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Montag, den 30. November 193.

Seife 7

Eiidseefahrten heimkehrte, meinte er, daß ein südlicher Erdteil — vorausgesetzt, daß man ihn fände — wohl immer wertlos bleiben müsse. Trotz dieser Ansage wimmeln die Gewässer jetzt all- sommerlich von norwegischen Walfängern, die eine jährliche Jagdbeute im Werte von 60 Millionen Mark machen. Shackleton hat Grund, das Dasein ungeheurer Kohlenlager zu vermuten. Scott fand Kupfer. Im Rotem Berge, den Shackleton auf dem Wege zum Pol überschritt, kommt Eisen vor. Mawson stellte auf Adelieland nutzbare Mineralien fest. Scotts Nordgruppe unter 'Professor Edge- woorth David meldet Titan von der Depot-Insel, die als wunderbares geologisches Museum und mineralogische Schatzkammer geschildert wird. Alles dar deutet auf Zukunftsmöglichkeiten.

Merkwürdigenweise weiß man erst seit 90 Jahren vom Dasein eines südlichen Erdteils, dessen Oberfläche auf 12 Millionen Geviertkilometer ge­schätzt wird. Erst seit 30 Jahren erforscht man ihn planmäßig. Der Gedanke an einen Erdteil im fern- En Süden spukte allerdings schon seit alten Zeiten, ngsam und sicher drang die Erdforschung vor. Die Entdecker von Neuguinea, Australien, Neusee­land, Tasmanien sahen immer wieder das Meer an die Südküste ihres Neulandes branden. Aber nie­mand ließ die Hoffnung finken. Ein seltsamer Glaube an das Land im Süden schien die Einbil­dung zu beherrrschen. De Brosses, Vorsitzender des Dijoner Parlaments, schrieb 1756: „Der be­rühmteste Herrscher der Neuzeit wird sein, wer der südlichen Welt seinen Namen gibt." Stetig ver­engte sich der dem Erdteil zumehbare Raum. Doch die zunehmende Unwirtlichkeit der Meere begann den Glauben an ihn zu erschüttern. Erst Kapitän Cook betonte wieder die Wahrscheinlichkeit seines Daseins und die Schrecklichkeit seiner Natur. Durch seine Weltumfahrung in hohen südlichen Breiten hob Cook das Festland am Südpol aus dem Be­reich der Sage. Er bewies, daß es südlich des 60. Breitengrades liegen müsse. Zweimal querte er den Polarkreis auf der Suche nach einem Durch­laß im Packeis. Jedesmal stieß er auf Widerstand. Das nächste halbe Jahrhundert war Zeuge einer andersartigen Unternehmungslust. Weniger auf der Suche nach reichen Ländern als vielmehr nach sofort greifbaren Reichtümern in Gestalt pelztragm- der Tiere drangen amerikanische und englische Robbenschläger weiter und weiter füdwärt vor. Im Kampf um' jungfräuliche Jagdgründe trotzten sie den Gefahren des Eises in gebrechlichen und von der Mundfäule verseuchten Schiffen. Sie entdeck­ten dir Falklandinseln, Südgeorgien und Südshet- Kind.

Die bewußt planmäßige Entdeckung beginnt mit dem Jahre, in dessen Verlauf der Franzose D’Ur- Bitte, der Amerikaner Wilkes und der Engländer Roß den Rand des Südlandes abtasteten. D’Ur- ville lief mit zwei Korvetten als erster aus. Nach einem vergeblichen Versuch, südlich von Südshet­land Land zu finden, segelte er 1840 wieder von Hobart Town aus und entdeckte das Adelieland, einen Gürtel weitausgreifender Eisklippen. Auf einem Inselchen fanden seine Leute einen Fels­block, den die Wissenschaftler hastig in Handstücke zerschlugen. An dieser Küste begegnete man der „Porpoise", einem von Wilkes Schiffen. Ein Kon- qreßbeschluß hatte das Wilkessche Unternehmen ins K Leben gerufen. (18. Mai 1836). Seine Flotte be- ,,lta ierha Ellchetlün, um »hihU^k —_________„ern oder sonstwie I^WWWn. Man segelte am 18. August 1839 von Norfolk (Virginia). Nach einem mißglückten Aus- fall unterhalb Südshetlands stützte sich die Flotte auf den Hafen von Sidney. Am 26. Dezember 1839 ging sie wieder gegen das Packeis vor. Trotz der ungeeigneten Schiffe focht sich Wilkes 1840 zum Rande des Kontinents durch, worauf er dann feinen Anspruch aus die Entdeckung eines ungeheuren Fest, landes gründete. Heute steht man dieser Behaup­tung etwas nüchterner gegenüber.

Roß dagegen brauchte nicht unter Zweifeln hu , leiden. Im September 1839 schickte ihn sein Flottenamt aus, um nach dem magnetischen Pol und dem Festland zu suchen. Der „Erebus", 370 Tonnen, und der „Terror", 340 Tonnen, waren Kriegsschiffe und somit sehr stark gebaut. In Hobart auf Tasmanien hörte Roß von ben Er- folgen D'Urvilles und des Amerikaners Wilkes. »Som Gedanken beflügelt, daß England stets ge- Shat, im Norden wie im Süden", beschloß er a Vorgängern auszuweichen und weit östlich längs des 170. Grades vorzWringen. Hobart im Dezember 1840 verlassend, schob er seine Schiffe am 5. Januar 1841 ins Packeis. Vier Ta^e später schwamm er auf den blauen Wogen des Meeres, oas seitdem seinen Namen trägt. Am 11. Januar tauchten die Schneegebirge um Mount Sabine auf, dann die Admiralitätsberge und schließ«^ das niedrige Kap Adara. So enthüllte sich ihm des Südlandes abschreckende Küste. Mit südlichem Kurs Öte er sich an den Magnetpol heranzuschlängeln. erwegs sichtete er die Prinz-Albert-Berge und dann den tätigen Feuerberg Erebus mit dem er­loschenen Terror nicht weit davon. Sich zähe durch­stemmend, gewann er weiteren Einblick. „Als wir uns unter vollen Segeln dem Lande näherten, be­merkten wir einen niedrigen weißen Streifen, der sich in die östliche Ferne verlor. Er bot einen sonder­baren Anblick, wie er beim Näherkommen allmäh­lich höher wuchs. Endlich erwies er sich als senk­rechte Eisklippe, die 45 bis 60 Meter über dem Mes- resspiegel aufragte. Oben war sie vollkommen platt. Die Vorderseite zeigte weder Risse noch Vorsprünge.

So wurde der große Eissockel entdeckt, die Roß­barre Sie bedeutet die Oberfläche, auf der später «ei Gruppen den Südpol erreichten, zwei zu Fuß, eine im Fluge. Die letzte ist die Expedition des „flie- Lenden Admirale", Richard E. Byrd. Er hat ein E großes wissenschaftliches Unternehmen in Die irttis geführt, über das er jetzt einen spannenden Rechenschaftsbericht „Flieger über dem Sechsten Erd­teil", ablegt, der demnächst bei Brockhaus in Leipzig ^scheint Nicht weniger als drei Schiffe beförderten b - riesige Expedition in das „Land der Verdamm- I’18*. Auf der Roßbarre errichteten die Forscher die südlichste Stadt der Welt. „Klein-Amerika". Eigene Lkoße Funkanlagen stehen zur Verfügung, ein Leuchtturm wird gebaut, Wohnhäuser mit Lese- und Schlafzimmern, nicht zu vergessen Ställe für die Hunde und Schuppen für Flugzeuge und Schlitten, f't sportliche Leistung der Forscher ist wohl bewun- berungswürdig, die Hauptausgaben der Expedition l^gen jedoch auf geographischem, meteorologischem und geologischem Gebiet. Verschieden« Gruppen der Medition unternahmen auf Hundeschlitten kühne Fahrten durch das Südeis. Byrd selbst erreichte in einem tollkühnen Flug, vom Tode mchr als einmal Bestreift, glücklich den Ort, wo es nur eine Richtung Ebt, nämlich die nach Norden, und fügte dem Ruh-

Aus dem neuen Anstttut füe luftsahvtmedlzin und

-Mimakovschung in Aamduvg-Gvseudevk

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Ein Patient mit Atmungsmaske für verdünnte Luft bei der Arbeit am Registrierapparat.

Blick in eine pneumatische Kammer des Eppen- dorfer Krankenhauses, in der die Patienten mit ultraviolettem Licht bestrahlt werden.

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Im Krankenhaus in Hamburg—-Eppendorf ist eine Abteilung eingerichtet worden, in der die Reaktionen des menschlichen Organismus auf Luftveränderung und Klimaveränderung beobachtet werden. Diese Forschungen sind nicht nur für Luftfahrer und Tropenreisende von größter Wichtigkeit, sondern dienen gleichzeitig der Lungenheilkunde. Die lungenkranken Patienten werden in den pneumatischen Kammern denselben Luft-, Licht- und Temperaturbedingungen ausgefetzt, wie sie sie bei Reisen in den Bergen und nach dem Süden erfahren würden.

Die Wüste Sahara - iS BiMone« MerdestSrSen

Das Zukunftsland der Kraftoerforgung.

Die Wüste Sahara ist nach neuesten Messungen der non der Sonne auf uns herabströmenden Ener­gie als das Zukunftsland anzusehen, das bestimmt ist, die ganze Menschheit mit Energie zu versehen, wenn die bisherigen Kraftquellen erschöpft sein werden. Die Wüstx Sahara, die größte Wüste der Erde, hat bei einer Länge von mehr als 5000 Kilo­meter und einer Breite von mehr als 1500 Kilometer eine Gesamtfläche von rund 6 Millionen Quadrat­kilometern. Da hier ständig blauer Himmel herrscht und die Sonne mit ungeheurer Gewalt hernieder- strahlt, ist dieses gewaltige Gebiet gewissermaßen ein Sammelbecken der Energiemengen, die durch die Sonne unserer Erde zugeführt werden. Man hat be- Wärmemenge von der Sonne empfängt, die rund 21 Pferdestärken beträgt. Daraus ergibt sich, daß die Wüste Sahara nicht weniger als 15 Billionen PS wert ist, da die Wärmemenge, die auf das große Gebiet herniederstrahlt, gleich dieser gewaltigen Energiemass« -einzusetzen ist. Von der Wüste Sahara aus kann also die ganze Menschheit auch dann noch mit Energie versorgt werden, roenn der Bedarf das Vielfache des heutigen Bedarfs erreichen würde. Es ist keine Frage, daß einmal die Zeit kommen wird, wo von hier aus die Adern ausgehen werden, durch die über Erdteile und Ozeane hmweg die Sonnen­kraft den Menschen zuströmen wird. Die Technik wird Mittel und Wege finden, auch diese unge­heuren Werte der Menschheit nutzbar zu machen. Bis heute ist allerdings die Möglichkeit noch nickst vorhanden, die Sonnenwärme in brauchbare Ener­gie zu verwandeln und mit Hilfe von Drahtlei. tungen ober ohne Draht zu verschicken. Ein ameri- kamscher Ingenieur führt aus, daß die direkte Um- wanolung der Sonnenstrahlen in elektrische Ener­gie und di« Fernleitung dieser Energie auf draht­losem Weg« schon jetzt theoretisch möglich ist. Es legt die aufsehenerregenden Versuche, die im Ber­liner Kaiser Wilhelm-Institut gemacht wurden, seinen Betrachtungen zugrunde. Vor einiger Zeit wurde betahntlid) hier Sonnenwärme in Elektrizi­tät durch eine Kupferverbindung umgewandelt. Dieser „Photoelektrische Effekt" muß nach den Aus­führungen des amerikanischen Ingenieurs nur wei­ter ausgebaut werden, um die Verwertung der Sonnenwärme im größten Maßstabe möglich zu machen. Zahlreiche große Werte in Amerika sind damit beschäftigt, diesen „Photoelektrischen Effekt zur Verwendung in großem Maßstabe auszugestal­ten. Das ist die große Chance für Riesengeschafte, die diejenige der Erfindung stier elektrischen Ene^ gie nach Ansicht der amerikanischen Fachleute noch bei weitem übertrifft. Das große Zukunftsgeschast

mesblatt seiner Nordpoleroberung die Uederfliegung des Antipoden zu.

âüttMche MamarrLe« be- srebkgev GvStze im GckmeSz- oken

Ein jahrtausende alter Traum der Menschheit scheint Wirklichkeit geworden zu sein, denn es ist dem Berliner Ingenieur Georg Senstner gelungen, Diamanten auf synthetischem Wèige i n jeder beliebigen Größe herzustellen. An diesem Ziel arbeiten die Wissenschaftler, Alchi­misten und Erfinder seit urdenklichen Zeiten. Erst in den letzten Jahren, in denen man über das Wesen der Edelsteine grundlegende Kenntnisse ge­sammelt hatte, gelang es, den Weg der Natur auf künstliche Weise nachzuahmen und'im Schmelzofen Edelsteine in beliebiger Zahl herzustellen, die den echten Edelsteinen physikalisch und chemisch gleich sind. In Bitterfeld im „Elektron"-Werk, werden Rubine, Saphire und ander« Edelsteine in Schmelz­öfen bei einer Hitze von ungefähr 2000 Grad fabri­ziert, indem der Weg der Natur, der Hundert- tausende von Jahren 'bauert, hi«r in der Retorte in

auf dem Gebiete der Technik und der Elektrizität, das nicht nur Millionen, sondern auch Milliarden bringen wird. liegt auf diesem Gebiete, und darum arbeiten große amerikanische Firmen fieberhaft, dieses Ziel zu erreichen. Jetzt ist es aus diesem Grunde nicht mehr abwegig, davon zu sprechen, daß die Sahara einstmals die Energiequelle der ganzen Erde werden wird. Nachdem einmal von Berliner Forschern der erste Schritt zur Umwand­lung von Sonnenwärme ist Energie auf direktestem Wege genracht worden ist, ist der Weg vorgezeich­net, wenn die Amerikaner auch nicht verkennen, daß das Ziel noch recht weit entfernt ist. Die Tat­sache, daß man heute schon theoretisch selbst ein itttui^ ttWV WMMN QuBâtUomerer» dazu benutzen kann, auf dem Umwege über di« Sonnenwärme Elektrizität zu erzeugen, sobald man die nötigen Mengen der Kupfermischuna bereit- ftellt, genügt, um die Aussichten zur Erlangung des Zieles als günstig zu bezeichnen. Natürlich muß es sich auf billigem Wege erreichen lassen. Aber das ist nur eine Frage der Technik und der Verfeinerung der Methoden. Da heute tausende von Ingenieuren in Amerika an diesem Ziele ar­beiten, so kann man erwarten, daß es erreicht wer­den wird. Auch die drahtlose Uebertragung der Energie ist bereits im Grunde möglich. In dem großen Laboratorium der General-Electrico wurde auf elektrischem Wege drahtlos ein Huhn gebraten. Dieses „drahtlos gebratene Huhn" mar nur eine Spielerei, aber, sie war gleichsam ein Markstein auf dem Wege zu einer neuen Zeit, die die Drahtüber- tragung von Energie nicht mehr kennen wird. Bis­her hat man die drahtlose Uebertragung von Ener­gie nur auf eine Entfernung von wenigen Metern durchgeführt. Es wird aber auch der Taa komme-' wo sie über tausende von Kilometern möglich fein wird, und in Verbindung mit der Umwandlung der Sonnenwärme in Kraft wird eine neue Zeit der Menschheit anbrechen. Don gewaltigen Kraft­werken auf dem unfruchtbaren Bo"en v Sahara werden auf strahlenden Straßen des Aethers un­geheure Energiemengen gesendet werden, um in anderen Zentralen wieder gesammelt zu werden und von hier aus ihrer Verteilung über die Be­darfgebiete zu harren. Die „Sahara-Energie" wird nach diesen Anschauungen der amerikanischen Ingenieure den ganzen Weltmarkt beherrschen und sogar die Möglichkeit schaffen, dos Polareis zu schmelzen. Bis dahin wird aber, wenn mir diese Ausführungen mit nüchternem Sinnen betrachten, noch einige Zeit vergehen, ohne daß geleugnet wer­den kann, daß auch dieses Ziel erreicht werden wird.

wenigen Stunden zurückgelegt, um Edelsteine in Gewichten bis zu 200 Karat herzustellen. Nur bei dem Diamanten gelang es bisher nicht, der Natur ihr Geheimnis abzulauschen. Man weiß, daß die Edelsteine aus allgemein verbreiteten und bekann­ten Stoffen, wie Tonerde, Kieselsaure, Kalk, Mag­nesia, Bor usw. bestehen, und daß die herrlichen Farben durch Beimischungen von Chrom-, Eisen- uNd Nickelverbindungen entstehen, und man weiß auch, daß der Diamant aus Kohlenstoff besteht und «in spezifisches Gewicht von 3,5 hat bei einer Härte bon 10. Diese Kenntnisse genügten aber bisher nicht beim Diamanten, um ihn auf synthetischem Wege herzustellen. Zwar gelang es einigen Wissen­schaftlern, geringe Kristalle zu erzeugen, die aber wegen ihrer Kleinheit keinen praktischen Wert hatten. Das Bestreoen ging dahin, flüssigen Koh­lenstoff zu schaffen und daraus den Diamanten kristallisieren zu lassen. Vor dem Kriege erregte aus diesem Gebiete das Experiment des Breslauer Profeffors Summer das größte Aufsehen, da es ihm gelungen war, in einer ziemlich luftleer ge­pumpten Bogenlampe die Kohle unter Unterdrück brennen zu lassen und dadurch den Kohlenstoff in tropfbar flüssigen Zustand zu überführen. Damals wurde die Hoffnung zum Ausdruck gebracht, daß auf diese Weise das Problem der künstlichen Dia­manten gelöst sei, weil man die geschmolzene Kohle ab kühlen und kristallisieren lassen konnte. Kristalli-

fierter Kohlenstoff ist aber nichts anderes als Dick« mant. Wer der Kohlenstoff kommt, was über­sehen wurde, in zwei kristallinischen Formen vor: in Graphit und Diamant. .Diese beiden Stosse unterscheiden sich in ihrer Brauchbarkeit ganz un­geheuer, denn das Graphit hat ein spezifisches Ge­wicht von 2,2, ein Gramm Diamant nimmt also einen viel kleineren Raum ein, als ein Gramm Graphit. Es handelte sich nun darum, die Kri­stallisation des Kohlenstoff«» so durchzusühren, daß nicht Graphit, sondern Diamanten entstehen. R. Lu- dig hat Kohlenstoff unter hohem Druck schmelzen und schnell abkühlen lassen, wodurch er angeblich Heine echte Diamantenkristalls erzeugte. Der fran­zösische Chemiker Moissan löste flüssigen Kohlenstoss in geschmolzenem Eisen, um die Umwandlung in Graphit zu verhindern. Er erhielt einige Milli­gramm farbloser Kristalle, die höchstens 1 Milli­meter groß waren und wegen ihrer Härte als Diamanten angesehen wurden. Einen eigenartigen, der Natur abgelauschten Weg gingen R. v. Haß­linger und I. Friedländer, die ben von ihnen als Muttergestein des Diamanten Olwinfelsen als Lö­sungsmittel für den Kohlenstoff benutzten, denn,sie waren der Ueberzeugung, daß auf diese Weise der Weg der Natur am ein­fachsten zu wiederholen sei. Tatsächlich ge­lang es ihnen auf dies« Weise, neben Gravhit aus der erstarrenden Schmelzmasse auch den Dia­manten auszuscheiden. Dies war wohl dis erste ein- wändfreie Herstellung des künstlichen Diamanten. Das sind nur wenige Versuche aus der großen Zahl. Jetzt bringt anscheinend der obengenannte Ingenieur und Chemiker Georg Sensiner die end­gültige Lösung und Vollendung des Problems. Bei allen Versuchen war es höchsten gelungen, mikro­skopisch kleine Kristalle zu erzeugen, wenn über­haupt bie Ueberfübrung des flüssigen Kohlenstoffes in Diamanten möglich und nachweisbar war. Mit diesen winzig Heinen Kristallen war aber nichts an­zufangen, wenn es nicht gelang, sie zu größeren Stücken zu vereinigen. Senftner ist es gelungen, durch Verschmelzung kleiner Kristalle Diamanten in jeder beliebigen Größe zu erzeugen. Damit wäre, wenn die Nachrichten einer wissmschaftlichen Prü­fung Stand halten sollten, das große Problem ge­löst. Trotzdem die Mitteilungen glaubhaft , klingen und mit großer Zuverlässigkeit auftreten, wird man bei den vielen Enttäuschungen, die man auf diesem Gebiet« schon erlebt bat, die weiteren Versuche ab- warten müssen. Die Bedeutung der Erfindung ist in wirtschaftlicher Beziehung außerordentlich groß. Ob die Beisitzer großer, schöner Naturdiamanten schon um den Wert ihrer Juwelen zittern müßen, ist durchaus ungewiß. Auch die anderen synthetischen Edelsteine, wie Rubins. Saphire usw. haben den Wert der naturgewachsenen nicht herobgemindert. Aber bie Industui«, die Gebrauchsdiamanten ndt- wendig hat, wird diese neue Entdeckung verwerten und ihr zu großen Erfolgen verhelfen, falls die Steine nicht so schön sind, daß sie den Vergleich Mit den natürlichen aushalten werden.

Wte veewatte ich im Ge- fSstgrüs mein IsvmSssn-

Die Zeiten sind vorbei, in denen die Sorgen um die Erhaltung und Verwaltung des Vermögens an den Gefängnismauern Halt machten. Ein Finanz­skandal mit kriminellem Einschlag löst den anderen i ab, und in der Belegschaft ^ Gefängnisses geht eine für die Gegenwart höchst bezeichnende Um­schichtung vor sich. Einen Fall für sich bildet eine Frau, die zurzeit in einer Zelle des Frauengefäng­nisses von Hagenau sitzt: Lady Owen, die blonde Schönheit, die von den Geschworenen in Versailles zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, weil sie die Gattin ihres Geliebten schwer verwun­det hatte. Lord Owen hatte feiner Gattin ein gro­ßes Vermögen hinterlassen, das genug abwarf, um der Witwe eine große Rolle in der Gesellschaft ein­zuräumen. Nach ihrer Verurteilung beauftragte sie einen Londoner Bankier, sie in allen Aufsichtsrats­sitzungen der Gesellschaft zu vertreten, an der sie als Erbin ihres Gatten beteiligt ist. Als der Präsi­dent der Republik vor einigen Wochen die Zucht­haus- in eine Gefängnisstrafe ummanbette, erhielt Lady Owen dadurch wieder das Verfügungsrecht über ihr Vermögen, d. h. sie konnte im Gefängnis Geld ausgezahlt erhalten, aber es blieb ihr unter­sagt, unmittelbar mit ihrem Londoner Vertreter zu unterhandeln, da Strafgefangene nach dem Gesetz keinen Verkehr mit dem Ausland unterhalten dür­fen. Lady Owen darf also ihre Advokaten nicht empfangen; sie erhält nur den Besuch ihrer Mutter, die als Vermittlerin zwischen ihr und ihrem Lon­doner Sachwalter tätig ist. Nicht ohne Grund fragt sie sich, was aus ihrem Vermögen geworden sein wird, wenn sich die Gefängnistore wieder einmal öffnen. Denn ihr Vermögen besteht so gut wie ganz aus Kautschukwerten, bie von der Krise besonders stark in Mitleidenschaft gezogen sind. Im übrigen ist Lady Owen eine mustergültige Gefangene. Sie denkt nicht mehr an den gesellschaftlichen Glanz, der sie einst umgab, ben Luxus, ihre Automobile, ihre zahlreiche Dienerschaft. Sie ist in der Weiß- näherei beschäftigt und arbeitet hin und wieder auch in der Buchhandlung des Gefängnisses, wo man ihre Kenntnisse im Rechnungswesen gut verwerten kann. Nichts an ihr erinnert mehr an bie glänzende Lady Owen, die am englischen Hof empfangen wurde und die Ehre hatte, mit dem Prinzen von Wales zu tanzen.

Oke höchste ^unftftvaße GuvVNas

Die .Grande Corniche", die Ehausiee zwischen Nizza und Mentone, hat jetzt eine Nebenbuhlerin in der neuen Alpujarra-Straße in Südspanien ge« funden. Diese neue Kunststraße, die in Serpentinen an den das Mittelländische Meer beherrschenden Höhen bei Granada emporsteigt, ist die höchste Landstraße Europas. Mit dem blauen Meer zu ihren Füßen, nimmt sie es an Schönheit mit der Rivierastraße auf, und man hofft, daß bie Alpu­jarra-Straße den Fremdenverkehr an sich ziehen wird.

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