Einzelbild herunterladen
 

Nr. 270_______________

Dienstag, den 17. November 1931

Seite 5

Der Raubüberfall am Opernplatz vor dem Jugendgericht.

: Unter der Anklage des Straßenraubs fand sich vor dem Erweiterten Jugendgericht der neunzehn­jährige Elektrotechniker Erich Köpf ein, dem zur Last gelegt wurde, in der Nacht zum 25. Oktober den 65- jährigen Schneider Friedrich Denhardt in der An­lage hinter dem Opernhaus überfallen, mißhandelt und beraubt zu haben. Der betagte Schneider wurde damals bewußtlos aufgofunden und in das Heili-g- geisthospital eingeliefert. Jetzt trat er als Zeuge in der Verhandlung gegen K. auf, die unter Aus­schluß der Oeffentlichkeit statfand. Denhardt hatte bei seiner Einlieferung eine tiefe Wunde über dem rechten Auge, Lie wahrscheinlich durch ein spitzes In­strument hervorgerufen wurde. Es fehlten ihm Uhr, Brieftasche und Portemonnaie. Köpf bestritt, sich eines Raubüberfalls schuldig gemacht zu haben. Der Beraubte, ein schwerhöriger Mann, hatte sich an jenem Abend auf eine Promenadebank nach reich­lichem Weingenuß gesetzt. Da der alte Mann an Schlaflosigkeit litt, nahm er eine Veronaltablette zu sich und schlief ein. In der Anlage nächst der Leer­bachstraße wurde er auffunden, er kann aber nicht erklären, wie er dorthin kam. Die Beweisaufnahme gestaltete sich für den Angeklagten günstig, da seine Behauptungen nicht zu widerlegen waren. Auf An­ttag des Staatsanwalts wurde der Beschuldigte freigssprochen.

Line holländische Bank verklagt die Stadt Frankfurt a. M.

• Vor der dritten Kammer für Handelssachen wurde Montag die Wechselklage eines holländischen Bankunternehmens gegen die Stadtgemeinde Frank- ifurt verhandelt. Die Klägerin machte ihre An­sprüche aus zwei Solawechseln über zusammen 100 000 RM geltend, die am 28. September fällig waren. Die Stadt berief sich auf den Schutz der Devsienbewirtschaftung und erklärte, es sei nicht zulässig zu klagen, dâ bie Devisenbewirtschastungs- stelle die Genehmigung zur Bezahlung der Wechsel nicht erteilte. Der Vertreter der Klägerin vertrat den Standpunkt, daß zwar die Zwangsvollstreckung aus dem Urteil zur Zeit nicht ohne Genehmigung der Devisenbewiüschaftungsstelle zulässig sei, daß dies aber nichts mit der Frage zu tun habe, daß aus den Wechseln geklagt werden könne Das Ge­richt verkündet seine Entscheidung am 26. d. Mts.

Neue Verhandlungen im Lohnstreit in der Metallindustrie

: In der Angelegenheit des Lohnstreites in der Metallindustrie teilt der Verband der Metall- iNdustriellen mit, daß er folgende Bekanntmachung an die Betriebe erläßt: Der Herr Landesschlichter hat den dringenden Appell an die Parteien gerich­tet, von jeglichen Kampfhandlungen abgusehen. Er erwartet von den Arbeitgebern, daß sie die durch den Anschlag vom 12. November in Lauf gesetzten Kündigungsfristen bis einschließlich Dienstag, den 24. November verlängern und >daß hierdurch eine Schließung der Betriebe vermieden wird, um weitere Verhandlungen zu ermöglichen, zu denen er bereits die Parteien im öffentlichen Interesse aus kommenden Samstag, den 21. November, einlädt. Diesen dringenden Vorstellungen des Herrn Landes­schlichters entsprechend, verlängern wir hiermit die für Dienstag, den 17. d. Mts., ausgesprochenen Kündigungen um eine Woche bis einschließlich Dienstag, den 24. November.

5S«

■I

die Wollspitze

oé^3»

Schriftliche Bestellungen können nicht berücksichtigt werden!

Die obigen Angebote stehen Ihnen ab Donnerstag zur Verfügung!

W

r Nedidrudl von Wort und Bild verboten!

Porzellanhofstr

in einer oder mehreren auf­einander abgestimmten Farben als Garnierung des Kleides?

Außerordentlich apart, kleid sam und in ungezählt reiz voller Mannigfaltigkeit.

Wie jede Neuheit, so finden

Sie natürlich auch diese — kaum daß sie heraus ist — bei uns in überraschender Auswahl und billig also

Der Savag-Vvoreß

Dev sparsame Savas-DlveVt-v

Frankfurt a. M., 16. Nov. Der heutige Der- Handlungstag des Favag-Prozesies ist in mancher Hinsicht wieder recht aufschlußreich gewesen. Eine ganze Schar von Zeugen wurde diesm-al vor die Schranken des Gerichts zitiert, um etwas Licht in die immer noch recht dunkle Angelegenheit der Industrie-Kredit G. m. b. H. zu bringen Daß im Wortschatz der Favag-Direktoren, bei denen es, wie man im bisherigen Verhandlungsverlauf mehr­fach feststellen konnte, auf 100 000 RM mehr oder weniger nicht ankam, bei denen für gewöhnliche Sterbliche schon recht ansehnliche Beträge aus Ba­gatellen bezeichnet wurden, auch das Wort Spar­samkeit existierte, ist immerhin neu und -inter­essant. Es gab bei der Industrie-Kredit immer schon^ Meinungsverschiedenheiten zwischen Dr. Kirschbaum und den Geschäftsführern. Nach Kirsch- baums Ansicht, die, wie er selbst zugwb, ver­hängnisvoll geworden ist, mußte zuerst das Ge­schäft aufgebaut werden und dann erst durften Kosten bewilligt werden. Nach dem Standpunkt der Geschäftsführer konnte nur der umgekehrte Weg zum Ziele führen. Da sich Kirschbaum nicht mit allem befassen konnte, kam es öfters vor, daß ohne sein Wissen neue Leute in dem Betriebe auf- tvuchten, wom-it er aus Ersparnisgründen durch­aus nicht einverstanden war. Dagegen ist es inter­essant, etwas aus seinem eigenen Munde über die Bezüge b.-i der Industrie-Kredit zu erfahren. Der Geschäftsführer Dr. Silberberg hatte ein Gehalt von 60000 RM, die meisten Geschäftsleiter er­hielten 25—50 000 RM Herr Mühlinghaus, dem das schlechte Resultat der Gesellschaft in der Haupt­sache zu verdanken war hatte ein monatliches Ein­kommen von 5000 RM und außerdem noch Tages- -gelder in Höhe von monatlich 2—3000 RM.

Ein sonderbares Gebilde.

Wann und wie der Kreditboirat entstand, weiß keiner der Zeugen anzugsben. Sie alle standen plötzlich vor der Tatsache, daß es einen solchen Bei­rat'gab, ohne daß man genau wußte, wer ihm an­gehörte. Fest steht, daß ein Machtwort Dumckes ihn schuf. Anscheinend waren seine Mitglieder aber nicht gleichberechtigt, denn während einige Herren chre Mitgliedschaft etwa 20 000 RM eintrug, gingen andere leer aus Nun ereignete sich aber bei der Favag das, wovon sonst nur die uralten Märchen künden, nämlich daß einem über Nacht, ohne daß man es merkt, Schätze ins Haus gebracht werden. So erhielt Herr Hoff von der Industrie-Kredit 1200 RM, ohne daß er das geringste davon gewußt haben will. Daß übrigens unter den führenden Direktoren in diHem Beirat ehrlich geteilt wurde, kann man auch nicht gerade behaupten! Während

-^. —. ââ^ ^ . â» ^lupuiuufuituc U»lU VS/L/l-CllMMl.|tr)t;ilUC VCl xJClt

ölttâ ZUâ^ tittll ®6Mtt trumspartei für Hessen-Nassau, Richard Müller. WWV 0**W Von 1898—1903 vertrat er den Wahlkreis Höchst-

Richard müßer-Jnlba t

— Fulda, 14. Nov. Heute nacht verstarb an Herzschwäche im Alter von 80 Jahren der bekannte

13“

Wundervoll abgestimmt zum matten Crepe • Caid ist die duf­tige. anders­farbige Woll- spitzen-Pas- se des feschen Wollkleides

Becker und Kirschbaum aus den Avalprämien rund 20 000 RM bekamen, fiel dem Nachlaß Dumckes nur die bescheidene Summe von 2600 RM zu, da Becker erklärte, es sei absolut unnötig, hierfür mehr zu bewilligen, da Dumckes Nachlaß schon genug bekomme,

Bilanzen nach Wah.

Die Bilanzen der Industrie-Kredit wurden nach einer ganz besonderen Methode zurechtgebaut, man könnte sagen „auf Bestellung nach Maß". Hierüber gab der ehemalige Geschäftsführer der Industrie- Kredit Scheuermann aufschlußreiche Erklärungen. Ein Verlust durfte nicht ausgewiesen werden. Daß Kirschbaum einmal so etwas gesagt hatte, weiß er heute zwar nicht mehr, aber immerhin hatte er gewisse „Richtlinien" ausgearbeitet, ganz flüchtig nur, denn in Ermangelung anderen Papiers soll er seine Skizzen auf ein« Speisekarte gemacht haben, nach denen die Bilanz für 1928 aufgestellt wurde: Obwohl man sich darüber klar war, daß -tatsächlich ein Verlust non mehreren 100 000 RM entstanden war, wies man, damit die Bilanz das von Kirsch­baum vorgeschriebene Gesicht zeigte, einen Meinen Gewinn aus. Man konnte das ruhig tun, da man sich darauf verließ, daß der entstandene Verlust im kommenden Jahr verdient werden würde.

\ Geschäftsbücher überflüssig

Mit der Uebernahme der Auskunftei Wys Mül­ler u. Co. durch die Favag war eigentlich niemand zufrieden. Der Zeuge Hausing erzählt, daß sich Kirschbaum sehr erregt gegen den Ankauf ausge- sprachen hatte, er meinte damals, er sei mit dieser Transaktion überrumpelt worden. Ein eigenartiges Unternehmen muß diese Wys Müllere G. m. b. H. gewesen sein. Sie hatte zwar nicht geringe Zettel­schulden, die von Becker mit in Kauf genommen wurden, dafür aber gab es bei dieser Gesellschaft keine Geschäftsbücher. Herr Häusing reiste eigens nach Berlin, um bei der Wys Müller G. m. b. H. Geschäftsbücher einzurichten, damit man das Minus ziffernmäßig feststellen konnte. Nachdem die Fa­vag bereits an der Auskunftei beteiligt war, fiel ihr bzw. der Industrie-Kredit auf einmal eine weitere Beteiligung zu, über die sich der Geschäftsführer der Industrie-Kredit. Scheuermann, nicht wenig ge­ärgert hatte. Daß diese Neuerwerbung aus dem Besitz von Becker und Dumcke kam, konnte er nicht ahnen. Wehren konnte sich Scheuermann gegen dieses schlechte Geschäft nicht, obwohl er Geschäfts­führer war, denn sonst wäre er, wie er auf eine Anfrage des Staatsanwalts erwiderte, Gefahr ge­laufen, hinauszufliegen.

Die Verhandlung wird am Dienstag fortgesetzt.

Großindustrielle und Ehrenvorsitzende der Zen

Homburg-Usingen, 1893—1898 und 1903—1918 seine Vaterstadt Fulda im Reichstag und gehörte 1919 der Nationalversammlung von Weimar an. Durch seine bedeutenden wirtschaftlichen Kenntnisse

19“

Eleganz und Schick. das ist der bezwin­gende Ein­druck des Bo- ; Iero - Kleides ; aus Flamengo. der Kragen in 2-färb, lichter Woll spitze

25"

Aus Flamengo ein wunder­volles Nach­mittags-Kleid, schmiegsam in der Linie, hochschick im Aufputz: Spit­ze In Wolle u. Kunstseide

Franks urta.M?t

BRENNINKMEYER

wurde er zum achtunggebietenden Finanzsachver­ständigen der Zentrumsparter. (Bei den Reichstags­wahlen des Jahres 1903 kandidierte er für die Zentrumspartei in Hanau-Gelnhausen-Orb und er­hielt 4814 Stimmen).

Wenig gelohnte „Schwer "-Arbeit Sech« Zentner schwerer Sassenschrank verschleppt und erbrochen

— Herborn, 16. Nov. Ein schwerer Einbruch wurde in die Diensträume des Güterbahnhofs Her­born verübt. Zur Nachtzeit drangen Einbrecher in das Büro, hoben den etwa sechs Zentner schweren Kassenschrank auf einen Sackkarren und schafften ihn in freies Gelände. Dort wurde mit einem Brecheisen der Geldschrank geknackt. Den nächtlichen „Schwerarbeitern" sind nur etwa 70 Mk. in die Hände gefallen. Von den entdeckten Fußspuren machte die Polizei Gipsabdrücke. Gegen gewisse berüchtigte Personen aus Herborn häuften sich die Verdachtsmomente derart, daß am Montag zur Verhaftung geschritten -wurde. Es handelt sich um die Arbeiter Oswald Hasch und Otto WendÄ. Die Gipsabdrücke stimmen mit der Fußbekleidung der Verhafteten überein, so daß man die Täter erwischt haben dürfte.

3630 Studierende in Marburg.

— Marburg, 16. Nov. Mit dem 14. d. Mts. gingen die Neuanmeldungen zur Immatrikulation im Wintersemester 1931/32 zu Ende. Insgesamt wurden 3630 Studierende, darunter 762 Studen­tinnen, gezählt, gegen 3632 Studierende, darunter 762 Studentinnen, im vorigen Wintersemester. Außerdem wurden 60 Studierende zum Hören von Vorlesungen zugelassen. Auf die einzelnen Fächer verteilen sich die Studierenden wie folgt: Theologie 345 Männer und 28 Frauen, Medizin 809 Männer unb 127 Frauen, Iura 675 Männer und 45 Frauen, Philosophie 1047 Männer und 562 Frauen.

Stadkralswahl in Butzbach

— Butzbach, 16. Nov. Zugleich mit der Land- tagswahl fanden gestern in Butzbach auch Stadt­ratswahlen statt, bei der von 3283 Wahlberechtigten 2869 Personen abstimmten. Die Zahl der gültigen Stimmen beträgt 2826. Das Ergebnis der Wahl ist folgendes: Sozialdemokraten 782 (bei der Wahl am 13. November 1927 524) Stimmen 5 Sitze, Kommunisten 252 (256) 1 Sitz, Zentrum 201 (192) 1 Sitz, Mittelstand 277 (0) 2 Sitze, überparteiliche Liste (Dr. Weide) 147 (0) 1 Sitz, neutrale Liste (Einbrodt) 182 (358) 1 Sitz, Nationalsozialisten 584 (0) 4 Sitze, Bürgerliste 401 (599) 3 Sitze. Die Wahlbeteiligung betrug 88 Prozent.

Schießerei auf der Kirmes. Mehrere Personen verletzt

— Bad Kreuznach, 16. Nov. In Waldweiler (Hunsrück) kam es bei der Kirmes, die von vielen Bauernbuyschen umliegender Orte besucht war, wegen eines Mädchens zu Streitigkeiten, die bald zu einer wüsten Schlägerei ausarteten. Plötzlich krachten Pistolenschüsse. Die herbeiqerufene Land- jägerei mußte gleichfalls von ihrer Schußwaffe Ge­brauch machen. Ein junger Mann erhielt einen Bauchschuß, mehrere andere Kirmesbesucher wur­den leicht" verletzt. Die Landjäger konnten erst nach größeren Anstrengungen Herr der Lage wer­den. Es wurde eine Reihe von Verhaftungen vor­genommen.

34°°

Andersfarbige aparte Woll» spitze zu schö» nem boucle- artigen Stoff glbtdemNach- mittags - Kleid mit Jacke die hochmoderne elegante Note