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Seife 2

Dienstag, den 17. November 1931

Nr. 270

demokraten und Kommunisten, die Verant­wortung der Zentrumspartei für die politische und gesellschaftliche Weiterentwicklung des deutschen Volkes hervor, um schließlich zu fol­gender Nutzanwendung zu gelangen: „Der po­litische Umschichtungsprozeß, den wir durch­leben, wird wahrhaftig nicht auf dem Gipfel­punkt des nationalsozialistischen Machtgewinns beendet sein. Dort wird vielmehr das begin­nen, was wichtiger und bedeutender ist als die Entwicklung der Zahl und der Größe, die geistige und politische Umformung einer Be­wegung zu einem wirklichen Instrument der Staatspolitik, die sich allerdings gleichfalls nicht ohne Erschütterungen des deutschen Parteiaefüges vollziehen kann." Ueber die Möglichkeiten eines Zusammengehens des Zentrums mit den Nationalsozialisten sagt das Blatt nichts. Auch eine Aeußerung des Vorsitzenden der Zentrumsfraktion im Hessi­schen Landtag, Ministerialrat Hoffmann, einem Vertreter des WTB. gegenüber ist sehr zurückhaltend. Ministerialrat Hofsmann er­klärte u. a.: „Die Regierungsbildung wird in­folge mangelnder Eindeutigkeit der Mehr- heitsoerhältmsse sehr schwierig sein. Eine Regierungsbildung auf der seitherigen Grund­lage ist, wie vorauszusehen war, nicht mehr gegeben. Theoretische Möglichkeiten, die aber praktisch gar nicht in Frage kommen können, wären: Nationalsozialisten und Kommuni­sten, Nationalsozialisten und Sozialisten, So­zialdemokraten, Kommunisten und Zentrum. — Welche von den dann noch verbleibenden Lösungen Aussicht auf Verwirklichung haben, kann von feiten des Zentrum zunächst noch nicht gesagt werden, da die Initiative für die kommenden Verhandlungen bei den größeren Parteien liegt."

Einer Absage an die Nationalsozialisten gleich kommt dagegen die Aeußerung der in Angelegenheiten der hessischen Zentrumspolitik stets gut unterrichtete „Mittelrheinische Volks-

Der letzte Rettungsversuch

Mn Tagung über bett mandschurischen -Konflikt

zeitung". Das Blatt schreibt: „Wir glauben, daß d e Fragen, die an das Zentrum gehen, die falsche Adresse gesucht haben. Das Zen­trum hat bewiesen, daß es die Leistungsfähig­keit und Arbeitsfähigkeit einer Regierung über das Ergebnis einer reinen Rechenstiftkalku- lation setzt. Es entspricht zwar dem Wesen des parlamentarischen Systems, daß Verschie­bungen in der politischen Willensbildung auch in der Politik zum Ausdruck kommen. Dem wird sich das Zentrum keineswegs widersetzen. Es wird das Brauchbare unterstützen, woher es auch kommen mag. Es wird Willenskund­gebungen, die zahlenmäßig wichtig sind, nicht niederhalten, sofern sie nicht eine dem ganzen Volke schadende und wichtige politische Ent­wicklungen störende Richtung einschlagen; doch dürfte das Zentrum an den Patentlösungen und loalttro " "

e Fragen, die an das Zentrum gehen,

Pari». 16. Nov. Die zweite außerordent­liche Ratstagung, deren Aufgabe es ist, eine Löfung des japanisch-chinesischen Konfliktes zu erreichen, hat am Montag nachmittag im Uhrensaal des französischen Außenmiuisteriums, wo vor drei Jahren der Kellogg-Pakt zur Unterzeichnung ge­laugte, ihren Anfang genommen. Es herrscht nicht die gedämpfte Genfer Stimmung, sondern di« tem­peramentvoll« Erregtheit einer Dersammlung, in der Politiker, Diplomaten, Journalisten aller Län­der und Rasten wie in einem Ameisenhaufen bei« jammen sind. Die Räumlichkeiten sind zu eng. Es fehlt trotz allen Bemühungen des Völkerbunds­personals an pünktlicher Jnformationserteilun-g für die Presse, und es gibt so viele neugierige Zaun­gäste, daß das Dorwärtskvmmen im Gedränge sehr erschwert wird. Die Atmosphäre ist mit Zünd - stoss geloben. Hier wird für Japan, dort für China Partei genommen. Zeitungspolittk durchsetzt die Tätigtest des Völkerbundsrates.

Unruhig, nervös verläuft die erste Sitzung des Rates. Briand, der den Vorsitz führt, war von einem schweren Husten geplagt und tonnte den einleitenden Bericht, der die gegenwärtige Situation darstellt, kaum zu Ende lesen. Nachdem der eng­lische Außenminister und nach ihm Staatssekretär o. Bülow in ihrer Eigenschaft als Ratsherren die Erklärung abgegeben hatten, daß sie an der Lösung dieses schweren Konfliktes mitzuarbeiten beauftragt seien, schlug Briand die Umwandlung der öffent­lichen Sitzung in eine geheime vor. Dieser Antrag war uf den direkten Wunsch Japans zu- rückzusühren.

Aus den uns nachher von maßgebender deutscher Seite gemachten Mitteilungen geht hervor, daß »er Völkerbundsrat sich außer Stande be­finde, den japanisch-chinesischen Konflitt direkt politisch zu untersuchen. Di« mandschuri­schen Verträge bilden vom europäischen Standpunkt aus gesehen einen unentwirrbaren Kcmlplex von Fach-,' Niederlastungs- und Beteiligungsfontratten, die zum Teil mit wettgshenden Garantteverpflich- tungen — zum Beispiel Besetzungsvecht für Eisen­bahnlinien und ähnliches — untrennbar verknüpft sind. Ein derartiges Vertragssystem auf feine Un­antastbarkeit hin zu prüfen, würbe jahrelang dauern und den Völkerbundsrat vor eine Auf­gabe stellen, die ihm nicht zukommt. Es ist aber

auch nicht möglch, den Konflitt auf der Grundlage des Völkerbundspaktes zu lösen, wie dies etwas voreilig im September versucht wurde. Schon da­mals hat sich erwiesen, daß die ostasiatische Mentalität ein Verfahren, wie es im Völker- bundspatt vorgesehen ist, nicht zu läßt. Es mußte vermieden werden, die Gegensätze zu ver­schärfen, und deshalb entschloß sich der Völker­bundsrat zu einer rein vermittelnden Aktion, gesagt zur Konstruktion einer sung.

besser Notlö

Die Hauptsache ist die Beilegung des brutalen Konfliktes und zwar nach vorheriger Anbahnung von Verhandlungen zwischen beiden Parteien. Die Ratstagung selbst sicht im Zeichen dieser Ver­mittlungsbeziehungen. Man wird nichts unterlassen, um in der Kulisse die Voraussetzungen

mittlungsbeziehungen. Man wird nichts unterlassen, um in der Kulisse die Voraussetzungen für eine chinesisch-japanische Aussprache zu schaffen. Briand erklärte in der vertraulichen Ratssitzung: „Wir werden die Gegner vorläufig nicht miteinan­der in Kontakt bringen, sondern mit jedem einzeln verhandeln, um sie nach dem Zustandekommen einer Diskussionsgrundlage zusammenzuführen." Diese Taktik wird jetzt als letzter Rettungs­versuch angewandt.

Es liegt klar, daß der Völkerbundsrat für ein Eingreifen in den ostasiatifchen Konflikt nicht ge­schaffen ist. Sein Rahmen ist ein rein euro­päischer. Doch das Prestige des Völker­bundes zu wahren, soll der Zweck dieser Inter­vention sein. Die Beteiligung Amerikas an den Verhanmungen ist insofern gesichert, als General Dawes an den privaten Besprechungen' teilneh­men wird. Die Anwesenheit des Staatssekretärs von Bülow wurde deshalb für notwendig er­achtet, weil Deutschland sowohl in China als auch in Japan wichtige wirtschaftliche Interessen besitzt und abgesehen davon als entwaffneter Staat Wert darauf legt, das Ansehen des Völkerbundes durch ein Scheitern feiner vermittelnden Aktion in dem fernöstlichen Konflitt nicht vermindert zu sehen. Der Staatssekretär von Bülow hofft, daß sich am zweiten oder dritten Tag erkennen lassen wird, ob die Vermittlung des Völkerbundsrates Aussicht auf Erfolg hat. Nach Maßgabe der Umstände wird Bülow mit Laval und glanbin über reparationspolitijch« Fragen spre­chen.

even falls

Die bevufsftSndrfche Gliede­rung -es neuen heMchen

Landtags

Darmstadt. 16. Nao. Der neue Hessische Land­tag setzt sich zusammen aus 21 Beamten, 12 Ange­hörigen der freien Berufe, 11 Arbeitern, 7 Ange­stellten, 5 Handwerkern, 11 Landwirten und 3

Bürgerkrieg in bedrohliche Nähe gerückt sei Die Sozialdemokratie will diese politischen Fragen zum Gegenstand einer Aussprache mit der Reichsregie- rang machen. Sie will von der Reichsregievung eine eindeutige Erklärung verlangen, ob sie die Darbereitungen des Nationalsozialismus zum Bürgerkrieg weiter dulden wolle oder ob sie bereit fei, diesem Treiben mit allen Mitteln energisch entgegenzutretvn.

graphien hergestellten Papieren gewesen sei. Ritt­meister be Looz tagte zum Schluß, er neige zu der Auffassung, daß Baßnesi und der Flieger, der den Namen de Looz angenommen habe, ein und die­selbe Person seien.

Süv ein Svlodensdezennlnm

Erklärungen Mussolinis.

London, 16. Nov. In einem Artikel im „Sunday Expreß" betont Mussolini die Notwendigkeit eines zehnjährigen Abkommens zur Aufrechterhaltung des Friedens in Europa. Er erklärt, daß alle Ver­suche zur Aufrechterhaltung der Vorherrschaft zu Wasser oder zu Lande unerträglich seien, da dadurch immer andere Nationen zu Gegen- rüstungen gezwungen würden. Italien sei bereit, die niedrigste Rüstungsgrenze und seien es auch nur 10 000 Gewehre anzunehmen, vorausgesetzt, daß keine andere Nation mehr habe. Die Vorherrschaft einer Nation veranlasse stets eine Anzahl kleinerer Staaten sich diesen aPuschließen und führe zu Gegenmaßnahmen. Die wirtschaft­lichen Vorgänge in den letzten Jahren verlangen Ruhe und Frieden für Europa. Dafür sei die Ab­rüstung die notwendige Voraussetzung. Deshalb dürfe man nicht zulassen. daß die Ab­rüstungskonferenz wieder ein Fehl­schlag werde.

Grandl in Amerika

Rewyork, 16 Nov. Der italienische Außenmini­ster Grandi wurde bei seiner Ankunft an der Quarantänestation von Beamten des Staatsdepar­tements begrüßt. Wegen des dichten Nebels mußte der Plan des Staatsdepartements, den Minister uni) feine Begleitung im Flugzeug nach Washing­ton zu befördern, aufgegeben werden. Ein Zoll- kutter brachte Grandi nach Jersey City, von wo er mit der Eisenbahn nach Washington fährt.

Die Abfahrt Grandi? von Jersey City vollzog sich ohne jegl'che Störung. Nach seiner Ankunft in Washington wird Grandi sofort Hoover einen offi­ziellen Besuch abstatten. Die Besprechungen mit Stimson werden am Dienstag ausgenommen.

Atte mandschurisches -Kaiserreich

Mukden, 16. Nov. Der Exkaiser Puyi hat Mukden verlassen und ist nach Port Arthur zurück­gekehrt. Seine Abreise wird hier allgemein als Be­weis für den Zusammenbruch der Pläne für ein Mandschurisches Kaiserreich angesehen.

Schwere Veruntreuungen eine» Oberpostsekrekär»

Düsseldorf, 17. Nov. Gestern abend wurde hier der Oberpostsekretär Windelen verhaftet, der insgesamt 30 000 Mk. Postanweisungsgelder unter« 'chlagen haben soll. Außerdem steht Windelen im dringenden Verdacht, Markenpakete entwendet zu haben. Er hat bereits zugegeben, die veruntreuten Beträge Wm Teile verwettet zu haben.

An die k)ochspannung»lelkung geraten

3 Tote, 4 Schwerverletzte

in befmben

®L

-aß sie koalitionsfähig ist, solange sie Männer vom Schlage eines Münchmeyer in ihren Rei­hen duldet. Politik ist Arbeit, nicht Agitation. Wer trommeln kann und wessen Trommel. Gehör findet, der hat noch lange keinen Be­fähigungsnachweis zum Regieren erbracht, und fei es auch nur im Hessenland."

Der Demokratische Zeitungsdienst schreibt: „Welche Entwicklung die Hessenwahlen für das Reich und die Reichspolitik haben wer­den, muß sich noch zeigen. Insbesondere wird man ja nun sehen, ob die Aussprache zwischen Nationalsozialisten und Zentrum, die zett­weise ziemlich stürmisch verlief, weiter geführt werden kann. In Hessen wäre zahlenmäßig eine Regierung zwischen Nationalsozialisten und Zentrum möglich. Hier könnte ja einmal eine Probe gemacht werden, ob sich das Exempel lösen läßt. Wenn Rathenau einmal von Cuno sagte, daß diese Zigarre doch ein­mal geraucht werden müsse — nun wenn die Hitler-Zigarre auch einmal geraucht werden muß, so ist es vielleicht am besten, das bald zu tun. Vielleicht ist das die staatspolitische Aufgabe, die dem Zentrum zugedacht ist."

Aller Augen sind auf das Zentrum ge­richtet. Man darf gespannt sein, nach welcher Zeite hin es sich entscheiden wird.

Gitte neue äombinaLion

ter, 1 Arbeiter, 1 Angehöriger der freien und 1 Hausfrau. — Kommunisten: 6 Leiter, 1 Landwirt, 1 Beamter, 1 Handwerker und 1 Hausfrau. — Kommunistisch« Opposi­tion: 1 Angestellter. — Deutsche Volks­partet: 1 Beamter. — Staats Partei: 1 Beamter. — Christlich-Sozialer Solls« bienst: 1 Beamter. — Hessisches Land­volk: 2 Landwirte. — Deuts chnationale Volkspart« i: 1 Beamter. — Soziali­tis ch e Arbeiterpartei: 1 Angehöriger der reien Berufe. — N a t i-o n a l s o z i o sii st e n 6 Be­amte, 3 Arbetter, 6 Landwirte, 2 Angestellte, 8 Angehörige der freien Berufe, 2 Handwerker.

One bedeutsame Rede im «ntevbaus

sFortt'—nv von Seite 1)

Sowohl unser Handel als auch unsere Finan­zen wurden von der deutschen Finanzlage in Mitleidenschaft gezogen.

)ie kurzfristigen, von Deutschen akzeptierten Mech­el, die wir besitzen, beliefen sich auf etwa 300 Mil» ionen Pfund Sterling. Es war schwierig, den gan­zen Betrag zu schätzen aber über 770 Millionen werden England geschuldet. Alles, was man sagen kann, ist, daß immer noch ein sehr beträchtlicher

Hage», 16. Nov. Der Landesführer des Stahlhelms Westmark, Mahnken, richtete an den Zechenverband in Esten ein Schreiben, in dem es u. a. heißt:

„Die Zechen des Ruhrgebiets haben die allge­meine Kündigung mit dem Zweck der Lohn­herabsetzung ausgesprochen. Dieser Weg zur Rettung der Wirtschaft ist hoffnungslos. Die Herabdrückung der allgemeinen Lebenshal­tungskosten der Nation nur zum Zweck der Aus­rechterhäng eines sinnwidrigen Systems der Kreditwirtschast und einer dem Arbeitnehmer nicht wirklich helfenden Sozialpolitik ist sinnlos. Eine Politik, welche die Befreiung nicht bringen kann, rechtfertigt nicht die ungeheuren Opfer, die nur bei einer wirklichen Befreiung der Natton Sinn haben können. Die Unternehmer werden dadurch gegen ihren Willen zum Zwangsvollstrecker zugun­sten der Tributpolitir unserer Feinde."

Zum Schluß des Briefes heißt es: „Deshalb richtet der Landesverband an die Mitglieder des Zechenverbandes den dringenden Appell, den Weg zur Rettung nicht mehr in der bisherigen Richtung zu suchen, sondern in dem klaren und eindeutigen Kampf um die grundsätzliche Aenderung eines für das gesamte Volk verderblichen Systems."

Paris, 17. Nov. Bei Bauarbeiten in Quentin gerieten 3 Arbeiter mit dem HachspanH Nungvdraht in BerVbruM m* wurden

Stelle getötet. 4 Arbeiter wurden schwer verletzt, ii

Darmstadt, 16. Nov. Heute vormittag beschäf­tigte sich bereits das Kabinett mit dem Ausgang der Landtagswahl, ohne indes Beschlüsse zu fassen. In politischen Kreisen erörtert man nach wie vor die Lage, die sich aus der Dreifrontenbildung (Z trum, Sozialdemokraten und Nationalsozialist , ergeben hat. Beachtenswert sind die Aeußerungen, die von nichtoffizieller Zentrumsseite bekannt wer­den, und die ein Zusammengehen mit den Natio­nalsozialisten oder eine Tolerierung davon ab­hängig machen, daß diese ihre geistige Haltung zum Zentrum revidieren. Interessant ist auch die Kom­bination, daß das Zentrum oder sogar die Sozial­demokraten eine rein nationalsozialistische Regie»

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Betrag von Deutschland zurückbehalten ist, wenn das Stillhalteabkommen abläuft. Das an sich ist von ernstem Einfluß nicht nur auf die britische Finanzlage, sondern inbirett auch auf die britische Industrie und den britischen Handel.

Der einzige Weg, auf dem wir unsere Währung auf ihrem Wert erhalten können, ist der, daß wir dafür sorgen, daß unsere ungünstige Handelsbilanz nicht noch schlechter wird. Wir haben eine be-

Sie Behandlung dev GledlnnaSantvSge

Berlin, 16. Nov. Der neu ernannte Staats-

Letzte Telegramme

GivM in den Buis-uvs» Ruhvoviev Kafen

Duisburg-Hamborn. 16. Nov. In ein« zeluen Betrieben her Duisburg-Ruhrorker Häfen kam es heute vormittag zu einem Teilstreik. Der Streit hat sich im Laufe des Tages weiter ausge- dehal. Heute abend nm 18 Uhr ist der Streik offiziell proklamiert worden.

Duisburg-Hamborn, 17. Nov. Der gestern offiziell proklamierten Streikparole sind heute früh die Arbeiter sämtlicher in den Duis- burg-Ruhrorter Hafenanlagen befindlichen Firmen gefolgt. Der gesamte Umschlag- und Güterverkehr ruht. Vom Ausstand nicht berührt sind die float« lichen Sippanlagen sowie die Sohlenverladeanlage des Kohlenkontors. Jm Streikbefindensich e t ro a 800 2R a n n. Die Arbeitgeber haben den vom Schlichter gefällten Schiedsspruch, der eine Lohnsenkung von 5% Prozent vorsiehl, angenom­men und feine Verbindlichkeitserklärung beantragt,

„MmeS* über die Reparaikottskvage

rung tolerieren könnten, um so den Nationalsozia­listen Gelegenheit zu geben, durch die aus der Entwicklung zwangsläufig erforderlichen Notver­ordnungen, Sparmaßnahmen und Steuereintrei- bungen ihre Wähler selbst von dem Stand der Dinge zu überzeugen. Es ist natürlich unverkenn­bar, daß die Lage im Reich aus die Regierungsbil­dung in Hessen von gewisser Bedeutung ist, woraus allerdings auch geschlossen werden muß, daß die Verhandlungen über die Regierungsbildung sich über einen geraumen Zeitraum erstrecken werden. Der neue Landtag wird am 3. Dezember zusam­mentreten. Ob die Nationalsozialisten den Land- tagspräftbenten stellen werden, ist auch zurzeit noch unentschieden. Allerdings war es bisher üblich, da die stärkste Partei im Landtag auch den Präsiden ten stellte.

London, 17. Rov. 3n einem Leitartikel kommt „Times" auf die Unterhauserklärung Bald­wins zurück und sagt: In Paris und Berlin sei das Schwergewicht der Rede in der Presse etwas verschoben worden. Baldwin fei irrtümlicherweise dahin verstanden worden, daß er auf der Priorität der kommerziellen gegenüber den Regierungs- schulden bestanden habe, während seine Rede tat­sächlich nur eine klare Darstellung der britischen Interessen enthalten habe. Das Blatt führt aus, die britischen Banken und britischen Kapitalanlagen sind vital an den Darlehen, interessiert, die Deutsch­land während der letzten Jahre erhalten hat. Sie sind daher zweifellos mehr interessiert an den Maß­nahmen, die ergriffen werden müssen, um dieses eingefrorene Kapital flüssig zu machen, als an der Zahlung von Reparationen. Sowohl zeitlich als auch ihrem Umfange nach haben die kommerziellen Schulden Priori­tät. Uebrigens haben die Bankiers dadurch, daß sie im Juli darauf verzichteten, aus ihre Forderungen zu bestehen, den Bankrott Deutschlands verhindert. Mit allem, erklärt „Times", ist aber nicht gesagt, daß die Wichtigkeit einer befriedigenden Regelung der Reparationen unbeachtet bleibt oder daß der Wunsch besteht, die Untersuchung der Fähigkeit Deutschlands zu Reparationen für weniger wichtig anzusehen als die Prüfung der kommerziellen Schulden. Die beiden Untersuchungen sollten in gleichem S chrltt vorwärts gehen, falls die zweckmäßigste Methode, sie in einer einzigen Untersuchung zu behandeln, nicht zur Anwendung gebracht werden kann. Ze eher eine solche Untersuchung angestellt wird, je eher wird es möglich sein, eine Konferenz aller interessierten Mäckte abzuhalten, die allein imstande ist, durch aemelnsame DeschlüNe das Finanz- und Wirtschafts­leben der Welt wieder normal zu gestalten.

kommissar für landwirtschaftliche Siedlungen in Preußen, Bollert, hat zwei Verordnungen erlassen, die der Erleichterung, Beschleunigung und Ver- ■biCigung des Verfahrens bei Siedlungsanträgen dienen sollen. Nach diesen Verordnungen ist der Vorsteher des Kulturamtes für die Erteilung der <Sieblungsgenebmigung in allen Fällen zuständig. Er setzt auch fest, ob und in welchem Maße dèr „ i ober zu den ie durch die Aenderung __________ „ emeinde-, Schul- und Kirchen­verhältnisse sowie für Verträge, die im öffent­lichen Interesse erforderlich werden. In dringenden Fällen kann er die Siedlungsgenchmiqung unter Vorbehalt erteilen. Im Verfahren zur Begründung von Siedlungen im Sinne des Reichsfisdlungs- gesetzes übt Vorsteher des Kulturmntes die landes­polizeilichen Befugnisse des Kulturpräsidenten aus. Ihm können auch ortspolizeiliche Befugnisse über­tragen werden.

nicht noch schlechter wird. Wir haben eine be- Antragsteller zu den Leistungen schränkte Kaufkraft im Ausland, und ich Kosten beizutragen hat, die burd hege die Hoffnung, daß wir uns diese Krafkraft für âr Neuerung der Gemeinde-, Sâ

notwendige Dinge aufheben und Luxus­waren weglassen. Auf jeden Fall hoffe ich, daß wir als vorläufigen Schritt das Unterhaus ausfordern werden, Vorschläge zu machen, die die Regierung in den Stand setzen, einen gewissen Teil unserer Kaufkraft für die wichtigsten Waren zu bewahren. Man muß Zeit haben, sich mit den führenden Wirt­schaftlern in Verbindung zu setzen. Das Hauptmit­tel, unsere Handelsbilanz ohne Opfer für unser Volk wiederherzustellen, ist, die Ausfuhr zu vergrößern und nicht die Einfuhr zu beschnei­den. Diese beiden Dinge sind nicht unvereinbar.

Sozialdemokvalen beim

-Kanzler

Wie das Nachrichtenbüro des VDZ. erfährt, wird voraussichtlich am Dienstag eine Besprechung der sozialdemokratischen Führer mit dem Reichs­kanzler Dr. Brüning stattfinden. Man ist bei der Sozialdemokratie der Auffassung, daß durch das .Äuftreten der Nationalsozialisten, bas auf der an« Das englische Unterhaus hat die Antwortadresse' deren Seite eine s " auf die Thronrede ohne Abstimmung angenommen, front aus der l

geschlossene Abwehr- Linken geschaffen habe, der

Oov-Konstan,ev Awrfchenfa«

Brüssel, 16. Nov. G ra f 6 e Looz Cors- warem, Rittmeister im Regiment „Guides" und Schriftführer des Fliegerklubs von Brüssel, dessen Name anläßlich der Festnahme antifaschistischer Flieger in Konstanz genannt wurde erklärte einem Vertreter Les „Soir, er -habe seit einiger Zeit Brüssel nicht verlassen. Vor kurzem habe er in Deutschland notlaNden müssen; die deutsche Polizei habe eine Untersuchung eingeleitet und seine Pa­piere eine Zeitlang behalten, de Looz vermutet, daß seine Papiere photographiert worden sind. Es wäre, wie er meint, dann möglich, daß der ver­haftete Pilot, der seinen Namen angenommen hatte, im Besitz von falschen, mit diesen Photo»

ist aber nicht gesagt, rledigenden Regelung