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Samstag den
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21. November
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Das deutsche Memorandum
Deutschland verlangt gründliche Prüfung - Zusammentritt des Sonderausschusses vovaussichtlich am 1 Dezember
Ätwyp ^kt^e-S^ow
• Die drei landwirtschaftlichen Mitglieder des Wirtschastsbeirates der Reichsregierung nehmen seit Donnerstag an den Sitzungen des Wirtschaftsbeirates nicht mehr teil.
Sm heutigen Reichsanzeiger erscheint folgende Bekanntmachung der Reichsbank: „Gemäß Art. 1 § 8 Satz 1 der VI. Verordnung zur Durchführung der Verordnung des Reichspräsidenten über die Devisenbewirtschaftung vom 2. Oktober 1931 ordnen wir hiermit an, daß Lie Verpflichtung zur Anbietung von deutschen Auslandsbonds gemäß Art. 1 § 3 Satz 1 der Verordnung auf diejenigen Fälle beschränkt wird, in denen die Stücke aus dem Ausland erworben werden."
Der preußische Haushall für 1932 weist einen Fehlbetrag von einer halben Milliarde Reichsmark auf. Er ist in der Hauptsache zurückzuführen auf den Rückgang der Reichssteuerüberweisungen, auf den Minderertrag der Hauszinssteuer und auf die Kürzung für die kommunale Entschuldungsaktion.
♦ Sm Haushallsausschuß des Reichstages wurden Anträge auf Pensionskürzung und über Festsetzung einer Höchstpension beraten. Reichsfinanz- minijter Dietrich erklärte in der Aussprache, ès bezogen nach einer zweimaligen Kürzung veute nur noch 579 Pensionäre eine Pension, die über 12 000 Reichsmark liege. *
Sm Zusammenhang mit einem Antrag auf sofortigen Abbau der Tarife bei der Reichsbahn und Reichspost nahm der Verkehrsausschuß des Reichstages eine Entschließung an, die die Reichsregierung ersucht, zu prüfen, ob durch einen Abbau der Tarife bei Reichsbahn und Reichspost eine Senkung der Gestehungskosten ermöglicht werden kann.
Die kommunistische Fraktion hatte vor einiger Zeit die Einberufung des Auswärtigen Ausschusses des Reichstages verlangt. Der Vorsitzende des Ausschusses Abgeordneter Dr. Frick (NSDAP.), hat nunckiehr in einem Brief an den Reichstagspräsidenten mitgeteilt, daß er eine solche Einberufung ablehne, weil er ein dringliches deutsches Interesse darin nicht zu erkennen vermöge.
Der Parteiausschuß der Sozialdemokratischen Partei tritt, dem „Vorwärts" zufolge, am Dienstag, 1. Dezember, zur Beratung der politischen Lage zusammen. Am Nachmittag des gleichen Tages wird auch, die sozialdemokratische Reichs- tagsfraktion eine Sitzung abhalten.
Der Newyorker Korrespondent der „Daily Mail" meldet, daß in Walstreet das Gerücht über eine Bankierkonferenz in Washington zu neuerlicher Erwägung der Reparatrons» und Kriegsschulden umlaufe,
Wie Havas meldet, wird jetzt von der Möglichkeit gesprochen, daß der Völkerbundsrat am Montag oder Dienstag abend zur Annahme einer Entschließung gelangen werde, die die gegenwärtigen Verhandlungen zum Abschluß bringen undi als Hauptpunkt die Entsendung einer Untersuchungskommission zum Gegenstand haben werde.
•
Die Königlich-Ungarische Post hat den Verkehr in Postnachnahmesendungen aus dem Auslande mit dem 21. November eingestellt. Nach einer Verlautbarung der Königlich-Ungarischen Staatsbahndirektion dürfen die im Auslande nach dem 21. ds. Ms. nach Ungarn aufgegebenen Warensendungen weder mit Bargeldvorschlägen, noch mit Nachnahmen belastet werden. Die eventuell doch belasteten Sendungen werden an den ungarischen Grenzstationen nicht abgenommen werden.
* Der Gesetzentwurf über die Maßnahmen zur Verhinderung überflüssiger Einfuhr ist gestern von beiden englischen Häusern angenommen und, nach Zustimmung des Königs, in Kraft getreten.
Nach einer Meldung aus Rabat explodierte an der Süügrenze von Französisch-Marokko, wo Truppen eine neue Vorstoßbewegung in das Gebiet Der nicht unterworfenen Eingeborenen unternahm, eine 105 Millimeter-Granate vorzeitig. Der Oberst des Schützenregiments von Taza, der die Operation befehligte, und zwei Senegalschützen wurden dabei getötet. Ein Fremdenlegionär und zwei Arlu- leristen schwer verletzt.
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Der Worttaut der DenAchvitt
Basel, 20. Nov. Die Bank für den 3nfcrnationa(en Zahlungsausgleich gibt bekannt, daß sie am Freitag nachmittag durch den deutschen Generalkonsul in Basel ein Memorandum der deutschen Regierung vom 19. November erhalten hat, in dem die deutsche Regierung die Bank für den Internationalen Zahlungsausgleich auffordert, den in dem Neuen plan vorgesehenen beratenden Sonderausschuß einzuberufen. Das Memorandum hat folgenden Wortlaut:
Die Deutsche Regierung stellt hiermit den Antrag, daß die Bank für Len Internationalen Zahlungsausgleich in Bafel den im Neuen Plan des Haager Abkommens vom 20. Januar 1930 vorgesehenen Beratenden Sonderausschuß einberuft.
Der erste geschichtliche Teil der Denkschrift dient sodann dem Nachweis, daß es sich bei der Einberufung des Ausschusses nicht um eine isolierte Aktion handelt, sondern um eine zwangsläufige Entwicklung. Die Einberufung der Sonderausschusses bildet lediglich ein Glied in einer ganzen Kette von Schritten in der Reparationsfrage, die im I u n i d. I. begann, als die deutsche Rei'
gierung ankündigte, aufgrund der des Poungplans einen Mora-
Bestimmungen des Poungplans einen Mora- to r i u m s a n t r a g zu stellen, und Lie sich fortsetzte in der Erklärung Les Hoover-Feier- jahres, in der Londoner Konferenz,
Halt-abkommen. An alle- diese Aktionen schließe sich jetzt der Antrag auf Einberufung des Sonderausschusses der BIZ. als weitere Etappe auf dem Wege zur Konferenz der an dem Reparationsproblem interessierten Regierungen.
Weiter heißt es dann wörtlich: In Len seither vergangenen Monaten hat sich Lie wirtschaftliche und finanzielle Sage Deutschlands aufs ä u ß e r st e zugesp ' tzt. Die Tatsachen, die diese Lage kennzeichnen, sind allgemein bekannt. Auch m anderen Ländern hat der Druck der Krise zu den ernstesten Erscheinungen geführt. Die Welt ist sich in steigendem Maße klar geworden über den inneren Zusammenhang der verschiedenen durch die Lage aufgeworfenen finanziellen Teilprobleme und über die Notwendigkeit, sie alsbald in ihrer Gesamtheit in Angriff zu nehmen.
Bei den Ueberlegungen. in welcher Form diese Aufgabe am besten zu behandeln sei, ist letzthin der Gedanke in den Vordergrund getreten, zunächst den Beratenden Sonderausschuß einzuberufen. Da nach dem System des Neuen Planes die Einberufung des Beratenden Sonderausschusses von einem Anträge der deutschen Regierung ab- hängt, hat sich die deutsche Regierung zu diesem Anträge entschlossen, damt ihrerseits alles geschieht, was den Weg zu umfassenden gemeinsamen Maßnahmen der Regierungen eröffnen kann.
Iur «Sicherung von Ruhe und «Ordnung
Drei befasse des peeukiicke« Linnenmivistevkums
Berlin, 20. Nov. Der preußische Minister des Innern hat heute einen Runderlaß und zwei pol'izeiverordnungen zur Sicherung von Ruhe und Ordnung herausgegeben, die der Amtliche preußische Pressedienst wie folgt mitteilt:
Handhabung der Versammlungspolizei durch vorbeugende Versammlungsverbote.
Die bisherige Handhabung der Versammlungspolizei hat es noch nicht verhindern können, daß in besorgniserregender Weise in den Versammlungen der radikalen Parteien und Organisationen zu Gewalttaten aufgefordert oder angereizt wird. Der Minister ersucht daher die Polizeibehörden,
1. unter Anlegung strengsten Maß - st a b e s Versammlungen, in denen — wenn auch nur in verlchleierter Form — zu Gewalttätigkeiten aufgefordert oder angereizt wird, sofort a u f z u l ö s e n,
2. Versammlungen, bei denen insbesondere nach der Person des Redners, die Besorgnis solcher Verstöße besteht, vorbeugend zu verbieten oder jedenfalls nur unter Ausschluß solcher Redner zuzulassen.
Verbot der Abgabe von Hieb- und Stoßwaffen an Personen unter 20 Jahren.
Für das Gebiet des Freistaates Preußen werden zwei Polizeiverordnungen erlassen, von denen die erste die entgeltliche oder unentgeltliche A b - gäbe von Waffen, die ihrer Natur nach dazu
Nach dem neuen Plan ist für diesen Antrag die Erklärung der deutschen Regierung erforderlich, Laß „sie jm guten Glauben zu Lem Schluß gekommen ist, daß die Währung und das Wirtschaftsleben Deutschlands durch den teilweisen oder vollständigen Transfer des aufschiebbaren Teiles der Annuitäten ernstlich in Gefahr gebracht werden könnten".
Indem die deutsche Regierung diese Erklärung abgibt, muß sie zum Ausdruck bringen, daß eine solche Erklärung der gegenwärtigen Sachlage nicht gerecht wird. Seit der Aufstellung des Neuen Plaues ist die wirtschaftlicke und finanzieller Lage in der Welt, insbesondere in Deutschland, durch eine Krise ohnegleichen von Grund aus geändert worden. Da der Neue Plan dem Beratenden Sonderausschuß die Aufgabe zuweist, die Lage unter allen ®eft
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rücksichligung aller seiner Faktoren prüfen und hierbei insbesondere berücksichtigen, daß die Frage der privaten Verschuldung Deutschlands rechtzeitig vor Ende Februar nächsten Jahres neu geregelt sein muß, und zwar durch eine Vereinbarung, die zwischen ausländischen Gläubigern und deutschen Schuldnern zu treffen ist.
Da die gegenwärtigen Verhältnisse die größte Beschleunigung der zu treffenden Maßnahmen er- forÄern, schlägt die deutsche Regierung vor, daß der Beratende Sonderausschuß unverzüglich zusammentritt und daß er seine Arbeiten so schnell als möglich erledigt, damit schon in nächster Zeit eine Konferenz derjenigen Regierungen statfinden kann, die für die alsdann zu fassenden Entschlüsse zuständig sind.
Äuiammeutvktt am 1 DeHembev?
Basel, 20. Nov. Wie die „Nationalzeilung" meldet, hat der Vizepräsident der BIZ., Fraser, sofort nach Empfang des deutschen Memorandums an die Präsidenten der Banken von Frankreich, England, Italien und Japan und der Federal Re- serve Bank von New Port telegraphiert und sie um
(Fortsetzung auf Seite 2)
bestimmt sind, durch Hieb, Stoß oder Stich Verletzungen beizubringen, an Personen unter 2 0 Jahren mit gewissen Einschränkungen verbietet. Für jeden'Fall der Nichtbefolgung dieser Polizeiverordnung wird die Festsetzung eines Zwangsgeldes in Höhe bis zu 150 RM, im Nichtbeitreibungsfalle *bie Festsetzung von Zwangshaft bis zu zwei Monaten angedroht.
Diese Verordnung tritt mit dem Tage nach ihrer Veröffentlichung in Kraft.
Verbot nächtlicher Geländeübungen und Märsche.
In der Zeit von 17 Uhr bis 7 Uhr sind Gelände- und Ordnungsübungen und Vorbereitungen dazu sowie alle Märsche in geschlossener Ordnung unter freiem Himmel verboten. Ausgenommen von dem Verbot des § 1 sind behördlich angeordnete Veranstaltungen und Märsche (Ausflüge) von Personen im Kindesalter. Gegen die Nichtbesolgung der Bestimmungen des § 1 wird die Festsetzung von Zwangsgeld bis zu 150 RM, im Nichtbeitreibungsfalle Zwangshaft bis zu drei Wochen angedroht.
Die Polizeiverordnung tritt mit dem Tage ihrer Verkündung in Kraft und nach Ablauf von sechs atonalen außer Kraft.
Die DovvelAktkon
Nach langen diplomatischen Verhandlungen zwischen Berlin und Paris hat die deutsche Regierung sich entschlossen, die Einberufung des im Mungplan vorgesehenen Beratenden Sonderausschusses zu beantragen. Die Auf« gäbe dieses Ausschusses ist im Poungplan ziemlich bestimmt umgrenzt. Der Ausschuß besteht aus insgesamt sieben ordentlichen Mitgliedern, die von den Präsidenten der No- tenbanken Deutschlands, Frankreichs, Eng- lands, Italiens, Belgiens und Japans ernannt werden, sowie einem amerikanischen Mitglied. Er muß ohne weiteres vom Verwaltungsrat der Internationalen Zahlungsbank einberufen werden, wenn Deutschland ein Moratorium erklärt, d. h. wenn es den Transfekaufschub für den geschützten Teil der deutschen Zahlungen in Anspruch nimmt. Er tritt aber auch schon dann zusammen, wenn die deutsche Regierung erklärt, „sie sei in gutem Glauben zu dem Schluß gekommen, daß die Währung und das Wirtschaftsleben Deutschlands durch den teilweisen oder vollständigen Transfer des aufschiebbaren Teils der Jahreszahlungen ernstlich in Gefahr gebracht werden könnten." Der Ausschuß hat dann die Lage zu untersuchen und sich darüber zu äußern, „welche Maßnahmen hinsichtlich des Youngplanes ergriffen werden sollen". Ferner hat er ein Gutachten darüber zu erstatten, ob Deutschland alles in seiner Macht Stehende zur Erfüllung seiner Verpflichtungen getan hat.
Wenn die deuffche und französische Regierung als die Vertreter des Schuldner» und des Hauptgläubigerstaates langwierige Verhandlungen über den nunmehr erfolgten Schritt geführt haben, so ging das dabei nicht um die Formalität des Sonderausschusses, sondern um die grundsätzliche Frage der Revision oder Nichtrevision des Youngplanes. Diese Frage ist seit dem Vorschlag des Hoooer-Feierjahres aufgeworfen und ihre Behandlung hat bisher keinen für Deutschland sehr befriedigenden Verlauf genommen. Die deutsche Regierung traf im Juni des gegenwärtigen Jahres die diplomatischen Vorbereitungen für die Erklärung eines Moratoriums, als Hoover mit feinem Vor- schlag der Lage eine ganz neue Wendung gab. Der " amerikanische Vorschlag trat in Kraft, aber erst, nachdem ihn Frankreich formell so weit abgeändert hatte, daß auch das Feierjahr im Rahmen des Houngplanes blieb. In Deutschland war man entschlossen, die Initiative weiter dem amerikanischen Präsidenten zu überlassen. Man sah trotz des französischen Schachzuges in dem Hoover-Feierjahr eine Durchbrechung des Youngplanes und rechnete mit einer weiteren Aktion Hoovers, dazu bestimmt, die Bresche zu erweitern, die in die Schuldverpflichtung geschlagen war.
Diese Erwartung aber hat getäuscht Das für uns entscheidende Ergebnis der Besprechungen zwischen Hoover und Laval liegt darin, daß Hoover die Initiative an die beiden Mächte Deutschland und Frankreich zurückge- geben hat. Deutschland und Frankreich sollen sich zunächst darüber verständigen, welcher Weg zur Regelung der Tributfrage nach dem Ablauf des Hoover-Feiersahres beschritten werden soll. Damit hatte Frankreich freie Hand gewonnen, sich wieder auf den Poung- plan zurückzuziehen. Die Stellung Frankreichs hat sich ckuch in Washington als so stark erwiesen, daß Hoover auf dem von ihm beschrittenen freieren Weg den zweiten Schritt nicht tun konnte Es ist nicht gelungen, den Standpunkt Frankreichs zu erschüttern, den Laval am Donnerstag in der französischen Kammer dahin präzisiert hat, er habe in den Londoner Verhandlungen nichts von der Revision des Youngplanes hören wollen und er wolle heute ebenso wenig davon hören
In diesem Zusammenhang ist die Einberufung des Beratenden Sonderausschusses eine
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