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22. November
1931
Der Dorumentenfund in Kessen
Nationalsozialistische parteiamtliche Legalitâtsevklavung - Vvivatavbeit eines Mitglieds De« Tatbestand des Kochvevvats noch ungeklärt
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• Der Aeltestenrat hat den kommunistischen Antrag auf Einberufung des Reichstages um acht Tage vertagt. *
• Der Haushaltsausschuß des Reichstages beriet Anträge über Beamtengehaltskürzungen und der Sozialpolitische Ausschuß die Lage der Sozialversicherung.
* Der preußische Landtag erledigte gestern die Aussprache über die neue Geschäftsordnung und vertagte die Abstimmung auf Freitag.
Nachdem das Zentrum mit einer unzweideutigen Absage gedroht hat, haben sich die Sozialdemokraten im Preußischen Landtag nun doch genötigt gesehen, in der Präsidentschaftsfrage den Rückzug anzutreten. Die Kandidatur von Leinert ist endgültig fallen gelassen worden. Die sozialdemokratische Fraktion wird auch Nicht einen der bisher genannten Kandidaten, nämlich Winzer oder König, sondern den Magdeburger Stadtrat und Redakteur Witten- maack präsentieren. *
Der Aeltestenrat des anhaltischen Landtags setzte die Aufwandsentschädigung der Landtagsabgeordne- s len um 17 Prozent herab.
verirr Wiesoaoen maqite yeurs tqr P-^,,»»»>„, «wp ' Dem ein Teil Der Mitglieder am 8. November neu gewählt worden war, wobei erstmalig drei Nationalsozialisten in die Kammer kamen. Der bisherige Vorsitzende Hepp, der wegen Verpachtung seines Gutes nicht als Kandidat hatte aufgestellt werden können, wurde als Mitglied zugewählt. Gegen die Stimmen der Nationalsozialisten wurde er zum Präsidenten Wiedergewählt. Hepps Vorschlag, einen Nationalsozialisten in den Kammervorstand zu wählen, wurde mit 23 gegen 11 ■ Stimmen abgelehnt. *
Der Zentrumsabgeordnete Professor Grebe ist gestern im Krankenzimmer des Preußischen Landtages verstorben. Er war im Wahlkreis Weser- Ems gewählt, war Mitglied des Reichsparteivar- standes der Deutschen Zentrumspartei und erster Vorsitzender der Partei in, der Provinz Hanover.
Zu einer bei den Hofbesitzern Schulz und Haak in Juliusburg wegen rückständiger Steuern angefetzten Zwangsversteigerung waren etwa 300 Landleute unter Mitführung einer schwarzen Fahne er- . schienen. Trotz mehrfacher Aufforderung wurde ' aber kein einziges Gebot abgegeben. Dagegen sang die Menge nationalsozialistische Kampflieder. Die Versteigerung mußte ohne Ergebnis abgebrochen werden. * „
Wie verlautet, wird innerhalb der Rerchsrsgierung die Absicht erwogen, durch eine neue Notverordnung den Vollstreckungsschutz auch für die westdeutsche Landwirtschaft einzuführen. Damit werden eine Reihe von Bestimmungen der Osthilfe-Notverordnung auch für den Westen Anwendung finden.
Die vereinigten Arbeitgeberverbände Neuwied, deren Geschäftsbereich das Andernacher, Neuwièder und Sinzinger Wirtschaftsgebiet umfaßt, hatten zum 30. d. M. den Tarifvertrag für die Fabrikarbeiter gekündigt. Gestern sind nunmehr die Forderungen der Arbeitgeber den Gewerkschaften zugestellt worden. Diese Forderungen laufen — nach einer Berechnung der Gewerkschaften auf eine Lohnsenkung für die Betriebe von 25 Prozent, für die Industrie der Steine und Erden sogar um 37 Prozent hinaus. Auch die Akkordlöhne sollen um 10 Prozent gesenkt werden. Die Gewerkschaften haben diese Forderungen auf das entschiedenste abgelehnt. *
Der ehemalige König von Spanien Alfons hat gestern Fontainebleau verlassen, um sich zu einem dreitätigen Aufenthalt nach München zu begeben.
Der südafrikanische 'Senat nahm in dritter Lesung die Vorlage an, die den Generalgouverneur ermächtigt, alle Fragen, die sich, auf den iZedum- lauf sowie auf Bank- und Währungsangelegenheiten beziehen, auf dem Verordnungswege zu regeln. Die Vorlage wird mit dem heutigen Lage
Gandhi erklärte einem Journalisten, der ihn nach den voraussichtlichen Folgen eines Scheiterns der Konferenz am Runden Tisch fragte: So wie ich jetzt die Zukunft beurteile, könnte es zu neuen scheren Unruhen kommen. Selbst hier habe ich das Ge- fühl, daß das Volk durchaus zum Kampfe bereit ist und nur auf ein Signal wartet.
Die VorsSnse in Mtt
Frankfurt a. M.» 26. Nov. Nach einer Meldung aus Berlin hat Reichstags« b- geordneter Göhring im Auftrage des Parteiführers Hitler im Zusammenhang mit den Vorgängen in Hessen dem Reichsinnenminister folgende Erklärung übermittelt: Die Nachrichten über angebliche Hochverratshandlungen der Partei in Hessen sind der Parteileitung erst durch die Presse bekannt geworden. Die Reichsparteileilung sowie die maßgebenden Parteistellen haben damit nicht das Geringste zu tun. Die Reichsparteileitung steht nach wie vor auf ihrem oft genug zum Ausdruck gebrachten und beschworenen Standpunkt streng st er Legalität. Sie wird die Vorgänge in Hessen untersuchen und gegen jeden, der nicht die Weisung der Legalität befolgt hat, rücksichtslos vorgehen und ihn aus der Partei ausschließen.
Hauptmann a. D. Göhring, M. d. R., überz mittelt weiter folgende Erklärung: In Ergänzung der Erklärung, welche die Pressestelle der Reichsleitung herausgegeben hat, habe ich als Bevollmächtigter zu den Vorgängen in Hessen zu erklären:
1. Es ist weder der Reichsleitung noch der Gauleitung Hessen noch sonstigen höheren Personen oder Organisationen der NSDAP. das geringste von dem Vorhandensein derartiger Schriftstücke bekannt gewesen. Die Nachricht hiervon erhielten wir erst durch die Presse.
2. Sollte dieses Schriftstück tatsächlich existieren,
überwachen, um so weniger, als in letzter Zeit das Eintreten von Spitzeln und Provokateuren an Stärke zunimmt.
3. Es ist unmöglich, Den so sehr gewünschten Zu- sammenhckng zwischen dem Schriftstück und der offiziellen Partei herzustellen.
Dr. Schäfer, der die Meldung und Mitteilung gemacht hat, ist vor wen igen Wochen von Der Sozialdemokratie zu uns gest o ß e n, scheinbar also in der Absicht, hier Material zu fabrizieren. Es ist festgestellt, daß die ganze Aktion zunächst vom preußischen Ministerium des Innern ausgegangen ist und daß die Polizei sich krampfhaft alle Mühe gibt, hier die Partei festzulegen. Sollten tatsächlich Parteimitglieder über staatliche Probleme Privatarbeiten in illegalem Sinn entworfen haben, so schließen sie sich Damit gemäß der seinerzeitigen Verfügung von selbst aus. Die ganze Aktion sieht nach bestellter marxistischer Spitzelarbeit aus. Die Partei wird in der Lage sein, hierfür den Beweis anzutreten.
Ich stelle nach wie vor ausdrücklich fest, daß die Parteileitung rückhaltlos zu der beschworenen
dritte Orioritat der» Ovivatschulden
Die feam. Kammer weicht Laval das Vsvtvaue« ans
Paris. 27. Nov. Die französische Sammer fehle gestern die außenpolitische Aussprache fort, die bis heute früh 3 Phr dauerte. Nach einer'scharfen Rede Lavals gegen Deutschland und der folgenden Aussprache wurden Abstimmungen über die Tagesordnungen vorgenommen, zu denen Laval die Vertrauensfrage gestellt hatte. Ueber das Abstimmungs-
ergebnis liegt folgende Meldung vor:
Paris, 27. Jtov. Die Sammer hat um 3 Uhr früh ihre Sitzung geschlossen. Ls wurden drei Abstimmungen vorgenommen. Die erste Abstimmung galt der Piroriläl der sozialistischen Tagesordnung.
(Diese appellierte an die Zusammenarbeit und die Völkersolidarität, verlangt die Stabilisierung der Währungen und des Warenaustausches, die Organisierung der Produktion, die Erhöhung der Kaufkraft, die allmähliche Herabsetzung der Rüstungen, die zu einer allgemeinen, gleichzeitigen und kontrollierten Abrüstung führen müsse und fordert die Regierung auf, bereits jetzt die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die zusammenhängenden Probleme: Kredite, Schulden und Reparationen zu lösen, ferner eine positive Propaganda zugunsten der wirtschaftlichen Reorganisation Europas vorzunehmen und den Rüstungswaffenstillstand hinreichend einzuhalten.)
Gegen diese Priorität hatte Laval die Vertrauensfrage gestellt. Die Kammer lehnte die Priorität mit 325 : 240 Stimmen ab.
Dann wurde die Priorität für die radikale Tagesordnung beantragt, auch hier stellte Laval die Vertrauensfrage gegen die Priorität.
(Diese Tagesordnung spricht von der Notwendigkeit großer Bemühungen um die internationale Zusammenarbeit. Sie erachtet die deutsch-französische
Le gali tätsteht und daß auch nur in diesem Sinne bisher Verhandlungen bezüglich einer Regierungsbildung in Hessen unterhalten worden sind.
Drr. Veft bekennt M) als «vhebev des LNaulfefts
In einer von der Gaupressestelle der NSDAP, verbreiteten längeren Erklärung sagt Dr. Werner Best u. a.: Ich bin der Verfasser eines Entwurfs, von dem Einzelheiten in dem von dem preußischen Innenminister der Presse übergebenen „Material"
munistischer Aufstand erwartet wurde und von den Dienststellen der NSDAP, keine Weisungen für diesen Fall gegeben wurden, entschloß ich mich ohne Auftrag und ohne Fühlungnahme mit Den Amtsverwaltern der Partei zur Ausarbeitung von Richtlinien. Den Entwurf übergab ich einigen Mitarbeitern, Darunter Dr. Schafer-Offenbach, zur Rückäußerung über die rechtlichen und wirtschaftlichen Möglichkeiten meiner Vorschläge. In diesem Sta dium blieb Die Bearbeitung Der Angelegenheit au sich beruhen. Keine Dienststelle der NSDAP. ^a von meinem Entwurf mittelbar oder unmittelbar Kenntnis erhalten. Dr. Schäfer-Offenbach hat meinen Entwurf mit mir öfter durchgesprochen, ohne den durchaus legalen Charakter der von mir angeregten Erörterungen zu bezweifeln. Wenn Schäfer jetzt eine andere Darstellung der Vorgänge gibt, so will er sich dafür rächen, daß ich im Auftrage des Gauleiters Lenz die Ermittelungen durchführte, die kurz vor der Landtagswahl ergaben, daß Schäfer durch Verschweigen seiner Bestrafung wegen Wechselfälschung und durch falsche Angaben (Fortsetzung auf Seite 2)
Annäherung auf wirtschaftlichem und politischem Gebiet als die Grundlage der internationalen Zusammenarbeit, brandmarkt die Verheerungen, die der Nationalismus in der öffentlichen Meinung angerichtet habe und vertritt dann unter anderem folgende außenpolitische Forderungen: 1. internationale Organisation der Produktion und des Güterumlaufes; 2. gleichzeitige Herabsetzung und kontrollierte Begrenzung der Rüstungen; 3. Erweiterung der Befugnisse des Völkerbundes und Organisierung Der internationalen Sicherheit, Internationalisierung der Luftschiffahrt, der Eisenbahn- und Schiffahrtslinien, Verbot der privaten Herstellung und des privaten Verkaufs von Waffen, Munition und Kriegsmaterial.)
Die Kammer lehnte die Priorität mit 310 : 265 Stimmen ab.
Die dritte Abstimmung galt der von der Regierung angenommenen linksrepublikanischen Tagesordnung.
(Diese billigt die Erklärungen der Regierung und vertraut ihr, daß sie die Rechte Frankreichs wahrt und eine Politik des Friedens und der internationalen Zusammenarbeit befolgt.)
Diese Tagesordnung wurde mit 325 : 150 Stimmen angenommen. Die Radikalen haben sich der Stimmabgabe enthalten.
(Die Kammerrede Lavals siehe Seite 2.)
Trommelfeuer! gegen Velthandei
Am 24. November standen auf sämtlichen Flughäfen Deutschlands eine große Zahl von Flugzeugen bereit, um möglichst viel deutsche Waren nach England zu schaffen, bevor die neuen Zölle am nächsten Tag in Kraft traten. Der bisher geltende Zolltarif ist, soweit es irgend möglich war, bis zum letzten Augenblick ausgenutzt worden. Die Liste der unter den neuen Schutzzoll fallenden Fertigfabrikate zeigt, daß von der etwa 1,1 Milliarden betra- denden Ausfuhr Deutschlands nach England bis jetzt etwa 20—25 Prozent betroffen werden, das sind Ausfuhrwaren im Werte von rund 250 Millionen. Damit sind jedoch die Grenzen der protektionistischen Schranken noch nicht erreicht, da weitere Zollerhöhungen, namentlich für Rohstahl und Eisen, drohen.
Aber nicht nur in England hat unter dem Wahlsieg der Tories eine neue protektionistische Strömung die Oberhand gewonnen; sondern sie greift überall in der Welt um sich, so daß geradezu ein Trommelfeuer auf den Welthandel eröffnet wird. Don drei Seiten aus wird der Angriff geführt. Entweder durch Zölle wie in England, und entspechende gleitende Zölle wie in anderen Staaten — Repressalien Amerikas und Frankreichs — oder durch das Kontingentierungssystem Frankreichs, das bestimmt, daß nur eine gewisse Menge von Waren eingeführt werden darf, die dauernd neuen Einschränkungen unterworfen wird. Schließlich die dritte Art der modernen Verhinderung des Imports, die Devifen-Zw angsbewirtschaftung zahlre icher Länder, die ursprünglich dazu dienen sollte, die Währung zu schützen, die jetzt aber dazu ausgenutzt wird, um einen scharfen Druck auf alle Importeure auszuüben.
Das Land, das am schwersten unter diesen protektionistischen Maßnahmen leiden muß, ist Deutschland. Die Auswirkungen der Exportbehinderung werden sich erst zu Beginn des nächsten Jahres zeigen, da unter dem Eindruck der drohenden Zollmaßnahmen zahlreiche ausländische Importeure sich in den riesigen Ziffern des Oktobers, wahrscheinlich auch noch des Novembers dokumentiert. Uebrigens muß bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen werden, daß die hohen Exportüberschüsse derletztenMonate nicht etwaausieine absolute Steigerung des Exports zurückzuführen find, dafür legt sowohl das weitere Steigen der Arbeitslosigkeit beredtes Zeugnis ab, . wie auch ein Vergleich der Export-Summen und -Mengen von 1931 mit denen der vorhergehenden Jahre. Tatsächlich ist der deutsche Export zurückgegangen. Nur sank er nicht in dem Maße, in dem unter den Einwirkungen der Juli-Ereignisse der Import zurückging. Die Einfuhr betrug wertmäßig in den ersten neun Monaten dieses Jahres nur 5,2 Milliarden gegenüber 8 Milliarden in der gleichen Zeit des Vorjahres. Sie ist also um 2,8 Milliarden zurückgegangen. In der gleichen Zeit fiel die Ausfuhr von 9,1 Milliarden auf 7,2 Milliarden. Sie ist also wertmäßig nur um 1,9 Milliarden zurückgegangen, woraus sich ein Exportüberschuß von 900 Millionen im Vergleich zum Vorjahr ergibt. Der bisherige Exportüberschuß ist damit natürlich noch nicht erklärt. Vielmehr ist er deshalb erheblich höher, weil bereits im Jahre 1930 die Ausfuhr viel größer war als die Einfuhr.
Man hat errechnet, daß Deutschland, um einen Gesamtverpflichtungen, die sich aus der Privatver chuldung und den verschiedenen uns auserzwungenen Zahlungen ergeben, genügen zu können, einen Ausfuhrüberschuß von 3 Milliarden erzielen muß. Daran ist bei der augenblicklichen Lage der Dinge für Jahre nicht zu denken. Jeder Staat bemüht sich darum, die eigene Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, indem die heimischen Industrien
Die beuttse Nummer umsadt