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E^VGeneralAnzeiger fürAdF^atum Stadt und Land
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Kv. 283
Donnerstag den
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3. Dezember
1931
Deutschland und seine Gläubiger
Gehelmvai Dr. Schmid über Ssrseschichie und Sinn der StiMalteverhau-tuu-e«
Ä»MfJ» Shwyt^OH*
Der Aeltestenrat des Reichstags ist nunmehr für Freitag, den 4. d. M., nachmittags 17 Uhr, einberufen worden. Er wird sich mit dem Antrag der kommunistischen Fraktion auf Einberufung des Reichstags zu befchäftigen^haben.
Das Gerücht, daß ein Reichskommissariat für die Preissenkung beabsichtigt sei, erhält sich hartnäckig, so daß man anzunehmen geneigt ist, daß diese Angelegenheit schon meiter gediehen sein kann, als man noch gestern anzunehmen glaubte. Es werden auch bereits Namen genannt, jo Dr. Tiburtius, Dr. Lejeune-Jung, Klemens Lammers und Reichsminister a. 2. Köth.
Wie die Pressestelle der Deutschen Reichsbahn- Gesellschaft mitteilt, sind die Verhandlungen zwischen Reichsbahn und Reichsregierung über eine Tarif- ermäßigung noch nicht abgeschlossen. Sie werden in den nächsten Tagen weiter fortgesetzt.
Reichskanzler Dr. Brüning, der ursprünglich am kommenden Sonntag in München eine Rede halten wollte, hat dem Wirtschaftsbeirat der Bayrischen Volkspartei mitgeteilt, daß er augenblicklich in Berlin unabkömmlich sei.
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* Hugenberg distanzierte sich in seiner Rede vor der Parteivertretung von den Nationalsozialisten.
♦ Der frühere Reichsbankpräsident Dr. Schacht ist bei einem Autounfall schwer verletzt worden.
Die Industrie- und Handelskammer zu Berlin hat in einer Eingabe an den Reichskanzler zur landwirtschaftlichen Westhilfe Stellung genommen. Sie erklärt darin, daß alle Behauptungen, die Ost- Hilfe durch eine Westhilfe zu ergänzen, nur dazu beitragen würden, die Kreditgebarung zu erschweren, und zu einer „Vertrauenslähmung" führen würden. *
Ueberraschenderweise haben nunmehr die Kommunisten als erste einen Volksantrag (Volksbegehren) auf Auflösung des Oldenburgischen Landtages in die Wege geleitet. Die Auflegung der Listen in den Gemeinden dürfte vom 15. Dezember bis 11. Januar erfolgen.
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Zwischen dem deutschen Geschäftsträger in Bem Und dem Chef des eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartement ist am 2. Dezember durch Notenaustausch vereinbart worden, daß die Kündigungsfrist des deuff-b-schweizerischen Handelsvertrages vom 14. Juli 1926 um weitere zwei Wochen verkürzt wird. Eine am 18. Dezember eventuell ausgesprochene Kündigung werde somit die gleiche Wirkung haben wie wenn sie am 4. November mit der ursprünglich vorgesehenen Frist von drei Monaten erfolgt wäre.
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Nachdem die Verhandlungen über Lohnregeluing Zwischen dem Arbeitgeberverband des früheren Kreises Mettmann und den Gewerkschaften ergebnislos verlaufen waren, einigte man sich gestern vor dem Schlichtungsausschutz Wuppertal, daß die Lohnsätze um 6 Prozent gekürzt werden. Diese Regelung kann erstmalig Ende 1932 gekündigt werden. *
Auf Anfrage wird vom Braunen Haus erklärt, daß die Gerüchte über eine noch bevorstehende Romreise Hitlers unzutreffend seien. Doch sei es nicht ausgeschlossen, daß Hitler, sobald dies ihm erforderlich erscheine, sich ebenso wie nach andern Hauptstädten auch nach Rom begeben werde. Aus dieser Auskunft ist zu schließen, daß Hitler tatsächlich eine Romreise plant, daß aber der Zeitpunkt der Reise von der weiteren politischen Entwicklung abhängt.
. Gegen die italienischen Staatsangehörigen Professor a. D. Carlo Roselli, Journalist Alberto Tarchiani und Photograph Giovanni Bassanesi, wurde die Ausweisungsverfügung erlassen. Es handelt sich hierbei um die Flieger, die über Italien faschistenfeindliche Flugblätter abwerfen wollten, in Konstanz eine Zwischenlandung vornahmen und dort verhaftet wurden.
Wie das sowjetrussische Wirtschaftsblatt „Sa Jndustrialisaziju" mitteilt, hat die Verwaltung der Werke zur Herstellung von Qualitätsstahl erklärt, daß 1932 Hunderte von Ingenieuren erforderlich fein würden, um das Produktionsprogramm durchzuführen. Die Stahlwerke hätten bereits 330 deutsche Ingenieure und Techniker aufgefordertz nach Sonyet- rußland zu kommen, um dort zu den gleichen Bedingungen wie die Sowjetingenieure zu arbeiten. Auch in den Kupferbergwerken könnten deutsche Ingenieure Verwendung finden.
•I Höheres Rehe im politischen Teil
».Die Ausnahme der Schulden was unvermeidbar"
Berlin, 2. Dez. 3m Berliner Rundfunk hielt am Mittwoch abend Geheimrat Dr. Schmitz einen Vortrag über „Vorgeschichte und Sinn der Slillhalte-Verhandlungen", der nach den Vereinigten Staaten übertragen wurde.
Goheimrat Dr. Schmitz führte u. a. aus: Die gegenwärtige Vertrauenskrise in der Welt ist auf zwei Ursachen zurückzuführen: auf den schon seit Jahren artbauernben Druck der Weltwirtschaftskrise, vor allem aber auf das infolge vorwiegend politischer Hemmungen für den Kapstaloerkehr während der letzten Jahre aufgerichtete Riesengebäude an kurzfristigen internationalen Schuldverpflichtungen. Von der Krise betroffen wurden alle Länder, deren kurzfristige Verschuldung an das Ausland über ihre kurzfristigen Forderungen hinausging, ohne Rücksicht darauf, ob sie daneben langfristige Auslandsguthaben aufzuweisen hatten oder nicht.
Die Wurzel des internationalen Mißtrauens ist in dec doppelten Belastung Deutschlands mit politischen und privaten Schulden zu erblicken.
Die deutsche Wirtschaft hatte vor dem Kriege Auslandsguthaben von 20 Milliarden RM, Ende 1923 von nur noch 3 Mrd. RM, dagegen Ende Juli 1931 langfristige Auslandsverpflichtungen in Höhe von 11,5 Mrd. RM auszuweisen. Dazu kamen 7,5 Mrd. Reichsmark kurzfristige Bankschulden und^630 Mil- und der Golddiskontbank. Bei den in der Dessen!« lichkeit genannten darüber hinausgehenden Beträgen dürfte es sich größtenteils um Buchschulden im Rahmen des regulären internationalen Warenverkehrs handeln, denen wahrscheinlich entsprechende Gegenposten in ähnlicher Größenordnung gegenüberstehen. Die in Form von Aktien und sonstigen Beteiligungen in Deutschland angelegten ausländischen Gelder sind auf weitere 4,5 bis 5,5 Mrd. RM zu beziffern.
Die Aufnahme dieser Schulden war unvermeidbar, um dem durch Krieg, Kriegsausgang und Inflation stark geschwächten Deutschland den wirtschaftlichen Wiederaufbau gleichzeitig mit jährlichen Reparationszahlungen von 1 bis 2,5 Mrd. RM zu ermöglichen.
So war in der deutschen Zahlungsbilanz für die sieben Jahre 1924 bis 1930 im wesentlichen nur der rasch zunehmende Kapital- und Zinsenbienst durch laufende Eingänge aus deutschen Dienstleistungen an das Ausland gedeckt. Die Reparationen in Höhe von zusammen 10 Mrd. RM, der Einfuhrüberschuß in Höhe von 6 Mrd. RM und die notwendige Auffüllung des Gold- und Devisenbestandes ber Reichsbank in Höhe von 2 Mrd. RM mußten aus aufgenommenen Krebsten bezahlt werden.
Auf die Dauer war naturgemäß eine Rückzahlung der aufgenommenen Kredite anzustreben.
Die Länder wer' nter- riOtet
Henie -kouievem dee SinanzminWev
Verlin, 2. Dez. 3m Laufe des heutigen Tages find vom Reichsfinanzminister an Ministerpräsidenten und Finanzminisler der Länder Einladungen zu einer Konferenz gangen, die morgen vormittag hier beginnt.
die er-
In der Konferenz soll vor allem vor der endgültigen Entscheidung ein Gesamtüberblick über den Finanzbedarf geschaffen werden. Die Reichsregierung wird die Finanzminister der Länder und Ministerpräsidenten in großen Zügen über ihre Absichten unterrichten, und die Ländcrsinanz- minister werden ihrerseits den Bedarf von Ländern und Gemeinden angeben. Weiter werden dabei eine wesentliche Rolle die Haushalte für das nächste Jahr spielen, da die Reichsregierung besonderen Wert darauf legt, daß die haushalte dex Länder nach Möglichkeit ausgeglichen werden sollen. Bei den Erörterungen wird naturgemäß auch eine Rolle spielen, ob eine weitere Senkung der Personalausgaben zu umgehen sein wird. Auf jeden Fall aber ist eine solche Senkung nur gedacht, wenn es vor- her gelungen ist, die Preise herunterzubringen. Rach dem Abschluß der Länderkonserenz werden die Kabinettsberatungen fortgesetzt. und Zwar wird am Freitag das Kabinett den ganzen Tag tagen. Am Sambia soll dann die Entscheidung fallen.
Von gut unterrichteter Seite erfahren wir: Der Zeitpunkt für die Lohn- und Gehaltssen-
Das war nur auf dem Wege einer Erhöhung des Ausfuhrüberschusses durch Einfuhrdrosselung oder durch eine Verbilligung der deutschen Waren im Vergleich zu den Waren anderer Länder möglich.
Beides bedeutete einen Druck auf den Eigenverbrauch und die Aufnahmefähigkeit des deutschen Volkes für fremde Waren. Unter schwersten Krisenerscheinungen wurde so aus einem Einfuhrüberschuß in Höhe von 3 Mrd. RM im Jahre 1927 ein Ausfuhrüberschuß von 1,5 Mrd. RM im Jahr 1930, dem ein Ausfuhrüberschuß von 2,3 Mrd. RM allein in den ersten zehn Monaten des Jahres 1931 folgte.
Dieser mühevolle Weg, den das deutsche Volk in ehrlichem Erfüllungswillen trotz einer auf 5 Millionen Menschen anwachsenden Arbeitslosigkeit gegangen ist, droht durch zwei in der Macht des Auslandes liegende Faktoren durchkreuzt zu werden: Die plötzliche Zurückziehung der ausländischen Kredite droht unserer Wirtschaft im entscheidenden Augenblick die Betriebsmittel zu entziehen. Dazu versperren sich viele für Deutschland wichtige Länder gegen die
ekkive
ing an Reparationen wie die
Rückzahlung von Krediten erfolgen kann.
Seit Ende Dezember 1930 hat sich die deutsche Auslandsverschuldung um Milliardenbeträge, seit dem Abschlusse des Stillhaltekommests noch um mehr als 1 Mrd. RM verringert. Da diese Rückzahlungen nur unter Rückgriff auf die Deckungsreserven der Reichsbank mit einem Betrag von über 2 Mrd. RM möglich geworden sind, ist ihre Fortsetzung im bisherigen Tempo mit Rücksicht auf die Stabilhaltung der deutschen Währung unmöglich.
Da eine Aufnahme privater Anleihen angesichts der gegenwärtigen Erschütterung des Vertrauens der Kapitalbesitzer in allen Ländern der Welt keinen Erfogl verspricht, sind in letzter Zeit eine Reihe von Plänen zur Konsolidierung der kurzpflichtigen Auslandsverpflichtungen entstanden. Ich persönlich darf auf meinen Vorschlag Hinweisen, der eine Lösung des Problems über die BIZ. vorsieht. Ueber die endgültige Lösung wird sich die demnächst zusammentretende Stillhaltekommission schlüssig werden müssen.
Welchen Modus man auch wählen mag, die innige finanzielle Verkeilung, die zwischen Deutschland und feinen heutigen Gläubigerstaaten in einem Zeitraum von acht Jahren entstanden ist, ist nicht plötzlich zu lösen.
tungen liegt im Augenblick immer noch nicht fest. Sicher ist nur, daß sie im Dezember nicht mehr in Kraft gesetzt werden. Bei den Beamten ist das schon deshalb nicht möglich, weil die Dezembergehäl- ter ja bereits ausgezahlt sind. Soweit die Prival- angeslellten und die Arbeiter in Frage kommen, ist natürlich auch eine gewisse Anlaufzeit vonnöten und zwar schon mit Rücksicht auf die Rechts- und Sün- digungsverhüllnisse. Man hofft, daß sich inzwischen bereits die ersten Auswirkungen der Preissenkungsaktion zeigen, so daß die Preis- und Lohnpolitik sich Zug um Zug durchsetzt.
Vollkommen unklar ist im Augenblick noch, wie weit sich Ausgleich-möglichkeiten für die Einkommensenkung auch aus »iner Herab setzung Ler Mieten ergeben Es scheint, daß der Gedanke einer generellen Mietsherabsetzung bereits überholt ist und auch die Anwendung auf die Neubauten erheblichen Schwierigkeiten begegnet, weil dieses Problem bereits auf den zweiten Hauptteil der Notverordnung nämlich die Sicherung der öffentlichen ; Haushalte übergreift. Die Herabsetzung der Mieten würde eine Senkung der Hauszinssteuer bedingst und das ist in einem Augenblick, in dem außer der (Fortsetzung auf Seite 2)
Dev Sehlschlag dev Lndien -^onfevem
Die Jndienkonferenz ist nach mochenlanger Tagung in London ergebnislos geschloffen worden. Gandhi, der Vorkämpfer der indischen Unabhängigkeitsbewegung, nahm diesmal an den Verhandlungen teil. Er vertrat die indische Kongreßpartei, die mächtigste indische Organisation, die den Kampf für die Befreiung Indiens von englischer Vorherrschaft ausgenommen hat. Seine Anwesenheit ließ anfangs immerhin die Mögilchkeit zu, daß aus der Indischen Konferenz in London eine schiedlich-friedliche Lösung des indischen Problems gefunden werden könne. Aber alle Erwartungen dieser Art sind getäuscht worden. Die Konserenz ist nicht über die scharfen Gegensätze zwischen den Hindus und den Mohammedanern in der Frage der Kommunalvertretungen hinweggekommen und daran ist dann jede Verständigung über die künftige indische Verfassung gescheitert.
Die Dinge liegen nun so, daß ein Der» fassungsentwurf vorhanden ist, der Indien unter starken Einschränkungen und unter Währung der englischen Hoheitsrechte ein Parlament und eine gewisse Verwaltungsautonomie gewähren will, daß aber über die Inkraftsetzung dieses Entwurfs mit den Ver-
worden ist. Die Indische Kongreßpartei lehnt den Entwurf als ganz unbefriedigend ab. Gandhi sollte in London Verbesserungen erzielen und davon seine Annahme oder Ableh» : nung abhängig machen. Zu einer abschließenden Entscheidung ist es aber gar nicht gekommen, so daß das ganze indische Problem heute noch genau so sehr eine offene Frage ist wie vor den sogenannten „Round- Table-Konferenzen".
Man befürchtet infolgedessen neue Unruhen in Indien. Gandhi hat bereits in London erklärt, sein Weg trenne sich jetzt von dem des englischen Ministerpräsidenten Macdonald. Der englische Ministerpräsident will die indische Konferenz in der Gestalt von Ausschüssen in Indien weiter tagen lassen. Die Ausschüsse sollen in den Fragen der indischen Verfassung und Verwaltung eine Verständigung mit den Indern suchen. Die Frage der Kommunalvertretungen will Macdonald selbst entscheiden, wenn die Hindus und die Mohammedaner sich nicht innerhalb einer bestimmten Frist zu einigen vermögen. Die Ausschüsse sollen in Indien unter dem Vorsitz von Lord Sankey tagen. Man sieht ihren Verhandlungen in London nicht mit sehr großen Erwartungen entgegen, sondern man fürchtet, daß revolutionäre Unruhen die Antwort Indiens auf den ergebnislosen Abbruch der Konferenz sein werden.
Gandhi soll mit der englischen Arbeiterpartei und mit den englischen Gewerkschaften eine Verständigung erzielt haben, dahingehend, daß die Partei und die Gewerkschaften das Recht Indiens auf Unabhängigkeit anerkennen und Indien dafür der englischen Einfuhr eine Vorzugsbehandlung sichert. Ausgeschloffen von dieser Vereinbarung sollen solche englische Waren sein, die nicht unter den von den Gewerkschaften bestimmten Produktionsbedingungen hergestellt sind. Mit diesem „Gegenseitigkeitsvertrag" kann aber Gandhi nicht viel ' anfangen, denn die Arbeitervartei wird auf Jahre hinaus von jedem Einfluß in England ausgeschaltet sein. Die Konferenz hat die runde Summe von sechs Millionen Mark gekostet.
Zndkendedatte im englische« ÄtttsVhaus
London, 2. Dez. Im Unterhaus wurde heute nachmittag Lie auf zwei Tage berechnete Aussprache über die indische Frage mit dem Antrag Macdonalds, Lie in feiner Erklärung in der Schlußsitzung der Rundtischkonferenz bargelegte Innenpolitik Ler «Regierung zu billigen, eröffnet. MacdonalL erklärte, Lie
Vie heutige Kummer umfaßt 14 Sekten