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Mittwoch, den 2. Dezember 1531

Nr. 282

feste Gestalt, doch gelang es damals nicht, den Täter festzustellen. Nun ist ihm die Kvimiiialpolizei durch einen Zufall auf die Spur gekommen. In Aschaf. fen-burg war vor einigen Tagen ein junges 16jäh- riges Mädchen von zuhause ausgerissen. Es wurde hier ermittelt und gab bei seiner Verneh­mung an, daß es die Flucht ergriffen habe, well ihr Vater sie in unsittlicher Weise bedrängt«. Wei­ter erzâhür das Mädchen, daß ihr Vater sich mit Abtreibung befasse und daß durch feine Schuld in Frankfurt eine Frau gestorben sei. Die Kriminal- pvl-izsi nahm den Vater fest, und der Ehemann der verstorbenen Frau erkannte in ihm tatsächlich den Täter wieder, der bei seiner Frau die unerlaubten Eingriffe vorgenommen hatte.

Erste praktische Anwendung des Freiwilligen Hilfsdienstes

32 Jugendliche bauen einen Wandererschuhweg

: Durch die letzten Notverordnungen, durch die die Unter"-'"-------- ^"-----^

tret) die letzten Notverordnungen, durch die irstützungen für die Arbeitslosen in mancher Hinsicht stark gekürzt, z. T. sogar ganz in Wegfall gekommen sind, ist der Gedanke des Freiwilligen Hilfsdienstes wieder stärker in den Vordergrund getreten und jetzt quch erstmals in unserem engeren Heimatgebiet zur Anwendung gebracht worden. Der Technischen Nothilfe, Landesverband Hessen, war es vorbehalten, diesen ersten praktischen Schritt zu tun, indem sie einen schon lange gefaßten Plan, einen Wandererschutzweg vom Roten Kreuz nach dem Feldberg im Taunus zu bauen, in die Tat umsetzte. Für den Bau dieses Weges, der mitten durch den dichten Wald nach dem alten Gasthaus Walküre auf dem Feldberg führt, wurden 32 junge Leute aus Frankfurt, Cronberg und Nieder- bezw. Oberreifenberg eingesetzt, die erwerblos sind, aber keine Unterstützung bekommen, weil sie bei ihren Ettern wohnen. Die Technische Nothilfe hat pro Mann und Tag 2 Mark zur Verfügung gestellt, wozu noch 1 Mark pro Mann und Tag durch den Taunusclub kommt, der natürlich ein gewisses Interesse an dem Bau des Weges, desTenoweg" (Technische Nothilfe-Weg) hat. Von diesen drei Mark geht die Verpflegung und die Unterkunft für die jungen Leute ab, aber immerhin werden ihnen noch 1. bis 1,50 Mark pro Tag ausgezahlt werden können. Der Hauptvorteil dieses Hilfs­dienstes ist in moralischer Hinsicht zu suchen. Die jungen Leute kommen von der Straße und werden aus der Untätigfeit herausgerissen. Dazu kommt in diesem Falle noch der große Vorteil, daß sie im Walde und in frischer Luft arbeiten können und auf einige Wochen den elterlichen Etat nicht be­lasten. Auf Einladung der Technischen Nochilfe fand heute eine Besichtigung der Wegebauten durch die Treffe statt, wobei mit Genugtuung festgestellt werden konnte, daß die jungen Leute mit großer Begeisterung ihrer Beschäftigung nachgehen und mit Schrecken an die Beendigung der Arbeit den­ken. Herr Dr. Frey vom Frankfurter Arbettsamt machte erläuternde Angaben über die arbeitsrecht­liche Grundlage des freiwilligen Hilfsdienstes, von dem man sich natürlich nur in einem beschränkten Rahmen eine Erleichterung des Arbettsmarktes versprechen könne, denn über 21jährige Arbeitslose kommen für diesen Hilfsdienst wohl kaum in Frage, weil deren Unterstützungssätze ja höher liegen, als durch den freiwilligen Hilfsdienst bestem falls 12 Mark pro Woche verdient werden kann. Der Weg geht rüstig seiner Sollendung entgegen, und in spätestens 14 Tagen wird er dem Verkehr übergeben werden können, - freudig begrüßt von allen Taunuswanderern, die' jeßt'ungehinderk durch

den starken Autoverkehr vom Roten Kreuz dem höchsten Gipfel des Taunus zustreben können.

Aus Kah und Seen

Zwölf Jahre Zuchthaus wegen Körperverletzung mit Todesfolge

Kassel, 1. Dez. Das Schwurgericht Kassel ver­urteilte heute den 58jährigen Weißbinder Deist aus Oberellenbach im Kreise Rotenburg wegen vorsätz­licher schwerer Körperverletzung mit Todeserfolg zu zwölf Jahren Zuchthaus. Der Staatsanwalt hatte wegen Mordes die Todesstrafe sowie Ab­erkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebens­

zeit beantragt. Deist hatte in der Nacht zum 1. Na vemüer ds. Js. den Bergmann Kirchner Wohnung in Oberellenbach überfallen durch Messerstiche so schwer verletzt, daß

in dessen und ihn Kirchner

nach einigen Tagen starb.

Selbstmord auf den Schienen

Darmstadl, 1. Dez. Auf der Strecke Darm- stadt-Eberstodt warf sich heute die 18jährige Elisa­beth Dächert aus Eberstadt vor einen Personenzug. Das Mädchen, dessen Beweggründe zur Tat noch micht feststehen, wurde auf der Stelle getötet.

Ein merkwürdiger Selbstmordversuch.

Eberstadl, 2. Dez. Ein Schneider aus Eber? stadt versuchte seinem Leben durch Selbstmord ein Ende zu machen, indem er sich eine lange Packttadel ins Herz st«ß. Mit der Nadel im Herz fuhr er nach Frankfurt, wo er Verwandten seine Derzweiflungs- tat eingestrnd. Inzwischen waren seit seiner Tat 24 Stunden vergangen. Er wurde nach dem Hei­liggeisthospital verbracht, wo er sich sofort einer Operation unterziehen mußte. Sein Zustand ist «rnst.

Raubüberfall vor dem Gießener Reichsbankgebäude

Gießen, 1. Dez. Vor der Reichsbankneben» stelle in Gießen wurde, nach einem Bericht der Gießener Kriminalpolizei, gestern zwischen 10 und 11 Uhr ein junges Mädchen, das mit einem einge­lösten Wechsel in der Hand das Bankgebäude ver­lassen hatte, von zwei jungen Burschen in räube­rischer Absicht überfallen. Die Täter, die in dem Papier allem Anschein nach Bargeld oder Geldes­wert vermuteten, entrissen dem Mädchen das Pa­pier und ergriffen dann schleunigst die Flucht. Die polizeilichen Nachforschungen sind im Gange.

âit ein nettes Gehalts- abbau?

Von Heinrich Auerbach, Gauvorsteher im DHV.

Eine neue Lohn- und Gehaltsabbauwell« ist seit einigen Wochen im Gange. Als einzige Be­gründung wird die Notwendigkeit einer wetteren Selbstkostensenkung gegeben. Mit dieser Begrün­dung läßt sich allerdings eine Gehaltssenkung so­weit vertreten, bis die Löhne und Gehälter zu einem Nichts herabgedrückt sind. Tatsächüch sollen

Man bereuet 6» aus die SKvecke« des künftigen GaskvieseS vor

Gasfchutzubung in Metz (Elsatz-Lothrmgen.

In allen Ländern rings um Deutschland ist man seit langem dazu übergegangen, die Zivilbevöl­kerung aus die Schrecken des Gaskrieges der Zukunft vorzubereiten. Fast regelmäßig finden in den französischen Grenzstädten Uebungen statt, an denen alle priviaten und öffentlichen Sani- tätsmannschasten teilnehmen. Nur in Deutschland ist man bisher über spärliche Anfänge des Gasschutzes nicht hinausgekommen.

Gin Vansisandal vor Gericht vetlerinwirtschafi beim Fechenheimer Bankverein.

Frankfurt a. M., 1. Dez. Die Verfehlungen, die bei dem Fechenheimer Bankverein, einem genos­senschaftlichen Unternehmen, begangen sein sollen, stehen gegenwärtig vor Gericht zur Debatte, denn Dienstag begann vor dem Erweiterten Schöffen­gericht die Verhandlung gegen die Beteiligten. An- geklagt sind der 54jährige Peter Achenbach, der 46- jährige August Bingemer und der 58jährige Theod. Weil. Erstere waren Vorstandsmitiglieder, letzterer ist Aufsichtsratsmitglied des Bankvereins gewesen, der im Herbst vorigen Jahres zusammenbrach und sich heute heute in Liquidation befindet. Den drei Angeklagten wird Untreue in den Jahren 1924 bis 1930 vorgeworfen, und zwar sollen sie ohne genü­gende Sicherheiten und über die in den Statuten vorgesehene Höchstgrenze hinaus Kredite gewährt haben, Achenbach und Bingemer werden außerdem

zeigte, daß gegen die Satzungen in erheblichem Um­fang gesündigt wurde und Achenbach macht kein Hehl daraus, daß es gar nicht durchzuführen war, sich genau an die Vorschriften des Statuts zu hal­ten. Achenbach gesteht zu, daß bei Krediten die Höchstgrenze überschritten wurde, und daß Kredite gegeben wurden, die er sich erst nachträglich geneh­migen ließ Allerdings gingen manchmal Vorbe­sprechungen voraus. Achenbach drückt sich dahin aus, daß er heute so ein Amt nicht mehr annehmen« werde, denn man ernte damit nur Undank.Sie haben aber auch Gehalt geerntet", hält ihm der Vorsitzende vob. Daß mckn sich verbindlich zeigte, hing vielfach mit der mehrfachen Verschwägerung .zusammen und es werden einige Fälle aufgezählt, die beweisen, wie man verwandt war. Bingemer war mit einem Vorstandsmitglied und zwei Auf­sichtsratsmitgliedern verwandt und Weil ist der Schwager eines Vorstandsmitglieds. Die Kredite, die Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern gegeben wurden, steigerten sich im Laufe der Jahre beträcht­lich. 1926 gab man Kredite in Gesamthöhe von 428 000 RM, davon 136 000 RM an Vorstands­und Aufsichtsratsmckglieder. Jedes Jahr nahm das zu und 1930 waren die Vergleichsziffern 632 000 Reichsmark bzw 303 000 RM. Achenbach selbst hatte dem Bankverein eine Sicherheit in Höhe von 20 000 RHt für sich bestellt und später hierfür eine Grundschuld gegeben. Er bekam einen Kredit von 5000 RM eingeräumt, der aber überzogen wurde. Noch heute sind die von ihm schuldigen 5800 Mark nicht abgedeckt. Wie gewirtschaftet wurde, zeigen zwei besonders typische Fälle. Dem reichsten Mann .in Fechenheim und seiner Mutter hätte man einen

Kredit von 140 000 RM eingeräumt, obgleich nur 30 000 RM statthaft gewesen wären. Das Konto Bingemer war mit 51000 RM überzogen, davon

auch die neuen Gehälter nur wenige Monate Gel­tung haben, well man vermutlich dann an einen weiteren Abbau denkt.

Der Berliner Schlichtungsausschuß hat diese Situation jetzt in einem Schiedsspruch für die Metallarbeiter richtig erkannt, indem er eine wei­tere Lohnsenkung mit der Begründung ablehnt, daß eine weitere Kürzung der Bezüge der Arbeitneh­mer unmöglich sei, so lange die Lebenshaltung nicht durch Herabsetzung der Lebensmittelpreise wesentlich verbilligt würde, oder die Mieten und städtischen Tarife nicht gesenkt, sowie Steuern und soziale Versicherungsbeiträge nicht verringert wür­den. Hier liegt tatsächlich das Kernproblem. Auch der Herr Reichskanzler und Reichsarbeitsminister haben wiederholt dargelegt, daß mit Lohnsenkungen allein der Krise nicht beizukommen sei. Aus dieser Haltung erklärt sich auch wohl die Meldung über den vom neuen Wirtschaftsbeirat erwogenen Preis­abbau, dem ein Lohnabbau folgen soll.

Der Einzelhandel warnt vor falschen Hoff­nungen in bezug auf weiteren Preisabbau. Tat­sächlich ist der Umsatz in den nicht zum dringenden Lebensbedarf gehörenden Branchen stark einge- idyräntt. (Das gute Möbelgeschäft leitet sich aus den Gründen der Inflationsfurcht her.) Hier zeigt sich die klare Folge der Lohn- und Gehaltskürzun­gen, die bei den Angestellten bisher im Durch­schnitt Mischen 15 und 20 Prozent betragen. Die

waren allein 26 000 RM Zinsen gewesen. Jahre­lang wurden da keine Zinsen abgetragen. Zur Frage der Depotunterschlagung ergab sich folgendes: Die Banken unterscheiden ein Depot A. und Depot B. Effekten des Depots A. unterliegen dem Pfand­recht der Bant. Achenbach sagt, daß ihm dieser Be­griff erst nachträglich bekannt wurde. In dem De­pot A. der Dresdner Bank hatte der Fechenheimer Bankverein Aktien von Mansfeld und Zellstoff Mannhei mliegen. Diese Aktien wurden heraus- asnommen und an ihrer Stelle 1200 RM I. G. Farbenaktien eingelagert, die Eigentum von Kun­den waren Nach der Zahlungseinstellung des Fechenheimer Instituts hat die Dresdner Bank diese Aktien exekutieren lassen. Die Verteidigung wirst die Frage aus, ob die Dresdner Bank, nachdem sie wußte, daß die Aktien nicht der Fechenheimer Bank waren, die Aktien exekutieren dürfte Der 58iah»

Aussichtsratsmitglied war, ein neroenleidender Zeuge, der zeitweilig 50100 Personen beschäftigte, also immerhin ein Mann ist, der in geschäftlichen Dingen einige Routine besaß, hat in seiner Eigen­schaft als Vorstand, wie seine Aussage beweist, fast völlig versagt. '

Dienstvorschriften hat er nicht gesehen, von gro­ßen Verlusten war chm nichts bekannt. Daß zu hohe Kredite gegeben wurden, wußte er nicht. Von den Büchern «verstand er, wie er zugab, nichts. Die Buchführung war nach den Aeußerungen des Buch- ,sachverständigen Dr. Apelt derart, daß leicht zu übersehen roar. wohin die Kredite kamen. Aber der Zeuge sagt, daß er Laie in der Buchführung sei. Der Zeuge, der nervenleidend ist, blecht unbeeidigt. Der Zeuge Maurermeister Berg hatte 10 000 RM Kredit erhalten und eine Sicherungshypothek von 10 000 RM gegeben. Der Kredit wurde um 9300 Reichsmark überschritten und außerdem hat der Zeuge noch 5000 RM für eine Bürgschaft zu ent­richten. Der Zeuge weist auf seinen sehr beträcht­lichen Umsatz und auf die Tatsache hin, daß der Bankverein keinen Pfennig an ihm verliere. Er hat bis heute 18 000 RM zurückgezahlt und auch den Rest wird er begleichen. Der Zeuge, der im Auf­sichtsrat war, hatte keine Anhnung, daß das Konto Bingemer überzogen war. Der Maurermeister hält die Entwertung des Grundbesitzes für das schreck­lichste, was passieren konnte. Er habe sein Haus mit 20 000 RM erworben und nachher noch 4000 Reichsmark für Umbauten hineingesteckt. Jetzt sei sein Besitztum auf 2500 RM bewertet worden. Wenn man unser bißchen Besitz so entwertet, wo­her soll ich die Mittel zum Abdecken der Schulden nehmen?" fragt der Zeuge. Nach weiteren Zeugen­vernehmungen wird die Verhandlung auf Mittwoch vertagt

Handwerker empfinden schon heute den Kaufkraft- ausfall mit am stärksten. In der Zeitschrift der hessischen HandwerkskammerHessisches Handwerk und Gewerbe" vom 1. 11. 31 ist ein sehr bemer­kenswerter Aufsatz enthalten:Einkommensminde­rung eine Gefahr für die Handwerkswirtschaft", in dem die verhängnisvollen Folgen der seitherigen Einkommensverkürzungen dargelegt werden. Die Angestellten sinken durch weitere Gehaltskürzungen aus der Mitekschicht des Volkes zurück und können sich nur das Allernötigste zu einer sehr dürftigen Lebenshaltung kaufen. Kürzlich schrieb ein führen­des deutsches Unternehmerblatt:

Auch gibt es Arbeitnehmerschichten, denen man aus gewichtigen sozialen Erwägungen nur gerin­gere Opfer als etwa dem Durchschnitt anmuten darf. Insbesondere die Angestelltenschaft bei der auch die Frage der Arbeitszeitverkürzungen anders als bei der Arbeiterschaft gelagert ist vor der rest­losen Proletarisierung zu bewahren, ist wohl eine Ausgabe, die sehr ernster Prüfung bedarf, bereits die Inflationskrsi« von Jahre 1923 hat hier schwer« gesellschaftliche Schäden hinterlassen."

Das ist durchaus richtig gesehen. Leider ist in der Praxis von bieder Haltung nichts zu merken. Di« Betriebe, haben im übrigen ja nicht nur durch starke Verminderung des Gehaltes des einzelnen Angestellten ihr Gehaltskonto, entlastet, sondern gerade im rhâ-moi nischen Wirtschaftsgebiet haben

lehr starke Entlassungen von Angestellten statt««« funden. Im gesamten Hessen-Nassau sind 30000 stellenlose Angestellte gemeldet. Viele Tausende stellenloser Angestellter werden von den Arbeits­ämtern überhaupt nicht mehr erfaßt. Wir kennen viele Beispiele, wo durch Kurzarbeit, Wegfall der Leistungszulage und Gratifikationen, sowie durch Tarifkürzungen Angestellte mehr als die Hälfte ihres Gehaltes «ingebüßt haben, trotz der gleichen Arbeitsleistungen, die von ihnen verlangt werden.

Es darf auch nicht übersehen werden, daß der eingetretene Preisabbau durch neue Steuer- belastung des Angestellten mehr als aufgehoben wurde. (Erhöhung der ArbeUslosenversicherungs- beiträge, Ledigensteuer, Krisensteuer, Erhöhung der städtischen Tarife und Gebühren, demnächst Bür­gersteuer usw.). Diese und die anderen zwangs­läufigen Ausgaben (Miete, Lohnsteuer, Schulgeld usw.) machen heute beim Angestellten mehr als die Hälfte seines Einkommens aus, so daß für die Bedarfsdeckung in Nahrungsmitteln und Kleidung ein immer geringer werdender Betrag und für Hausrat und Kulturwerte gar nichts mehr übrig bleibt.

Auch die tariflichen Mindestgehälter von ge­ringen Ausnahmen abgesehen sind längst zu Höchstgehältern geworden, für viele der Angestell­ten stehen die Tarifgehälter nur noch auf dem Pa­pier. Die von Unternehmerseite auch viel geforderte Tarifelastizität, um Löhne und Gehälter beweglich zu machen, besteht im Frankfurter Angestellten: tarif längst durch den Tarifausschuß (für andere Tarifgebiet«'sind die Angestellten bereit, ihn ein» zufühven). Der Tarifausschuß kann denjenigen Betrieben, die nachweislich in besondere Bedräng­nis geraten sind, untariflichs Bezahlung für einen gewissen Zeitraum zugestehen um den Betrieb über Wasser zu halten oder Entlassungen zu vermeiden. Eine größere Anpassung an die Erfordernisse der Wirtschaft kann von den Angestelltenvevbänden schlechterdings nicht verlangt werden.

Die große Vertrauenskrise und Kre­dit k r i s e in unserer Wirtschaft hat auch für die , Angestellten erhebliche Bedeutung. Will man die Kaufkraft, deren vielgelästerte Theorie jetzt auch von vielen Unternehmern als Realität erkannt wird, nicht völlig erschlagen (von Spar kraft ist wohl bei den Angestellten nicht mehr zu redens, legt man Wert auf eine dem P r i uat k a pi ta- l ismus freundliche Gesinnung bei den Angestellten, dann muß aber den Angestellten auch in der eingeschränktesten Wirtschaft eine ange­messene Lebenshaltung ermöglicht werden.

Eine so hoch entwickelte Volkswirtschaft, wie die deutsche läßt sich nicht mit Elendslöhnen und Elendsgehältern aufvechterhalten. Der dann ein- . fetzende Schrumpfungsprozeß éürbè mit Riesen- , schritten zur völligen Auslösung und Anarchie füh- ren. Eine Entnationalisierung größten Umfanges würde «insetzen, die Menschen würden wieder zu den Arbeitsmethoden ihrer Väter zurückkehren und die gesamten ungehuren Kapitaleinvestitionen in Industrie, Handwerk und Gewerbe wären zu einer 100prozentigen Fehlinvestition geworden. Schließ­lich bedeutet die Herbeiführung eines noch tieferen Lebenshattungsstandes in Deutschland ganz allge­mein gesehen eine Mithilfe zur Tribut- versklavung. t

Also ein weiterer Abbau der Realgehätter blt den Angestellten hilft der Wirtschaft nicht, sonder, führt sie dem völligen Aibgrunb entgegen.

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Berlin, 30. Nov. Der Kriegsbeschädigten :M schuß des Reichstages trat am Montag zusan mwi um sich auf Grund verschiedener Anträge mit dem Stand der Kriegsbeschädigtenversorgung zu be­fassen, wie sie in den.letzten Notverordyüngen ge­staltet worden ist. In der Aussprache kam zum Ausdruck, daß die Kriegerwitwen, Kriegereltern < und Kriegerwaisen nicht nur durch die Notverord- ' nungen, sondern mehr noch durch die neuen Be­stimmungen über d.ie Zusatzrente und die Ein­schränkung der Kannbezüge (Elternbeihilfe, Er­ziehungsbeihilfe usw.) vielfach in Not geraten sind. Auch über andere, Härten wurde Klage geführt. Für die zahlreichen Siedler und Besitzer von Eigen­heimen unter den^Versorgungsberechtigten wurden Erleichterungen gewünscht.

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Di« Verbindung mit der Gelslerwelt

Berlin, 1. Dez. Die Staatsanwaltschaft hat gegen den in der Untersuchungshaft befindlichen Schriftsteller Mayrowitz, der sich auch Chringhausen nannte, gegen die Schriftstellerin Fahrenkamp und eine Frau Hartog Anklage wegen Urkunden fälschung und Betruges erhoben. Es handelt dabei um Personen, die die spiritistischen Neigungen der kürzlich verstorbenen 70jährigen Kunstmalers- Witwe Grönwald dazu benutzten, um ihr Geld zu entlocken. Sie hat Mayrowitz, nachdem er der 70- erigen Witwe ein Gedicht überbrachte, das niü n NamenDer liebe Berndt", dem Vornamen des verstorbenen Kunstmalers Grönwald, unter­zeichnet war, Frau Grönwald 15 000 Mark ent­lockt. Er hatte ferner einenDeutschen Minnebund gegründet, in dem mit der Geisterwelt in Verbin­dung getreten werden sollte. Auch in einem dazu gegründetenMariesibund" sollten die Geister Verstorbener zu Rate gezogen werden. Die Staats­anwaltschaft hat auch Das Ermittlungsverfahren wegen des Todes der Greisin noch nicht abge­schlossen. Ein noch nicht ermittelter Bekannter Frau Grünwalds hatte sie aufgefordert, 10 Tage lang ohne zu essen zu knien und zu beten. Ernst dann würde sie mit dem Geist ihres verstorbenen Mannes in Verbindung treten können. Die alte Frau ist dabei an Entkräftung gestorben. Eine An­zahl von Personen, vornehmlich Schriftsteller sind Schriftstellerinnen, werden nun als Beschuldigte vernommen, ohne daß die Staatsanwaltschaft bis­her ausreichendes Material zur Klageerhebung er­langen konnte. Frau Grönwald soll um weitere 100 000 RM geschädigt worden sein. Ein Betrüger, der Schriftsteller Vistuba, der von chr Gelder er­schwindelt hatte, ist bereits vor einigen Wochen vom Schöffengericht Berlm-Mitte zu 1 Jahr 9 Mo­naten Gefängnis verurteilt worden.