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Ar. 279

Samskag, den 28. November 1931

Seile 3

Stadt datum

Gedanken rum Advent

Das Göttliche verleugnet ihr, wenn des Herzens Wünsche nichts bedeuten.

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Aus der Mähfiube der Winterhilfe

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Goethe.

„Etwas wünschen und verlangen, etwas hoffen muß das Herz."

Ein Herz ohne Wunsch ist kein Herz mehr im Sinne echter, starker Lebendigkeit. Nur das unter­scheidet die Herzen von einander, in welcher Ebene Bihre Wünsche bewegen, ob es solche sind, nur

i Triebhaftigkeit gefüllt, oder solche, die von fei= nem Seelenlichte erschimmern.

Immer kommt es darauf an, wer hinter dem Wunsche steht! Wenn zwei dasselbe wünschen, so ist es immer noch nicht dasiselbe.

Der Wertvolle wird es nicht über sich bringen, Wertloses zu wünschen.

Wer nicht nur auf das Wer? kommt es an, sondern auch auf das Wie?

Das vornehme Herz wird sich auch darin offen­baren, wie es wünscht. Seine Art, Wünsche zu zu hegen, wird in einer feinen Verhaltenheit ge­schehen, von der Sufist des Wartens begleitet sein. Der Mund des Vornehmen wird lächeln, obgleich sein Herz blutet, wenn ihm einer seiner heißesten Wünsche nicht erfüllt wurde.

Wünsche gibt es, in die schon die Entsagung tingebettet ist, und dennoch hegt man sie . .'.

Und Wünsche sind da, die Aufrufe sind, Kraft- beschwinger, unter denen man wie ein Sternwand­rer seinen Weg geht.

Noch ein anderes: Es gibt Wünische geliebter Menschen, die in unserem Leben gleichsam zu einer heimlich schaffenden Wirklichkeit werden. So war beispielsweise der Herzenswunsch der Mutter der Eheliebsten bis zuletzt, ein Häuschen zu besitzen. Kaum ein Spaziergang verging, daß die Mutter nicht von ihrem Häuschen sprach. Was für Luft- fchlöffer haben wir miteinander gebaut! Zur schön­sten Erinnerung an die Mutter gehört das Spa­zierengehen mit ihr und dabei das Luftschlösfer- bauen. Das Leben der lieben, alten Frau war solchermaßen mit einem stillen Wunsch-Licht an­gefüllt, das mehr und mehr auch auf uns überging, unsere Herzen gefangen nahm, ein Stück von uns selbst wurde, unserm Jnnendrange, und es auch blieb, als Mutter schon längst heimgegangen war.

Nun haben wir ein Häuschen.

Richtig erkämpft habe ich es mir und ich kämpfe noch heute um feinen vollen Besitz. Freilich, zu der Zähigkeit, mit der ich diesen Kampf führte, hat nicht wenig das Erbgut von den Ahnen her mit- gewirkt. Das Wunschleben dieser Menschen war von der eigenen Scholle aus bedingt.

Es gibt Wünsche, die ganz plötzlich in uns wie Quellen auffpringen, daß wir uns wundern. Wenn wir aber dann in die Vergangenheit unseres Ge­schlechtes zurücktasten, wird uns manches offenbar. Das Wunschleben der Vorfahren ist bedeutungsvoll für die Nachkommen. Das machen mir uns no ' r. nicht r

Um die Winterhilfe, die einen solch schönen Er­folg gehabt hat, ist es scheinbar still geworden und mancher wird sich fragen, was ist nun mit all den gesammelten Wäschestücken, Kleidern, Anzügen, Schu­hen usw. geschehen. Es wurde ihm gesagt, es ist nur scheinbar still geworden, in Wirklichkeit aber ist man fleißig an der Arbeit. Zuerst mußten natürlich all die abgelieferten Sachen desinfiziert werden und dann begann das Ordnen und Bearbeiten der Sachen. Man schaffte erst alle Dinge einmal zum Bürgerverein, dessen obere Räume sich in ein rie­siges Warenlager wandelten. Dann ging es an das Aussuchen von dem, was ohne weiteres verwenbar war und dem, was nur erst nach Bearbeitung, Rei­nigung und Bügeln sich für die Ausgabe eignet. Kommt man jetzt in das Lager, so wird man staunen über die riesige Menge der Schuhe, über die Stan­gen, an denen Anzug an Anzug hängt und über die Mäntel und Kleider für Frauen. Noch sind ganze Berge von Wäsche nicht sortiert und viel liegt

noch in bunten Haufen da. Aber im allgemeinen bekommt man doch schon einen Ueberblick über das, was abgegeben ist und was sich lohnt, zu verar­beiten.

Es sind auch jeden Tag fleißige Hände an der Arbeit, die sich unentgeltlich in den Dienst der guten Sache gestellt haben, und die aus Beschädigtem wie­der Ganzes herstellen. Es gelingt zwar' nicht, aus Altem Neues zu machen, aber mit Geschick und dem nötigen guten Willen gelingt es doch, die Kleidungs­stücke so 'herzurichten, daß sie noch gute Dienste lei­sten können und die in Not Geratenen wenigstens mit Kleidung versehen können.

Diese Nächstenliebearbeit ist oft nicht leicht. Es bedarf viel guten Willens und wie gesagt, vor allem fleißige und und geübte Hände. Erfreulich, daß sich so weite Kreise in den Dienst der guten Sache ge­stellt haben. Unser Bild zeigt einen Teil einer sol­chen Nähstube, in denen fleißig gearbeitet wird, zum Wohle für die in Not geratenen Volksgenossen.

das Leben, das nicht alle unsere Wünsche erfüllte, darum verwünschen!

Unser Wunschleben muß Ausdruck unserer wahren Menschlichkeit sein, unserer Weisheit und Liebe, unserer inneren Schönheit und Kraft, die Grunderscheinung sü unsere guten Taten!

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Ja, das Wunschleben eines ganzen Volkes kann nthalten: Niedergang ober Aufgang, Kern ober Schake, Gott ober Teufel, Lannn oder Löwe! Und war: von Werl Zukunft! Blut

eie sind daran beteiligt.

Es gibt Wünsche, die wie die leichten Wellen sind; die glitzern und raunen und schlafen dann ein. und andere wieder sind machtvolle Unterströme. Auf deren Güte unb seelisch-geistige Betontheit kommt es an! Das sind die Wünsche, die an unserm Inwendigen schaffen, unserer wahren Men­schengestalt. ■

Gut und heilsam ist es, wenn uns die Erfüllung manches Wunsches schwer gemacht wird! Das stählt und lenkt auf den rechten Weg zu.

Manche Nicht-Erfüllung eines Wunsches wurde zum Segen und manch zu leicht erfüllter Wunsch zum Fluche.

Nur nicht das Leben sich zevwünschen! Nur nicht vor lauter Wunschsucht das Tun vergessen unb das Nächste und die Allernächsten! Nur nicht

(^mmummMAwHw

von Carl Otto Windecker Copyright 1930 by C. O. Windecker.

20. Fortsetzung.

(Nachdruck verboten.)

„Auf diese Entente," rief er laut mit einer be­zeichnenden Bewegung nach dem Paar hin.

„Du bist ein dummer Junge," schalt Marianne, die rot geworden war. „Laß deine Sorbonne-Un­arten auf der Straße." .

Gaston lachte laut und gab die Frau frei.

„Auf diese Entente!" wiederholte er und hob fein Glas.

Maurice hatte sich verabschiedet. Er hatte unsinnig viel getrunken und schwankte ein wenig, als er das Zimmer verlieh. Er hatte nicht ver­säumt, seine Schwester und Gaston mit der Herz­lichkeit des Angeheiterten zu umarmen und beide seiner unendlichen Liebe zu versichern.

Verwirrt, befangen saßen sich die beiden Men­schen nun allein gegenüber. Gaston hatte das große Licht ausgeschaltet, die Stehlampe neben Mariannes Sessel verbreitete einen matten Schein.

Beide schwiegen. Beide fürchteten die nächsten Minuten. Gaston empfand eine Befangenheit, die

Unsinnig als er bi

er an sich nicht kannte. .

Ein wenig unbeholfen nahm er Mariannes Hand. „Ich habe dich sehr, sehr lieb," sagte er.

Sie antwortete nicht. .

Aber dann plötzlich standen sie nebeneinander, Aaston leckte seine Arme um sie und spürte, wie sie erschauerte. Heiß und begehrlich preßte er seine Lippen auf den weichen Mund der Frau — den Rausch dieser Bewegung — zärtlich tasteten seine Hände über ihre Arme, — er fühlte, wie sie seiner Zärtlichkeit nachgab.

Ein Gedanke huschte durch sein Gehirn, nahm ihm allen Mut, alle Kraft. Gaston ließ die Arme inten, bewahrte noch Beherrschung genug, um mrch eine Bewegung voll unendlicher Zärtlichkeit »er Frau die plötzliche Wandlung in seinem Innern zu verbergen ... _

Er schloß die Augen. Das war Wahnsinn. Das war furchtbar.

Auch in Kanan ein Monstre

der Angeklagte Sachse gestern morgen mit, daß auch er seine Berufung zurückziehe, worauf auch die Staatsanwaltschaft ihre Berufung zurücknahm. Der gestrige erste Tag brachte die Verlesung des sehr ausführlichen Urteils, das 106 Schreibmaschinen­seiten umfaßt. Der Darlehnskassenverein in Neuhof, dessen Mitglieder kleine Landwirte und Geschäfts­leute waren, hatte einen Fehlbetrag, der im Laufe der Zeit auf 800 000 RM anwuchs. Um den Dar- lehnkaffenverein wieder statt zu machen, mußte der Geschäftsanteil aus 410 RM erhöht werden, der

* Ihren 72. Geburtstag begeht heute Frau Maria Reitz, geb. Spahn, hier, Hahnenstr. 2.

* Neue Oeffentliche Sprechstellen. In der Erb­prinz-Wilhelmanlage am Stadttheater ist ein wei­teres Fernsprechhäuschen (Münzfernsprecher) errich­tet worden, das von heute ab in Betrieb genommen wird. Ein gleiches vor einigen Wochen in der Frieü- bergerstraße in der Nähe des Nordbahnhofs errich­tetes Fernsprechhäuschen ist seit kurzem noch mit Poftwertzeichengebern ausgestattet worden. Die An­lagen werden dem Schutze des Publikums emp­fohlen.

* Geschäftsjubiläum. Am 1. Dezember begeht Herr Peter Schäfer, Inhaber der Firma Auto- Schäfer, Hanau, fein 23jähriges Gefchäftsjubiläum.

* Schulanfang in Preußen um halb neun Uhr. Auf ein Ersuchen der Stadt Berlin, den Unter­richt während des Winters erst um %9 Uhr be­ginnen zu lassen, hat das Provinzialschulkollegium dem preußischen Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung vorgeschlagen, für ganz Preußen den Schulanfang ab 1. Dezember für %9 Uhr festzusetzen. Der Minister hat eine entsprechende Verfügung erlassen. Schulen, die um %9 Uhr be­ginnen, sollen in der Zeit vom 1. Dezember 1931 bis Ende Februar 1932 wieder Kurzstunden von je 45 Minuten abhalten.

* Verkehrsunfall. An der Kreuzung Hochstädter Landstraße — Salisweg erfolgte gestern vormittag gegen 11.30 Uhr ein heftiger Zusammenstoß zwi­schen einem Motorradfahrer und einem Liefer­wagen. Der Motorradfahrer, der dem Kraftwagen mit großer Wucht in die Flanke gefahren war, blieb zunächst bewußtlos liegen und mußte in das St. Vincenz-Krankenhaus verbracht werden. Glücklicherweise erwiesen sich dort die Verletzungen als verhältnismäßig recht harmloser Natur, so daß der Verunglückte nach Wiedererlangung der Be­sinnung und Anlegung eines Notverbandes wieder entlassen werden konnte. Das Motorrad wurde völlig demoliert.

* Deutsche Volkspartei. Wir weisen auf die Versammlungsanzeige in der heutigen Nummer hin.

* Mode und Kunst-Handel und Gewerbe. Unter diesem Motto veranstaltet am 6. und 7. Dezember die Damenschneiderinnen - Zwangsinnung Stadt- unb Landkreis Hanau und der gemeinnützige Haus- frauenoerein Hanau in sämtlichen Räumen der Stadthalle eine Modenschau, verbunden mit Haus- frauenmittag und Ausstellung. Die Ausstellung ist vorwiegend von Hanauer Firmen beschickt. Jeder 20. Besucher erhält ein Geschenk, jeder 50. ein beson­deres Geschenk. Der Veranstalterin ist es gelungen, Firmen zu gewinnen, die gleichzeitig Kostproben verteilen, damit sich die Besucher von der Güte der Waren, welche zum Verkauf angepriesen werden, überzeugen können, ebenso über deren Verwendung. Um auch den Erwerbslosen Gelegenheit zu geben die Ausstellung zu besuchen, wird der Eintrittspreis für diese auf die Hälfte (unter Vorzeigung der Karte) festgesetzt. Die Ausstellung ist geöffnet am Sonntag, 6. Dez. von morgens 9 bis abends 10 Uhr. Am 7. Dezember von morgens 9 bis abends 7 Uhr. Sonntag abend 8 Uhr Modeschau, anschließend Ball. (Näheres siehe Inserat und an den Plakaten.) Programmwechsel bei allen Veranstaltungen.

Reservefonds in Höhe von IKY 000 KM ausgebraucht "

werden und neben der Preußenkasse noch andere

Riesenprozesse und Frankfurt, aber Kassen zur Deckung des Verlustes herangezogen

auch in Hanau wird jetzt ein Prozeß vor der Gro-

ßen Strafkammer verhandelt, der durch sein Aus­maß das herkömmliche Maß weit hinter sich läßt. In erster Instanz war vor dem Schöffengericht in Fulda der 21 Jahre alte Kaufmann Ritz jr. wegen Untreue und Betrug zu 2 Jahren Gefängnis ver­urteilt worden. (Es wurde ihm Strafaussetzung nach Verbüßung von 6 Monaten gewährt). Der Ober­buchhalter Konrad Sachse aus Kassel erhielt 6 Mo­nate Gefängnis, der Buchhalter Bruno Brehler aus Fulda 3 Monate Gefängnis wegen Beihilfe zur Untreue, und die ehemaligen Vorstandsmitglieder Bürgermeister Emil aus Rommerz bei Fulda und Schreinermeister Emil Möller aus Neuhof wegen Vergehen gegen § 146 des Genossenschaftsgesetzes je 3 Monate Gefängnis. Während Ritz feine Berufung schon vor längerer Zeit zurückgezogen hatte, teilte

Mside küßte er die zarten^Hände Mariannes, dann ging er mit raschen Schritten aus dem Zimmer.--

VII.

Herr Meunier, der Sekretär, war nicht wenig erstaunt, als er am nächsten Tag Gaston und Maurice Ducolombier gemeinsam bas Zimmer be­treten sah. Beide waren ihm nur als unversöhnliche Feinde bekannt. Sein Staunen wuchs, als ihm Gaston erklärte, daß er von nun an auch Herrn Ducolombiers Anweisungen ebenso zu befolgen habe wie die seinen.

„Ist Herr Ducolombier Direktor geworden? fragte er mit einem lächelnden Blick.

„Ich glaube, daß das, was ich Ihnen sagte, zu Ihrer Information ausreicht," antwortete Gaston. „Sollten Ihnen meine Anweisungen nicht zusagen, so steht es Ihnen frei, sich eine andere Position zu suchen." „

Betreten schlich Meunier hinaus. Er erkannte seinen Chef nicht mehr.

„Mon dieu, du hast dich aber geändert. Ver­wundert sah er seinen Schwager an. „Ich habe bas Ekel noch nie leiden können." Er blickte dabei zur Tür, durch die Meunier eben verschwunden war.

„Dann versuche jetzt durch besondere Freund­lichkeit hinter seine Schliche zu kommen," bedeutete ihm Gaston.

„Du glaubst . . .?"

„Ich weiß soviel wie du. Aber ich bin miß­trauisch geworden." Gaston stand an seinem Schreib­tisch und überlegt. Eine tiefe Falte zeigte sich über seiner Nasenwurzel.

Mit einer hastigen Bewegung nahm er den Hörer von der Gabel.

„Meunier?" fragte er in den Apparat. „Tele­graphieren Sie sofort an Dr. Brunner,--ja in Nancy, daß ich im Laufe des morgigen Tages dort eintreffe.

„Du willst wieder fort?" Maurice schien er­staunt.

„Ich muß," sagte Gaston kurz.

Aufatmend ließ er sich auf den Stuhl nieder. Ja — er mußte. Er mußte fliehen ---

„Hier sind einige Unterlagen über Svenson, deren Studium ich dir empfehlen möchte," begann er nach einer kurzen Pause und reichte dem Schwager ein Schriftstück. „Vervollständige sie über seine neuesten Geschäfte, suche zu ermitteln, mit welchen meiner Leute er Verbindungen ange­

werden. Den Angeklagten soll die Schuld an diesen Verhältnissen zufaklen. Für den Prozeß ist eine

Verhandlungsdauer von 10 Tagen vorgesehen.

^^

* Daten für Kaiserin Maria Dichter Wilhelm Dichter Ludwig

29. und 30. November. 1780: Die

Theresia in Wien gest. 1802: Der

Hauff in Stuttgart geb. 1839: Der

Anzengruber in Wien geb. 1856: Der Reichskanzler Theobald v. Bethmann-Hollweg auf Hohenfinow geb. — 30. November: 1796: Der Balladenkomponist Karl Löwe in Löbejün geb. 1817: Der Geschichtsschreiber Theodor Mommsen zu Gar­ding in Schleswig geb. 1846: Der Nationalökonom Friedrich List in Kufstein gest. 1900; Der englische

so belebt tt^âL den Kaffee. Deshalb ist Kaffee mit IfMeti ein doppelter Genuß.

Dichter Oscar Wilde in Paris gest.

knüpft hat, vielleicht denkst du dabei auch an die Bestrebungen des amerikanischen Kapitals, die europäischen Industrien aufzukaufen. Daß dabei manchmal nicht mit allzu sauberen Mitteln ge­arbeitet wird, wissen wir ja."

Nachdenklich sah Maurice den Schwager an. „Du stellst mir eine sehr große Aufgabe, Jean- Marie. Hoffentlich kann ich sie ohne dich erfüllen. Ich gestehe, daß ich in den wenigen Stunden unseres neuen Zusammenseins sehr viel von dir gelernt habe."

„Du machst Komplimente, mein Junge", wehrte Gaston ab.

Es war zum mindesten ein merkwürdiger Zu­fall, daß im gleichen 'Augenblick Meunier wieder das Zimmer betrat und eine Karte reichte, auf der Gaston „James Monk, Newyork" las.

„Was wünscht der Herr?" fragte er.

„Der Herr möchte es Ihnen selbst sagen."

Gaston überlegte eine Weile, dann machte er eine zustimmende Handbewegung.

„Paß auf, mein Junge," wandte er sich an Maurice, „vielleicht kannst du jetzt wirklich etwas lernen."

Der Herr, der gleich darauf das Zimmer be­trat, blieb nach einer kurzen, etwas steifen Ver­beugung beharrlich an der Türe stehen. Er war groß und fchlank, etwas gebeugt, trug einen soliden amerikanischen Anzug, einen zu hohen Kragen und eine etwas zu bunte Krawatte. Er hatte ein kluges, hageres Gesicht, blaßgrau von einer unbestimm­baren Farbe, kleine, zwinkernde Augen, vor denen ein altmodischer, goldgefaßter Kneifer schwankte, ihm auf dem Arm hing ein kurzer Üeberrock und ein umgerollter Schirm mit dickem, silberbeschla­genem Griff. ,

■ Gaston hatte sich erhoben. Erwartungsvoll sah er den Fremden an.

„Darf ich Platz nehmen?" fragte dieser in einem Französisch mit starkem amerikanischem Akzent. „Stehend läßt sich schlecht verhandeln."

„Pardon —" Gaston lächelte, „ich wußte nicht, daß Sie die Absicht hatten, mit mir zu verhan­deln. Abgesehen davon, daß ich keine Ahnung habe, worüber Sie mit mir zu verhandeln wünschen."

„Ueber ihre Fabrik, Herr," sagte der Ameri­kaner kurz und nahm mit einem leichten Kopf, nicken den angebotenen Sessel an. „Nur über Ihre Fabrik."

„Da ich nicht annehme, daß Sie mir ein großes Darlehen offerieren wollen, bars ich sie wohl um

nähere Einzelheiten bitten?" Gaston lachte be­lustigt, während er mit einem Seitenblick auf Maurice an seinem Schreibtisch Platz nahm. „Darf ich Ihnen eine Zigarre anbieten?" wandte er sich höflich an den Fremden.

Umständlich, schweigend bediente sich der Ameri­kaner. Mit der Absonderlichkeit älterer Herren lehnte er den gleichfalls angebotenen Abschneider ab, um eine kleine Schere, die an einer goldenen Kette befestigt war, aus seiner Westentasche zu nehmen.

„Kommen mir zur Sache," meinte er fast gleich­zeitig, als habe man ihn mit nutzlosen Schere­reien aufgehalten. „Ich bin auf der Durchreise nach Deutschland, wo ich einige Autofabriken kau­fen werde." Er sagte das, als handelte es sich dabei um Bagatellen.

„Sehr interessant," bemerkte Gaston. „Aber ich sehe zwischen Ihrer Deutschlandreise und Ihrem Besuch bet mir noch keinen Zusammenhang."

„Nein?" Der Amerikaner blinzelte belustigt. Prüfend, gemütlich 30g er an seiner Zigarre.

„Wieviel fordern Sie für Ihre Fabrik?"

„Nichts." Gaston zwinkerte Maurice zu.

Der Amerikaner zuckte mit keiner Miene. „So . . ." meinte er dann, heftig mit feiner Zigarre beschäftigt. „Und wie hoffen Sie Ihre Bank in der festgesetzten Zeit befriedigen zu können?"

„Das dürfte wohl meine Sorge sein," antwor­tete Gaston, über diese Unverschämtheit verblüfft.

Der Amerikaner hob seine Hand beschwich­tigend gegen Gaston. „Ich bin gegen jede Auf­geregtheit. Wir in den United States pflegen mit Ruhe zu verhandeln."

(Fortsetzung folgt).

Stadt -Tveatev Kanau

Samstag, 28. November, 8—11 Uhr. Kleine Preise 7Ö Pfg., 1.30 und 1.80 RM. ~

Male:

Zum letzten

Der Hauptmann von Köpenick^

Sonntag, 29. November, 3—6 Uhr. 90 Pfg., 1.70 und 2.20 RM. Male „Victoria und ihr Husar";

bis 10 Uhr: „Mascotlchen".

Kleine Preise

Zum letzten ; abends 7%