Donnerstag, den 5. Dezember 1931
Nr. 283
politische Leistungsfähigkeit Indien» habe sich in den letzten Jahren außerordentlich gesteigert Wenn man mit Entschlossenheit und den erforderlichen materiellen Hilfsmitteln das Problem der Selbstverwaltung Indiens in Angriff nehme, so werde man, dank der englischen Fähigkeit, die Einrichtung, Bedürfnissen anzupassen, Erfolg y«
en den politischen
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Erfolg werde als einer der großartigsten Beiträge, die jemals in der Geschichte zur Aufrichtung der Demokratie geleistet wurden, gerechnet werden. Macdonald kündigte, wie schon in seiner gestrigen Erklärung, an, daß die Regierung Lie geplante Verfassung auch dann in Kraft setzen werde, wenn die erhoffte Einigung aller Gemeinschaften Indiens wiederum ausbleibe. Er forderte Churchill auf, seinen Abänderungsantrag zurückzuziehen und bemerkte auf den Zwischenruf eines oppositionellen Abgeordneten, daß Indien nicht die vollkommene Unabhängigkeit wünsche.
Die Länder werden unterrichtet
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neuen Gehaltssenkung noch zwei weitere einschneidende Maßnahmen für die Etatbalancierunq geplant werden, die Erhöhung der Umsatz- und die Wiedereinführung der Kapitalertragssteuer. Auch diese Fragen sind übrigens noch keineswegs vollkommen geklart. Das geht schon daraus hervor, daß am heutigen Don-' nerstag im Reichsfinanzmimfterium die schon angekündigte Konferenz der Finanzminister der Länder Zusammentritt. Sie hatten bei der vorigen Notverordnung darum gebeten, in Zukunft doch nicht erst im letzten Augenblick, sondern so zeitig zusammengerufen zu werden, daß sie ihre Ansichten noch zur Geltung bringen können. Die endgültige Gestaltung der Finanzfragen wird also erst von der heutigen Konferenz mit abhängen.
SND. wird vovsteMg
Am Donnerstag nachmittag findet eine Besprechung des Reichskanzlers mit den Vertretern der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion statt, in der die Sozialdemokraten mit dem Kanzler noch einmal über die geplante Preis- und Lohnsenkungsaktion der Reichsregierung verhandeln wollen. Die Sozialdemokraten werden entsprechend der von dem Parteiausschuß und der Fraktion gebilligten Richtlinien noch einmal gegen jede weitere Kürzung der Löhne und Gehälter Einspruch erheben. Der Kanter wird versuchen, mit den Sozialdemokraten zu einem Kompromiß zu kommen, das den Sozialdemokraten sin« weitere Tolerierung des Kabinetts Brüning ermöglicht.
Rekchsbannevknndsebnns in Berlin
Berlin, 2. Dez. Der Gau Berlin des Reichsbanners Schwarzrotgold veranstaltete heute abend im Sportpalast eine Massenkundgebung gegen den Nationalsozialismus. Als erster Redner sprach ein Vertreter der Bundesleitung des Reichsbanners LändtagsäbgeordNekèr Major w
Redner wies in feinen Ausführungen auf das Boxheimer Dokument der Nationalsozialisten hin und warnte vor einem Paktieren mit dem Nationalsozialismus. Nach ihm sprach der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Tarnow, der dem Nationalsozialismus den Vorwurf machte, er verberge hinter der Maske des Nationalsozialismus den Angriff auf die sozialen Errungenschaften des deutschen Volkes. Wir Republikaner kämpfen, so sagte der Redner, um die demokratische Republik nicht um der Staatsform willen — das liegt an letzter Stelle —, sondern um ihres sozialen Inhaltes willen. Im Anschluß an den Abgeordneten Tarnow sprach der Zentrumsoertreter Schulrat Kellermann, der als Mitglied einer Reichsbannerdelegation an der Abrüstungskundgebung in Paris teil- genommen hatte. Schulrat Kellermann schilderte seine Eindrücke bei dieser Kundgebung. Trotz der Sturmszenen im Trocadero hätten die deutschen Vertreter die stärksten Eindrücke aus Paris mitgebracht. Man dürfe die Tumulte im Trocadero nicht als Ausdruck des französischen Volkswillens werten, sondern lediglich als eine organisierte Hetze der Action Frangaise. Die deutschen Vertreter in Paris hätten durchaus das Gefühl und die Ueberzeugung gehabt, daß in Frankreich eine starke Bewegung zu Deutschland stehe, die gewillt sei, mit allen Mitteln den Kampf gegen den Faschismus zu führen. Schulrat Kellermann richtete den ausdrücklichen Appell an Reichskanzler Brüning, den Gedanken des Kampfes für den Staat in feinen Regierungsmaßnahmen erkennen zu lassen, und zu beweisen, daß er eins sei mit dem Denken und Fühlen der Millionen Republikaner in Deutschland. Es sei die letzte Stunde, die Republikaner erwarteten vom Reichskanzler die Tat. Als letzter Redner wandte sich der technische Gauführer des Berliner Reichsbanners Neidhardt an die Schufoformationen des Reichsbanners, die er für den Kampf für die Republik verpflichtete. Er richtete den Appell an die Republik, ihre Kämpfer nicht im Stich zu lassen. Der Staat müsse seine treuen, entschlossenen und begeisterten Kämpfer gegen die Todfeinde der Republik schützen. — Die Kundgebung verlief ohne Zwischenfall.
Müf-vmvevb-L bleibt
Berlin, 2. Dez. Der preußische Minister des Innern hat gestern, wie der Amtl. Preuß. Pressedienst mitteilt, folgenden Erlaß an sämtliche Ober- und Regierungspräsidenten und den Polizeipräsidenten in Berlin gerichtet:
„Nach Pressemeldungen hat der 3. Strafsenat des Reichsgerichts m einem Urteil vom 30. November 1931 die auf Grund meines Erlasses vom 31. 3. ' 1931 ergangene Anordnung des Oberpräsidenten der Rheinprovinz betreffend das Verbot des Tragens der Parteiuniformen der NSDAP., für ungültig erklärt. Ich ersuche, ungeachtet dieses Urteils, das offenbar im Widerspruch zu den Beschlüssen des Vierten Strafsenats des Reichsgerichts vom 7. August 1931 und vom 29. 9. 1931 steht, das Tragen nationalsozialistischer Uniformen entsprechend den aus Grund des oben erwähnten Erlasses ergangenen Anordnungen der Oberpräsidenten und des Polizeipräsidenten in Berlin nach wie vor polizeilich zu verhindern."
Dev Siaatsvai stimmt zu
Gugenbers wieder H-arteiMbrev Sie ««SevovdeuMcheu Bollmachten bewilligt Hugenberg dkstamkevt sich von den Katioualkorkaltste«
Berlin, 2. Dez. Am Mittwoch begannen die Verhandlungen der Parteiverttetung der Deutsch- nationalen Volkspartei im Festsaal des Preußischen Landtages. Die darauf satzungsgemäß vorgenom- mene Neuwahl des Parteivorfitzenden gestaltete sich zu einer einzigartigen langanhalten- den Kundgebung für Hugenberg. Dr. von Winterfeld stellte fest, daß die Wahlhandlung durch diese Kundgebung erfolgt sei. Mit der gleichen Zustimmung wurden dem Parteivorsitzenden die vom Parteivorstand vorgeschlagenen außerordentlichen Vollmachten für die Weiterführung der Partei übertragen.
Nach der Erledigung organisattoneller Fragen wurden die politischen Verhandlungen mit großen
einer
Stede des vavte^üheevS Dv. Husenbevs
eröffnet. Er führte u. a. aus: Das törichte Gerede der letzten Wochen über den „sozial-reaktio- nären" Charakter der Deutschnationalen Volks- vartei verklingt allmählich. Aber wir greifen das Thema der Gegner auf. „Sozialreaktion" ist das Schlagwort, niit dem man lange Jahre hindurch jede Dummheit vor dem Volk begründet oder verteidigt hat. Wir sind die Erben des gesunden Geistes der nun 50 Jahre alten kaiserlichen Botschaft über deutsche Sozialgesetzgebung. Aber wir sind andererseits die schärfsten Kriftker der Unmöglichkeiten, die von der Sozialdemokratie in diese Gesetzgebung hineingetragen sind, ja geradezu des Unsinns, den sie um ihrer Machtb edürfnisse willen daraus gemacht hat. Die Not des Volkes hat längst die Herzen gegeneinander geöffnet. Nur der Terror und der Klassengeist halte Arbeitgeber und Arbeitnehmer noch auseinander.
Ls gilt, diesen Terror zu brechen.
Hierzu brauchen wir, was unsere aufrechten Väter Zivilcourage nannten, bürgerlichen Mut. Die Grundlage unseres ganzen neuen Denkens ist sozial auf der Gemeinschaft der Menschen gegründet.
Dem - Mittelstand und der Landwirtschaft Sozialismus predigen, heißt ihnen den Würgengel preisen, der sie größtenteils zugrunde gerichtet hat. Der deutsche Arbeiter und die deutsche Arbeiterfrau sind heute an her Schwelle des Uebertritts von der sozialistisch-marxistischen in die nationale Gedankenwelt. Dabei macht gerade der Arbeiter sich über die Unvereinbarkeit beider nichts vor. Er wird in der einen Welt fest- aeh alten durch Terror und Organisation, durch Unterstützunaskassen und sonstige wirtschaftlichen Reize, durch das geoenseitige Vorurteil zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern und durch Gewohnheit. Er will aber Menschentum und Kamerad-
[Bericht von Dr. Kaiser (Ztr.) zur Kenntnis genommen.
München, 2. Dez. Wie die Pressestelle Ler NSDAP mitteilt, hat Rechtsanwalt Dr. Frank II namens der Reichsleitung der NSDAP, heute an Len Reichsinnenminister Dr. Groener und an Reichs- präsiLent 0. Hindenburg folgendes Telegramm geschickt:
„Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei erhebt schärfsten Protest gegen die rechtswidrigen Versuche der preußischen Staatsregierung und Staatsbehörden, trotz unanfechtbarer reichsgerichtlicher Entscheidung das in seiner Ungesetzlichkeit nunmehr endgültig unwirksame einseitige und beleidigende Uni- formverbot gegen Nationalsozialisten aufrechtzuerhalten und bittet ergebenft dringlich um reichsaufsichtliches Einschreiten."
Das Leumundszeugnis und dev Dotioviitel swösevs
Darmstadt, 2. Dez. Dr. Best hat bei der Hessischen Staatsanwaltschaft in Darmstadt gegen Schäfer-Offenbach Anzeige wegen unbefugter Führung des Doktortitels erstattet. Auf Befragen habe Schäfer angegeben, er habe im Jahre 1922 in Frankfurt die Doktorprüfung bestanden und den Titel erworben. Nachforschungen hätten jedoch ergeben, daß diese Angaben unwahr seien. Es bestehe der dringende Verdacht, daß Schäfer den Doktortitel zu Unrecht führe.
Die Pressestelle der Gauleitung Hessen der NSDAP. nimmt in einer längeren Erklärung mit der Ueberschrift „Die Polizei hat Schäfer gedeckt" Stellung zu der Frage, wie es komme, daß der „Gewährsmann des Herrn Severing", Hermann Schäfer, in der NSDAP, eine Rolle spielen konnte. Die Gauleitung habe von Schäfer ein Leumundszeugnis verlangt. Darin habe die Polizei dem „Dr. K. Wilhelm Schäfer" bescheinigt, daß er nicht vorbestraft sei. Zu Vorwürfen^ die gegen Dr. Wagner in seiner Eigenschaft als Pächter des Boxheimer Hofes erhoben wurden, erklärt die Gaüleitung, daß Dr. Wagner sich in jeder Weise tadelsfrei benommen habe.
Berlin, 2. Dez. Der Preußische Staatsrat stimmte heute der Verordnung zu, wonach bis zum 1. Oktober 1934 Erlaubnisse für neu zu errichtende Schankwirtschaften nicht erteilt werden dürfen. Ausnahmen sind nur mit Genehmigung des Regierungspräsidenten zulässig. Auch gegen die Ausführungsanweisung zu den Durchführungsbestimmungen über den Ueber- landverkehr mit Kraftfahrzeugen wurden Einwendungen nicht erhoben. Die Verordnung legt fest, in welchen Fällen die Benutzung von Kraftfahrzeugen als nicht öffentlich anzusehen ist, und enthält Bestimmungen über die Erteilung der Genehmigung zum Betrieb. Gegen die geänderte Ausführungsanweisung zur Gewerbe st euer- verordnung über d'è Berechnung der Steuersätze für den Fall, daß Gemeinden im Verhältnis zu einander sowohl Wohn- als auch Betriebsgemeinden sind wurden gleichfalls keine Einwendungen er- _______ hoben. Die Staatshaushaltrechnung für dürfen.
schaft. An Sozialismus und feine allen Führer glaubt er längst nicht mehr. Geblieben sind Solidaritätsgefühl und Mißtrauen gegen ein Bürgertum, das in der Tat politisch auf der ganzen Linie elend versagt hat.
Hugenbuvg wandte sich dann den Nationalsozialisten zu: Wenn irgend jemand, so führte er aus, dürfte ich vor der Beschuldigung sicher fein, die Harzburger Front durchbrechen zu wollen. Ich habe immer wieder die Zusammenarbeit der nationalen Kräfte betrieben. Ein jeder würde lügen, der etwa behauptet, daß ich jetzt andern Sinnes sei. Aber jetzt ist es nötig, ein offenes Wort auszusprechen, um so mehr, als gerade jetzt von führender Stelle Worte ins Land hinausgehen, wie: Es werde in Deutschland erst Friede sein, wenn der Nationalsozialismus den andern Parteien den letzten Mann entreißt, oder wie das: wenn das gegnerische System in Deutschland zum Sturze käme, so werde dies ausschließlich das Verdienst des Nationalsozialismus sein. Hierzu nur eine Randbemerkung. Aus dem Land kommen viele Anfragen an mich feit vielen Monaten. Die einen sagen: „3m Wahlkampf von 1930 haben Sie gesagt „Macht mir den rechten Flügel stark!" Das haben viele Tausende dahin verstanden, daß sie für die Nationalsoziali- sten stimmen sollten, denn die bilden doch heute den rechten Flügel!" Dazu ein kurzes Wort. Den rechten Flügel bilden noch heute wir Deutschnationalen. Im Geist der nationalen Erweckung übertrifft uns niemand. Den Kampf gegen Marxismus und Bundesgenossen hat niemand mit solcher Klarheit geführt, wie die von mir geleitete Partei. In allen Wirtschafts- und sonstigen Fragen liegen die Grundzüge unsrer Aufbaupläne für jedermann offen.
wir brauchen in Deutschland nationale Erhebung der Geister und des Willens, aber wir brauchen in dieser Zeit der Wirrnis und des Schwankens und der äußersten Gefahr auch Nüchternheit und Klarheit.
Wer sie will muß unsre Hauptmacht stark machen. Wenn ich also heute sage: Macht mir den rechten Flügel stark! so heißt das: macht mir die Deutsch- nationale Partei stark! Andre Feinde im Land sagen mir: „Die Nationalsozialisten unsers Bezirks kämpfen trotz der gemeinsamen Front aufs schärfste gegen uns. Der Hauptstoß richtet sich heute wahl- politisch gegen die Bundesgenossen." Dazu muß ich bemerken: Ich kann muh nicht um jeden Stunk im Land kümmern. Ihr müßt mit den Waffen kämpfen, mttdenen ihr bekämpft wer- d e t und wenn es irgendwo einmal zu schlimm werden sollte, so wird hoffentlich der gemeinsame Blick auf die Sache die Möglichkeit eröffnen, daß Herr Hitler und ich noch rechtzeitig Ordnung stiften
öle HSchfLvenKott
Berlin, 2. Dez. Der Haushaltsausschuß Les Reichstags behandelte heute die Frage her Höchstpensionen. Ein Vertreter des Reichsfinanzministe- riums nahm gegen die Festsetzung einer starren Grenze von 12 000 RM Stellung. Bei einer solchen Höchstgrenze würde es schwer fein, für die leitenden Stellen, insbesondere politischer Art, erste Kräfte zu erhalten, weil diesen ja auch heute noch die Möglichkett gegeben sei, in dèr freien Wirtschaft oder in freien Berufen ganz andere Gehäller zu verdienen. Sie würden, wenn sich die Gelegenhett böte, eine gut bezahlte Stellung in der Wirtschaft zu erlangen, wenig Neigung verspüren, in dem dornenvollen Staatsamt zu verbleiben.
Nach längerer Aussprache wurde ein kommunistischer Antrag, das Höchstruhegeld auf 5000 Mark im Jahre festzusetzen, und alle darüber hinaus- gehenden Mehrbeträge einzubehalten, abgelehnt. Dagegen nahm der Ausschuß einen sozialdemokratischen Antrag an, wonach wenn sich bei der Berechnung des Ruhegeldes ein Jahresbetrag von mehr als 12000 Mk. ergibt, der Mehrbetrag nicht zur Auszahlung kommen soll.
rNilttävikEes Bündnis ,wl- k<ve« Dolen «. «Sübslawien?
Paris, 2. Dez. Die Reise Les südslawischen Außenministers Mormkowitsch nach Warschau wird mit Verhandlungen über eng« militärische Verknüpfung Polens mit der Kleinen Entente in Zusammenhang gebracht. Das Blatt „Libertë" überschreibt einen dieses Thema behandelnden Artikel mit den Worten: „Die Ab wehrsront gegen Deutschland und Sowjetrußland muß durch den Eintritt Polens in di« Kleine Entente verlängert werden". Das Blatt weist auch auf die ParallelverhanL langen militärischen Charakters hin. Die Abrüstungsfrage soll in den Warschauer Besprechungen besonders erörtert werden.
Die wirtschaftlichen Plane Süd- slawiens werden gleichfâ angebeutet. Man spricht von der Förderung der polmsch-südslawischen Beziehungen über Rumänien hin. Dieser Plan scheint in der Tschechoslowakei sehr unangenehm empfunden zu werden, denn es liegen hier bereits Prager Informationen vor, die Frankreich zu einer Stellungnahme auffordern. Die Tschechoslowakei fürchtet, daß der Transithandel von Polen nach Südslawien abgelenkt werde. Von tschechischer Seite werden Garantien hinsichtlich der Aufrechterhaltung des Transitverkehrs von Polen nach Südslawien über die Tschechoslowakei und Oesterreich verlangt.
Der ungarische Londwirtschaftsminister Jwady erklärte im Parlament u. a. es sei mit Deutschland eine Vereinbarung in Vorbereitung, um im nächsten Jahre mehreren tausend ungarischen Landarbeitern Arbeitsmöglichkeit in Deutschland zu gewähren. Im Hinblick auf die Arbeitslosigkeit in Deutschland wird man diese Erklärung wohl mit Recht bezweifeln
Schwevev Autounfatt Ov. Schachts
Waren (Mecklenburg), 2. Dez. Heute erlitt der frühere Reichsbankpräsident Dr. Schacht, der sich auf der Fahrt von Berlin nach Rostock befand, in einer etwa 5 Kilometer von waren entfernten Ortschaft einen schweren Automobilunfall. Infolge des eingetretenen Glatteises kam der schwere Personenkraftwagen auf der Chaussee vor den ersten Häusern ins Schleudern und fuhr mit voller Wucht gegen eine dort stehende Scheune. Der Wagen wurde auf die linke Seite geworfen und schwer demoliert. Zn dem Wagen befanden sich außer dem ehemalige» Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht sein Sohn und der Chauffeur. während die beiden letzteren fast keine Verletzungen erlitten, hat Dr. Schacht, der im ersten Augenblick bewußtlos geworden war, erheb- liche innere Verletzungen und Schnittwunden davongetragen. Er wurde in eine nahe Dorfschmiede gebracht. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde er dann mit einem herbeigerufenen Auto in das Warener Krankenhaus übergefâhrt. Infolge der erlittenen Verletzungen dürfte Dr. Schacht vorläufig nicht transportfähig sein. Das schwer beschädigte Auto mußte abgeschleppt werden.
waren, 2. Dez. wie das Städtische Kranken- Haus waren um 7 Uhr abends mitteilt, Hal die um 6 Uhr vorgenommene ärztliche Untersuchung des früheren Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht ergeben, daß ihm bei dem Autounfall zwei Ripvea gebrochen sind. Sonst liegen keine inneren Ver- lehungen vor. Das Befinden ist nach wie vor zufriedenstellend.
Kenes SioEen dev Sevdaud- Immen übev die
LNandsthttverfvage
Paris, 2. Dez. Die heutigen Verhandlungen des Völkerbundsrates haben gewisse Schwierigkeiten zutagetreten lassen. Sämtliche Fragen, wie Zusammensetzung der Studienkommission, Text der Resolution, Kommentar dazu usw. sind etwas in den Hintergrund getreten. Der Zwölferrat hat sich heute nachmittag erneut eingehend mit der Frage der Schaffung einer neutralen Zone beschäftigt, für die die Japaner eine Definition gegeben haben, die auf den Widerstand der Chinesen stößt. Die Japaner erklären, daß sie wohl grundsätzlich für die Schaffung einer neutralen Zone seien, sich jedoch das Recht vorbehielten, falls unvorhergesehene be- syndere Ereignisse eintreten, ohne weiteres in die neutrale Zone und sogar darüber hinaus vorzurücken, und zwar ohne vorherige Befragung oder Heranziehung neutraler Beobachter. Sie erklären sich jedoch bereit, sofort nach durchgeführter Aktion den Völkerbundsrat in Kenntnis zu fetzen. Die chinesische Delegation besteht unbedingt auf einer Garantie des Völkerbundes für die neutrale Zone. Diese scharfe gegensätzliche Formulierung beider Auffassungen hatte es dem Völkerbundsrat angebracht erscheinen lassen, in Einzelverhandlungen mit t^n beiden Parteien zunächst diese Frage M bereinigen, ehe man auf die anderen Probls S zurückkomme. Auf alle Fälle ist heute flargefteTX daß man noch mit einer längeren Tagung be \ Rates wird rechnen müssen.
Paris, 2. Dez. Die Heereskommission der Depst- tiertenkammer ist in Nizza eingetroffen, um sich über den Stand der Befestigungsarbeiten in der Umgebung zu informieren. Erst in den letzten Tagen wurden neue Befestigungsbauten in der Gegend von Mentone, deren Kosten sich auf mehr als 50 Millionen Franken belaufen, an verschiedene Jndustriefirmen vergeben.
Rache an einem Echt- betmkehvev?
Paris, 2. Dez. Ein hoher Beamter der hiesigen Handelsvertretung des Rätebunds, Konstantin Zelenski, war auf Antrag der Räteregierung, die ihn der Unterschlagung von etwa 300 000 Franken beschuldigte, strafrechtlich verfolgt worden. Das gestern ergangene Urteil einer Strafkammer stellt die völlige Schuldlosigkeit des Angeklagten und eine „bewußt falsche Beschuldigung" durch die Räteregierung fest. Aus Moskauer Antwortschreiben gehe hervor, daß Zelenski die betreffenden Gelder stets der dafür voraesehenen Kasse zugeführt und die zuständigen Stellen in Mo«kau darüber in aller Form unterrichtet habe. Die Räteregierung habe aber durch eine solche Klage Zelenski bloßstellen wollen, weil er dem Befehl, nach Moskau mrückzukehren, nicht Folge geleistet habe. Die Handelsvertretung wurde zur Tragung sämtlicher Gerichtskosten verurteilt.
Die neuen deutschen Grßrundfunksender
Die neuen Großanlagen Breslau. Leipzig und Frankfurt a. M. werden nach Mitteilung der Reichsvost nicht vor Februar 1932 betriebsfertig sein. Für die weiter beschlossenen Großsender Berlin und Hamburg kann gegenwärtig ein Zeitpunkt noch nicht angegeben werden, da noch verschiedene technische Fragen in Zusammenhang mit dem Ausbau des deutschen Rmrdfunksendernetzes geklärt werden müssen.
Letzte Telegramme
Aus Gvam übev eine #f âm dutts kn den Tod sesan en
Frankfurt a. W., 3. Dez. Als gestern vor. mittag ein Gerichtsvollzieher in einer Wohnung in der Rudolfstraße Möbel abtransportieren wollte, die einem Ehepaar wegen Mietrückstände gepfändet worden waren, fand er die Wohnung verschlossen vor. Er ließ die Tür ausbrechen und nachdem schon mit dem Abträgen der Möbel begonnen worden war, fand man in der Küche die beiden Wohnung», inhaber. die 48jährige Ehefrau und den 84jährigen Ehemann auf einer Matratze liegend tot auf. Sie halten sich mit Zyankali vergiftet und auch den Gashahn geöffnet. Aus einem hinterlassenen Schrei, ben geht hervor, daß der Gram über die Pfändung die beiden Lheleul« in den Tod gelrieben hat.