahn geöffnet. Aus einem hinterlassenen Schrei, ben geht hervor, daß der Gram über die Pfändung die beiden Lheleul« in den Tod gelrieben hat.